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Und Gott war das Wort [2005]

Wertung: 2 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 24. April 2006
Genre: Krimi

Originaltitel: The Inspector Lynley Mysteries: The Word of God
Laufzeit: 89 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2005
FSK-Freigabe: -

Regie: Julian Simpson
Musik: Debbie Wiseman, Robert Lockhart
Darsteller: Nathaniel Parker, Sharon Small, Mark Benton, Jane Lapotaire, Matilda Ziegler, Nigel Betts, Maggy Sherif, Keith Bartlett, Cavan Clerkin, Paul Hickey, Khalid Laith, Alison Lintott, Joseph Long


Kurzinhalt:
Als wäre die Ausgangslage des neuen Falles von Inspektor Lynley (Nathaniel Parker) und Sergeant Havers (Sharon Small) nicht schon entmutigend genug – die Leiche eines Mannes arabischer Herkunft wird in einem Frischfleisch-Container in London entdeckt – macht Lynley die erzwungene Zusammenarbeit mit dem Polizisten Mike Brennan (Nigel Betts) von der Einwanderungsbehörde zusätzlich zu schaffen, immerhin kam der Container aus Dänemark.
Während Brennan auf illegale Einwanderer tippt, und Havers durch ein in arabisch gehaltenes Schriftstück, das bei der Leiche gefunden wurde, im ersten Moment terroristische Aktivitäten in Verdacht hat, vermutet Lynley einen anderen Ursprung des Falles. Das Pergament stammt, wie Nachforschungen von Professor Elias Blackwell (Mark Benton) von der British Library ergeben, aus einem sogenannten "Goldenen Koran", eine Jahrhunderte alte, direkte Abschrift mit einem inzwischen unschätzbaren Wert.
Als Brennan die Leiche identifiziert, und klar wird, dass die Ehefrau des Toten, Narima Ansari (Maggy Sherif) und sein Bruder Ahmed (Khalid Laith), nach Ablauf ihres Visums in Großbritannien untergetaucht sind, pocht Brennan auf seine Kompetenzen in dem Fall, der laut Lynley aber in erster Linie ein Mordfall ist, und daher vom ihm bearbeitet würde – die Erkenntnis, dass der Leiche eine Niere entnommen wurde und die verbleibende so stark geschädigt war, dass der Tote auf ständige medizinische Betreuung angewiesen war, gibt den Ermittlungen eine ganz neue Richtung. Dabei verschwimmen für den angespannte Thomas Lynley immer mehr die Grenzen zwischen Privatleben und Beruf, und sein unprofessionelles, emotionales Verhalten könnte schwerwiegende Konsequenzen haben ...


Kritik:
Weswegen die Industrie ausgerechnet die Menschen zwischen dem 15. und 50. Lebensjahr als ihre Hauptzielgruppe bei sämtlichen Werbungsarten auserkoren hat, wird wohl ihr Geheimnis bleiben – im Nachhinein wird es jedoch eine Gruppe geben, der diese Einteilung vollkommen zuwider läuft, und damit sind nicht diejenigen gemeint, die noch nicht oder nicht mehr in diesen auserwählten Pool gehören. Den TV-Sendern, die ihre festgelegten Werbepreise anhand der Zahlen der werberelevanten Zielgruppe festlegt, sind niedrige Zahlen in dem Bereich ein Graus, und das, obgleich die Gesamtzuschauerzahl mitunter mehr als beachtlich ist.
Glücklicherweise muss das ZDF als öffentlich-rechtliche Institution eine solche Zahlenschubserei nicht interessieren, zählt die Fernsehanstalt doch zu denjenigen Institutionen, die dem öffentlichen Bildungsauftrag entsprechend handeln und deswegen an übliche Konventionen wie die Rentabilität ihrer Sendungen nicht gebunden sind. Dabei, und das ist in Bezug auf die durchaus erfolgreiche britische Krimiserie The Inspector Lynley Mysteries bemerkenswert, müsste sich das Zweite Deutsche Fernsehen nicht einmal hinter ihren Zuschauerzahlen verstecken, auch wenn der Publikumsverlust innerhalb der vier Episoden dieser vierten Staffel nicht zu verachten ist. So feierte diese Staffel mit dem zweiten Fall, Denn deine Sprache verrät Dich [2005] ihren Höhepunkt bei beinahe viereinhalb Millionen Zuschauern – in der Woche darauf schalteten allerdings eine Million Zuseher weniger ein, und auch beim Staffelfinale Und Gott war das Wort hat sich dieser Schwund nicht wieder umgekehrt, wenn auch ein klein wenig relativiert. Doch dies sind nicht die Zahlen der werberelevanten Zielgruppe, sondern vielmehr sämtlicher Zuschauer – in der für die auf Werbeeinnahmen angewiesenen Privatsender interessanteren Gruppe schalteten lediglich eine Million Zuseher bei Inspektor Lynley und Sergeant Havers ein, wobei auch hier ein Trend nach unten absehbar ist, der sich nicht einmal zum Finale aufhalten ließ.
Die Entscheidung der Zuseher, am Sonntag Abend statt der an sich renommierten Krimis lieber auf andere Formate zu setzen, ist aber schnell verständlich, hat man denn die zahlreichen Ermittlungen des gegensätzlichen Duos Lynley/Havers bislang verfolgt. Ihr Höhepunkt liegt dabei bislang nicht nur weit zurück, sondern erreicht nicht einmal das höchst mögliche Niveau, sondern ließ lediglich Anzeichen desselben durchblitzen. Drei Jahre ist es her, dass sich die privaten wie beruflichen Ereignisse der Reihe in Denn keiner ist ohne Schuld [2002] zuspitzten, und wer hoffte, dass es den Machern wenigstens bei der letzten Episode der vierten Staffel gelingen würde, die Zuschauer wieder für die Figuren zu interessieren, der irrt leider.

Das beginnt schon damit, dass Drehbuchautor Peter Jukes, der zwar schon Vorlagen für andere Krimiserien verfasste, aber bislang nicht an Inspector Lynley Mysteries beteiligt war, die Figuren in einer Art und Weise präsentiert, wie man sie bislang noch nie gesehen hat. Es mag dabei durchaus beabsichtigt gewesen sein, Lynley hier wie Havers in frühen Tagen auftreten zu lassen und Havers Lynleys alte Rolle zu übergeben, aber nicht nur dadurch, dass diese Veränderung so plötzlich kommt und beinahe schon karikaturartige Ausmaße annimmt, scheinen jene Bemühungen schlichtweg vergebens.
Insbesondere Thomas Lynley benimmt sich so fern ab von seinen gewohnten Bahnen, dass man die Person kaum wiedererkennt und sie dann schon wie ein humoristisches Abziehbild ihrerselbst erscheint. Einzig Barbara Havers verhält sich hier besonnen und einer Polizistin angemessen, wohingegen man über die platten psychologischen "Feinheiten" des Skripts in Bezug auf Lynleys Trauma nur müde schmunzeln kann. Selbst in Groschenromanen wird dies subtiler und passender dargebracht.
Einzig das gemeinsame Gespräch der beiden in Havers Wohnung vermag zu überzeugen und vermittelt das Gefühl, dass die beiden Figuren seit mehreren Jahren bereits zusammen arbeiten. Die übrigen Kabbeleien nehmen dabei mitunter ein so überzeichnetes Maß an, dass man das Geschehen nicht mehr ernst nehmen kann.
Der Fall selbst scheint dabei fast schon nebensächlich, entpuppt sich im Endeffekt aber als derart konstruiert und hanebüchen, dass die Lücken in der Auflösung deswegen nicht mehr interessieren, weil die Zuschauer gedanklich schon beim Abspann angekommen sind. Durch diesen geistigen Block des Publikums kommt der Twist am Schluss durchaus überraschend, wirkt aber ebenso erzwungen und macht im Rückblick auch keinen richtigen Sinn. Immerhin gelingt dem Autor so für das Staffelfinale noch ein Cliffhanger, der in der bereits in Produktion befindlichen fünften Staffel wohl aufgelöst wird.
Was dem Skript aber abgesehen von einem ordentlichen Fall, prägnanten Charakterzeichnungen und spritzigen Dialogen noch fehlt ist eine dramaturgisch ausgefeilte Erzählung; statt eines konstanten Spannungsbogens langweilt die Story mit abstrusen Entwicklungen, nicht nachvollziehbaren Erkenntnissen und Nebenhandlungen, die das Geschehen nur noch mehr in die Länge ziehen. Von einer "spannenden Unterhaltung" kann überhaupt keine Rede sein.

So orientierungslos wie die Vorlage zeigen sich auch die Beteiligten, allen voran Nathaniel Parker, dessen mimische Kapriolen ebenso stark an wechselnden Medikamenteneinfluss erinnern, wie seine sprunghafte Gestik. Er scheint nicht nur unmotiviert, sondern von den inhaltlichen Entwicklungen so wenig angetan, dass er selbst seine routinierte Miene nur in den notwendigsten Fällen ans Licht lässt.
Anders hingegen Sharon Small, der die Rolle der selbstbewussten Ermittlerin gut zu Gesicht steht und die ihrer Rolle auch hier treu bleibt, beziehungsweise die Verhaltensmuster ihres Charakters beibehält. Sie bietet auch den dringend notwendigen Ruhepol zu Parkers Spiel und scheint sich in ihrer Filmfigur merklich wohler zu fühlen als ihr Kollege.
Der Kurzauftritt von Matilda Ziegler ist auf Grund der Drehbuchvorlage nicht nur weit weniger charmant ausgefallen, als noch im vorigen Fall, der Aktrice gelingt es auch nicht, ihrer neuen Figur mehr als die rudimentären Charakterzüge zu verleihen und scheint dementsprechend unengagiert.
Nigel Betts hat ebenfalls merklich unter dem Skript zu leiden und wirkt auch nicht willens, sich den klischeehaften Charakterzügen einfach so unterzuordnen. Immerhin spielt er routiniert, wobei man ihm zugute halten muss, dass er nur selten zu sehen ist.
Maggy Sherif und Khalid Laith machen ihre Sache gut, wobei Laith im deutschen merklich durch die unpassende Synchronisierung negativ im Gedächtnis bleibt. Mark Bentons Spiel ist überdies nicht wirklich schlecht, nur ist seine Figur so altbacken angelegt und auch noch mit klischeehaften Dialogen beladen, gegen die der Darsteller nicht anzukommen vermag.
Enttäuschend ist die Besetzung nicht ausgefallen, ganz im Gegenteil, nur sollte man meinen, dass es mehr Beteiligten gelingt, wie Sharon Small gegen die Unzulänglichkeiten des Drehbuchs anzuspielen und trotz allem eine gute Darbietung zu liefern. Selbige sucht man ansonsten nämlich vergebens.

Handwerklich macht Regisseur Julian Simpson seinen Zuschauern zu Beginn wirklich Hoffnung, dass der weichgespülte, strahlend-kitschige Look der letzten Fälle der Vergangenheit angehören würde, doch bereits im ersten Drittel stellt sich der überstrahlende Filter wieder ein und kleidet das gesamte Geschehen in sphärisch-traumähnliche Bilder, die der Geschichte in keinster Weise angemessen sind.
Zudem wird man das Gefühl nicht los, Simpson, der immerhin die Drehbuchvorlage zum Staffelauftakt Und vergib uns unsere Schuld [2005] lieferte, hätte zuvor beim Theater gearbeitet. Überwiegend kammerspielartig inszeniert, verstören die routinierten Perspektiven durch karge, meist im kompletten Schwarz gehaltenen Hintergründe, so dass man nur die gezeigte Person vor einer nicht zu erkennenden Kulisse zu sehen bekommt, wobei die Figur selbst von irgendeiner ominösen Lichtquelle angestrahlt wird. Das wirkt minimalistisch und verfehlt gerade durch die platten Dialoge den sicher beabsichtigten Effekt einer Charakterstudie auf ganzer Länge. Dieser verkrampft anspruchsvolle Aspekt der filmischen Umsetzung wird nicht nur durch die eingesetzten Filter wieder ausgehebelt, sondern letztlich auch durch die inhaltliche Präsentation, die dahingehend schlicht nicht überzeugen kann.
Dass es Simpson außerdem nicht gelingt, dem ohnehin dramaturgisch fehl konzipierten Skript etwas Dynamik zu verleihen, oder seinen Krimi in irgendeiner Form spannend zu erzählen, besiegelt die durchwachsene, wenn auch in Hinblick auf die Perspektiven nicht unbedingt missratene Inszenierung.

Von der musikalischen Untermalung Debbie Wisemans ist so gut nichts zu hören, die Komponistin hält sich mit Themen und atmosphärischen Klängen ebenso zurück wie der gesamte Krimi mit irgendwelchen neuen Impulsen. Dass sie keinerlei temporeiche Stücke aufnimmt mag auch daran liegen, dass selbige Szenen in Und Gott war das Wort so zahm und dabei gleichzeitig rar ausfallen, dass sie nicht der Rede wert sind.

Was schließlich bleibt ist die Erkenntnis, dass die Macher der Inspector Lynley Mysteries statt das Potential der Figuren endlich weiter auszuschöpfen, sich von diesem hehren Ziel immer weiter entfernen; auch die vierte Staffel scheint dabei keine Ausnahme zu machen, und statt die Möglichkeiten zu nutzen, nicht mehr akribisch an irgendwelche Romanvorlagen von Elizabeth George gebunden zu sein, und eigenständige Geschichten zu entwickeln, verlieren die wechselnden Autoren die Figuren immer mehr aus dem Sinn, erzählen dabei aber stets uninspirierte und altbackene Kriminalfälle in einem derart schleichenden Tempo, dass einem als Zuschauer die fehlenden Charakterzeichnungen von Haupt- wie Nebenfiguren nur noch mehr auffallen.
Dass die jüngsten Fälle außerdem im besten Fall durchschnittlich umgesetzt sind, macht das Dilemma nicht besser, und der erzwungen theatralisch-tiefsinnige Ansatz von Regisseur Julian Simpson setzt der sehr enttäuschenden Staffel diesbezüglich noch die Krone auf. Sollten die Macher nicht endlich die Qualitäten der beiden Hauptcharaktere erkennen und nutzen können, sollte man Havers und Lynley lieber in Rente schicken, ehe sie durch den anhaltenden Zuschauerschwund nur noch mit sich selbst als Publikum ermitteln.


Fazit:
Selten zuvor schienen eineinhalb Stunden Krimiunterhaltung sich so lange und stellenweise einschläfernd hinzuziehen. Längst vergangen sind die Zeiten, in denen Havers – von privaten Problemen geplagt – nicht wusste, ob sie den Beruf in Zukunft überhaupt weiter wird ausüben können, und auch Lynleys Privatleben stagniert auf einem Niveau, das zu der Figur ebenso wenig zu passen scheint, wie seine Reaktion darauf fehl am Platz wirkt.
Der Drehbuchautor hat sich wohl nicht einmal im Ansatz in die Figuren hineinversetzt und präsentiert dem Zuschauer deswegen atypische Verhaltensmuster mit überwiegend fahrigen, überhaupt nicht aufschlussreichen Dialogen, verpackt in eine ebenso wirre wie unlogische und konstruierte Krimigeschichte. Die handwerkliche Umsetzung von Regisseur Simpson kleidet Und Gott war das Wort in Szenen, die ebenso verkrampft erscheinen, wie Nathaniel Parkers Darbietung enttäuscht. Einzig Sharon Small ist bemüht, den Krimi vor dem Totalschaden zu bewahren, aber das gelingt ihr nur für Fans der Reihe – und nur um Haaresbreite.


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