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Unknown Identity [2011]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 30. Juni 2012
Genre: Thriller / Action

Originaltitel: Unknown
Laufzeit: 113 min.
Produktionsland: Großbritannien / Deutschland / Frankreich / Kanada / Japan / USA
Produktionsjahr: 2011
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Jaume Collet-Serra
Musik: John Ottman, Alexander Rudd
Darsteller: Liam Neeson, Diane Kruger, January Jones, Aidan Quinn, Bruno Ganz, Frank Langella, Sebastian Koch, Olivier Schneider, Stipe Erceg, Rainer Bock, Mido Hamada, Clint Dyer, Karl Markovics, Eva Löbau, Helen Wiebensohn, Merle Wiebensohn


Kurzinhalt:
Bei der Passkontrolle am Flughafen gibt Dr. Martin Harris (Liam Neeson) noch an, dass er auf dem Biologie-Kongress, der in einem Hotel in Berlin gehalten wird, einen Vortrag halten soll. Doch nachdem sein Koffer am Flughafen zurückblieb und er sich erneut auf den Weg dorthin macht, kommt das Taxi, in dem er sitzt, von der Straße ab und landet in der Spree. Harris selbst liegt vier Tage im Koma und kann sich nach dem Aufwachen nur in Bruchstücken an das erinnern, was vorher geschehen ist. Als es ihm einfällt, dass er beim Kongress eine Rede halten soll, fährt er ins Hotel, doch seine Frau Elizabeth (January Jones) behauptet, ihn nicht kennen. Schlimmer noch, an ihrer Seite steht ein Mann (Aidan Quinn), der behauptet, Martin Harris zu sein.
Verwirrt versucht Harris, die Fahrerin des Unfalltaxis ausfindig zu machen. Nachdem er Gina (Diane Kruger) gefunden hat, soll er sie zu Ernst Jürgen (Bruno Ganz) bringen, einem Mann, der laut einem Tipp, Dinge ausfindig machen kann. Aber so weit kommt es nicht. Harris und Gina werden überfallen, und glaubte er bislang noch an eine Verwechslung mit dem anderen Mann an Liz' Seite, steht jetzt fest, dass viel mehr auf dem Spiel steht. Woran immer sich Harris nicht erinnert, es scheint es wert zu sein, dafür zu töten ...


Kritik:
Bereits beim Durchlesen der Inhaltsangabe von Unknown Identity kommt einem unweigerlich die kurzlebige TV-Serie Nowhere Man - Ohne Identität! [1995–1996] in den Sinn, die erstaunlicherweise immer noch nicht für einen Kinofilm umgesetzt wurde. Die Verfilmung des französischen Romans von Didier Van Cauwelaert, die hierzulande ebenfalls unter dem Titel Unknown Identity [2003], aber erst zum Kinostart veröffentlicht wurde, weist viele Parallelen zu bekannten Hollywood-Thrillern auf. Man fühlt sich angesichts der Gedächtnislücken des Protagonisten an Die Bourne-Thriller erinnert, wobei hierzu auch der ungewöhnliche Schauplatz zählt. Dabei beweist Regisseur Jaume Collet-Serra eindrucksvoll, dass solche Produktionen nicht unbedingt in New York oder Los Angeles spielen müssen, sondern Berlin einen ebenso fesselnden und in gewissem Sinne international kompatiblen Hintergrund darstellt.

Ohne Liam Neeson würde Unknown Identity allerdings nur einen halb so guten Eindruck hinterlassen. Dem charismatischen Mimen gelingt es wie kaum einem anderen, Autorität auszustrahlen, und doch angesichts der ungewöhnlichen Situation an sich selbst und seinen Erinnerungen zu verzweifeln.
Er verkörpert Dr. Martin Harris, der mit seiner Frau Elizabeth nach Berlin reist, um an einem Biologiekongress teilzunehmen. Als er allein nochmals zum Flughafen zurückfährt, um einen liegen gebliebenen Koffer abzuholen, wird das Taxi in dem er sitzt in einen Unfall verwickelt. Nach vier Tagen im Koma kann sich Harris nur noch bruchstückhaft erinnern, doch als er zurück ins Hotel kommt, behauptet seine Frau, sie würde ihn nicht kennen – und an ihrer Seite steht ein anderer Mann, der sogar einen Pass vorweisen kann, dass er Dr. Martin Harris ist.

An dieser Stelle kommt einem unweigerlich die Vermutung, dass was immer Harris beim Biologie-Kongress vorstellen wollte, es wohl wert sein muss, dafür zu töten. Dass wenig später tatsächlich versucht wird, Harris auszuschalten, bestätigt diese Annahme noch. Auf Anraten einer Krankenschwester setzt sich Harris mit dem pensionierten, ehemaligen Stasi-Offizier Ernst Jürgen in Verbindung, der Nachforschungen anstellt, was es mit Harris Geschichte auf sich hat. Dabei könnte die Taxifahrerin, die ihn aus dem Auto gerettet hat und seither verschwunden ist, eine große Hilfe sein.
Was folgt lässt sich innerhalb des Ablaufs der jeweiligen Szenen zwar durchaus vorhersagen, wenn man genügend Thriller gesehen hat, doch Unknown Identity gelingt es erstaunlich lange, das Publikum weiter raten zu lassen, was es mit Harris und dem Komplott gegen ihn auf sich hat.

Die stärkste Szene findet hingegen ohne die tragenden Hauptfiguren Harris und die Taxifahrerin Gina statt. Das Treffen zwischen Jürgen und Harris' Kollege Rodney Cole entwickelt dank der beiden Ausnahme-Darsteller Bruno Ganz und Frank Langella eine bedrohliche Dynamik lange bevor der Dialog darauf zu sprechen kommt. Beide Männer besitzen eine Ausstrahlung, die keinen Zweifel an ihrer Ernsthaftigkeit aufkommen lässt, auch wenn Ganz hier einen noch packenderen Auftritt hat.
Dass der übrige Thriller tadellos funktioniert liegt wie erwähnt zum großen Teil an Liam Neeson, dem man sein Alter zum einen nicht ansieht – immerhin feierte er dieses Jahr seinen 60. Geburtstag – und an Diane Kruger, der auch die Überraschung angesichts ihrer unerwarteten Situation gut gelingt.

Wirklich neue Ideen finden sich bei Unknown Identity zwar nicht, aber was der Thriller zeigt ist in ansprechende, nicht zu verwackelte Bilder gekleidet, die auf Grund des Erzähltempos und der Desorientierung, die sich nach Harris Autounfall auch auf die Zuschauer übertragt, durchaus fesseln. Worum es letztlich geht, bleibt lange genug im Dunkeln, und selbst wenn sich dann die letzten Puzzleteile zusammenfügen, wartet Regisseur Collet-Serra immer noch mit genügend unerwarteten Momenten auf, um die Zeit bis zum Abspann wie im Flug vergehen zu lassen.
Dass es ihm außerdem gelingt, authentische Bilder in Berlin zu finden und damit die deutsche Hauptstadt als Schauplatz für einen internationalen Thriller ins Rampenlicht zu rücken, ist ein Plus für deutsche Zuschauer, die sich an den austauschbaren amerikanischen Städten irgendwann satt gesehen haben.


Fazit:
Welche Geheimnisse kennt Dr. Martin Harris, dass es sich lohnt, ihn Glauben zu machen, er wäre nicht er selbst – und dass jemand anderes seinen Platz einnimmt? Wie viel Vorbereitung muss in einem solchen Vorhaben stecken. Interessanterweise gelingt es der Romanverfilmung, auf viele diese Fragen eine plausible Antwort zu finden. Dass die Geschichte von Unknown Identity dennoch konstruiert klingt, liegt in der Ausgangslage begründet. Doch nimmt man diese als gegeben hin, entwickelt Filmemacher Jaume Collet-Serra den vermutlich bestmöglichen Thriller darum herum.
Tadellos gefilmt, in eine interessante und bedeutungsvolle Farbgebung getaucht, erzählt er seine Geschichte spannend und temporeich. Dennoch nimmt er sich die Zeit, die Verwirrung seiner Hauptfigur greifbar zum Ausdruck zu bringen. Daran ist zwar letztlich kaum etwas neu, aber alles so gut verpackt und umgesetzt, dass der Thriller für Genrefans gelungene Unterhaltung zum teilweise Miträtseln bietet. Berlin als Schauplatz macht ihn für heimische Zuschauer überdies nochmals interessant.


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