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Timeline [2003]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 10. August 2008
Genre: Action / Science Fiction

Originaltitel: Timeline
Laufzeit: 110 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2003
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Richard Donner
Musik: Brian Tyler
Darsteller: Paul Walker, Frances O'Connor, Gerard Butler, Billy Connolly, David Thewlis, Anna Friel, Neal McDonough, Matt Craven, Ethan Embry, Michael Sheen, Lambert Wilson, Marton Csokas, Rossif Sutherland


Kurzinhalt:
Bei archäologischen Ausgrabungen in Frankreich entdecken Andre Marek (Gerard Butler), Kate Ericson (Frances O'Connor) und Christ Johnston (Paul Walker) in einer verschütteten Kammer eine Nachricht ihres jüngst abgereisten Ausgrabungsleiters Professor E.A. Johnston (Billy Connolly), Chris Vater. Doch sein Hilferuf auf dem Papier ist datiert auf 1357.
Bei dem Sponsor der Ausgrabung, ITC, zu dem Professor Johnston unterwegs war, gibt man seinen Schülern keine Auskunft. Wenig später dort angekommen erfahren sie, dass der Professor mittels einer Zeitmaschine ins Frankreich des 14. Jahrhunderts teleportiert wurde. Seitdem ist der Kontakt mit ihm abgebrochen. Die Studenten sollen ihm folgen und ihn finden, begleitet von Spezialist Frank Gordon (Neil McDonough). Im mittelalterlichen Frankreich angekommen sehen sie sich einem schicksalsträchtigen Tag gegenüber, und als sie den Professor endlich ausfindig machen funktionieren ihre Marker nicht, um sie in die Gegenwart zurück zu holen.
Die Zeit läuft auch den technischen Leitern der ITC davon, nach einer Beschädigung der Zeitmaschine bleiben nur wenige Stunden, um das Gerät zu reparieren – dabei hat Leiter Doniger (David Thewlis) der Expedition eines nicht verraten. Einer seiner Mitarbeiter, William Decker (Marton Csokas) ist bei einem vorherigen Trip im mittelalterlichen Frankreich geblieben und verfolgt dort ganz eigene Pläne …


Kritik:
Nicht erst seit Jurassic Park [1993] gilt Romanautor und Filmemacher Michael Crichton als Garant für volle Kassen. Seine Romane landen in regelmäßigen Abständen auf den Spitzenplätzen der Bestsellerlisten und mit seiner Kombination aus aktueller Technologie und klassischen Abenteuergeschichten hat er den sogenannten Technothriller quasi erfunden. Dennoch ziert sich Hollywood oft, seine Romane zu adaptieren. Meist, weil die Geschichten oder Hintergründe dafür zu komplex geraten sind, oder aber die Settings zu ausschweifend. Im Falle von Timeline waren Kenner des ohnehin schon nicht einhellig positiv aufgenommenen Romans zusätzlich enttäuscht. Ebenso wie das Studio Paramount, das Filmemacher Richard Donner neue Schnittfassungen auferlegte.
Als zum zweiten Mal umgeschnitten wurde, sollte auch die Musik von Altmeister Jerry Goldsmith erneut angepasst werden. Doch dieser lehnte mit der Begründung ab, dass er bereits zuviel Zeit mit dem Film verbracht habe – so dass sein letzter Score, bevor er an Krebs verstarb, gar nicht zu hören ist, sondern erst posthum auf CD erschien.

Doch das größte Problem bei Timeline ist nicht bei der Musik zu suchen, sondern vielmehr bei der Geschichte an sich, die auf eine Art erzählt ist, dass man stellenweise unfreiwillig schmunzeln muss, und doch mitunter nur ungläubig den Kopf schütteln kann.
Von der Tatsache einmal ganz abgesehen, dass es den Figuren erst sehr spät in den Sinn kommt, dass sie an sich nichts verändern dürfen, da jegliche Einmischung eine Veränderung der Zukunft wie sie sie kennen bedeuten würde, wird munter gemordet, gerettet und mit Paradoxen gespielt, dass selbst eingefleischte Science Fiction-Fans ins straucheln kommen. Auffällig ist, mit welchem Tempo die Geschichte augenscheinlich in Fahrt kommt, ohne dass die Grundlagen dafür aber ausreichend erklärt worden sind. So werden die Expeditionsteilnehmer unter Druck gesetzt, sich ins 14. Jahrhundert zu faxen, obgleich man mit einer Zeitmaschine zur Hand doch eigentliche alle Zeit der Welt hat. Eine ganze Reihe von Figuren wird vorgestellt, die aber allesamt nichts anderes zu tun bekommen, als sich möglichst schnell und effektvoll massakrieren zu lassen. Auch das Forschungsfeld der Archäologie wird als hippe Abenteuerbeschäftigung vorgestellt, in dem ausschließlich junge Menschen ihre Erfüllung suchen. Selten war die Ausgangslage einer Geschichte so voll von Klischees, die Figuren so schemenhaft und eindimensional und die Dialoge trotz der bemüht natürlichen Darbietung mit sich überlappenden Gesprächsfetzen so gekünstelt.
Da hilft es auch nicht viel, dass die Akteure ab ihrer Ankunft im Mittelalter permanent am Rennen sind, dabei mal zueinander finden und dann wieder auseinander getrieben werden. Das alles erscheint verkrampft auf Tempo getrimmt, ohne zwischen den Actionmomenten eine zusammenhängende Story vorweisen zu können.

Die Sprünge zwischen den Szenen, in denen Figuren zuerst auf den Dächern brennender Hütten sitzen und im nächsten Moment 100 Meter davon entfernt durch das Gras rennen, erweckt ebenfalls den Eindruck eines stark zusammengestückelten Gesamtergebnisses, das unter den neuen Schnittfassungen merklich gelitten hat. Regisseur Richard Donner gelingt so allenfalls eine fahrige Umsetzung, die aber auf Grund der mangelnden Beziehung zu den Figuren die Zuschauer nur leidlich interessiert. Dass etablierte Figuren in nebensächlichen Szenen verheizt werden hilft dabei ebenso wenig wie ein krampfhaft auf zwei Zeitebenen erstellter Spannungsbogen mit der Reparatur der Zeitmaschine in der Jetztzeit, die einzig von den beiden Leitern der Anlage betrieben wird.
Dass die Bauten und Außenaufnahmen dabei durchaus aufwändig waren und Timeline ein stattliches Budget von 80 Millionen Dollar zur Verfügung stand, sieht man dem Film durchaus an. Doch gehen jene Attribute angesichts von sich ständig wiederholenden und gänzlich ungeordnet erscheinenden Kampfszenen verloren. Kamera und Schnitt scheinen ständig darum bemüht, sich die besten Momente gegenseitig wegzunehmen, anstatt sich gegenseitig zu unterstützen. Dass der Film ursprünglich ein anderes Erzähltempo besessen haben soll, glaubt man gern – ihm das vorliegende aufzuzwingen tat der handwerklich belanglosen Umsetzung aber nicht gut. So enttäuscht Donner nach dem handwerklich immerhin soliden Lethal Weapon 4 - Zwei Profis räumen auf [1997] mit einer weniger als durchschnittlichen Leistung.

Durch den jungen, damals eher unbekannten Cast hätten die Macher die Möglichkeit gehabt, Timeline ein frisches Gesicht zu verleihen. Aber während Paul Walker, bekannt aus Filmen wie Antarctica - Gefangen im Eis [2006], Running Scared [2006] oder Into the Blue [2005], hier überraschenderweise wieder mit mimischer Abwesenheit enttäuscht und es somit nicht wundert, dass der grundsätzlich sympathische Mime nach wie vor seinen großen Durchbruch verpasste, vermag auch die übrige Besetzung nicht so recht mitzureißen.
Frances O'Connor leidet zwar eindeutig unter der deutschen Synchronstimme, wirkt aber ebenfalls nicht engagierter als ihre männlichen Kollegen, von denen allenfalls Gerard Butler (300 [2006], Die Insel der Abenteuer [2008]) noch zu überzeugen vermag. Er scheint von den Ereignissen als einziger mitgerissen und überwältigt, während die anderen es mit Leichtigkeit hinnehmen, ins 14. Jahrhundert gefaxt worden zu sein.
Billy Connolly und Anna Friel agieren immerhin routiniert, wohingegen David Thewlis und Matt Craven merklich unter ihren schwachen Dialogzeilen zu leiden haben. Ein Trauerspiel sind hingegen die Darbietungen von Neal McDonough, Marton Csokas und insbesondere Michael Sheen, die bekanntermaßen spielen können, hier jedoch agieren, als würden sie ihre Figuren als Karikaturen sehen. Dagegen scheinen selbst Lambert Wilson und Rossif Sutherland engagierter, die dagegen kaum etwas zu tun bekommen.
So vielversprechend der Cast hätte sein können und woran auch immer es gelegen haben mag, von wenigen Ausnahmen abgesehen bekleckert sich hier kaum jemand mit Ruhm.

Mit der Miniserie Children of Dune [2003] gelang Komponist Brian Tyler der Durchbruch auch bei den Produzenten in Hollywood – doch statt seinen Score ebenso orchestral und doch voluminös anzusiedeln, erinnert Timeline mehr an Die Stunde des Jägers [2003] durch kraftvolle, düstere Rhythmen und eher unterschwellige eingehende Melodien.
Während Jerry Goldsmiths Kompositionen für die überarbeitete Filmfassung vielleicht zu zurückhaltend, zu minimalistisch klangen (wobei er immerhin den Mix zwischen Mittelalter und heutiger Zeit durch dezent eingebrachte Synthesizerklänge unterstützte), lenkt Tylers Musik durch sich ständig wiederholende und insofern wenig einfallsreiche Themen vom Geschehen ab. Das macht den Score zwar nicht schlecht, aber sicherlich nicht die beste Lösung für den Film.

Im Zuge der neuen Schnittfassungen gingen Teile der Handlung verloren, so angeblich auch eine ehemals für wichtig befundene Nebenhandlung, die in der parallelen Geschichte in der heutigen Zeit stattgefunden hätte. Wie das hätte aussehen können, wird man allerdings wohl nicht erfahren, immerhin beinhaltet die erschienene DVD zwar mehrteilige Dokumentationen und Interviews mit dem Regisseur, doch keinen Audiokommentar und keine gelöschten Szenen.
Dabei wäre zumindest das Konzept einer alternativen Fassung von Regisseur Richard Donner interessant gewesen. Im Falle von Timeline ändert dies zwar nichts am Endergebnis, das allenfalls durch ein ordentliches und nicht unaufwändiges Setdesign überzeugt, aber ansonsten auf so vielen Ebenen enttäuscht, dass man den Film nur mit Mühe noch als durchschnittlich bezeichnen kann.


Fazit:
Mitunter wäre es bedeutend einfacher, Filme, die den Erwartungen nicht gerecht werden und trotz namhafter Beteiligter das Mittelfeld der mittelmäßigen Produktionen nicht verlassen können, ad acta zu legen, wenn sie denn durch und durch schlecht wären.
Doch auch bei Timeline ist immerhin in der Geschichte die ein oder andere gute Idee zu erkennen, und auch von den Darstellern gibt es einige wenige, die sympathisch erscheinen und motiviert bei der Arbeit sind. Doch am sehr durchschnittlichen Gesamteindruck ändert das leider nichts. Von Regisseur Richard Donner uninspiriert inszeniert und nicht zuletzt durch die Überarbeitungen unspannend verschnitten enttäuscht die Verfilmung des Michael Crichton-Romans auf vielen Ebenen.
Aus dem Stoff hätte man ohne Zweifel ein packendes Science Fiction-Abenteuer machen können, doch nicht zuletzt das mehrfach umgeschriebene Drehbuch erstickt die Ansätze schon in Keim.


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