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Total Recall - Die totale Erinnerung [1990]

Wertung: 6 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 29. Mai 2012
Genre: Science Fiction / Action

Originaltitel: Total Recall
Laufzeit: 113 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1990
FSK-Freigabe: nicht unter 18 Jahren (neu bewertet "ab 16 Jahren")

Regie: Paul Verhoeven
Musik: Jerry Goldsmith
Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Rachel Ticotin, Sharon Stone, Ronny Cox, Michael Ironside, Marshall Bell, Mel Johnson Jr., Michael Champion, Roy Brocksmith, Ray Baker, Rosemary Dunsmore, David Knell, Alexia Robinson, Dean Norris, Debbie Lee Carrington, Lycia Naff, Robert Costanzo


Kurzinhalt:
Im Jahr 2084 ist der Mars kolonisiert, um darauf Ressourcen abzubauen, die nirgendwo anders geschürft werden können. Diejenigen Arbeiter, die schon lange dort leben haben Zeichen der erhöhten Strahlung davon getragen, die durch die verbauten, billigen Kuppeldächer nicht gefiltert wird. Dafür streicht der Leiter der Kolonie, Cohaagen (Ronny Cox) die Profite ein und verkauft den Marsbewohnern gleichzeitig die Atemluft. Doch es regt sich Widerstand: Einer Rebellengruppe gelingt es immer wieder, Cohaagen empfindliche Schläge zu versetzen.
Von der Erde aus beobachtet Bauarbeiter Douglas Quaid (Arnold Schwarzenegger) das Treiben auf dem Roten Planeten mit großem Interesse. Selbst wenn er nicht erklären kann warum, der Mars fasziniert ihn. Sehr zum Missfallen seiner Frau Lori (Sharon Stone). Da sie einen Besuch auf den Mars ausschließt, besucht Quaid die Firma Rekall, die Urlaubserinnerungen als Implantate anbietet. Wenig später wird Quaid auf dem Weg nach Hause von einer Gruppe Männer überfallen und der rücksichtslose Richter (Michael Ironside) eröffnet die Jagd auf ihn.
Weswegen er urplötzlich im Fadenkreuz so vieler Gruppen ist, weiß er nicht, doch fest steht, dass Quaid seine Antworten nur auf dem Mars bekommen wird. Dort trifft er auf Melina (Rachel Ticotin), über die er an den Rebellenführer Kuato (Marshall Bell) herankommen möchte. Er könnte Quaid helfen, sich zu erinnern. Denn was immer er für ein Geheimnis in seinem Kopf trägt, es scheint es wert zu sein, dafür zu töten ...


Kritik:
Kaum ein Name steht so sehr für testosteronbefeuerte, brachiale Actionunterhaltung der 1980er und 90er-Jahre wie Arnold Schwarzenegger. Dabei wurde dem ehemaligen Mister Universum häufig vorgeworfen, er könne nicht schauspielern oder würde sich nur diejenigen Rollen aussuchen, bei denen er sein Standardrepertoire ausleben könnte. Dabei liegt es zum großen Teil an ihm, dass Total Recall funktioniert. Es fällt genau genommen sehr schwer, sich einen anderen Darsteller in der Rolle vorzustellen. In Szene gesetzt wird er vom niederländischen Regisseur Paul Verhoeven, der sich in jener Zeit ebenso einen Namen machte. Sowohl bei RoboCop [1987], wie später bei Starship Troopers [1997] nutze er den Science Fiction-Hintergrund, um einem erwachsenen Publikum einen Film zu präsentieren, der zum Nach- und Mitdenken anregt – trotz der explosiven Umsetzung. Auch in Total Recall reicht es nicht, sich von den lockeren Sprüchen, oder der mitunter schon zelebrierten Gewalt mitreißen zu lassen, die sich zum Glück aber nicht zu ernst nimmt und auch nie auf das Leiden der Personen ausgelegt ist. Man muss sich auf die Geschichte einlassen und wird dann immer wieder auf falsche Fährten gelockt, ohne dass man sich am Ende jedoch betrogen fühlt.

Bereits beim einprägsamen Vorspann legt Komponist Jerry Goldsmith den Grundstein für eine adrenalingeladene Achterbahnfahrt und präsentiert ein rhythmisches, antreibendes Thema, das den Film wie ein roter Faden immer wieder voranbringen wird. Zehn Jahre nach der Veröffentlichung der Soundtrack-CD erschien eine erweiterte "Deluxe Edition", die eindrucksvoll unterstreicht, weswegen Total Recall zu Goldsmiths besten Werken zählt. Er legt ein Tempo vor, das dem Publikum wie den Figuren kaum Zeit zum Luftholen lässt und verblendet dabei immer wieder Orchester mit Synthesizer. Vor allem jedoch findet er in den rechten Momenten die Ruhe, um die mystische Hintergrundgeschichte mit neugierigen Klängen zu untermalen. Er versetzt jede Szene in eine packende Stimmung und steigert sich sowohl bei Quaids Flucht zu Beginn, wie beim großen Sprung oder dem Finale in eine schwindelerregend schnelle Instrumentierung.

Doch von vorn: Douglas Quaid (Schwarzenegger) lebt ein beneidenswertes Leben. Er hat in Lori (Sharon Stone) eine traumhaft schöne Ehefrau und verdient mit seiner Arbeit genügend Geld, um sich Annehmlichkeiten leisten zu können. Und doch ist er fasziniert von den Meldungen einer drohenden Revolte der Marskolonie. Der Verwalter der Kolonie, Cohaagen, verkauft die Atemluft an die Menschen dort, verdient mit dem Abbau der dortigen Stoffe ein Vermögen und lässt die Menschen für sich schuften. Doch es regt sich Widerstand. Sein Vorschlag auf den Mars zu ziehen lehnt Lori ab, also gönnt sich Quaid einen Urlaub auf dem Roten Planeten. Keinen wirklichen, sondern einen implantierten. Die Firma Rekall bietet die Möglichkeit, sich die Erinnerung an einen Urlaub direkt ins Gehirn implantieren zu lassen – dies sei sicherer als das wirkliche Erlebnis. Vor allem jedoch hat Quaid die Möglichkeit, Urlaub von sich selbst zu nehmen. Wieso sollte er als Tourist auf den Mars reisen, wenn er auch als Playboy oder Geheimagent dorthin fliegen könnte? Während der Implantation wandelt sich Quaids geplante Erinnerung jedoch in einen Alptraum: Angeblich ist bei ihm bereits ein Implantat vorgenommen worden. Wenig später klebt das Blut seiner Arbeitskollegen an seinen Händen und der gewissenlose Gangster Richter (Michael Ironside) macht Jagd auf Quaid. Was dann geschieht sei hier nicht verraten, nur so viel, dass Total Recall auch den Weg auf den Mars findet, wo es ein uraltes Geheimnis des Planeten zu entdecken gibt. Außerdem trifft Quaid auf die Rebellen, Großteils bestehend aus Mutanten, die, der Strahlung durch die billigen Kuppeldächer ausgesetzt, nicht nur Missbildungen entwickelt haben, sondern ganz besondere Fähigkeiten.

Mehr als einmal fragt man sich dabei, wer Quaid denn nun eigentlich ist, und was es mit seiner Erinnerung tatsächlich auf sich hat. Und wird man im Film durch Dr. Edgemar darauf gebracht, dass dies alles nur Teil von Quaids Traum sein könnte, stellt man beim wiederholten Ansehen andere Beobachtungen an, die zu verblüffenden Ergebnissen führen. Und doch wird ein jeder hineinlesen können, was er selbst mitbringt.
Die jüngste, unangebrachte Herabstufung Total Recalls durch die FSK auf eine Freigabe ab 16 Jahren sollte niemand missverstehen: Verhoevens Science Fiction-Kracher richtet sich nicht an ein kindliches oder jugendliches Publikum. Der dargestellte Gewaltgrad ist zwar bisweilen absichtlich überzeichnet, aber dennoch nur erwachsenen Zusehern angedacht. Gerade Kenner und Fans jener vergangenen Hollywood-Ära werden Die totale Erinnerung hierfür zu schätzen wissen. Das Feuerwerk, das hier im Laufschritt abgebrannt wird, sucht seinesgleichen. Gleichzeitig lebt eine solche Geschichte von den Spezialeffekten und Maskenarbeiten, die auch nach heutigem Stand der Technik nicht besser zu machen sind. Die trockenen Einzeiler und mitunter sehr schwarzhumorigen Kommentare erscheinen nicht nur macholastig, sondern sind genau so beabsichtigt.

Zusammen mit einem erstklassig zusammen gestellten und motivierten Cast ergibt dies in der Summe einen der besten, harten Science Fiction-Action-Klassiker der 80er/90er-Jahre. Dank der Veröffentlichung im hochauflösenden Blu-ray-Format können Fans Details sowohl der Maskenarbeiten, wie auch der Bauten und Spezialeffekte in einer Genauigkeit beobachten, wie es zuvor unmöglich gewesen ist. Von den vielen Anspielungen, die bereits innerhalb des Films auf den weiteren Verlauf eingebracht werden, ganz abgesehen. Dass die Geschichte trotz der abstrusen Schlussfolgerungen oder der haarsträubenden Actioneinlagen funktioniert, liegt sowohl an der technisch perfekten Umsetzung, wie an Arnold Schwarzenegger, der zu Beginn nicht wie ein Actionheld auftritt, sondern wie ein verwirrter Mann, der mit der Situation, in die er geworfen wird, überfordert ist. Dass das Drehbuch, basierend auf der Kurzgeschichte Erinnerungen en gros [1966] von Philip K. Dick, auf seine körperliche Präsenz zugeschnitten wurde, sieht man hingegen spätestens ab dem zweiten Drittel des Films.


Fazit:
Nicht selten erntet man verwunderte Blicke, wenn man zugibt, sich bei einem Film wie Die totale Erinnerung grandios unterhalten zu fühlen. Selbst wenn viele Zuschauer die Geschichte noch interessant finden, spätestens wenn bei Quaids Flucht die Kugeln fliegen, werden manche Zuseher vom gezeigten Brutalitätsgrad abgeschreckt. Und das sollte man auch. Statt satirischem Humor nutzt Regisseur Paul Verhoeven wie häufig in seinen Filmen übertriebene Gewaltdarstellungen, um die Zuschauer wachzurütteln und erzählt dabei dennoch ein faszinierendes Gedankenexperiment. Dabei ist noch nicht berücksichtigt, wie er sich zur Ausbeutung der Arbeiter der Marskolonie durch die macht- und profithungrigen Konzerne stellt.
Dank der Geschichte fesselt Total Recall auch nach mehr als 20 Jahren immer noch. Die tadellosen Effekte, Masken und Bauten sorgen dafür, dass der eindrucksvoll gemachte Film kaum einen Tag gealtert scheint. Mehr noch, manche Konzepte wie die Körperscanner finden sich sogar in unserer heutigen Zeit wieder. Für ein erwachsenes Publikum findet sich hier ein moderner Science-Fiction-Klassiker, der noch ebenso viel Spaß macht wie damals, und der bei mehrmaligem Ansehen nur noch mehr Andeutungen preisgibt, wie die letzten Momente zu deuten sind. Auch diese Interpretationsfreudigkeit macht ihn so zeitlos.


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