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Three Burials - Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada [2005]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 08. Mai 2011
Genre: Drama

Originaltitel: The Three Burials of Melquiades Estrada
Laufzeit: 121 min.
Produktionsland: USA / Frankreich
Produktionsjahr: 2005
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Tommy Lee Jones
Musik: Marco Beltrami
Darsteller: Tommy Lee Jones, Barry Pepper, Julio Cedillo, Dwight Yoakam, January Jones, Melissa Leo, Levon Helm, Mel Rodriguez, Cecilia Suárez, Ignacio Guadalupe, Vanessa Bauche, Irineo Alvarez, Guillermo Arriaga, Josh Berry, Rodger Boyce


Kurzinhalt:
Pete Perkins (Tommy Lee Jones), angestellter Cowboy einer Ranch, ist ein Mann, der nichts Unüberlegtes tut. Auch, als er den Grenzpolizisten Mike Norton (Barry Pepper) in seinem mobilen Haus mit einer Waffe bedroht und ihn zwingt, mit ihm zu kommen, geschieht dies nach reiflicher Planung. Norton hat den illegalen mexikanischen Arbeiter Melquiades Estrada (Julio Cedillo) erschossen – ein Verbrechen, das Sheriff Belmont (Dwight Yoakam) nicht aufklären will. Melquiades war ein Kollege und guter Freund von Perkins, der ihm versprach, sollte ihm etwas zustoßen, seine Leiche zu seiner Familie nach Mexiko zu bringen.
Auf Pferden macht sich Perkins mit Norton und dem Leichnam auf den Weg, wobei ihm die Grenzpolizei und Belmont auf den Fersen sind. Die Reise bedeutet für beide Männer Ungewisses und hält schmerzvolle Erfahrungen bereit. Auch für Lou Ann (January Jones), Nortons Frau, die zurückgelassen wurde und in der ansässigen Rachel (Melissa Leo) sich selbst wieder entdeckt, sollte sie nicht bald eine Entscheidung treffen ...


Kritik:
Tommy Lee Jones erste Kinoregiearbeit, Three Burials - Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada, ist ein sehr schwer einzuordnender Film. Themen wie Schuld, Wiedergutmachung, Vergeltung finden sich in einer Geschichte, die mehr durch die Wörter lebt, die nicht ausgesprochen zwischen den Figuren hängen. Die ausdrucksstarken Bilder verleihen den Charakteren eine durchgängige Melancholie, die auch dann nicht nachzulassen scheint, als sie ihre wahre Bestimmung gefunden haben. Der illegale, mexikanische Einwanderer Melquiades Estrada verändert dabei Zeit seines Lebens und in seinem Tod manche Menschen nachhaltig, jedoch vermutlich ohne es zu wollen. Er gibt in einer mehr körperlich als emotionalen Affäre der neu in die texanische Grenzstadt gezogenen Lou Ann das Gefühl, wieder attraktiv und begehrt zu sein. Er scheint der einzige Vertraute, vielleicht sogar der einzig wirkliche Freund von Pete Perkins zu sein, mit dem er zusammen auf einer Ranch arbeitet. Und was Pete auf sich nimmt, nachdem er erfahren hat, wer Melquiades getötet hat, wird das Leben seines Mörders verändern.

Three Burials erzählt die erste Hälfte nicht in chronologischer Reihenfolge, schildert, wie Melquiades Estradas Leiche gefunden wird, wie der ansässige Sheriff, der wie Pete ein Verhältnis mit der verheirateten Rachel hat, nicht gewillt scheint, den Mörder des illegalen Einwanderers zu finden. Pete bittet den Sheriff, ihm die Leiche nach der Obduktion zu übergeben, um sie seiner Familie in Mexiko zu bringen, von der Melquiades immer erzählt hat. Er hat ein Bild bei sich getragen, auf dem die Frau und die drei Kinder im Vordergrund und Estrada selbst etwas im Hintergrund zu sehen sind. Die seltsame Anordnung der Personen auf dem Foto wird Zuschauer wie Hauptfigur erst später beschäftigen. Doch der Sheriff übergeht Pete.
Die Stadt Van Horn, nahe der mexikanischen Grenze, schildert Regisseur Tommy Lee Jones als ein Ort, in dem sich die Hoffnungslosigkeit einer ganzen Gesellschaft widerspiegelt. Hier ist niemand glücklich und jeder, der hierher kommt, scheint von der ansteckenden Wirkung der Stadt sofort infiziert. Auch Lou Ann, bei der man jedoch nicht weiß, ob sie hier ist, weil ihr Leben mit dem Grenzpolizist Mike nicht so verlaufen ist, wie sie es sich vorgestellt hatte, oder ob sie erst durch ihre Ankunft unglücklich wurde. Frustriert ist auch Mike, der auf einer Patrouille eine folgeschwere Entscheidung trifft und dabei Melquiades erschießt. Sein Vorgesetzter klärt die Vorgehensweise mit dem Sheriff ab und Norton wird nicht belangt. So sieht sich Pete gezwungen, selbst zu handeln und entführt Mike und Melquiades' Leichnam. Zu Pferd machen sie sich auf den Weg nach Mexiko, den Sheriff und die Grenzpolizei im Nacken. Vor ihnen liegt Wüste, Stock und Stein – und ein Weg, der bei beiden Männern zur Selbsterkenntnis führt.

Ob Pete dabei die Reise mehr für sich selbst als für seinen verstorbenen Freund aufnimmt, muss der Zuschauer für sich entscheiden. Die Tatsache, dass er sie zu Ende bringt, auch wenn es kein eindeutiges Ziel gibt, legt eine Antwort allerdings nahe. Mike Norton erfährt auf seiner unfreiwilligen Reise eine schmerzhafte Läuterung, die ihn vielleicht nicht unbedingt zu einem besseren Menschen, aber ihn für seine Mitmenschen angenehmer macht. Three Burials stellt dabei oft Gegensätze und Gemeinsamkeiten vor. Zeigt Rachel und Lou Ann wie ein und dieselbe Person, an unterschiedlichen Zeiten ihres Lebens. Stellt die mexikanische der amerikanischen Grenzseite gegenüber, und dass die Menschen auf beiden denselben Dingen nachgehen. Das ist bedächtig erzählt und durchaus anspruchsvoll, aber so elegisch dargebracht, wie man es beispielsweise von No Country for Old Men [2007] her kennt. Tommy Lee Jones verleiht seinem ruhigen, trauernden Protagonisten durch Körpersprache und Mimik eine Vielschichtigkeit, die beispiellos ist. Barry Pepper leidet hingegen so überzeugend, dass man beinahe vergessen könnte, was er getan hat, und Mitleid mit ihm empfindet. Melissa Leo und January Jones hingegen bringen die weiblichen Rollen durch ihr Spiegelbild ähnliches Auftreten auf den Punkt. Der Regisseur schart bei Three Burials eine Besetzung um sich, die herausragender kaum sein könnte, Julio Cedillo zählt hier verständlicherweise ebenfalls dazu. Nur gibt es darunter niemanden, der genügend Sympathie verdient, dass man ihm auf seiner Reise würde folgen wollen – nicht einmal Melquiades selbst, wie sich ergibt. Der Ausblick auf eine Verbesserung der Lebensumstände durch eine Katharsis, die hier zumindest bei Pete Perkins so versteckt einsetzt, dass man sie glatt übersieht, mag das Ende zwar als Denkanstoß für das Publikum sehen. Doch der Weg dahin ist auch als Film lang und steinig.


Fazit:
Jeder, der an Three Burials - Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada beteiligt ist, leistet hervorragende Arbeit. Die Bilderauswahl ist verschwenderisch bis erdrückend in ihrem Abwechslungsreichtum der Landschaft oder ihrer Trostlosigkeit. Auch Komponist Marco Beltrami ergänzt sein Repertoire um ungeahnte Melodien und Regisseur und Hauptdarsteller Tommy Lee Jones spornt seine Kollegen zu Höchstleistungen an, während er gleichzeitig ein Porträt einer Gesellschaft zeichnet, die keine Ehrlichkeit und keine Hoffnungen vorweisen kann.
Bis bei den Figuren eine Läuterung einsetzt, und die als Strafe für das Verbrechen dargebrachte Reise nach Mexiko beinhaltet eine solche sowohl für die beiden Männer, wie auch für die Personen, die sie zurückgelassen haben, dauert es mitunter lange. Schwieriger ist allerdings, dass zu wenige Identifikationsfiguren das langsam erzählte Drama voran bringen. Das ist zwar anspruchsvoll, aber selbst für ein ruhiges Publikum nichtsdestoweniger strapaziös.


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