skip to content

Unknown User 2: Dark Web [2018]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 24. November 2018
Genre: Thriller / Horror

Originaltitel: Unfriended: Dark Web
Laufzeit: 92 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2018
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Stephen Susco
Darsteller: Colin Woodell, Stephanie Nogueras, Betty Gabriel, Rebecca Rittenhouse, Andrew Lees, Connor Del Rio, Savira Windyani, Douglas Tait, Bryan Adrian, Chelsea Alden, Alexa Mansour


Kurzinhalt:

Als er den gebrauchten Laptop startet, den er seit Kurzem sein Eigen nennt, muss Matias (Colin Woodell) feststellen, dass darauf alle möglichen Konten des Vorbesitzers für Soziale Medien und andere Dienste verknüpft sind. Da er sich mit seiner Freundin Amaya (Stephanie Nogueras) gestritten hat, stellt er jedoch seine Recherchen diesbezüglich hinten an. Gleichzeitig ist an sich ein Spieleabend mit Matias’ Freunden vorgesehen, der jedoch auf eine Videokonferenz verlagert wird. Doch schon kurz nach deren Beginn, gibt es wiederholt Fehlfunktionen bei dem neuen Laptop. Mit Damons (Andrew Lees) Hilfe findet Matias heraus, dass der Speicher des Geräts randvoll mit ominösen Videodateien ist. Kurz darauf müssen sie feststellen, dass der Vorbesitzer im Dark Web tätig war und an grausamen Verbrechen beteiligt ist. Schlimmer noch, droht er Matias, sowohl Amaya als auch seine Freunde umzubringen, wenn Matias nicht tut, wie ihm befohlen wird …


Kritik:
Nach dem kommerziell überaus erfolgreichen Horrorfilm Unknown User [2014] folgt mit Unknown User 2: Dark Web eine auf die gleiche Art und Weise erzählte, aber inhaltlich losgelöste Fortsetzung, die im Grunde kein Horrorfilm ist. Je weiter sich die Geschichte entfaltet, umso klarer wird, dass Drehbuchautor und Regisseur Stephen Susco im Grunde einen Thriller erzählt. Dass er sich das jedoch selbst nicht eingesteht, macht das Ergebnis nur noch durchwachsener. Und das ohne Not.

Der Film wird wie bereits der Vorgänger – und das hervorragende Thriller-Drama Searching [2018] – einzig anhand dessen erzählt, was sich auf einem Computermonitor abspielt. Das klingt innovativer, als es sein muss. Nach zahlreichen Login-Versuchen bekommt das Publikum zum ersten Mal das Gesicht des Besitzers zu sehen: Matias. Der junge Programmierer hat den gebrauchten Laptop gerade erst in Betrieb genommen und meldet sich daraufhin bei seinen sozialen Netzwerken an. Weshalb jemand, der sich mit moderner Technik auskennt, einen gebrauchten Laptop, der mit fremden Nutzerkonten verbunden ist, betreiben sollte, ohne ihn neu aufzusetzen, verstehe wer will … aber ich schweife ab.
Matias hat sich offensichtlich mit seiner Freundin Amaya gestritten. Amaya ist gehörlos, was in Anbetracht des Genres noch für den ein oder anderen Spannungsmoment sorgen soll. Anschließend startet Matias eine Skype-Videokonferenz mit seinen Freunden Damon, Nari und Serena, Lexx und AJ. Doch schon bald verhält sich Matias’ neuer Laptop seltsam. Auf der Suche nach der Ursache stößt er auf eine große Anzahl Videodateien, die verstörende Bilder zeigen. Und einen Link, der ihm das Tor zum Dark Web – ein speziell zugänglicher Bereich des Darknet – öffnet.

Der eigentliche Horror von Unknown User 2: Dark Web liegt zum einen in einer von der Idee her bereits ekelhaften Szene am Ende, die jedoch nur deshalb im Film platziert scheint, dass es eben eine solche Einstellung gibt, die die Genrewahl überhaupt rechtfertigt. Andererseits deuten die Videos, die Matias auf dem Laptop findet, mehr an, als sie zeigen und stellt man sich selbst vor, was noch darin zu sehen sein könnte, ist das beängstigender als Vieles, was danach noch geschieht. Denn anstatt sich des Thrilleraspekts anzunehmen, versucht Filmemacher Susco mit allen klischeehaften Mitteln, den Horror aufleben zu lassen.
Man stelle sich vor, es gäbe eine Gruppe Menschen, die schlimme Verbrechen begeht und ihre Taten auf Video festhält. Diese Videos werden auf Plattformen für viel Geld getauscht und zum Teil hat das „Publikum“ sogar die Auswahlmöglichkeit, was mit den Opfern in den Videos geschehen soll. Selbst ins Visier einer solchen Gruppe zu geraten, wäre an sich doch bereit seine Horrorvorstellung, oder nicht? Wieso muss dann eine Videoübertragung, sobald eine dieser Täterfiguren auftaucht, mit pixeligen Bildfehlern aus der Spur geraten, während der Ton in ohrenbetäubend lautem, statischen Rauschen untergeht? Diese lauten, plötzlichen Geräusche sollen für Erschreckmomente sorgen, obwohl sie ebenso unlogisch wie unnötig sind.

Die durchweg junge Besetzung macht das Beste aus dem, was ihr gegeben wird. Das heißt nicht, dass die Darbietungen nicht für sich gelungen wären, im Gegenteil. Spätestens, wenn sich ihre – das ist im Grunde kein Spoiler, weil es sich bei dieser Art Film immer so zuträgt – Zeit dem Ende neigt, dürfen sie zeigen, was sie mimisch zu leisten im Stande sind. Doch genau das macht das Geschehen dieser Filme am Ende auch so deprimierend: Statt dass sich die Opfer wehren, Erfolge erzielen und die Täter besiegen können, steht von vornherein fest, wie ihre letzten Momente enden werden. Sie alle sind lediglich Lämmer, die zur Schlachtbank geführt werden und das Publikum soll sich an dem Akt der Schlachtung letztlich ergötzen. Damit wäre man jedoch nicht besser als diejenigen Personen, die im Film die verstörenden Videos teilen, die Matias auf dem Laptop findet.
Daraus hätte Filmemacher Stephen Susco am Ende sogar eine gesellschaftskritische Aussage gestalten können. Doch die Mühe macht sich Unknown User 2: Dark Web leider nicht.


Fazit:
Es gibt einige Momente, in denen durchaus Gänsehautstimmung aufkommt. In aller Regel jedoch weniger, wenn sich andeutet, wie es mit Matias’ Chatpartner zu Ende gehen wird, als wenn sich erschließt, welch barbarische Taten die Ersteller der Videos, die er findet, verübt haben. Auch daran wird deutlich, dass der Film mehr Thriller als Horror ist. Handwerklich gibt es nichts zu bemängeln, Regisseur Stephen Susco versucht, die Beschränkungen des engen Handlungsrahmens durch den gezeigten Computermonitor bestmöglich für sich zu nutzen und auch die Schauspieler besitzen eine ausreichende Natürlichkeit, dass ihr Schicksal interessieren könnte. Wenn sie denn auch die Möglichkeit erhalten würden, sich zu wehren. Doch das ist in Unknown User 2: Dark Web nicht vorgesehen. Stattdessen wird eine Gruppe Unschuldiger zur Unterhaltung eines Publikums nach einer beträchtlichen Wartezeit ohne Gegenwehr dahingemetzelt. Wer das unterhaltsam findet, ist hier bestens aufgehoben. Man sollte in dem Fall nur bedenken, dass man nicht besser ist als das Publikum, das sich im Film an diesen Taten erfreut.
 


Treffpunkt: Kritik empfiehlt TEUFEL LAUTSPRECHER GmbH – für den perfekten Heimkino-Sound!
Ok. Treffpunkt: Kritik verwendet Cookies, um den Internetauftritt bestmöglich an die Besucher anpassen zu können.
Sofern Sie auf dieser Seite bleiben, stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung.