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Tulpenfieber [2017]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 11. März 2018
Genre: Liebesfilm / Unterhaltung / Drama

Originaltitel: Tulip Fever
Laufzeit: 105 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 2016
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Justin Chadwick
Musik: Danny Elfman
Darsteller: Alicia Vikander, Dane DeHaan, Christoph Waltz, Holliday Grainger, Jack O'Connell, Judi Dench, Zach Galifianakis, Tom Hollander, Cara Delevingne, Matthew Morrison, Kevin McKidd, Douglas Hodge, Joanna Scanlan, David Harewood


Kurzinhalt:

Amsterdam im Jahr 1634. In den Niederlanden, das durch den Handel über die See floriert, wird die Waise Sophia (Alicia Vikander) mit dem reichen Geschäftsmann Cornelis Sandvoort (Christoph Waltz) verheiratet. Die Äbtissin (Judi Dench) des Klosters, aus dem Sophia stammt, rät ihr, ihrem Gatten einen Erben zu gebären, doch sie wird auch nach Jahren noch nicht schwanger. Als Cornelis den Maler Jan van Loos (Dane DeHaan) beauftragt, ein Porträt der Eheleute zu erstellen, weckt dieser in Sophia ungeahnte Gefühle. Sie beginnen alsbald eine Affäre und als die Magd der Sandvoorts, Maria (Holliday Grainger), ungewollt schwanger wird, ersinnen sie einen Plan, der jedoch alle Beteiligten ins Unglück stürzen könnte …


Kritik:
Basierend auf dem gleichnamigen Roman aus dem Jahr 1999 erzählt das Epochendrama Tulpenfieber von unerfüllten Sehnsüchten im Goldenen Zeitalter der Niederlande. Angesiedelt, wie der Titel bereits verrät, während der Tulpenmanie im Amsterdam des 17. Jahrhundert, als Tulpenzwiebeln ein Spekulationsobjekt waren, das Wohlstand und Niedergang bedeuten konnten, spiegeln die Pflanzen die Begierde der Figuren nach Schönheit und Anerkennung wider. Gut gespielt und sehenswert ausgestattet, kann sich Regisseur Justin Chadwick allerdings nicht so recht entscheiden, ob er ein ergreifendes Drama oder eine Satire auf die Oberflächlichkeit der Gesellschaft erzählen möchte.

Aus Sicht der Küchenhilfe Maria geschildert, ist dies an sich die Geschichte der Waise Sophia, die vom reichen – und deutlich älteren – Geschäftsmann Cornelis Sandvoort aus dem Waisenhaus geholt wird, um ihm nach dem Verlust seiner bisherigen Familie durch die Pest einen neuen Erben zu schenken. Aber auch wenn sie sich ihm bereitwillig jeden Abend hingibt, sie wird nicht schwanger und schweren Herzens überlegt Cornelis bereits, Sophia wegzuschicken und sich eine neue Frau zu nehmen. Da verliebt sich Sophia in den Maler Jan van Loos, der ein Familienporträt der Sandvoorts anfertigt und beginnt eine Affäre mit ihm. Als ihre Magd Maria vom Fischer Willem schwanger wird, sieht Sophia eine Möglichkeit, Cornelis den lang ersehnten Erben zu geben und selbst glücklich zu werden.

So einnehmend das Porträt Amsterdams jener Zeit ist, mit einer geradezu frenetisch dargestellten Tulpenbörse, bei der sich der Preis für die Zwiebeln in ungeahnte Höhen schwingt, so überzeugend die Kostüme und die Bauten, so unentschlossen ist Chadwicks Charakterisierung der Figuren in seinem Drama. Steht Sophia selbst im Zentrum der Erzählung, besitzt sie gefühlt weniger Dialogszenen als viele übrige Personen. Dass sie distanziert und unterkühlt erscheint in ihrer Ehe, in die sie gewissermaßen gedrängt wurde mit einem Mann, den sie offensichtlich nicht liebt, ist nachvollziehbar. Doch wenn sie sich nach einer kurzen Begegnung dem Maler Jan van Loos buchstäblich an den Hals wirft, passt ihr Sinneswandel nicht so recht zu dem, was man bis dahin über sie erfahren hat. Überhaupt, dass sie bereitwillig ihren Mann hintergeht, ohne dass Tulpenfieber je einen Einblick in ihre Gedankenwelt offenbart, lässt einen wundern, welche Art Mensch sie ist.

In der Rolle der jungen Sophia wirkt Alicia Vikander durchweg mysteriös und unnahbar, in Gesellschaft des Malers dagegen wie ausgewechselt. Das mag zur Figur passen, nur ist es, als würde man sie – auch im Hinblick auf ihren letztlichen Gesinnungswandel – nie kennen. Christoph Waltz erhält die wenigen pointierten Dialoge, die von ihm abgesehen nicht groß in Erinnerung bleiben. Mit Judi Dench, Zach Galifianakis, Cara Delevingne und Tom Hollander ist Tulpenfieber überaus namhaft besetzt. Man kann auch nicht behaupten, dass die Darsteller nichts zu tun hätten, nur verteilt sich die Geschichte auf mehr Charaktere, als das Drehbuch Zeit findet, auszuarbeiten. Holliday Grainger macht ihre Sache als Maria überaus gut, doch hätte man auch ihr eine größere Rolle gewünscht.

Was am Ende bleibt ist ein Film, dessen Dialoge mitunter böse Untertöne besitzen, aber nie auf eine bissige Art und Weise zünden, und der nie die getragene Dramatik entwickelt, welche die Handlungen der Figuren im Grunde auslösen. Das ist gut gespielt und oft heiterer als man für die Ausgangslage erwarten würde. Aber es bleibt der Eindruck, dass Tulpenfieber ergreifender hätte sein können und vor allem unter der mangelnden Chemie des jungen Liebespaares Sophia und Jan leidet. Die sind zwar auch in Hinblick auf die niedrige FSK-Freigabe überraschend freizügig und oft „im Akt“ zu sehen, aber eine knisternde Stimmung kommt bei ihnen nicht auf.
Mag sein, dass Regisseur Justin Chadwick dadurch dieselbe Oberflächlichkeit zum Ausdruck bringen möchte, die sich in der Obsession für die Schönheit der Tulpen widerspiegelt, doch auch dies kommt wenn, dann zu wenig zum Ausdruck.


Fazit:
Für eine Geschichte, die sich im Grunde um die unglücklich verheiratete Sophia und ihre Affäre mit dem Maler Jan dreht, widmet Tulpenfieber sehr viel Zeit anderen „Schauplätzen“ wie der durch zahlreiche Widrigkeiten unglücklich verlaufenden Beziehung zwischen Maria und Willem oder dem Kursverlauf der Tulpenzwiebeln an der Börse in Amsterdam. Dabei gelingt es dem Filmemacher trotz der tadellosen Ausstattung und der talentierten Besetzung leider nicht, seinen Figuren Tiefe zu verleihen. Einzige Ausnahme ist hier Christoph Waltz’ Cornelis, der eine glaubhafte Entwicklung durchmacht. All dem zuzusehen ist nie langweilig und bisweilen gar amüsant, erscheint am Ende jedoch zu wenig fokussiert und weder als Satire bissig, noch als Drama packend genug. Man kann nur vermuten, dass die Romanvorlage auf verschiedene Aspekte tiefer eingeht. Das wäre bei der Filmumsetzung jedenfalls wünschenswert gewesen.
 


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