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Wenn du König wärst [2019]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 5. April 2019
Genre: Fantasy / Action / Komödie

Originaltitel: The Kid Who Would Be King
Laufzeit: 123 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2019
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Joe Cornish
Musik: Electric Wave Bureau
Darsteller: Louis Ashbourne Serkis, Dean Chaumoo, Tom Taylor, Rhianna Dorris, Denise Gough, Angus Imrie, Rebecca Ferguson, Patrick Stewart, Genevieve O'Reilly, Nathan Stewart-Jarrett, Noma Dumezweni, Mark Bonnar


Kurzinhalt:

Nachdem er seinem treuen Freund Bedders (Dean Chaumoo) geholfen hat, sich gegen die größeren Mitschüler Lance (Tom Taylor) und Kaye (Rhianna Dorris) zu wehren, ist Alex (Louis Ashbourne Serkis) selbst in ihr Fadenkreuz geraten. Alle drei müssen nachsitzen und auf dem Nachhauseweg stolpert Alex in einer Baugrube über ein Schwert, das in einem Stein steckt, und das er herauszieht. Kurz darauf stellt sich Alex und Bedders der eigentümliche Junge Mertin (Angus Imrie) vor, der niemand geringeres ist, als der Zauberer Merlin (Patrick Stewart). Das Schwert, das Alex herausgezogen hat, ist Excalibur und er selbst damit der Nachfolger von König Artus und rechtmäßiger König. Das allein wäre bereits unglaublich genug, würde zu einer Sonnenfinsternis in wenigen Tagen nicht Artus’ Halbschwester Morgana (Rebecca Ferguson) aus dem Unterreich zurückkehren und ihren Platz auf dem Thron einfordern. Mit der Macht von Excalibur könnte sie das Land unterwerfen – es liegt an Alex, Lance und Kaye für sich zu gewinnen und mit ihnen, zusammen mit Bedders und Merlin, Morgana ein für allemal zu besiegen …


Kritik:
Selbst wenn man zu denen gehörte, die mit dem Abenteuer-Klassiker Die Goonies [1985] aufgewachsen sind – und ein wenig scheint Joe Cornishs zu langer Fantasy-Kinderfilm Wenn du König wärst wie eine Kreuzung daraus mit der König Artus-Sage –, es kommt irgendwann der Punkt, an dem solche Filme für eine andere Generation gemacht sind. Deshalb sind sie nicht besser oder schlechter, aber es fällt schwerer, sie zu bewerten. Im vorliegenden Fall umso mehr, da die Macher die fantasievolle Geschichte mit hochaktuellen Themen verknüpfen. Aber die dürfte das Zielpublikum kaum verstehen.

Der animierte Prolog erklärt dabei, dass König Artus und seine Ritter nicht nur existiert haben, sondern sie mit seiner Halbschwester Morgana zu kämpfen hatten, die mit dunkler Magie ihren rechtmäßigen Platz auf dem Thron einfordern wollte. Mit großem Aufwand und nur mit vereinten Kräften des Zauberers Merlin gelang es, Morgana in die Unterwelt zu verbannen. Sie würde zurückkehren, wenn die Welt im Chaos versinkt und es keine starken Anführer gibt. Aber so wie sie, würde auch das Schwert Excalibur zurückkehren, das nur vom einstigen und künftigen König aus dem Stein gezogen werden könnte, um das Land zu vereinen und vor der Gefahr zu retten.
Auch wenn das Wort „Brexit“ kein einziges Mal fällt, erwähnt Wenn du König wärst explizit ein gespaltenes Land, ein gespaltenes Europa und eine eklatante Führungsschwäche, dann sind die Parallelen zu offensichtlich, um sie zu ignorieren. Es ist überraschend und auch erfreulich, dass sich die Filmemacher eine solche Bühne aussuchen, um das sehr reale Drama, das sich bezogen auf den Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union immer noch abspielt und noch über Jahre hin abspielen wird, zu kommentieren.

Die eigentliche Geschichte dreht sich um den Jungen Alex, der nach einiger Zeit an der weiterführenden Schule feststellen muss, dass er und sein Freund Bedders nicht mehr an der Spitze der Hierarchie stehen. Bedders wird von zwei größeren Schülern, Lance und Kay, gemobbt und als sich Alex für seinen Freund einsetzt, widerfährt ihm dasselbe Schicksal. Als er vor den beiden wegläuft, stolpert Alex in eine Baustelle und findet dort Excalibur. Kurz darauf erscheint ein sich seltsam verhaltender neuer Mitschüler an der Schule und ehe er sich versieht, erfährt Alex, dass er der wahre König ist und in vier Tagen Morgana zurückkehren wird, um die Weltherrschaft an sich zu reißen und Großbritannien zu versklaven.
Wenn ein Kind heute glauben würde, oder man es glauben machen wollte, König Artus’ legitime Nachfolge anzutreten, könnte das viele witzige und ungläubige Momente bescheren. Aber die meisten, an denen sich Wenn du König wärst versucht, versanden auf eine platte Art und Weise. Zwar gelingen einige der hintersinnigen Kommentare – beispielsweise wie der zurückgekehrte Zauberer Merlin seine schwindenden Kräfte mit einem Mix aus Käferblut, Biberurin und gemahlenen Tierknochen dank Fast Food mühelos auffüllen kann – aber ein überwiegender Teil des Humors ist merkbar oberflächlich.

Dafür sind die Aussagen, die Regisseur Joe Cornish treffen möchte, gut herausgearbeitet. Alex gelingt es, aus seinen Feinden Verbündete zu machen, wie auch Artus zuvor. Er muss auch seine übrigen Mitschüler auf seine Seite bringen, will er Morgana besiegen können. Zauberer Merlin, der hier für die meisten Lacher sorgt, ist nicht in allen brenzligen Situationen die letzte Rettung, sondern weist dem Helden und seinen Gefährten lediglich den Weg, so dass sie ihre Bestimmung erfüllen können. Ihnen gegenüber steht Morgana mit einer Armee aus Untoten, den Mortes Milles, gefallenen Kriegern, die nur aus Knochen bestehen, aber mit feuerglühenden Augen gefährlich aussehen. Insbesondere, da sie auf feuerspeienden Pferden reiten. Da die Mortes Milles nur von Sonnenunter- bis Sonnenaufgang erscheinen können, finden die meisten Actionszenen im Dunkeln statt. Das macht es mitunter schwer zu erkennen, was wem tatsächlich passieren soll. Statt dass Alex und seine Gefährten von ihnen auf die Probe gestellt, ihre laut Morgana bestehenden Charakterschwächen als Quell der Stärke entdeckt werden, wiederholen sich die Konfrontationen inhaltlich nur. Hier offenbart sich ein weiteres Problem: Die Szenen sind arg düster, zu bedrohlich für ganz junge Zuschauerinnen und Zuschauer. Gleichzeitig ist der Abenteuerfilm aber phasenweise ziemlich sentimental und vermutlich zu rührselig für ein älteres Kinderpublikum.

Einige Landschaftsaufnahmen sind gelungen eingefangen und es gibt teils tolle Perspektiven. Dennoch sind die meisten Tricks leider allzu offensichtlich. Filmemacher Joe Cornish ist sichtbar bemüht, auf humorvolle Art und Weise eine epische Fantasy-Geschichte zu erzählen. Aber Wenn du König wärst wächst handwerklich nie über eine TV-Produktion hinaus, was auch an der Synthiepop-lastigen Musik liegt. Mit Aussagen wie „ein Land ist nur so gut wie seine Anführer“ veredelt Patrick Stewart als Zauberer Merlin die Besetzung zwar, selbst, wenn seine Auftritte überaus kurz sind. Aber obwohl er der Geschichte damit eine nicht zu überhörende Botschaft verleiht, Tiefe verleiht er ihr nicht.


Fazit:
Wenn das Finale in der Schule beginnt, kommt die fantasievolle Atmosphäre, welche die Macher von Beginn an erhofft haben, endlich in Fahrt. Aber während einem jugendlichen Publikum Alex und seine Bestimmung zu brav ausfallen dürfte, ist das Gezeigte für Kinder unter 10 Jahren an sich schlicht zu düster. Obwohl das Fantasy-Abenteuer mit seinen Aussagen eher für ein ganz junges Publikum geeignet ist. Die Botschaft, dass die wahre Macht und die Zukunft in die Hände der Generation gehört, die sie auch erleben wird, ist richtig und wichtig. Nur richtet sich die weniger an das eigentliche Ziel-, als an die erwachsenen Zuseherinnen und Zuseher. Insofern ist es überaus schwierig, die Frage zu beantworten, für wen sich Wenn du König wärst überhaupt eignet. Für ein junges, aber nicht zu junges Kinderpublikum dürfte der Fantasy-Film durchaus unterhaltsam sein und er hat mit seinen Feststellungen das Herz am rechten Fleck. Vielleicht weckt er bei dem ein oder anderen Kind sogar das Interesse an der König Artus Sage – oder daran, irgendwann als Anführer/in nicht auf eine Spaltung der Gesellschaft, sondern gleichberechtigte Zusammenarbeit zu setzen. So wie Alex und vor ihm Artus hier. Vielen Erwachsenen würde es nicht schaden, sich diese Tugenden gerade in der heutigen Zeit und Welt regelmäßig vor Augen zu führen.
 


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