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Wer ist Hanna? [2011]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 14. Januar 2013
Genre: Thriller / Action

Originaltitel: Hanna
Laufzeit: 111 min.
Produktionsland: USA / Großbritannien / Deutschland
Produktionsjahr: 2011
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Joe Wright
Musik: The Chemical Brothers
Darsteller: Saoirse Ronan, Eric Bana, Cate Blanchett, Vicky Krieps, Tom Hollander, John Macmillan, Tim Beckmann, Paul Birchard, Jamie Beamish, Tom Hodgkins, Mohamed Majd, Michelle Dockery, Jessica Barden, Aldo Maland, Olivia Williams, Jason Flemyng


Kurzinhalt:
Die 16jährige Hanna (Saoirse Ronan) ist mit ihrem Vater Erik (Eric Bana) im Wald aufgewachsen. Er hat ihr beigebracht, wie sie von dem leben kann, was ihr die Natur bietet, wie sie jagt, unsichtbar wird und sich selbst verteidigt. Auch hat er ihr gezeigt, wie sie mit Waffen umzugehen hat und am effektivsten angreift – all das, damit sie sich eines Tages Marissa Wiegler (Cate Blanchett) stellen kann. Die CIA-Agentin ist schon seit Jahren auf der Suche nach Hanna und setzt alle Hebel in Bewegung, das Mädchen zu fassen zu bekommen, als sie erfährt, wo diese sich aufhält.
Doch weder Hannas, noch Wieglers Plan geht auf und so findet sich Hanna in Marokko wieder und muss, um zum vereinbarten Treffpunkt mit ihrem Vater in Berlin zu kommen, eine Reisemöglichkeit finden. Wiegler setzt indes den ehemaligen Agenten Isaacs (Tom Hollander) auf Hanna an, der seine eigenen Methoden hat, an Informationen zu kommen. Hanna steht indes ihre größte Prüfung erst noch bevor, denn weswegen Wiegler tatsächlich hinter ihr her ist, wird Hannas Welt erschüttern ...


Kritik:
Sieht man die jugendliche Hanna, wie sie zu Beginn des Films auf sich allein gestellt mit Pfeil und Bogen einen Hirsch erlegt und ihn ausweidet, überkommt uns nicht das Gefühl, dass allein die Tatsache, wozu sie in ihrem Alter in der Lage ist, falsch sein muss. Immerhin lebt sie fernab jeglicher Zivilisation, abgeschottet in der und durch die freie Natur. Sie hat es gelernt, für sich zu sorgen, notfalls auf sich allein gestellt. Und das Erlegen eines Tieres ist Teil eines solchen Lebens.
Sehen wir Hanna wenig später, wie sie zuerst einer Frau das Genick bricht, um dann die bewaffneten Wachen mit deren Waffen zu ermorden, scheint uns das allerdings falsch – und mit gutem Grund. Obwohl sie auch das Töten von Menschen ebenso erlernt hat. Für diesen Tag hat sie ihr Vater Erik Heller ihr ganzes Leben lang trainiert. Wer ist Hanna? richtet sich zu Recht an ein erwachsenes Publikum und selbst das dürfte es schwer haben, einer jugendlichen Darstellerin bei solchen Taten zuzuschauen. Man muss in der Lage sein, hinter diesen Aspekt zu blicken, ihn auszublenden, um den Thriller von Regisseur Joe Wright überhaupt durchstehen zu können. Lohnenswert ist dies allerdings einzig und allein auf Grund der Umsetzung, woran es merklich hapert sind die Ideen, die allesamt angedeutet, aber nicht ausgeführt werden.

Was Erik Heller (kantig verkörpert von Eric Bana) dazu veranlasst hat, mit Hanna zu fliehen, sie so rigoros vorzubereiten, um sie dann doch allein der Gefahr auszusetzen, beschäftigt die Geschichte in den gewohnten Etappen. Wenn man schließlich erfährt, dass außer Geheimdiensten auch die Veränderung von Hannas DNS eine Rolle spielt, ist es nicht schwer zu erraten, wohin die Reise führt und es gelingt den Autoren Seth Lochhead und David Farr auch nicht, eine interessantere und weniger vorhersehbare Auflösung zu finden. Was dazwischen geschieht beschreibt Hannas Reise nach Berlin, wo sie sich mit ihrem Vater treffen soll. Bis dahin begegnet sie einer skurrilen Familie und trifft in einem stillgelegten Vergnügungspark eine skurrile Kontaktperson, während die CIA-Agentin Marissa Wiegler die Jagd auf Hanna eröffnet. Dabei trifft die adrett gekleidete Agentin in Deutschland auf einen ebenfalls skurrilen Verbündeten, der wiederum mit zwei Helfershelfern Hanna nachstellt. Weswegen diese Gehilfen in Springerstiefeln mit Bomberjacken und beinahe kahl rasierten Schädeln dargestellt werden – also eigentlich ein Klientel, mit dem die CIA vermutlich nicht in Verbindung gebracht werden möchte – erschließt sich nicht bei Wer ist Hanna?. Vielmehr scheint es einem weiteren Klischee geschuldet, das allerdings weder notwendig ist, noch irgendeinen Sinn ergibt.

Es ist schwierig zu erahnen, worauf Regisseur Joe Wright letztendlich Wert legt: Kaum eine Figur ist mehr als die Summe bekannter Abziehbilder besserer Filme und vergleicht man die Actioneinlagen in Berlin mit der thematisch weit entfernten Verwandten Bourne-Trilogie, hat Wer ist Hanna? auch wenn es um eine packende Umsetzung geht deutlich das Nachsehen.
Stattdessen überzeugen Wrights zum Teil malerische Aufnahmen, die Gegensätze, die er zwischen dem verschneiten Wald in Finnland, der überhaupt nicht einschätzbaren Sterilität der CIA-Forschungseinrichtung und der kargen Landschaft Marokkos findet. Auch unterstützt der sehr elektronische Score der Chemical Brothers gekonnt die Atmosphäre, welche die Macher wohl erzeugen wollten. Es gelingt ihnen durchweg, dass wir das Gefühl bekommen, einen Film zu sehen, der einfach "anders" ist, als übliche Hollywood-Thriller. So weit so gut, aber wenn all das zu keinem vernünftigen Ergebnis führt, oder aber dem Genre eine neue Facette verleihen kann, sind alle bizarren Figuren, das gelungene Design und die sehr gute Optik, am Ende doch vergebens.


Fazit:
Die Elemente des Thrillers erwecken den Anschein, als wären sie einem Roman entnommen und so stark gestrafft, dass viele der Details keinen Sinn ergeben, beziehungsweise Abschnitte dazwischen einfach fehlen. Sei es, dass Hanna in Finnland aufgegriffen, nach Marokko gebracht wird und von dort im Nu den Weg nach Berlin findet. Oder dass manche Opfer, die erbracht werden, völlig umsonst geschehen. Auch die seltsame Kombination der verschiedenen Gruppierungen, von der CIA bis hin zu Isaacs' eindeutig gekleideten Helfern ist hier zu nennen. Doch das Drehbuch basiert in der Tat nicht auf einer Buchvorlage.
Von den Darstellern überzeugt insbesondere die junge Saoirse Ronan mit ihrem erbarmungslosen Auftreten, zumal sie auch körperlich stark gefordert ist. Aber auch Eric Bana und Cate Blanchett verleihen ihren Figuren mehr Tiefe, als das Drehbuch ihnen zugesteht. Wer ist Hanna? versucht, mit allseits skurrilen Elementen und einer tollen Umsetzung zu verschleiern, dass die Ideen dahinter abgegriffen und nicht überraschend sind. Das ist über weite Strecken zumindest unterhaltsam, aber nie wirklich spannend und so bleibt am Ende das Gefühl, als hätte man einen besseren Film gesehen, als es tatsächlich einer ist.


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