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The Homesman [2014]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 06. November 2015
Genre: Drama / Western

Originaltitel: The Homesman
Laufzeit: 122 min.
Produktionsland: Frankreich / USA
Produktionsjahr: 2014
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Tommy Lee Jones
Musik: Marco Beltrami
Darsteller: Tommy Lee Jones, Hilary Swank, Grace Gummer, Miranda Otto, Sonja Richter, David Dencik, William Fichtner, Caroline Lagerfelt, John Lithgow, Tim Blake Nelson, James Spader, Hailee Steinfeld, Meryl Streep


Kurzinhalt:

Als Reverend Dowd (John Lithgow) in der kleinen Siedlung ankündigt, dass drei Frauen quer durch das Land nach Osten gebracht werden müssen, da sie durch das Leben im "Wilden" Westen den Verstand verloren hätten, bietet sich die alleinstehende Mary Bee Cuddy (Hilary Swank) an, die gefährliche und anstrengende Reise mit ihnen zu unternehmen. Kurz vor der Abfahrt rettet sie dem ruppigen George Briggs (Tommy Lee Jones) das Leben und nimmt ihm vorher das Versprechen ab, dass er sie begleiten wird. Auf ihrem Weg lernen sie sowohl sich, als auch die Frauen in ihrem Wagen besser kennen. Es macht die Reise nicht einfacher ...


Kritik:
The Homesman ist ein ergreifend und doch behutsam gespieltes, fantastisch bebildertes Drama, das im sogenannten Wilden Westen angesiedelt ist. In seiner insgesamt vierten Regiearbeit zeichnet Tommy Lee Jones das Porträt eines Landes, dessen Figuren von ihm so stark gezeichnet sind, dass viele daran zerbrechen. Das ist langsam erzählt und offenbart Einblicke, ohne dass sie in den Dialogen herausgestellt werden. Aber es ist in seiner Endgültigkeit auch niederschmetternd ernüchternd.

Zu Beginn konzentriert sich die Geschichte auf die alleinstehende Mary Bee Cuddy. Die resolute, kantige Frau weiß sich zu helfen und bewirtschaftet das karge Land allein. In den ersten Minuten sehen wir sie einen Acker mühsam bewirtschaften und kurz darauf ihre kleine Farm. Ein Nachbar kommt sie besuchen und nach dem gemeinsamen Abendessen fragt sie ihn, ob sie nicht heiraten wollen. Es wäre für alle eine kluge Entscheidung, das Land, das Vieh und die Arbeitskraft zusammenzulegen. So nüchtern wie sie davon erzählt könnte man meinen, dass ihr der eigentlich wichtigste Aspekt einer Ehe verborgen bleibt: Die Liebe. Doch sieht man, nachdem sie abgewiesen wurde, wie ihre ernste Fassade zu bröckeln beginnt, dann beginnt man zu ahnen, was in ihr vorgeht.

Hilary Swank ist eine der wandlungsfähigsten und beeindruckendsten Darstellerinnen ihrer Generation. Oft sucht sie sich Rollen aus, die sie fordern und ihr wie dem Publikum immens viel Kraft abverlangen. The Homesman ist hierbei keine Ausnahme. Ihre Mary Bee Cuddy wirkt nach außen hart und selbstbewusst, aber nicht nur ihr Blick angesichts der Aufgabe, die vor ihr liegt, lässt eine andere Seite an ihr erkennen. Sie erklärt sich bereit, drei Frauen in einem Wagen nach Osten zu bringen. Alle drei sind angeblich verrückt geworden und sollen in eine Einrichtung, wo man sich ihrer annimmt.

Sieht man sich den Wilden Westen an, ist es dann nicht verrückt, in ein karges, unwirtliches Land zu ziehen, in dem sich alles gegen einen stellt: Die Ureinwohner, die man von ihrem Land vertrieben hat, die Natur selbst, die unerbittlicher ist als jeder Mensch, und die anderen Siedler, die leerstehende Häuser besetzen oder sogar Schlimmeres tun? Wie wurden die Frauen, wie sie sind?
Tommy Lee Jones gewährt Einblicke in ihre Leben, die ganz anders verlaufen sind, aber doch eines gemeinsam haben. Sie alle haben etwas erlebt, das zu verarbeiten kaum möglich ist. Das in einer Zeit, in der es hierfür keine professionelle Hilfe gibt. Keine Psychologen, kein Verständnis. Der Wilde Westen ist ein Land, in dem nur der stärkere, oder abgehärtete überlebt.

Auf ihrer Reise trifft Mary Bee auf George Briggs, zurückhaltend und facettenreich gespielt von Tommy Lee Jones selbst. Seine Darbietung wirkt ebenso rau wie das Land und die Entscheidungen seiner Figur so kantig, dass es mitunter schwer ist, nachzuvollziehen, weshalb er in der zweiten Filmhälfte im Mittelpunkt steht. Das ist auch einer der Kritikpunkte an The Homesman, denn auch wenn der Regisseur seinen Film in Bilder kleidet, die man sich als Szenenporträts stundenlang ansehen kann, die Figuren fantastisch getroffen sind und die Darsteller selten so gefordert waren, selbst wenn sie hier nicht offen spielen, sondern verdeckt, die Geschichte erfährt einen merklichen Knick, den man so nicht kommen sieht. Er entwickelt das Gezeigte in eine unangenehme Richtung. Es mag damals wie heute so sein, dass das Leben mehr von den Menschen verlangt, als es zurückgibt, doch dem zuzusehen ist obwohl berührend bis zermürbend nie hoffnungsvoll oder inspirierend. The Homesman ist ein toller, anspruchsvoller Film, den man sich kein zweites Mal ansehen will.


Fazit:
Es ist beeindruckend, welches Charisma der inzwischen fast 70jährige Tommy Lee Jones immer entfaltet. Er ist ein Darsteller, der sogar einen Kaugummi-Werbespot interessant gestalten könnte. Er schart ausgezeichnete Darsteller um sich, die ihre Rollen packend und teils schockierend zur Geltung bringen. All das wird vor einer Kulisse eingefangen, die ebenso ein eigenständiger Charakter ist, wie er alle Figuren darin formt. Hierzu trägt auch die hervorragende Musik von Marco Beltrami bei. So gelungen all das ist, bei The Homesman bleibt am Ende nicht das Gefühl, als würden die Strapazen der Beteiligten zu irgendetwas führen. Es gibt keine Erlösung, keinen tieferen Sinn. Es gibt nur Menschen, die mit dem, was sie widerfahren haben, auf ihre Art und Weise fertig werden. Das ist bewegend und durchaus sehenswert. Aber nur ein Mal.    


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