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Tödliche Geschwindigkeit [1994]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 28. September 2010
Genre: Thriller / Action / Komödie

Originaltitel: Terminal Velocity
Laufzeit: 102 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1994
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Deran Sarafian
Musik: Joel McNeely
Darsteller: Charlie Sheen, Nastassja Kinski, James Gandolfini, Christopher McDonald, Gary Bullock, Hans Howes, Melvin Van Peebles, Suli McCullough, Cathryn de Prume, Richard Sarafian Jr.


Kurzinhalt:
Mit einem halben Dutzend Verstöße gegen die Vorschriften des Luftfahrtaufsichtsamtes ist der Fallschirmsprunglehrer Ditch Brodie (Charlie Sheen) zwar ein Held für seine Kollegen, aber für interessierte Fallschirmspringer an sich ein rotes Tuch. Dennoch lässt sich die junge Chris Morrow (Nastassja Kinski) auf ihren ersten Sprung mit ihm ein. Als Ditch sich kurz mit dem Piloten unterhält, ist Chris aus der Flugzeugkabine verschwunden und stürzt in den Tod. Es wird eine Untersuchung gegen Brodie eingeleitet, bei der sich auch der Staatsanwalt Pinkwater (James Gandolfini) einschält.
Doch als sich Ditch Videoaufnahmen des tödlichen Sturzes ansieht, entdeckt er ein weiteres Flugzeug und beginnt zu ermitteln. Eines führt zum anderen und schon bald sieht er sich an der Seite von Krista Moldova, einer ehemaligen KGB-Agentin im Kampf mit Schergen der russischen Mafia ...


Kritik:
Nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Zusammenbruch des damaligen Ostblocks entstand auf der politischen wie militärischen Bühne ein Machtvakuum, das bereits in zahlreichen Iterationen aufgearbeitet wurde. Tödliche Geschwindigkeit nimmt diesen Hintergrund als Ausgangslage für einen actionreichen, aber auch mit Humor gespickten Thriller, der das Thema womöglich etwas simpler darstellt, als es war, aber gleichzeitig nicht zu abgehoben mehr sein will, als er sein kann. Vielleicht hat der Film deshalb auch heutzutage noch zu Unrecht einen so schlechten Ruf.
Sind bei einem solchen Film männliche und weibliche Protagonisten mit von der Partie, die außerdem auf den beiden verschiedenen Seiten des an sich bereits zu Grabe getragenen Konflikts stehen, ist eine Liebesgeschichte unumgänglich. So überrascht es auch nicht, was sich zwischen dem draufgängerischen Fallschirmspringer Ditch Brodie und der ebenso attraktiven wie überlebensstarken Agentin Chris anbahnt. Überhaupt gibt es wenige Überraschungen in Terminal Velocity, so der Originaltitel des Films, der immerhin wörtlich übersetzt wurde. Wo die Figuren am Ende sein werden, wer dort alles ist, und wie viele Situationen ausgehen, ist schnell klar. Auch durchschaut man als Zuseher rasch, was hinter der vermeintlichen Selbstmörderin steckt – nur wohinter die Schurken letztlich her sind, darüber wird man sich lang den Kopf zerbrechen. Regisseur Daren Sarafian erzählt seinen Thriller nach den Gesetzmäßigkeiten des Genres, präsentiert all das in stellenweise modernen Perspektiven, die aber nie zu stark vom etablierten Konzept der 1980er Buddy-Thriller abweichen, doch verzichtet er auf eine übermäßige Gewaltdarstellung, weswegen sich der Film nicht nur an Erwachsene richtet.

Ditch Brodie ist ein Draufgänger, der sich gern über das System hinwegsetzt, und für den der Spaß wichtiger ist als die Vorschriften. Umso besser eignet er sich als Sündenbock und als ihm zur Last gelegt wird, er habe den Tod einer jungen Fallschirmspringerin zu verantworten, überraschen die Vorwürfe, er habe nicht alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen, niemanden. Nur Ditch ist sich sicher, nicht den Kopf verloren zu haben. Dann entdeckt er auf einem Videomitschnitt des Absturzes ein zweites Flugzeug, ehe sich im ersten Moment für ihn und das Publikum die Ereignisse überschlagen. Aus dem eher gemächlichen Beginn einen Agententhriller zu entwickeln, scheint mutig, zumal man weder Charlie Sheen, noch Nastassja Kinski in einer solchen Rolle sehen würde. Dank der vielen humoristischen Einlagen, und der Tatsache, dass er körperlich seinen Gegnern durchweg unterlegen ist, funktioniert Sheen als Ditch sehr gut. Auch seine Filmpartnerin lässt kaum Wünsche offen und bringt auf Grund ihrer Herkunft den Hauch einer Nicht-Amerikanerin zur Rolle. Nur darf sie nie wirklich zeigen, was körperlich in ihr stecken würde. Bei den Schurken gibt es keine großen Überraschungen, außer dass Christopher McDonalds Frisur ebenso heraussticht wie Charlie Sheens. James Gandolfini profiliert sich indes als charismatisch bösartiger Gegner, eine Rolle, die er später in einer Mafiafernsehserie perfektionieren sollte.
Die Ausgangsidee von Tödliche Geschwindigkeit setzt so viele Unmöglichkeiten und Zufälle voraus, die an sich zu aberwitzig erscheinen, als dass ein Studio ein großes Budget darin investieren würde. Womöglich ist es dem ironischen Ansatz zu verdanken, dass man es dennoch tat. Alle Beteiligten agieren, als wären sie sich der übertriebenen Situation bewusst, und auch Deran Sarafian nutzt das Skript hauptsächlich dafür, die verschiedenen Actionfeuerwerke vorzuführen, die in einem Finale münden, das ein Frachtflugzeug beinhaltet, einen Doppeldecker, bei dem ein Mann auf dem oberen Flügel sitzt, und einen roten Cadillac, der aus dem fliegenden Frachtflugzeug fällt, während eine Geisel im Kofferraum eingeschlossen ist, der Held im Fahrersitz sitzt und ein Bösewicht sich mit einer Pistole bewaffnet an der Motorhaube festklammert. Das mag wie manch andere Situation auch, vollkommen absurd erscheinen, ist aber nichtsdestoweniger packend inszeniert, erstklassig gemacht und so erfreulich unrealistisch, dass man sich gern darin verliert.


Fazit:
Wer versucht, die Story von Tödliche Geschwindigkeit in ihre Einzelteile zu zerlegen, der wird schnell an seine Grenzen kommen. Deran Sarafians Thriller nimmt sich glücklicherweise nicht ernst, auch wenn der Hintergrund durchaus ernst gemeint ist. Auch bewahren sich die Macher und Beteiligten eine Leichtfüßigkeit, die es einfach macht, den Film als das zu sehen, was er sein soll: actionreiche Unterhaltung mit einem Hauch Kalter Krieg-Thematik und charmanten Darstellern. Das gelingt auch sehr gut, nur hätte man aus verschiedenen Elementen womöglich einen besseren Thriller gestalten können.
Wer sich dank der sympathischen Darsteller auf Terminal Velocity einlässt und bereit ist, die One-Liner zusammen mit den sehr guten Stunts und dem hohen Tempo des Films wirken zu lassen, der wird auch nicht enttäuscht. Das macht den Film zwar nicht zum Klassiker, aber bedeutend besser, als er damals wie heute meist geredet wird.


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