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Was passiert, wenn's passiert ist [2012]

Wertung: 2 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 13. August 2012
Genre: Komödie / Liebesfilm

Originaltitel: What to Expect When You're Expecting
Laufzeit: 110 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2012
FSK-Freigabe: ohne Altersbeschränkung

Regie: Kirk Jones
Musik: Mark Mothersbaugh
Darsteller: Cameron Diaz, Matthew Morrison, Jennifer Lopez, Rodrigo Santoro, Elizabeth Banks, Ben Falcone, Anna Kendrick, Chace Crawford, Dennis Quaid, Brooklyn Decker, Chris Rock, Joe Manganiello, Rob Huebel, Thomas Lennon, Amir Talai, Rebel Wilson, Wendi McLendon-Covey


Kurzinhalt:
Gary (Ben Falcone) und die Ratgeber-Autorin Wendy (Elizabeth Banks) versuchen schon seit Jahren, schwanger zu werden – nicht nur, damit Wendy überhaupt weiß, worüber sie schreibt. Nachdem sie die minutengenaue Planung endlich über Bord werfen und es gelingt, wollen sie Garys Vater Ramsey (Dennis Quaid) die Nachricht überbringen. Da hat der ehemalige Rennfahrer zusammen mit seiner neuen Frau Skyler (Brooklyn Decker), selbst deutlich jünger als Gary, eine noch erfreulichere Nachricht: Skyler ist ebenfalls schwanger. Und was den wettkampflüsternen Ramsey noch mehr freut, es werden Zwillinge.
Skylers Cousine Rosie (Anna Kendrick) stellt nach einem One-Night-Stand mit Marco (Chace Crawford) fest, dass sie schwanger geworden ist, doch so überraschend es für beide kommt, so überfordert sind sie mit der Erkenntnis auch. Die Fotografin Holly (Jennifer Lopez) kann keine Kinder bekommen und hat mit ihrem Mann Alex (Rodrigo Santoro) darum eine Adoptionsagentur bemüht. Aber auch wenn Alex sich auf das alles einlässt, ob er wirklich bereit ist, Vater zu werden, weiß er nicht. Währenddessen hat das Promi-Pärchen Jules (Cameron Diaz) und Evan (Matthew Morrison) damit zu kämpfen, dass sie unterschiedlicher Auffassung sind, was mit ihrem Sohn nach der Geburt geschehen soll ...


Kritik:
Der Ratgeber Schwangerschaft und Geburt [1984] von Autorin Heidi Murkoff zählt zu den einflussreichsten Werken seiner Art. Als Ratgeber fehlt ihm verständlicherweise eine Story, auch wenn es einen roten Faden – nämlich die Schwangerschaft mit der daran anschließenden Geburt – geben muss. Für die Kinoadaption Was passiert, wenn's passiert ist haben sich die Macher so etwas wie eine Geschichte einfallen lassen. Sie begleiten fünf Paare auf ihrem neunmonatigen Weg in den Kreißsaal, wobei manche Paare die Höhen und Tiefen jener Zeit anders wahrnehmen, als andere. Das gab es schon unzählige Male zuvor, und meist deutlich witziger – nur warum sollte eine Schwangerschaft zwangsläufig humorvoll sein? Was Kirk Jones' Liebeskomödie vollkommen abhandenkommt ist jegliche inhaltliche Bedeutsamkeit.

Stattdessen sehen wir eine Besetzung, die aus sorgenfreien Menschen besteht. Wendy ist Autorin des Ratgebers zum natürlichen Stillen (ohne je ein Kind bekommen zu haben) und mit dem Zahnarzt Gary verheiratet. Seit Jahren sind sie darauf aus, dass sie schwanger wird und haben sogar die Wecker nach ihrem Eisprung gestellt. Garys Vater Ramsey ist mit Skyler verheiratet – die 15 Jahre jünger ist, als sein eigener Sohn. Als ehemaliger Rennfahrer hat Ramsey finanziell ausgesorgt und Skyler bekommt sogar Zwillinge. Der ewige Wettstreit, den er mit Gary veranstaltet geht sogar bis auf die Entbindungsstation. Die Fernsehmoderatorin Jules hat Evan bei einer TV-Tanzshow kennengelernt. Ihre Schwangerschaft war zwar nicht geplant, doch lässt sich dies sogar mit ihrer Arbeit vereinbaren. Marco und Rosie hatten einen One-Night-Stand, von dem sie schwanger geworden ist. Dass beide ratlos sind angesichts ihrer Situation ist nicht verwunderlich. Und zu guter Letzt kann die Fotografin Holly mit ihrem Mann Alex keine Kinder bekommen und wendet sich darum an eine Adoptionsagentur.

Die verschiedenen Handlungsstränge bei Was passiert, wenn's passiert ist sind nicht im klassischen Sinne miteinander verwoben, auch wenn sich manche Figuren treffen und buchstäblich die Klinke in die Hand geben. Wie ihre Geschichten zusammenhängen wird zwar erläutert, aber wirklich wichtig ist es nicht. Die größte Schwierigkeit ist es, dass es so viele Figuren gibt. Nicht nur, dass fünf Pärchen beschäftigen werden müssen, Alex gesellt sich, als klar wird, dass die Adoption schneller voranschreitet als geplant, zu einem so genannten Vater-Club, bei dem sich vier Männer mit ein oder mehreren Kindern zu einem Nachmittag im Park treffen. Dort lamentieren sie über die üblichen Wehwehchen, pflegen ihr geknicktes Macho-Image und ergötzen sich gleichzeitig in ihrem Bekannten Davis, der im Park trainiert und scheinbar den Traum eines jeden unabhängigen Mannes lebt. Er ist eine Fantasie, der sie vor ihrer Vaterschaft schon nicht entsprochen haben, und jetzt ebenso wenig. Auch hier treffen sich namhafte Darsteller, um One-Liner mit absehbaren Pointen zum Besten zu geben. Doch zu tun bekommt letztlich kaum jemand etwas.

Die Charaktere pendeln zwischen karikaturenhaften Extremen. Sei es die babyvernarrte Wendy, deren Schwangerschaft mit allen Beschwerden einherzugehen scheint, die je ein Textbuch dazu erfasst hat. Das geht soweit, dass sie ihren Verdauungstrakt während einer Buchlesung nicht mehr kontrollieren kann – sehr zum Leidwesen der Anwesenden. Oder Ramseys Frau Skyler, die im neunten Monat in Stöckelschuhen balancieren kann und deren erstes Kind bei einem Niesen beinahe unbeobachtet zur Welt kommt. Der Sohn von Vater-Club-Mitglied Vic scheint nur dann aufzublühen, wenn er irgendwo hinfällt oder ihm etwas auf den Kopf fällt – als Warnung für die Zuschauer, dass Übervorsicht mitunter auch unnötig sein kann. Jules und Evan streiten sich hingegen über die mögliche Beschneidung ihres Sohnes nach der Geburt, ohne das Thema jedoch nur annähernd zu diskutieren. Die Oberflächlichkeit von Was passiert, wenn's passiert ist endet erst mit Hollys und Alex' Adoption, die zumindest gelegentlich Einblick in die Unsicherheit der werdenden Eltern offenbart. Dass sie ihren Job verliert und damit die finanzielle Zukunft der Familie bedroht ist, umgeht der Film gekonnt durch einen märchenhaften Einfall. Einer der wenigen guten Momente wird Rosie und Marco zuteil, die eine der schlimmsten Befürchtungen werdender Eltern erleben.

Doch am Ende reichen diese wenigen Ideen nicht, um aus Was passiert, wenn's passiert ist einen guten oder sehenswerten Film zu machen. Dass die Beteiligten ihren Spaß am Dreh hatten, möchte man ihnen nicht streitig machen, und es liegt sicherlich nicht an ihnen, dass trotz allem eine Ansammlung bekannter Klischees herausgekommen ist. Aber ein Großaufgebot an Stars nützt allein nichts, wenn sie nicht gefordert werden. Dass Jennifer Lopez eine so gute Figur abgibt, liegt letzten Endes weniger an ihr, als daran, dass ihr Charakter zumindest eine kleine Entwicklung erleben darf. Ebenso verhält es sich bei Anna Kendrick und Chace Crawford, denen man zumindest eine gewisse Chemie zusprechen kann.


Fazit:
Eine wörtlichere Übersetzung des Originaltitels, "Was man zu erwarten hat, wenn man in (freudiger) Erwartung ist" würde für viele amüsante Kombinationen und Pointen bei der Filmbesprechung sorgen. Denn was man angesichts der namhaften Beteiligten erwarten konnte, erwartet einen hier leider nicht. Dass man nicht unbedingt ein zermürbendes Drama aus der Schwangerschaft und der Geburt machen muss, steht außer Frage. Doch Regisseur Kirk Jones verliert sich in bedeutungslosen Aussagen, die zusammengenommen viel schlimmer sind. Die Charaktere sind so stark überzeichnet, dass sie Karikaturen gleichen, die Aufteilung auf insgesamt fünf Paare beraubt jede Figur irgendeiner Tiefe und begibt sich Was passiert, wenn's passiert ist im letzten Drittel in den Kreißsaal, sieht man die üblichen, kreischenden Gesichter von hochgeschminkten Hollywoodstars, die bei den Geburten ihrer eigenen Kinder vermutlich ganz anders ausgesehen haben.
Wer also hofft, einen Ratgeber in unterhaltsamer Form präsentiert zu bekommen, der sollte weiter danach Ausschau halten. Durch die realitätsfremden Dialoge und die unwirklichen Figuren funktioniert der Film weder als Komödie, noch als Liebesgeschichte. Da helfen auch die wenigen guten Momente nicht.


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