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The Quest - Jagd nach dem Speer des Schicksals [2004]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 23. Juli 2005
Genre: Unterhaltung / Fantasy / Komödie

Originaltitel: The Librarian: Quest for the Spear
Laufzeit: 90 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2004
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Peter Winther
Musik: Joseph LoDuca
Darsteller: Noah Wyle, Sonya Walger, Bob Newhart, Kyle MacLachlan, Kelly Hu, David Dayan Fisher, Jane Curtin, Olympia Dukakis, Lisa Brenner, Mario Iván Martínez, Clyde Kusatsu


Kurzinhalt:
Der wissensdurstige Langzeitstudent Flynn Carsen (Noah Wyle) steht vor einem großen Problem: Auch wenn er zahlreiche Fachtitel sein Eigen nennt, so richtig traut er sich nicht in die große Welt hinaus – bis er von seinem Professor vor die Universitätstür gesetzt wird. So ist Flynn auf der Suche nach einem Job, erhält jedoch von der sagenumwobenen "Metropolitan Public Library" eine Einladung zum Vorstellungsgespräch als Bibliothekar, wo er auch wenig später eingestellt wird. Doch hinter dieser Bibliothek verbirgt sich mehr, als Flynn zunächst annimmt: Die weltgrößten Schätze werden in ihren unterirdischen Hallen gehütet, mystische Artefakte mit magischen Fähigkeiten. Sie zu hüten ist Flynns Aufgabe, wie ihm von seinen Vorgesetzten Judson (Bob Newhart) und Charlene (Jane Curtin) eingebläut wird.
Doch bereits in der darauffolgenden Nacht wird in das Museum eingebrochen – unter der Leitung von Edward Wilde (Kyle MacLachlan) und seiner Gehilfin Lana (Kelly Hu) wird der Speer des Schicksals entwendet, der unvorstellbare Macht verleiht. Doch ist der Speer nicht vollständig, zwei weitere Teile sind über den Globus verstreut und ihre Aufenthaltsorte sowohl mit Fallen gesichert, als auch in fremden Sprachen in einem Buch verborgen.
Flynn wird von Judson beauftragt, den Speer zurück zu bekommen, beziehungsweise die übrigen Teile zu verstecken, ehe Wilde sie findet. Dabei steht ihm mit Nicole Noone (Sonya Walger) eine erprobte Kämpferin zur Seite, die ihn auf seinem Abenteuer beschützen soll – doch Wilde scheint ihren Plan vorauszusehen, und stellt den beiden eine Falle ...


Kritik:
Man kann bisweilen nicht umhin, die offene Unverfrorenheit oder aber versteckte Ignoranz deutscher Verleihfirmen zu bewundern; als TV-Produktion des amerikanischen Kabelsenders TNT war The Quest auf eine Lauflänge von eineinhalb Stunden begrenzt – am 30. August 2005, also über ein halbes Jahr nach der Fernseherstausstrahlung wird eine erweiterte Filmfassung auf DVD veröffentlicht, die knapp 15 Minuten länger geht, als die Fernsehfilmvariante. Am 30. Mai 2005 erschien The Quest auch hierzulande auf DVD (passend zur deutschen Erstausstrahlung auf RTL), jedoch selbstverständlich in der beschnittenen Fernsehfilmversion. Fans des ungewöhnlichen Abenteurers müssen also entweder mit einer verkürzten Filmfassung Vorlieb nehmen, oder aber sich die DVD aus den USA importieren, denn dass von The Librarian, so der passendere Originaltitel, eine weitere DVD-Auflage erscheinen wird, ist sehr unwahrscheinlich.
Möglich ist dies am ehesten noch, sollte irgendwann ein Box-Set mit den geplanten Fortsetzungen erscheinen, denn während Teil zwei bereits angekündigt ist, hatten die Macher ursprünglich auf eine Trilogie gehofft. Ob diese aber realisiert werden wird, steht in den Sternen. Der zweifelsohne bekannteste Name hinter der Produktion ist Produzent Dean Devlin, der durch seine langjährige Zusammenarbeit mit Roland Emmerich für Aufsehen erregte. Sei es nun Stargate [1994], Independence Day [1996] oder Godzilla [1998], an allen jenen Filmen war auch The Quest-Regisseur Peter Winther beteiligt, wenn nur als Produzent. Was die beiden mit The Quest – Jagd nach dem Speer des Schicksals auf die Beine stellten mutet einerseits überaus interessant, gleichzeitig jedoch unvorstellbar irrsinnig an, denn während offensichtliche Parallelen zu Filmheld Indiana Jones unübersehbar und wohl auch beabsichtigt sind, erinnert der TV-Film nicht zuletzt durch das beschränkte Budget, den zu groß geratenen Fantasy-Anteil, teils unterdurchschnittlicher Dialoge und uninspirierter Darstellerleistungen an die TV-Serie Relic Hunter - Die Schatzjägerin [1999-2002], und das ist kein Kompliment.

Die Ausgangslage des Drehbuchs ist dabei nicht einmal uninteressant, bietet aber angesichts von zahlreichen Umsetzung ähnlicher Stoffe wie Die Mumie [1999] oder Lara Croft: Tomb Raider [2001] keine neuen Ansätze. Dafür lebt das Skript von seinem sympathischen, wenn auch etwas verschrobenen Hauptcharakter und den überaus witzigen Szenen, die sich gerade durch die erste Hälfte des Films ziehen.
Der beabsichtigte und auch betonte Humor, der ansich nie ins peinliche abgleitet ist es auch, was The Librarian vor dem Absturz bewahrt, denn auch wenn sich die Story in rasantem Tempo entfaltet, die zahlreichen Sprünge in der Geschichte, die mangelnde Gefahr für die Hauptfiguren und die schwachen Bösewichte sorgen schnell dafür, dass man als Zuschauer auf die Uhr sieht. Ärgerlich ist dabei auch, dass Hauptfigur Flynn Carsen als allwissend dargestellt wird, sei es nun seltene Dialekte am Ende der Welt, historische Rätsel biblischen Ausmaßes, oder aber Sprachen, zu denen er in wenigen Stunden Übersetzungen erfindet – statt sich auf weniger Schauplätze zu beschränken und die Erkundung dieser als Team-Arbeit zwischen Carsen und Noone aufzuteilen, hetzt Drehbuchautor David N. Titcher seine Figuren in einem unvorstellbaren Tempo über den Globus und lässt Carsen die Rätsel so schnell lösen, dass man als Zuseher gar keine Zeit findet, sich selbst dazu Gedanken zu machen.
Neben der fehlkonzipierten und überraschungsarmen Grundhandlung fallen vor allem die wenig ausgearbeiteten Antagonisten auf, die ansich nur schmuckes Beiwerk sind, keinerlei Motivation besitzen (die von Kelly Hu dargestellte Lana scheint weder bedrohlich, nicht irgendwie zu den Bösen gehörend) und von einer der blassesten, unfreiwillig komischsten Figuren des gesamten Films angeführt werden. So erweckt die Vorlage einen durchweg unfertigen Eindruck, den man nicht einmal bei einer Fernsehproduktion hinnehmen sollte.

Wäre es nicht um die Darsteller, die von einem soliden Noah Wyle angeführt werden, hätten wohl in den USA nicht sieben Millionen Zuschauer eingeschalten. Wyle, der durch seine zehnjährige Darbietung in e.r. - Emergency Room [seit 1994] weltberühmt und einer der bestverdienendsten Seriendarsteller aller Zeiten wurde, gibt sich hier mit seinem jungenhaften Charme und seinem zerstreuten Auftreten routiniert, wird jedoch auch nicht wirklich gefordert. Dabei überzeugt er allerdings mehr, wenn er mehr oder weniger fasziniert und ungläubig mitansieht, in was seine Filmfigur hineingeraten ist, als wenn er mit den gekünstelten Floskeln und gespielter Selbstsicherheit um sein Leben argumentiert. In seiner Figur liegt durchaus Potential, das aber bei The Quest auch nicht ausgeschöpft wurde.
An seiner Seite mimt Sonya Walger eher unterkühlt und mit weniger Feingefühl für die witzigen Situationen; dass eine Chemie zwischen den beiden existiert sei unbestritten, aber da man sie nie wirklich in Aktion gesehen hat, überzeugt sie ebensowenig als toughe Kämpferin, wie als würdige Partnerin des schüchternen Carsen.
Die Gastauftritte von Bob Newhart und Jane Curtin sind hingegen recht gelungen, auch wenn sich beide nicht so recht zwischen einem unterschwellig witzigen, oder doch eher ernsten Erscheinen entscheiden können – einzig die Actioneinlagen mit Newhart beim Finale wirken gekünstelt, wobei auch hier das Drehbuch grundlegend falsch konzipiert ist.
Über Kelly Hu, die sich in der Bösewichtsrolle überhaupt nicht behaupten kann (man denke an ihre durchaus Angst einflößenden Szenen bei X2 - X-Men 2 [2003]), gibt es nicht viel zu sagen, wohingehend Kyle MacLachlan sich wünschen sollte, dass die Zuschauer seinen Auftritt im Geiste ausblenden. Selten zuvor (vielleicht mit Ausnahme von Showgirls [1995]) zeigte sich der Star aus der Kult-Mystery-Serie Twin Peaks [1990-1991] so lustlos, überdreht und unengagiert wie hier.
Die gesamte Besetzung erweckt, mit einigen Ausnahmen, den Eindruck, als wäre sie aus drittklassigen Akteuren und Werbespot-Darstellern zusammen gestellt – entsprechend wenig überzeugend ist auch das Endergebnis geraten. Einzig Olympia Dukakis, die zwei kleine Auftritte genießt, schließt an Hauptdarsteller Wyle an und kann auch überzeugen.

Dass Regisseur Peter Winther auf Grund des Budgets einige Einschnitte vornehmen musste, steht außer Frage – offensichtlich wird dies unter anderem an den zwar nicht spärlichen, aber meist unterdurchschnittlichen Spezialeffekten, von denen nur sehr wenige überzeugen können. Wieso aber Teile von The Quest mit einer normalen Filmkamera gedreht wurde (oder zumindest so erscheinen), andere Sequenzen jedoch mit einer Digitalen Kamera, verstehe wer will – zumal der Übergang hier auf Grund der leichten Nachzieheffekte stets sichtbar ist, und auch stört. Bedenkt man, dass im selben Jahr die preisgekrönte und handwerklich hervorragende TV-Serie Lost [seit 2004] gestartet ist, dann möchte man sich gar nicht vorstellen, was die Macher jenes Fernsehjuwels aus dem Stoff von The Librarian hätten machen können.
Kamera und Schnitt sind in den ruhigen Szenen zwar solide geraten, verlieren aber bei den sehr statischen Kampfsequenzen schnell ihren Reiz und ermüden mit Großaufnahmen der Stunt-Leute, bei denen man verständlicherweise die Gesichter nicht zu sehen bekommt, fehlender Dynamik und Übersichtlichkeit. Auch bei einer Fernsehproduktion hätte man sich dahingehend mehr erhofft – wenigstens verwackelt der Regisseur den Film nicht mit einer unüberlegten Handkamera, und wären in manchen Einstellungen nicht die Spezialeffekte so offensichtlich, dann wären auch die Kameraperspektiven interessanter geraten.
Über die Schnittarbeit, die manche Szenen etwas abrupt abbricht, kann man insofern nicht viel sagen, da unklar ist, inwieweit der TV-Film in der erweiterten Fassung von seiner hektischen Erzählweise verliert.

Doch während die Inszenierung immerhin solide geraten ist, stört die musikalische Untermalung von Joseph LoDuca in beinahe allen Szenen; sein Hauptthema ist sicherlich einprägsam geraten und auch die übrigen Stücke sind nicht wirklich schlecht – allerdings wiederholen sich die Themen sehr häufig und zu allem Überfluss leidet sein Score an den üblichen Schwächen vieler TV-Serien, darunter auch die von ihm vertonten Hercules [1995-1999] und Xena [1995-2001]. Eine vor sich hindudelnde Musik, Geklimper in den Actionszenen, stets viel zu laut und omni-präsent erstickt der Score manche Szenen im Keim, während andere mit einer betont witzigen Melodie eine völlig falsche Stimmung unterlegt bekommen.

Was am Ende bleibt ist ein guter Ansatz, der durch einige unnötige Elemente und trotz hervorragender Serien-Beispiele leider immer noch nicht überkommene TV-Krankheiten viel von seinem Unterhaltungswert einbüßt. Wäre es nicht um Hauptakteur Noah Wyle, hätte The Librarian vermutlich nicht einmal bei uns die Bildschirme heimgesucht – weswegen aus einem Englischen Titel, der sehr einfach mit "Der Bibliothekar" hätte übersetzt werden können, mit The Quest erneut ein Englischer gemacht werden musste, verstehe wer will. Aber The Quest zieht selbstverständlich mher Zuschauer in seinen Bann, als ein Bibliothekar, der auf der Jagd nach dem Speer des Schicksals ist, so zumindest die Überlegung des deutschen Verleihs.


Fazit:
Dass man auch die Grundidee von The Quest hätte bedeutend weiter ausbauen müssen, steht außer Frage, immerhin wird über die sagenumwobene Bibliothek (von der nie zuvor jemand gehört hat) kaum ein Wort verloren und auch die zahllosen Fantasy-Elemente werden von den Figuren zu schnell akzeptiert. Allerdings hätte hier Potential bestanden, der Humor lockert das Geschehen sichtlich auf und Hauptfigur Flynn Carsen vermag durchaus sympathisch zu unterhalten, wäre er nicht in manchen Bereichen zu allwissend, was zugegebenermaßen den Spaß am mitraten und mitfiebern bei den Rätseln nimmt.
Seine Filmpartnerin bleibt zwar überwiegend farblos, stört aber immerhin nicht, doch über das Fehlen eines charismatischen oder wenigstens bedrohlichen Bösewichts kann man nur schwer hinweg blicken. Die Story wird hingegen im Sauseschritt erzählt, ohne dass man als Zuschauer nur wüsste, worum es eigentlich geht und nicht zuletzt verderben einem die unterdurchschnittlichen Spezialeffekte und die mäßige Inszenierung den Spaß.
Für Fans von Noah Wyle, der hier einmal in eine ganz andere Rolle schlüpft, ist das ganze sicher zum einmaligen Anschauen zu empfehlen, wer aber gelungene Unterhaltung erwartet, sollte lieber zum Meister des Genres, Indiana Jones, greifen – auch nach 20 Jahren sind dessen Abenteuer immer noch mitreißender, überraschender und fesselnder, als das seiner Nachahmer.


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