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Wall Street [1987]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 02. September 2010
Genre: Drama

Originaltitel: Wall Street
Laufzeit: 126 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1987
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Oliver Stone
Musik: Stewart Copeland
Darsteller: Michael Douglas, Charlie Sheen, Martin Sheen, Daryl Hannah, John C. McGinley, Terence Stamp, Hal Holbrook, James Spader, James Karen, Sean Young, Leslie Lyles, Tamara Tunie, Franklin Cover, Chuck Pfeiffer, Frank Adonis, John Capodice, Sylvia Miles


Kurzinhalt:
Der junge Broker Bud Fox (Charlie Sheen) träumt davon, eines Tages so einflussreich wie der Wall Street-Titan Gordon Gekko (Michael Douglas) zu sein. Seit Wochen ruft er täglich in dessen Büro an mit der Bitte um eine Unterredung. Irgendwann ist es endlich soweit und dank einer Insiderinformation seines Vaters Carl (Martin Sheen), setzt Bud auf eine Fluggesellschaft und bringt Gekko einen ordentlichen Profit ein. Daraufhin soll Bud Gekko weitere Informationen, unter anderem zu Gekkos Mitstreitern beschaffen.
Ehe er sich versieht, findet sich Bud in der Welt der Großverdiener wieder mit Darien Taylor (Daryl Hannah) an seiner Seite. Doch muss er erkennen, dass Gekko mehr im Schilde führt, als er preisgibt und für den Multimillionär das Geld und das Gänsehautgefühl des Spiels mehr wert ist, als die Existenzen, die hinter den Firmennamen auf den Kurstafeln stehen ...


Kritik:
"Gier ... ist gut." Sätze wie dieser könnten heute von großen Finanzhaien ausgesprochen werden, die für die weltweit größte Finanzkrise mitverantwortlich sind. Regisseur Oliver Stone legt diese Worte Gordon Gekko in den Mund, jenem fiktiven self-made Multimillionär, der mit Wall Street zu einer Leitfigur für eine ganze Generation Banker geworden scheint. Gekko hat alles, was man sich nur träumen kann, Frauen, Geld im Überfluss, und vor allem die Macht, die Börse und damit die internationale Finanzwelt, auf eine Achterbahnfahrt zu schicken. Eine Million Dollar sind Spielgeld, so viel Geld wie man im Leben nicht ausgeben kann bei weitem nicht genug und ein Gewinn erst dann lukrativ, wen man alte Feindschaften damit öffentlich vorführen kann. Für den jungen Bud Fox (überzeugend naiv verkörpert durch Charlie Sheen) ist Gekko mehr als nur ein Idol. Für eine Audienz muss er sich monatelang anstrengen und bekommt nur fünf Minuten zugestanden, in denen er Gekko überzeugen soll, Bud als Broker anzuheuern. Dafür verstößt Bud auch gegen die goldene Regel beim Aktienhandel: er nutzt Insiderinformationen. Das Geld ist schnell verdient und riecht nach mehr. Der Strudel aus Sex, Drogen, Macht und Geld zieht Bud in Gekkos Bann. Es ist leicht zu verstehen, was man an dem unerschöpflichen Reichtum eines Gordon Gekko verlockend finden kann und an sich ist Bud auch kein Vorwurf zu machen, dass er darauf hereinfällt. Als Zuschauer weiß man, dass Menschen wie Gekko kleine Fische wie Bud nur so lange am Haken zappeln lassen, wie sie Geld abwerfen. Wer glaubt, man könne einen Wall Street-Magnaten durchschauen, wisse immer, was dieser plant, der unterschätzt, wie weitläufig sein Einfluss sein muss, um überhaupt erst dorthin gekommen zu sein.
Mit Wall Street wirft Oliver Stone einen Blick auf den weltweit einflussreichsten Aktienmarkt und das zu einer Zeit, als es keinen Fernsehsender gab, der rund um die Uhr vom Geschehen an der Börse berichtete. Seine Figuren erleben, wie Macht korrumpieren kann. Einerseits korrumpiert sie Bud Fox, der geblendet von Versprechen aus dem Blick verliert, dass es um die Menschen und nicht um den Profit gehen sollte. Aber auch Gordon Gekko wird als Person beleuchtet, die auch nach beinahe 20 Jahren im Geschäft immer noch nicht verwunden hat, dass er auf Grund seiner Herkunft aus bescheidenen Verhältnissen abschätzig behandelt wurde. Seine Handlungen, sein Einkauf in verschieden Vorstände sind nicht durch ein größeres Ziel motiviert, sondern einzig dadurch, dass diejenigen ihm nun "die Stiefel lecken", wie er selbst sagt, die ihn früher nicht einmal angesehen hatten. Es schwingt eine Bitterkeit in seinen Offenbarungen mit, die er unter dem Reichtum zwar begräbt, aber nicht ersticken kann.

Angesichts der finanziellen Entwicklungen der letzten Jahre mag man sich kaum vorstellen, dass Wall Street vor so langer Zeit entstand und es scheint unsinnig, dass niemand Stones Warnungen ernst genommen hatte. Mehr noch, Oliver Stone erzählte in einem Interview sogar bestürzt, dass in den Finanzkreisen Gordon Gekko als Paradebeispiel hergenommen wird.
Insofern bleibt der Film aus inhaltlicher Sicht brisant und aktuell, auch wenn die Präsentation eindeutig ein 1980er Jahre Flair mit sich bringt. Frisuren, Modetrends, Handys – die damals technischen Neuerungen sorgen heute eher für Schmunzeln und auch Daryl Hannahs Darbietung ist seither nicht besser geworden. Dafür mimt der oscarprämierte Michael Douglas Gekko fulminant und beängstigend zugleich, Martin Sheen bildet zu ihm einen eindrucksvollen Gegenpol und hinter John C. McGinleys Charakter verbirgt sich Bud, der sich einen moralischen Selbstwert erhalten hat. Die Besetzung ist bestechend und durch die stilistisch einschlägige Umsetzung der Zeit, in der er entstand, wirkt Wall Street aus heutiger Sicht noch prophetischer. Das ruhige Dialogdrama ist clever erdacht und für aufmerksame Zuschauer nicht zu lang. Es muss einen zurückblickend wütend machen, dass Gordon Gekko in der Finanzwelt seither als Vorbild, statt als abschreckendes Beispiel hergenommen wurde.


Fazit:
Gordon Gekko ist nicht der Teufel. Regisseur Oliver Stone macht dies recht deutlich, immerhin beschwert sich niemand, um den er sich kümmert. An sich ist Gekko sogar zu bemitleiden, denn er wird nie erreichen, was ihn antreibt – denn er weiß es selbst nicht. Auch verteufelt Wall Street die New Yorker Finanzwelt nicht, immerhin stehen diejenigen Broker, die sich um die Menschen und die Produktionswerte hinter den Wertpapieren kümmern (wie Hal Holbrooks Charakter) am Schluss ebenso gut da wie zu Beginn. Der Film prangert vielmehr das gewissenlose Anhäufen von Geld um des Geldes Willen an und ein Abstreifen jeder moralischer Richtlinien währenddessen.
Exzellent gespielt von Michael Douglas, hinter dem Charlie Sheen verständlicherweise blass erscheint, wirkt allenfalls die Liebesgeschichte aufgesetzt und zu stark unterkühlt. Überhaupt scheint Stone kein sehr gutes Gespür für das emotionale Verhalten der Figuren untereinander zu haben. Auch wenn das Aussehen von Wall Street in den letzten 20 Jahren gelitten haben mag, vielleicht erscheint der brisante und aktuelle Inhalt heute gerade deshalb wie eine düstere Prophezeiung.


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