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The Tower [2012]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 15. September 2013
Genre: Drama

Originaltitel: Ta-weo
Laufzeit: 121 min.
Produktionsland: Südkorea
Produktionsjahr: 2012
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Ji-hoon Kim
Musik: Tae-seong Kim
Darsteller: Sol Kyung-gu, Kim Sang-kyung, Son Ye-jin, Jo Min-ah, Kim In-kwon, Lee Han-wi, Song Jae-ho, Lee Joo-shil, Do Ji-han, Jung In-ki, Ahn Sung-ki, Kwon Tae-won, Jeon Guk-hyang, Cha In-pyo, Jeon Bae-soo, Kim Sung-oh, Min Young


Kurzinhalt:
Der Gebäudekomplex des Tower Sky gehört zu den luxuriösesten in ganz Yeouido, Seoul. Auf über 100 Stockwerken in zwei mit einem Glaskorridor verbundenen Gebäudeteile können sich die gut- und bestbetuchten Mieter ihren Platz am Himmel erkaufen, inklusive Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten und rund-um-die-Uhr-Betreuung. Lee Dae-ho (Kim Sang-kyung) ist Manager in dem Gebäude, auch wenn die Arbeitszeiten bedeuten, dass er die Versprechen, die er seiner Tochter Ha-na (Jo Min-ah) macht, nicht sehr oft halten kann. Für die pompöse Weihnachtsparty hat sich der Besitzer des Tower Sky, Jo (Cha In-pyo), eine Überraschung einfallen lassen: Helikopter sollen Kunstschnee über dem Gebäude verteilen, auch wenn es Warnungen auf Grund der Windsituation gibt.
Als einer der Helikopter ins Gebäude stürzt und Feuer ausbricht, ist Ha-na zusammen mit der Angestellten Seo Yoon-hee (Son Ye-jin), in die Lee Dae-ho heimlich verliebt ist, von den Flammen eingeschlossen. Die anrückende Feuerwehr hat Schwierigkeiten, zu den oberen Stockwerken vorzudringen und solange der Brandherd selbst nicht gelöscht ist, können sie sich auch nicht darum kümmern, das Feuer einzudämmen. Captain Kang Young-ki (Sol Kyung-gu) kämpft sich mit einem Trupp, darunter Sergeant Oh Byung-man (Kim In-kwon) und der Frischling Lee Seon-woo (Do Ji-han) zu dem Helikopterwrack vor. Dabei ist die Katastrophe bereits in Gang gesetzt. Nur ein Wunder wird sie aufhalten oder die zahlreichen, eingeschlossenen Menschen retten können …


Kritik:
Ganz offensichtlich ließ sich Filmemacher Ji-hoon Kim vom Klassiker Flammendes Inferno [1974] inspirieren, als er The Tower inszenierte. Sieht man sich die erste Hälfte des Films an, kommt einem durchaus die Frage, weswegen eine solche Art Katastrophenfilm in Hollywood nicht mehr produziert wird. In spätestens der zweiten Stunde allerdings wartet die Erkenntnis: Ein in Flammen stehender Wolkenkratzer, der durch die enorme Hitze droht, einzustürzen, da die Stahlkonstruktion zu schmelzen beginnt, und gigantische Asche- und Staubwolken, die sich ihren Weg durch Häuserschluchten bahnen, erinnern unwillkürlich an die Ereignisse des 11. September 2001. Aber versucht The Tower nicht, daraus Profit zu schlagen. Vielmehr ist der Film ebenso packend, wie den Opfern und Einsatzkräften angemessen umgesetzt.

Am Aufbau des klassischen Katastrophengenres hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten erstaunlich wenig verändert. In der Einleitung werden die verschiedenen Figuren vorgestellt, deren Erlebnisse während des Unglücks geschildert werden. Es scheinen am Heiligabend die Vorbereitungen für die Party im Tower Sky genannten Komplex mit noblen Wohnungen für die gut betuchten, erfolgreich zu verlaufen. Als Manager ist es in der Verantwortung von Lee Dae-ho, dafür zu sorgen, dass der Abend reibungslos verläuft, an dem der Besitzer der Wohnanlage, Jo, seinen Gästen sogar weiße Weihnachten spendieren will. Man sieht die Katastrophe sich bereits abzeichnen, noch bevor etwas passiert: Im Vorfeld wird bekannt, dass die Sprinkleranlagen in den oberen Stockwerken nicht funktionieren, da die Leitungen zugefroren und unzureichend verbaut sind. Darüber hinaus setzt sich Jo über seine Berater hinweg und befiehlt, Schnee mit Helikopter über dem zweigeteilten, mit einer gläsernen Brücke verbundenen Hochhaus zu verteilen. Und das, obwohl starke Aufwinde eine unkalkulierbare Gefahr darstellen. Hinzu kommen Figuren wie ein Frischling bei der Feuerwehr, der erst vor wenigen Stunden seinen Dienst angetreten hat, Lees Bemühen um seine Kollegin Seo Yoon-hee und seine Tochter Ha-na, die den Abend mit ihm im Tower Sky verbringt. Und auch Lees herrschsüchtiger Vorgesetzter. The Tower bringt alle Eigenschaften mit, die man von einem solchen Film erwarten würde und so verlaufen die ersten 25 Minuten nicht nur wenig überraschend, sondern dank vieler Humoreinlagen auch ein wenig unbeholfen. Verantwortlich hierfür ist vor allem die Figur des Küchengehilfen, der seiner Angebeteten einen Antrag machen möchte. Während man dies zu Beginn noch leicht ertragen kann, sind die zwei vermeintlich witzigen Momente mit ihm im späteren Verlauf des Films nicht nur unnötig, sondern auch unpassend.

Durch die prophezeiten Aufwinde stürzt ein Hubschrauber oberhalb des 60. Stockwerks in das Hochhaus und fängt Feuer – eines, das die Sprinkleranlagen nicht löschen können. Und selbst, als die Feuerwehr am Einsatzort eintrifft, reichen ihre Leitern nur bis zum 10. Stockwerk. Es sind viele Einzelheiten, die hier sehr stark an die Katastrophe erinnern, die vor 12 Jahren in den Twin Towers in New York so viele Menschenleben gekostet hat. Und sieht man hier zahllose Menschen in einem Aufzug gefangen, der vom Feuer umschlossen ist, ohne eine Möglichkeit auf Rettung, könnte man vermuten, dass es an sich schon pietätlos wäre, die Thematik überhaupt für einen Spielfilm verarbeiten zu wollen. Doch ist ab dem Moment des Hubschrauberunglücks nichts von der eingangs unterhaltsamen Atmosphäre mehr zu spüren. Ji-hoon Kim inszeniert die Katastrophe mit viel Bedacht auf erschreckend-beeindruckende Bilder, die zum einen die grausame Situation der in den oberen Stockwerken gefangenen Menschen verdeutlichen, denen später buchstäblich der Boden unter den Füßen wegbricht, und mit einem zweiten Handlungsstrang, der den erfahrenen Feuerwehrmann Kang Young-ki bei seinem Kampf gegen die Flammen begleitet.

Was geschieht ist inhaltlich nicht überraschend, aber handwerklich so hervorragend dargebracht, dass einen selbst die berechnende Kaltschnäuzigkeit des Feuerwehr-Commissioners trifft, der befiehlt, dass die Eingeschlossenen nach einer Prioritätenliste gestaffelt zu retten sind – immerhin sei es kaum möglich, alle zu befreien, schon deshalb wiege das Leben eines Abgeordneten mehr, als das eines bloßen Angestellten.
The Tower erfindet den Katastrophenfilm nicht neu und hält sich auch an bekannte Genrekonventionen, dennoch ist die verzweifelte Rettungsaktion hoch über dem Boden spannend umgesetzt und die Charaktere sind detailliert genug, dass ihre Geschichte fesselt. Wäre es nicht um die unnötigen Humoreinlagen nachdem die Kettenreaktion in Gang gesetzt wurde, wäre Ji-hoon Kim ein außergewöhnlicher Film gelungen.


Fazit:
Die Kritik an der Zweiklassengesellschaft, die sich in Oberschicht und Bedienstete unterteilt, könnte offener kaum sein und endet nicht zuletzt auf einer zynischen, aber glaubhaften Note. Trotz der vielen Figuren wirkt The Tower nicht überfrachtet; sie alle bekommen ihren Auftritt. So gelungen das Produktionsdesign zu Beginn bei der Vorstellung des Tower Sky, so beeindruckend ist es, wie aufwändig und realistisch die Katastrophe in ihrem Verlauf geschildert wird. Fernab jeden Hollywood-Budgets gelingen Regisseur Ji-hoon Kim Bilder, die sich vor seinen Vorbildern nicht zu verstecken brauchen.
Dass das Drama mitreißt, liegt gleichermaßen daran, wie an den Charakteren, die lebensnah genug sind, dass ihr Schicksal interessiert und die gleichzeitig durchweg sehr gut verkörpert werden. Einzig eine Figur stört das Gesamtbild. Doch dafür entschädigt Sol Kyung-gu als Feuerwehr-Captain, der auch den Helden und Opfern des 11. September im letzten Drittel ein Denkmal setzt. Wer sich mit den unvermeidbaren Parallelen zu den tragischen Ereignissen in New York arrangieren kann, bekommt mit The Tower einen der besten, packendsten und auch den Opfern angemessen umgesetzten Filme zu dem Thema gezeigt.


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