skip to content

Unbreakable - Unzerbrechlich [2000]

Wertung: 5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 29. Juli 2013
Genre: Thriller / Fantasy

Originaltitel: Unbreakable
Laufzeit: 106 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2000
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: M. Night Shyamalan
Musik: James Newton Howard
Darsteller: Bruce Willis, Samuel L. Jackson, Robin Wright, Spencer Treat Clark, Charlayne Woodard, Eamonn Walker, Leslie Stefanson, Johnny Hiram Jamison, Michaelia Carroll, Bostin Christopher, Elizabeth Lawrence, Davis Duffield, Laura Regan, Chance Kelly, Michael Kelly


Kurzinhalt:
Niemand kann es sich erklären, wie David Dunn (Bruce Willis) das Zugunglück unbeschadet überstehen konnte. Alle der mehr als 100 Fahrgäste kamen ums Leben. Er hat nicht einmal einen Kratzer. Seine Ehe mit Audrey (Robin Wright) war schon zuvor am Zerbrechen und auch wenn sein Sohn Joseph (Spencer Treat Clark) seinen Vater vergöttert, David hält ihn auf Distanz. Wie er es bei allen Menschen tut.
Beim Trauergottesdienst für die Opfer findet David eine Karte von Elijah Price (Samuel L. Jackson), der an einer seltenen Krankheit leidet. Er fragt David, wie oft er krank gewesen sei. Eine Frage, die viel schwieriger zu beantworten ist, als es den Anschein hat. Bei ihrer ersten Begegnung bietet Elijah eine Theorie an, die sich vollkommen absurd anhört: Was, wenn David das Zugunglück nur überlebt hat, weil er unverwundbar ist? Wenn das seine besondere Fähigkeit ist, wie bei den Superhelden der Comics, die Elijah seit seiner Kindheit sammelt ...


Kritik:
So unvermittelt einen die Auflösung von The Sixth Sense [1999] – M. Night Shyamalans erstem großem Kinofilm – trifft, so ungewöhnlich ist seine Herangehensweise an Unbreakable - Unzerbrechlich. Den Film als klassischen Thriller zu verstehen, verkennt, was er damit erreichen wollte. Lange, bevor so genannte "Origin-Storys" bei kostümierten Comichelden wie Batman und Co. wieder salonfähig wurden, hat Shyamalan sie für sich entdeckt und entwirft hier eine Superhelden-Mythologie in einer geerdeten Story. Es gelingt ihm ein sehr ruhiges, bildgewaltiges Porträt zweier gegensätzlicher Persönlichkeiten, deren Schicksal untrennbar miteinander verbunden ist. Das mag denjenigen, die Comicverfilmungen mit Explosionsorgien verbinden, zu langsam sein, entfaltet aber gerade dadurch einen ganz besonderen Reiz.

Die Eröffnungsszene setzt den Ton für den gesamten Film. Statt häufiger Schnitte, gibt es lange Einstellungen, in denen mit Kameraschwenks mehrere Seiten eines Gesprächs abgedeckt werden. Für die Momente mit Elijah Price greift der Filmemacher auf Perspektiven zurück, in denen Glas oder Spiegel zu sehen sind, um seinen Charakter zu unterstreichen. Sowohl er, als auch David Dunn (zurückhaltend gespielt von Bruce Willis) besitzen eine eigene Farbpalette. Wir erfahren zu Beginn, wie schwer das Schicksal Elijah getroffen hat. Bei der Geburt brach er sich beide Arme und Beine. Er leidet an einer seltenen Krankheit, durch die seine Knochen weit weniger stabil sind, als bei anderen Menschen. Jahrzehnte später hinterlässt er David eine Nachricht bei einem Trauergottesdienst für die Opfer eines Zugunglücks, bei dem David der einzige Überlebende war. Vollkommen unverletzt.

Die Bildersprache sowohl vor dem Unglück, als auch danach, wenn David in einem Krankenhaus aufwacht, könnte ausdrucksstärker kaum sein. Kameramann Eduardo Serra, der hierfür sträflicherweise keine einzige Auszeichnung erhielt, komponiert die Szenen im Stil von Comics, umrahmt meist die Motive und wählt ganz bewusst Entfernung, sowie Focus und Bewegung. Beinahe jedes Bild könnte man hier festhalten und in einem Comicband abdrucken. Die wenigen Zeitlupen, die er verwendet sind wohl überlegt und unterstreichen die wichtigen Elemente der Szene. Hinzu kommt eine Farbauswahl, die gewollt ausgewaschen ist, um später den Effekt der satten Signalfarben wie rot und orange zu unterstreichen.
Unterhalten sich David und seine Ehefrau Audrey in einem Lokal, um ihre brüchige Beziehung neu zu festigen, wählt Serra beim Smalltalk der beiden eine weite Einstellung, die einen Großteil des Restaurants umfasst. Wird das Gespräch persönlich, fährt die Kamera ganz subtil dichter, so dass wir nur die beiden Eheleute sehen. Auch beim Finale, in dem David während einer verregneten Nacht im Poncho einem Mann folgt, beeindruckt eine jede Einstellung.

Der herausragenden Optik in Unbreakable steht die musikalische Begleitung durch James Newton Howard in nichts nach. Seine minimalistischen Themen begleiten den jeweiligen Moment, ohne sich in den Vordergrund zu drängen, bieten aber aufmerksamen Zuschauern immer wieder Identifikationspunkte, wenn David im späteren Verlauf seiner Entwicklung eine Stufe erreicht, die er zuvor bereits kurz berührt hatte. Zusammen mit den Bildern verleiht es dem Film eine Melancholie, die sich in den Augen sämtlicher Figuren widerspiegelt.

Im Vorfeld war sich Filmemacher M. Night Shyamalan angeblich sicher, dass er mit diesem Film den Oscar gewinnen würde. Nicht nur, dass er im Kino hinter den Erwartungen zurückblieb, die Academy "strafte" ihn sogar, indem er überhaupt keine Nominierung erhielt. Angesichts der Darbietungen und der hervorragenden Umsetzung ist das ebenso unverständlich wie absurd. Dass Unbreakable bei der Heimvideoveröffentlichung der Erfolg beschert wurde, kam für die Fortsetzungen, um die sich immer wieder Gerüchte ranken, wohl zu spät. Dabei wäre es sehr interessant gewesen zu sehen, welcher Weg diesem ungewöhnlichen Helden, den Elijah in David sieht, wohl bestimmt gewesen wäre.
Die Texttafeln am Ende sind allerdings unnötig.


Fazit:
Würde man Zuschauer im Vorfeld von Unbreakable - Unzerbrechlich sagen, dass es sich im Kern um einen Comic-Film handelt, würden sie es hinterher zum einen kaum glauben, zum anderen würden sie aber auch das erwarten, was Hollywood-Studios wie Marvel oder DC inzwischen aus Comics gemacht haben. Dabei erzählt M. Night Shyamalan von der Entstehung eines Helden, der gar nicht weiß, dass er einer ist und der am Ende doch alle Qualitäten besitzt, die bei Superhelden üblich sind: Seine Achillesferse, seinen Erzfeind und seine Bürde mit den unzähligen Leben, die seine Entdeckung gekostet hat.
Der Film ist mehr Charakterporträt als Thriller und richtet sich bewusst an ein anspruchsvolles, ruhiges Publikum. Die Bildersprache ist beeindruckend und bietet in jeder Einstellung so viel Anlass zur Interpretation, dass man sich die einzelnen Perspektiven eigentlich ausdrucken müsste. Vor allem aber tragen so ungewöhnlich normale Figuren die Geschichte, dass ihr Schicksal interessiert. Der Protagonist ist kein gebrochener Held, sondern ein menschlicher. Auch das ist in Comics eher selten.


Treffpunkt: Kritik empfiehlt TEUFEL LAUTSPRECHER GmbH – für den perfekten Heimkino-Sound!
Ok. Treffpunkt: Kritik verwendet Cookies, um den Internetauftritt bestmöglich an die Besucher anpassen zu können.
Sofern Sie auf dieser Seite bleiben, stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung.