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Wenn ich bleibe [2014]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 05. Mai 2015
Genre: Drama / Liebesfilm

Originaltitel: If I Stay
Laufzeit: 107 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2014
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: R.J. Cutler
Musik: Heitor Pereira
Darsteller: Chloë Grace Moretz, Jamie Blackley, Mireille Enos, Joshua Leonard, Liana Liberato, Stacy Keach, Gabrielle Rose, Jakob Davies, Ali Milner, Aisha Hinds, Gabrielle Cerys Haslett, Lauren Lee Smith


Kurzinhalt:

In einem Moment ist Mia (Chloë Grace Moretz) ein ganz normaler Teenager, die mit ihren Eltern Denny (Joshua Leonard) und Kat (Mireille Enos) und ihrem Bruder Teddy (Jakob Davies) im Auto sitzt und sich fragt, ob sie an der Musikschule angenommen wird und ob sie mit ihrer großen Liebe Adam (Jamie Blackley) wieder zusammen kommen wird, auch wenn sie sich gerade getrennt haben. Im nächsten Moment sieht Mia sich selbst neben dem Autowrack liegen und muss erkennen, dass das Leben so wie sie es kannte, für immer vorbei ist. Im Krankenhaus angekommen sieht sie, wie die Ärzte um ihr Leben kämpfen und wie sich ihr Großvater (Stacy Keach) und andere Verwandte nach der Tragödie einfinden. Während Mia sich an ihre Zeit mit Adam erinnert, schwinden ihre Kraft und ihr Mut aufzuwachen und weiterzuleben immer mehr ...


Kritik:
Wenn ich sagen würde, dass Wenn ich bleibe eine Schnulze ist, die stark auf die Tränendrüsen drückt, dann hat diese Aussage einen negativen Beigeschmack. Dabei ist es nicht abwertend gemeint. Die Geschichte der Cello spielenden, jungen Mia und dem etwas älteren Adam, der mit seiner Band erfolgreich ist, ist eine Schnulze. Sogar eine sehr gelungene. Aber auch wenn Regisseur R.J. Cutler die richtigen Töne trifft, es ändert nichts daran, dass sein Film viele Klischees aufwärmt und nur wenig Neues bietet.

Am verwirrendsten ist dabei, dass Wenn ich bleibe durch viele Rückblenden erzählt wird, die nicht notwendigerweise in der richtigen Reihenfolge sind. Wenn wir Mia treffen, wartet sie auf einen Brief in der Hoffnung, dass sie an einer prestigeträchtigen Musikschule angenommen wird. Verkörpert von der leicht unterkühlt erscheinenden, aber immens wandlungsfähigen Chloë Grace Moretz, ist Mia ein typischer Teenager – umso mehr, da sie sich offensichtlich von ihrer ersten großen Liebe Adam getrennt hat. Noch bevor sie mit ihrem kleinen Bruder Teddy und ihren Eltern in einen tödlichen Autounfall verwickelt wird, beginnt Mia, sich zu erinnern, wie sie Adam kennen gelernt hat.

Dabei kommentiert Mia das Geschehen, noch bevor sie durch den Unfall in einen Zustand zwischen Leben und Tod gerissen wird. Wir sehen sie bei ihrer Familie aufwachsen, die vom normalen, amerikanischen Rollenmodell nur auf den ersten Blick sehr weit entfernt ist: Ihr Vater war selbst Musiker, gab diese Leidenschaft aber für die Familie auf und wurde Lehrer. Mias Mutter ist wie ein Fels in der Brandung und immer da, um ihr im rechten Moment beizustehen. Ihr kleiner Bruder ist nie so anstrengend oder aufmüpfig, wie man kleine Brüder für gewöhnlich in Erinnerung hat. Es ist eine sympathische Familie, deren Erlebnisse und Erfahrungen sich in ihrem Haus widerspiegeln. Die einnehmende, gemütliche Atmosphäre wird durch die vielen Weichzeichner noch unterstützt, mit denen R.J. Cutler seinen Film erzählt.

Aber so gelungen bei Wenn ich bleibe die Szenen mit Mias Eltern oder (in der zweiten Filmhälfte) ihren Großeltern sind – Stacy Keachs Szene an Mias Bett gehört zu den besten und bewegendsten des Films –, eine Liebesgeschichte steht und fällt mit dem Liebespaar im Zentrum. Dabei entwickeln Moretz und Jamie Blackley als Adam eine stimmige Chemie miteinander, doch die Dialoge um das Leben und die Zukunft klingen, als hätte ein Erwachsener die Texte für Heranwachsende geschrieben und sie ihnen zum Vortragen gegeben. Inhaltlich ist das nicht schlecht, doch es klingt sehr künstlich und erinnert stark an viele andere Geschichten dieser Art. Dass Adam in einer Szene wie ein Teenager wirkt, in der nächsten wie Ende 20, verstärkt diesen Eindruck nur noch.

Wenn ich bleibe nutzt Mias Cello und Adams Gitarre, um seinem Publikum vor Augen zu führen, dass auch Dinge, die unvereinbar scheinen, zusammenspielen und harmonieren können. Gemeinsam sind sie sogar in der Lage, vielschichtigere Stücke zum Leben zu erwecken, als allein. Diese in Bezug auf menschliche Charaktere lebensbejahende Aussage ist nicht nur wichtig, sondern einfach schön. Allerdings hätte man das auch ohne die zahlreichen Musikeinlagen erzählen können, die sich zum größten Teil auf Adams Band konzentrieren und den Eindruck erwecken, als wollten die Filmemacher hier unbedingt einen Soundtrack vermarkten. So wirken das erste und das letzte Drittel stimmiger und der Mittelteil etwas zu lang.


Fazit:
Zwischen Leben und Tod erzählt Mia ihre Geschichte und sucht trotz allem, was sie in dem Unfall verloren hat, nach einem Grund, weiterzuleben. Das klingt nicht nur kitschig, sondern das ist es auch, zumal die Dialoge von Mia und Adam nicht dem Alter der Figuren angemessen sind. Das (vornehmlich weibliche) Teenager-Zielpublikum wird das jedoch nicht stören, ganz im Gegenteil und wer sich auf Wenn ich bleibe als sympathisch gespielte Schnulze einlässt, wird genau das bekommen.
Das ist, wie schon erwähnt, nicht negativ gemeint. Zwar sind die Figuren nicht so originell, wie man sie sich wünschen würde, aber sie wachsen einem ans Herz und wenn Mia und ihre Familie unter dem Verlust leiden, leidet man mit ihnen. Ein mutiges Ende, wie beispielsweise bei Stadt der Engel [1998], hätte die Geschichte dabei zwar veredelt, aber es hätte auch ihre Aussage verändert. Manchmal erfordert es mehr Mut, weiterzumachen und nicht aufzugeben.    


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