skip to content

Thor [2011]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 21. November 2011
Genre: Action / Fantasy

Originaltitel: Thor
Laufzeit: 115 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2011
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Kenneth Branagh
Musik: Patrick Doyle
Darsteller: Chris Hemsworth, Natalie Portman, Tom Hiddleston, Anthony Hopkins, Stellan Skarsgård, Kat Dennings, Clark Gregg, Idris Elba, Colm Feore, Ray Stevenson, Tadanobu Asano, Josh Dallas, Jaimie Alexander, Rene Russo, Adriana Barraza, Maximiliano Hernández


Kurzinhalt:
Das Götterreich Asgard ist im Umbruch. Allvater Odin (Anthony Hopkins) wird den Thron an seinen kampflüsternen Sohn Thor (Chris Hemsworth) übergeben. Doch während der Zeremonie dringen Eisriesen in den Palast ein und können nur in letzter Sekunde vom Diebstahl eines wichtigen Relikts abgehalten werden. Thor sinnt auf Rache und widersetzt sich der Anweisung Odins, indem er mit seinem Bruder Loki (Tom Hiddleston) und seinen vier Gefährten auf die Eiswelt Jötunheim reist. Sie wollen in Erfahrung bringen, wie die Eisriesen unbemerkt nach Asgard kamen
Über diesen Vertrauensbruch erzürnt verbannt Odin Thor auf die Erde und beraubt ihn seiner Kräfte. Thors Hammer wird ebenfalls auf die Erde geschleudert, kann aber nur von jemandem bewegt werden, der seiner würdig ist. In der Wüste trifft Thor auf die Astronomin Jane Foster (Natalie Portman), die zusammen mit Erik Selvig (Stellan Skarsgård) und Darcy (Kat Dennings) seltsame Wetterphänomene beobachtet. Als die Geheimorganisation S.H.I.E.L.D. auf Thors Hammer aufmerksam wird, spitzt sich die Lage zu, zumal immer noch Verräter in Asgard sind, die offensichtlich Odins Sturz planen. Oder schlimmeres ...


Kritik:
Wir sind inzwischen an dem Punkt angekommen, an dem selbst lange vorbereitete Filmproduktionen durch ihre detaillierte, aufwändige Machart, sprich ihre Spezialeffekte, nicht mehr begeistern können. Dafür befinden sich diese bei zu vielen Filmen auf einem zu ähnlichen, hohen Niveau. Gerade darum sollten die Filme durch ihre Geschichten zu begeistern versuchen. Doch genau das tut Thor leider nicht. Die Filmemacher, angeführt von dem renommierten Regisseur Kenneth Branagh, versuchen mit Schauwerten dagegen zu halten und können womöglich wer darauf aus ist, überzeugen. Wer auf Figuren hofft, die sich selbst und ihre Identität suchen, einen Helden im Konflikt erwartet oder gar auf sozialkritische Themen unter dem Deckmantel einer Fantasystory eingestellt ist, was viele Comics ja bieten, der wird enttäuscht.

Die namhafte Besetzung, darunter Natalie Portman,. Anthony Hopkins und Stellan Skarsgård, schleppt sich durch eine Geschichte, die Shakespeare-Legende Branagh nach eigenen Angaben der Struktur von Heinrich V [1599] angepasst hat. Tatsächlich geht es in Thor um den zukünftigen, hitzköpfigen jungen König, der sich zahlreichen Prüfungen stellen muss, um den Idealen zu entsprechen, die sein Vater Odin vor ihm als Maßstab gesetzt hat. Doch beobachtet man, wie sich Thor in wenigen Minuten von der arrogant überheblichen Gottheit zu einem Frühstück servierenden Mustermann wandelt, kann man nicht umhin zu schmunzeln, selbst wenn das Gezeigte freiwillig keinen Anlass dazu bietet.
Wann uns das Drehbuch zum Lachen auffordert ist nicht nur weit abzusehen, sondern so klischeehaft dargebracht, dass man meinen könnte, die Vorlage wäre vor 30 Jahren verfasst worden. Und das nicht nur, weil die Szene, in welcher der haushohe Destroyer eine abgelegene Kleinstadt beim Finale in Schutt und Asche legt, stark an Superman II - Allein gegen alle [1980] erinnert.

Bis es soweit ist lernen wir das Götterreich von Asgard kennen, wo Odin über sein Volk mit weiser Hand regiert. Sein Sohn Thor ist zu seinem Nachfolger bestimmt, doch am Tag seiner Krönung dringen Eisriesen in Asgard ein, um ein Relikt zu stehlen, mit dem sie ihre Eiswelt Jötunheim wieder zu ehemaligem Glanz auferstehen lassen könnten. Beim letzten Krieg zwischen Asgard und Jötunheim hatte Odin dieses Relikt vermutlich gestohlen. Thor reist mit Loki und seinen treuen Gefährten nach Jötunheim, um herauszufinden, wie die Eisriesen unbemerkt in Asgard eindringen konnten. Dabei beginnt er beinahe einen neuen Krieg und wird als Strafe von Odin auf die Erde verbannt. Sein mächtiges Kriegswerkzeug, Thors Hammer Mjölnir wirft er ebenfalls auf die Erde, und nur wer seiner würdig ist, soll ihn vom Fleck bewegen dürfen.
Wer sich nicht mit jener sagenumwobenen Welt von Asgard abfinden kann, in der die Wesen unvorstellbare Kräfte besitzen, Heilungsverfahren einsetzen, die unsere kühnsten Träume übersteigen und auf schimmernden, kristallinen Brücken, dem Bifröst, in ferne Welten wie der unsrigen reisen, der sollte besser nicht weiter hinschauen. Weswegen diese göttergleichen Wesen über jene sagenumwobene Regenbogenbrücke ausgerechnet mit profanen Pferden reiten, ist wohl ihr Geheimnis – immerhin können sie auch fliegen. Wenigstens Thor, wenn er an seinem Hammer hängt. Nichtsdestoweniger findet sich Thor auf der Erde wieder und wird von der Astronomin Jane Foster aufgelesen, die sich jedoch mehr wie ein frisch verliebtes Teenagerschulmädchen benimmt und ebenso verdruckst vor sich hin kichert. Dass es letztlich darum geht, Thor Demut zu lehren, damit er seines Hammers würdig ist, versteht sich von selbst, und bis es soweit ist, erfahren wir, wie schnell sich nordische Götter nahe der mexikanischen Grenze von weiblichen Wissenschaftlern domestizieren lassen, und wie Loki sein eigenes Geheimnis entdeckt und finstere Pläne im Reich Asgard schmiedet.

All das ist aus Mangel an interessanten Figuren nicht nur zäh, sondern in der Entwicklung der Szenen bisweilen so absurd, dass es einfacher ist, sich von den lauten Explosionen und Kämpfen ablenken zu lassen, als Gedanken an die Geschichte zu vergeuden. Fans des Marvel-Comicuniversums können sich immerhin auf zahlreiche Anspielungen freuen, die allesamt (worauf der Abspann auch hinweist) auf das Superheldentreffen Marvel's The Avengers [2012] überleiten. Es war zu hoffen, dass Kenneth Branagh auf dem Regiestuhl der Thematik eine charakterliche Tiefe verleihen würde, etwas das Sam Raimi mit seinen Spider-Man-Filmen auf eine unbeschwertere Art und Weise gelang als Christopher Nolan bei seiner düsteren Batman-Neuinterpretation. Doch davon ist nichts zu sehen. Thor ist als Figur eindimensionaler als er es in einem Comic-Bild je sein könnte. Angesichts der übrigen Figuren befindet er sich hier zwar in zahlreicher und guter Gesellschaft, doch bei den Namen, die hinter dem Projekt stehen ist es schlicht eine Enttäuschung.


Fazit:
Es wäre interessant zu wissen, welches Potential Produzenten aus einem Drehbuch herauslesen. Von den bunten Spezialeffekten, den Zeitlupen, dem wallenden Haar oder muskelgestärkten Oberkörper der Hauptfigur oder den haselnussbraunen Augen von Natalie Portman kann darin eigentlich nicht die Rede sein, oder doch? Inhaltlich enttäuscht Thor mit einer Geschichte, die paradoxerweise in Asgard noch mehr zu überzeugen vermag, als auf der Erde mit den abstrusen Entscheidungen und Dialogen der Menschen.
Den technischen Aufwand schmälert das zwar nicht und Fans der Vorlage mögen alle hier angebrachten Kritikpunkte als unzutreffend und voreingenommen abtun. Doch wer allen Ernstes behauptet, er/sie habe nicht kommen sehen, wie Foster Thor aufspüren würde, nachdem er aus dem Krankenhaus geflohen war, oder es sei überraschend gewesen, wie sich der Hammer verhält, wenn Thor ihn zum ersten Mal auf der Erde aus dem Steinblock zu reißen versucht, den wird vermutlich auch verblüfft haben, was aus Loki wird, wie es in der Szene nach dem Abspann gezeigt wird. Thor mag Vieles sein, aber einfallsreich oder übermäßig überzeugend ist die Comicverfilmung nicht.


Treffpunkt: Kritik empfiehlt TEUFEL LAUTSPRECHER GmbH – für den perfekten Heimkino-Sound!
Ok. Treffpunkt: Kritik verwendet Cookies, um den Internetauftritt bestmöglich an die Besucher anpassen zu können.
Sofern Sie auf dieser Seite bleiben, stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung.