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The Impossible [2012]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 24. Oktober 2013
Genre: Drama

Originaltitel: Lo imposible
Laufzeit: 114 min.
Produktionsland: Spanien
Produktionsjahr: 2012
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: J.A. Bayona
Musik: Fernando Velázquez
Darsteller: Naomi Watts, Ewan McGregor, Tom Holland, Samuel Joslin, Oaklee Pendergast, Marta Etura, Sönke Möhring, Geraldine Chaplin, Ploy Jindachote, Jomjaoi Sae-Limh, Johan Sundberg, Jan Roland Sundberg


Kurzinhalt:
Henry (Ewan McGregor) und Maria Bennet (Naomi Watts) reisen zu Weihnachten 2004 mit ihren drei Söhnen Lucas (Tom Holland), Thomas (Samuel Joslin) und Simon (Oaklee Pendergast) nach Khao Lak, Thailand für die Feiertage. Es sollte ein erholsamer Urlaub für die Familie werden. Doch am Morgen des 26. Dezember erschüttert ein Seebeben den Indischen Ozean und verursacht einen Tsunami, der wenig später auf die angrenzenden Inseln trifft.
Mitgerissen von den Flutmassen, kann sich Maria an die Wasseroberfläche vorkämpfen und es gelingt ihr sogar, sich mit Lucas in so etwas wie Sicherheit zu bringen. Doch von Henry, Thomas und Simon fehlt jede Spur. Auf sich allein gestellt, versucht Maria als Ärztin, ihre Wunden notdürftig zu versorgen, doch ihre Prognose ist düster. Sie entdecken den kleinen Jungen Daniel (Johan Sundberg), den sie keines Falls zurück lassen will. Dabei wissen Maria und Lucas nicht, ob eine weitere Welle droht, oder wann mit Hilfe zu rechnen ist. Sie machen sich auf den Weg durch ein völlig verwüstetes Gebiet, während Maria immer schwächer wird ...


Kritik:
Am 26. Dezember 2004 traf ein durch ein Seebeben ausgelöster Tsunami in den Morgenstunden in Südasien unter anderem auf Inseln Indonesiens, Sri Lankas, Indiens und Thailands. Mehr als 200.000 Menschen kamen ums Leben. Regisseur J.A. Bayona erzählt die wahre Geschichte einer Familie nach, die durch die Katastrophe auseinander gerissen wurde und trotz aller Widrigkeiten wieder zueinander suchte. Bereits die erste halbe Stunde von The Impossible ist beängstigender als jeder Horrorfilm.

Es sind Bilder, die einen nicht mehr loslassen: Mitunter 20 Meter hohe Wellen aus Wasser, Geröll und Treibgut peitschen sich ihren Weg durch ein Gebiet, das kurz zuvor ein Ferienparadies gewesen ist. Die Wucht der Welle lässt sich kaum in Worte fassen. Zusammen mit ihren drei Kindern befinden sich Maria und Henry Bennet auf der thailändischen Insel Khao Lak zum Weihnachtsurlaub. Es ist eine Idylle, die friedvoller kaum sein könnte. Bis ihre Welt unvermittelt auf den Kopf gestellt wird.
Das klaustrophobische Gefühl der mitreißenden Wassermassen wird durch die anschließende Hoffnungslosigkeit noch verstärkt. Selbst, wer die erste Welle überlebt hat und vom Schutt nicht erschlagen wurde, ist noch lange nicht in Sicherheit. Wo gibt es Zuflucht? In den wenigen Bäumen, die aus dem Wasser ragen? Was, wenn noch eine Welle kommt? Bereits kurz nach dem Unglück, als Maria wieder auftaucht, sieht sie nur ihren Sohn Lucas ums Überleben kämpfen. Von ihrem Mann und ihren anderen Kindern fehlt jede Spur. Zwar können sie sich aus dem Überschwemmungsgebiet retten, doch ist Maria schwer verwundet und weiß als Ärztin ihre eigenen Umstände nur allzu gut einzuschätzen. Es ist eine Situation, die ihrem Sohn viel mehr abverlangt, als ein Kind eigentlich fähig ist zu ertragen.

So erschütternd die zerstörerische Kraft des Tusnami ist, was danach folgt, zehrt auf eine kaum vorstellbare Weise an den Kräften der Zuschauer. Naomi Watts' Darbietung ist körperlich so fordernd und emotional aufwühlend, dass die Altersfreigabe schon aus thematischer Sicht unverständlich erscheint. Verletzt und am Ende ihrer Kraft, von den Schmerzen überwältigt, gibt es einen Moment, da ihre verzweifelten Augen jeden Lebensmut verlieren. Aus der Frau, die noch kurz zuvor einen Überlebenswillen und eine Stärke entwickelt hat, die man selbst vermutlich kaum hätte aufbringen können, ist bereit, sich ihrem Schicksal zu ergeben, wenn die Qualen nur endlich ein Ende nehmen. Die Gewissheit, ihre restliche Familie verloren zu haben, zermürbt sie ebenso sehr, wie uns und wäre es nicht um Lucas, könnte man dem Gezeigten wohl nicht mehr folgen, da es schlicht zu anstrengend ist.
Doch wechselt The Impossible später die Perspektive auf Henry und die beiden Söhne Thomas und Simon, die ebenfalls überlebt haben. Um nach seiner Frau und Lucas suchen zu können, schickt Henry die Kinder zu einer Auffangstation, nur um sie danach erneut zu verlieren. Henrys Verzweiflung und Zusammenbruch gehören zu den besten Momenten, die Ewan McGregor bislang verkörpert hat. Es ist ein menschliches Porträt fernab jeglichen idealisierten Heldentums, das die Geschichte der Bennets nur umso packender macht.

Aber so gelungen all das ist, man fragt sich am Ende von The Impossible, von einigen Sprüngen innerhalb der Story abgesehen, wieso eine Katastrophe, welche Südasien getroffen hat, nicht aus Sicht der dort lebenden Menschen erzählt wird. Auch nennt der Film keine Zahlen, sondern spricht lediglich von "zahllosen Familien", die dem Tsunami zum Opfer fielen. Sieht man sich die Geschichte der Bennets an, bekommt man das Gefühl, dass hauptsächlich Touristen davon betroffen waren.
Angesichts der Tragweite der Flutwelle, der unüberschaubaren Zerstörung und der unvorstellbaren humanitären Not, die daraus entstand, machen einen die letzten fünf Minuten zudem ausgesprochen wütend. Ermunterte Maria ihren Sohn Lucas zuvor noch, sich für andere Menschen einzusetzen, begeben sich die überlebenden Familienmitglieder am Ende aus dem vollkommen überfüllten Krankenhaus in ein von der Zürich Versicherung bereitgestelltes Privatflugzeug, um in Singapur weiter behandelt zu werden. Nur die Bennets befinden sich an Bord – Dutzende Plätze bleiben frei, keine weiteren Verletzten werden ausgeflogen, geschweige denn die verarmte Bevölkerung. Nachdem Maria selbst von Einheimischen ohne Erwarten einer Wiedergutmachung versorgt und ins Krankenhaus gebracht wurde, genesen diejenigen, die es sich leisten können, lieber für sich, ohne im gleichen Zug anderen zu helfen. Es ist ein Bild, das symptomatisch ist für unsere Gesellschaft. Aber eines, das uns nicht weniger beschämen sollte.


Fazit:
Die Ungleichbehandlung und die Ungerechtigkeit, die versteckt in den letzten Minuten mitschwingen, machen einen ebenso wütend, wie es verwundert, dass die Auswirkung der Katastrophe auf die tatsächlich dort lebende Bevölkerung verschwiegen wird. Es sind zwei Punkte, die ein ansonsten ebenso beängstigendes, wie physisch und psychisch anspruchsvolles Porträt unnötig belasten. Die Art und Weise, wie Naomi Watts Maria in The Impossible verkörpert, verschlägt einem die Sprache. Ewan McGregor und insbesondere der junge Tom Holland stehen dem in nichts nach.
Welche Kraft hinter einer solchen Flutwelle steckt, wie sie 2004 Südasien getroffen hat, wurde nie so klar wie hier. Wie hilflos wir dem gegenüberstehen fängt J.A. Bayona ebenso ein, wie den unvorstellbaren Überlebenskampf seiner Figuren. Das ist anstrengend, aber für starke Nerven sehr sehenswert. Ohne die zu lange Traumsequenz wäre es noch ergreifender und hätte er den Blick nicht nur auf die Bennets, sondern weiter gehalten, wäre ein Denkmal für alle Opfer der Katastrophe möglich gewesen.


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