Ticket ins Paradies [2022]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 10. September 2022
Genre: Komödie / Liebesfilm

Originaltitel: Ticket to Paradise
Laufzeit: 104 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2022
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Ol Parker
Musik: Lorne Balfe
Besetzung: George Clooney, Julia Roberts, Kaitlyn Dever, Maxime Bouttier, Billie Lourd, Lucas Bravo


Kurzinhalt:

Nachdem sich die geschiedenen Eheleute David (George Clooney) und Georgia (Julia Roberts) für die Abschlussfeier ihrer Tochter Lily (Kaitlyn Dever) notdürftigst zusammengerissen haben, lernt diese bei ihrem anschließenden Urlaub auf Bali mit ihrer besten Freundin Wren (Billie Lourd) den einheimischen Gede (Maxime Bouttier) kennen und verliebt sich in ihn. Nur etwas mehr als einen Monat später erhalten Lilys Eltern eine Nachricht, dass sie heiraten wird – auf Bali, in vier Tagen. Überzeugt, dass ihre Tochter damit einen großen Fehler begeht, einerseits aus ihrer eigene Erfahrung heraus, aber auch, weil Lily eine vielversprechende Karriere als Anwältin nicht weiterverfolgen will, schließen Georgia und David einen Waffenstillstand. Gemeinsam wollen sie Lily überzeugen, ihre Zukunftspläne nicht aufzugeben. Dafür greifen sie auch zu drastischen Mitteln, entdecken jedoch in dem Urlaubsparadies auch wieder Eigenschaften an einander, die sie einst am anderen liebten. Bis Georgias neuer Freund Paul (Lucas Bravo) mit einem Überraschungsbesuch die romantische Stimmung für sich nutzen möchte …


Kritik:
Sowohl Julia Roberts als auch George Clooney besitzen ein universell ansteckendes Lächeln. Sieht man sie strahlen, kann man nicht anders, als selbst die Mundwinkel nach oben zu ziehen. Dieser Charme ist es, den sich Ol Parker in Ticket ins Paradies zunutze und der die absehbare Komödie zu einem so leichtfüßig-unterhaltsamen Spaß macht. Selbst dann, wenn es außer geradezu paradiesischen Landschaftseindrücken und eben der Besetzung kaum etwas zu entdecken gibt.

Die Geschichte klingt wie eine Abwandlung der Mamma Mia!-Filme, was daran liegen mag, dass Parker sowohl hier als auch bei Mamma Mia! Here We Go Again [2018] für Regie und Drehbuch verantwortlich zeichnet. Darin reisen David und Georgia nach Bali, wo ihre Tochter Lily nur einen Monat nach ihrem Studienabschluss heiraten will – ausgerechnet den einheimischen Algenfarmer Gede, den sie auf der Urlaubsreise nach dem Studium kennengelernt hat. Für ihn will sie auch ihre vielversprechende Karriere als Anwältin aufgeben. Grund genug, dass sich die seit beinahe 15 Jahren geschiedenen Eltern, die sich kein gutes Wort zu sagen haben, zusammenraufen und mit einem Plan versuchen, ihre Tochter von der Hochzeit abzubringen. Dabei präsentiert Ticket ins Paradies in etwa genau die Elemente, die man bei der Ausgangslage erwarten würde. Angefangen von traumhaften Bildern einer geradezu außerweltlichen Insel, über die Kabbeleien zwischen dem streitenden Ex-Ehepaar, bis hin zu Momenten, in denen sie sich auf peinliche Weise selbst bloßstellen und doch erkennen, was sie einst zueinander hinzog. Hinzu kommen Erkenntnisse, dass Kinder ihre eigenen Entscheidungen treffen (wie die Eltern einst auch) und dass die Ehe, bei der nicht alles schlecht war, nicht nur aus einem Grund gescheitert ist. Ein wenig komplexer wird all dies allenfalls dadurch, dass Georgias neuer Freund, der französische Pilot Paul, unverhofft auf der Insel ankommt, und dass Gede die Absichten seiner künftigen Schwiegereltern durchschaut.

Filmemacher Parker hält sich so sehr an das Klischeeregelbuch, dass es selbst die talentierte Besetzung schwer zu haben scheint, irgendwelche neuen Akzente zu setzen. Ein unerwarteter Ansatzpunkt ist allenfalls, dass das künftige Ehepaar mehr Zeit eingeräumt bekommt. Nach dem Auftakt, bei dem David und Georgia in einer Collage jeweils einer namenlosen Person, aber eigentlich dem Publikum, einen Abriss ihrer gemeinsamen Zeit schildern und sich anschließend zur Abschlussfeier ihrer Tochter aufmachen, stellt Ticket ins Paradies Lily und ihre beste Freundin Wren vor, die auf Bali von Gede gerettet werden. Auf den ersten Blick verliebt, spürt Lily sofort, dass sie auf Bali bleiben möchte. Sie erzählt Gede, dass sie das Studium und ihr großes Karriereziel nur ihren Eltern zuliebe verfolgt hat. Weshalb Ol Parker dies so ausschweifend erzählt, hätte man die ersten 10 Minuten des Films im Grunde mühelos zusammenstreichen und in einem kurzen Dialog verarbeiten können, verwundert im ersten Moment. Es ergibt jedoch dann Sinn, wenn man im Nachhinein sieht, dass Lily ihre Eltern mit ihrer Lebensplanung nie konfrontiert. Anstatt wenigstens einen absehbaren (und oftmals gehörten) Konflikt mit den Erwartungen der Eltern vorzustellen, macht Lily dies mit sich selbst aus. Was sie überhaupt auf Bali mit ihrem Leben anfangen will, thematisiert das Drehbuch überhaupt nicht.

Stattdessen entwickeln sich Davids und Georgias Antipathien und ihre zaghafte Annäherung nach vertrautem Muster und für mögliches Konfliktpotential sorgt allenfalls die Sabotage der Hochzeit, die nach alter Tradition erfolgen soll. Die Story von Ticket ins Paradies bleibt somit selbst für diese Art Geschichte überaus seicht, wobei George Clooney in einer frühen Szene, in der er Wren an der Bar sitzend aus seiner Sicht schildert, wann die Ehe mit Georgia zerbrochen ist, beweist, wie viel Charakter er der Figur allein durch seinen melancholischen Blick und das Zögern in seiner Stimme zu verleihen vermag. Seine Darbietung ist zusammen mit derjenigen von Julia Roberts das Highlight des Films und ihre gemeinsamen Momente Gold wert. Zuerst auf Grund ihrer Wortgefechte, später auf Grund der Chemie, die sich zwischen ihnen entwickelt. Sie sind es auch, die einen Großteil des Publikums anlocken werden. Wer sich allein hierauf einstellt, ohne zu große Erwartungen an eine überraschende oder tiefergehende Geschichte zu stellen, wird genau das bekommen.


Fazit:
Wenig überraschend, sind es insbesondere die ernsteren Szenen, in denen die Figuren an Tiefe gewinnen und in denen Julia Roberts und George Clooney beweisen, dass sie zu den größten Stars ihrer Generation gehören. Ihnen gelingt es auch ohne Worte, dem Publikum zu vermitteln, was in David und Georgia vorgeht und sieht man sie sich freuen, freut man sich mit ihnen. Für die Besetzung scheint der Dreh ein großer Spaß gewesen zu sein und Vieles hiervon überträgt sich auf das Publikum. Doch das täuscht nur bis zu einem gewissen Punkt darüber hinweg, dass die Geschichte selbst zu oberflächlich bleibt, zu viele Klischees mitnimmt und, ja, auch teilweise zu albern gerät. Vor allem, da gerade mit den Darstellerinnen und Darstellern reichlich Potential vorhanden ist, die Höhen und die Tiefen einer solchen Story auszuloten. Ticket ins Paradies geht diesen Weg bewusst nicht, sondern präsentiert sich als leichtfüßige Unterhaltung, die vor traumhafter Kulisse die Stimmung eines Kurzurlaubs versprüht, mit den Kabbeleien seiner zwei Stars, die einen geradezu ansteckenden Charme verbreiten. Lässt man sich darauf ein, kann man sich hier durchaus mittragen lassen. Aber wie bei dem mit ähnlich sympathischer Atmosphäre erzählten Sechs Tage, sieben Nächte [1998] bleibt doch das Gefühl, dass hier viel mehr möglich gewesen wäre. Das ist eben auch schade.