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The International [2009]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 11. März 2009
Genre: Thriller / Action

Originaltitel: The International
Laufzeit: 118 min.
Produktionsland: USA / Deutschland / Großbritannien
Produktionsjahr: 2008
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Tom Tykwer
Musik: Reinhold Heil, Johnny Klimek, Tom Tykwer
Darsteller: Clive Owen, Naomi Watts, Armin Müller-Stahl, Ulrich Thomsen, Brian F. O'Byrne, Michel Voletti, Patrick Baladi, Jay Villiers, Fabrice Scott, Haluk Bilginer, Luca Barbareschi, Alessandro Fabrizi


Kurzinhalt:
Seit Jahren bereits versuchen der Interpol-Agent Louis Salinger (Clive Owen) und die Staatsanwältin Eleanor Whitman (Naomi Watts) vergeblich, der "International Bank of Business and Credit", kurz IBBC, mit ihren zwielichtigen Geschäften das Handwerk zu legen. Doch jedes Mal, wenn Salinger einen Zeugen oder Informanten gewonnen hat, verschwinden diese wenig später oder fallen Unfällen zum Opfer. Nachdem einer ihrer Mitarbeiter während einer Untersuchung ums Leben kommt, will Salinger den Chef der IBBC, Jonas Skarssen (Ulrich Thomsen) direkt konfrontieren. Doch damit bringt er sich selbst in die Schussbahn jener Organisation.
Unterstützt von Wilhelm Wexler (Armin Müller-Stahl), der als Berater für die IBBC fungiert, will sich Skarssen des Rüstungsunternehmers Umberto Calvini (Luca Barbareschi) entledigen, der den Weg für einen bedeutenden Waffenverkauf blockiert. Immer stärker wird nun Salinger bewusst, dass wenn er die IBBC zu Fall bringen will, er außerhalb jener Schranken arbeiten muss, die ihm die Gesetzgebung auferlegt ...


Kritik:
Wenn große Hollywood-Produktionen nach ihrer Ankündigung verschoben werden, macht dies Zuschauer wie Kritiker hellhörig. The International sollte bereits im Sommer 2008 in den Kinos zu sehen sein, wurde jedoch nach schlechten Bewertungen vom Test-Publikum auf Frühjahr 2009 verschoben und mittels Nachdrehs stärker auf Action getrimmt. Dass der Filmstart dann ausgerechnet mit der größten internationalen Bankenkrise des Jahrzehnts zusammenfällt, war Zufall. Wäre er früher gestartet, hätte man Tom Tykwer und seinem Team prophetische Züge zuschreiben können. So treffen sie heute den Nagel auf den Kopf und liefern mit ihrem Thriller höchst aktuelles und anspruchsvolles Kino, das durch die spannenden Actionelemente noch gewinnt.

Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist dabei die fiktive "International Bank of Business and Credit", deren Machenschaften von Drehbuchautor Eric Singer angeblich auf tatsächlich getätigten Geschäften zweier Kreditinstitute in den 1980er und 90er Jahren beruhen. Gerade in der heutigen Zeit, in der die Wirtschaft mit Beträgen hantiert, deren Ausmaße niemand mehr recht erfassen kann, bietet The International damit einen Widersacher, der trotz der Tatsache, dass er körperlich eigentlich nicht fassbar ist, dennoch ein Gesicht bekommt. Ulrich Thomsen, der im Film den Bankchef Jonas Skarssen mimt, tut zwar sein möglichstes, um auch einen körperlichen Antagonisten zu präsentieren, doch ist dies gar nicht wirklich notwendig. Die IBBC wirkt von sich aus durch ihre undurchsichtigen Geschäfte und Praktiken so unnahbar und böse, dass man als Zuschauer keine Identifikationsfigur mehr benötigt. Gut spielt Thomsen trotzdem, auch wenn er in den gemeinsamen Szenen mit dem routiniert und melancholisch spielenden Armin Müller-Stahl klar unterlegen ist. Gegen das Charisma des hier gebrochen wirkenden 78jährigen kommen die jüngeren Darsteller nie an. Dass Clive Owen und Naomi Watts die Sympathie der Zuschauer auf ihrer Seite haben, liegt einerseits an der glaubhaften Chemie zwischen den Darstellern, die nur ganz selten die Vermutung aufkommen lässt, als wären sie einmal mehr gewesen als nur Kollegen (und somit Raum für Spekulationen offen lässt). Andererseits aber auch daran, dass sie immerhin wie Helden aus Fleisch und Blut wirken und nicht unverwundbar erscheinen. Ob ihre Beteiligung und ihre körperlichen Fähigkeiten wirklich realistisch gehalten sind, sei jedoch dahingestellt.
Ebenso wie die Tatsache, weswegen im Guggenheim Museum ein Dutzend Attentäter auftauchen, die offensichtlich alle beim selben Schneider einkaufen und durch ihre Kleidung klar als Gruppe zu erkennen sind. Jene Ungereimtheiten nimmt man als Zuschauer gerne in Kauf, wenn man dafür gut unterhalten wird.

Und das gelingt Regisseur Tykwer schon durch die komplexe und in sich verschachtelte Geschichte, bei der man als Zuschauer aufmerksam bleiben muss, um die Hintergründe wirklich zu verstehen. Wenn sich das packend aufgebaute Drehbuch außerdem die Zeit nimmt, die internationalen Verstrickungen von Banken und Ländern, Organisationen und Privatpersonen aufzudecken, einem vor Augen geführt wird, weswegen die Banken seit Jahrzehnten darauf aus sind, die Kunden in eine Schuldenfalle zu locken, mit deren Hilfe sie sie kontrollieren können, versteht man die Bedeutung jener Dialoge aus heutiger Sicht noch ein bisschen besser. Beim Gedanken daran, bei wie vielen Kreditinstituten die einzelnen Staaten wie Deutschland oder die USA verschuldet sind, kann einem an sich nur angst und bange werden.
Das Flair und die Optik der verschiedensten Ortschaften und Länder Europas, die The International besucht einzufangen, ist Tom Tykwer dabei ebenso gelungen, wie die konzipiert erscheinende und durchdachte Optik der einzelnen Szenen. Lange Kamerafahrten, ungewöhnliche Einstellungen und ein bemerkenswerter Schnitt machen damit The International zum besseren James Bond-Film als Ein Quantum Trost [2008] – und insbesondere durch die internationalen Schauplätze erinnert der Thriller frappierend an den britischen Geheimagenten.

Actionreichster Höhepunkt des Films ist ohne Frage der Shootout im Guggenheim Museum, dessen Set in einem deutschen Studio nachgebaut wurde. Dass es den Machern sichtlich Freude bereitete, es wieder zu zerstören, davon kann man sich im Film überzeugen.
Dank der ebenso rhythmischen wie minimalistischen Musik von Reinhold Heil, Johnny Klimek, Tom Tykwer faszinieren aber auch die spannenden Momente im selben Maße. Wer sich darauf einlässt, bekommt einen schnörkellosen, packenden Thriller zu sehen, mit dem der Regisseur eindrucksvoll beweist, dass er auch in Hollywood großes Kino zu zaubern vermag. Die Story mag nicht immer ganz logisch sein und auch ein paar Löcher aufweisen, doch entschädigt die erstklassige Umsetzung hierfür allemal.


Fazit:
Mag The International bis kurz vor Beginn des Abspanns noch ein guter Thriller sein, hebt der zermürbende und mutige Schluss den Film über seine Konkurrenten hinweg. Treffend und melancholisch ist Louis Salinger alias Clive Owen für den Ausgang auch noch selbst verantwortlich. Vielen Zuschauern ist ein solches Ende zu erdrückend und auch die Tatsache, dass sich Tom Tykwers Film eher an ein erwachsenes Publikum richtet, nagt am Erfolg der Produktion.
Doch Interessenten sollten sich davon nicht abschrecken lassen. Handwerklich erstklassig umgesetzt, von sympathischen Mimen glaubhaft gespielt und packend inszeniert überzeugt The International als kluger Thriller, dem sein Aktualitätsbezug teilweise zum Verhängnis wurde.
Wenn das Drehbuch anklagt, dass solchen Scheingeschäften großer Unternehmen international durch zu enge Verstrickungen mit den jeweiligen Regierungen das Handwerk nicht zu legen ist, muss man dem Autor mit einem Blick in die Tageszeitungen leider zustimmen.


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