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The Hunter [2011]

Wertung: 5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 02. September 2012
Genre: Drama

Originaltitel: The Hunter
Laufzeit: 102 min.
Produktionsland: Australien
Produktionsjahr: 2011
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Daniel Nettheim
Musik: Andrew Lancaster, Michael Lira, Matteo Zingales
Darsteller: Willem Dafoe, Frances O'Connor, Neill, Morgana Davies, Finn Woodlock, Jacek Koman, Callan Mulvey, John Brumpton, Dan Wyllie, Sullivan Stapleton


Kurzinhalt:
Martin Davids (Willem Dafoe) Auftrag klingt so einfach wie unmöglich: Er soll für eine große Firma einen Tasmanischen Tiger finden und Proben sammeln. Den Rest des Tieres soll er vernichten. Angeblich wurde im Tasmanischen Hinterland ein Exemplar gesichtet, was durch Fährten des Tieres untermauert würde. Bislang war davon ausgegangen worden, dass das letzte Tier 1936 in einem Zoo gestorben war.
David reist nach Tasmanien und wird im Haus von Lucy Armstrong (Frances O'Connor) untergebracht. Seit dem Verschwinden ihres Mannes vor einem Jahr lebt sie so sehr zurückgezogen, dass ihre beiden Kinder Sass (Morgana Davies) und Bike (Finn Woodlock) auf sich allein gestellt sind. Für sie sorgt Jack Mindy (Sam Neill), der David auch weit in das Tasmanische Hinterland bringt. Die ansässigen Arbeiter sind meist als Holzfäller tätig und Fremden schon deshalb wenig aufgeschlossen, weil ihre Existenzgrundlagen durch Forschungen in den Wäldern bedroht sind. Während David einen tiefen Einblick in das vermeintlich karge Land und seine Bewohner bekommt, setzt sein Arbeitgeber ihn unter Druck – es wären auch andere Parteien hinter dem Tasmanischen Tiger her. Doch wie soll er ein Tier ausfindig machen, das es vermutlich gar nicht mehr gibt ...


Kritik:
Das ruhige Drama The Hunter erzählt vom Wandel eines Mannes, dessen Hingabe zu seiner Arbeit im Laufe der Erzählung so sehr in Frage gestellt wird, dass er vor einer Verzweiflungstat steht, um noch mehr Tragödien zu verhindern. In traumhafte Bilder eingefangen, sticht der Film durch die Leistung von Willem Dafoe hervor, über dessen Figur wir außer seinem Namen nicht sehr viel erfahren. Und doch können wir ihn am Ende der etwas mehr als eineinhalb Stunden verstehen. Ob man sich gleich entscheiden würde wie er, sei dahingestellt. Aber verurteilen kann man ihn dafür nicht mehr.

Was Martin David (ein ausgemergelter Dafoe) tatsächlich von Beruf ist, bleibt ebenso im Dunkeln wie seine Vergangenheit. Wir wissen nicht, wo er herkommt und was er schon alles getan hat. Doch sieht man ihn in der unbezwungenen Natur Tasmaniens Fallen aufstellen, zusammen mit GPS und Landkarten ein Gebiet erkunden, in dem es so aussieht, als wäre noch nie ein Mensch zuvor dort gewesen, dann bekommt man das Gefühl, dass er das schon sehr lange macht.
Sein Auftraggeber verlangt von ihm etwas schier Unmögliches: Er soll einen Tasmanischen Tiger ausfindig machen. Ein Geschöpf, das seit beinahe 80 Jahren als ausgestorben gilt. Angeblich gab es Sichtungen in jenem Gebiet, und Davids Auftraggeber wollen Proben. Kein lebendiges Tier wohlgemerkt, nur Proben. Was sie sich davon versprechen, kann man nur mutmaßen, aber was immer es ist, sie scheinen dafür sogar gewillt, mit dem vielleicht letzten Exemplar diese Gattung auszurotten, um die alleinigen Inhaber jener Proben zu sein.

Trotz der scheinbaren Aussichtlosigkeit des Unterfangens, macht sich David auf den Weg und wird bei Lucy Armstrong (klasse: Frances O'Connor) und ihren beiden Kindern Sass (Morgana Davies) und Bike (Finn Woodlock) in den Bergen untergebracht. Lucy nimmt selbst kaum mehr passiv am eigentlichen Leben Teil, sie ist seit dem Verschwinden ihres Mannes vor einem Jahr mit Medikamenten ruhiggestellt. Für die beiden Kinder sorgt Jack Mindy – Sam Neill in einer Rolle, in der er die Farben des Landes und der Gemüter der Geschichte auf eindrucksvolle Weise widerzuspiegeln scheint. The Hunter nimmt sich viel Zeit für die Armstrongs, obwohl sie augenscheinlich kein wichtiger Bestandteil der Story sind. Doch sind sie unter anderem der Grund für Davids Veränderung. Dabei erspart uns Regisseur Daniel Nettheim eine klischeehafte Liebesgeschichte. Er bringt durch die Familie und Mindy verschiedene Facetten jenes Landes zur Geltung, zeigt die unberührte Natur mit Tieren, welche die Fantasie anregen und stellt sie der Gruppe von Holzfällern gegenüber, die auf Grund von Umweltaktivisten wie Lucy und ihr verschwundener Mann welche sind, keine Arbeit mehr haben. Die Gemüter kochen hoch, als David als vermeintlicher Wissenschaftler der Universität ebenfalls Nachforschungen in den Wäldern anstellt.

So introvertiert Martin David ist, so sehr könnte man ihm unterstellen, dass allein die Bezahlung für ihn ausschlaggebend wäre. Dass er das letzte Exemplar einer Spezies töten soll, scheint ihm nichts auszumachen. Die Frage bleibt, ob das raue Land auf ihn einwirkt, oder ob wir ihn besser verstehen lernen, weil das Land mit seinen feinen Schattierungen, den abwechselnden Klimazonen und Landschaften ihm ähnlicher ist, als man annehmen würde. Auch am Ende von The Hunter bleibt vieles von dem, was man über ihn zu glauben weiß, nur Spekulation. Und doch ist da mehr als man auf den ersten Blick sieht.

Dank der musikalischen Begleitung, mit der The Hunter versehen ist, entfalten die Bilder mitunter eine meditative Wirkung. Doch das bedeutet nicht, dass die Geschichte nicht packend wäre. Sie ist es mit Sicherheit nicht für ein großes Publikum, schon allein weil viele Zuschauer bei einem solchen Titel etwas anderes erwarten würden. Doch während eine ruhige Erzählung eine interessante Charakterisierung fördert, muss sie nicht unspannend sein. Regisseur Nettheim findet das richtige Tempo in treffenden Perspektiven und Landschaftsaufnahmen, die so viele Deutungen zulassen. Dass er dem auch am Ende treu bleibt, ist ihm zugute zu halten.


Fazit:
Die Geschichte von The Hunter bezieht die Landschaft Tasmaniens ebenso mit ein wie die Menschen und Berufsgruppen, mit denen Martin David in Kontakt kommt. Dabei ist der Film darauf bedacht, weder David, noch die Holzfäller für ihre Entscheidungen zu verurteilen. Sie reagieren jeweils auf ihre Umwelt und ihre Reaktionen bleiben stets verständlich – selbst wenn man sich selbst anders entschieden hätte.
Was David auf seiner Suche nach einem Tasmanischen Tiger erwartet bietet einem ruhigen Publikum viele anspruchsvolle Reflektionsmöglichkeiten, die Rückschlüsse auf die Figuren zulassen. Vielschichtig und exzellent gespielt – auch von den beiden sehr jungen Darstellern –, überzeugt Daniel Nettheims Gespür für fantastische und bedeutungsvolle Bilder. Er erweckt den Eindruck, dass wenn man sich in jener Natur verirrt, es passieren könnte, dass man sich wie Martin David selbst wiederfindet.


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