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The Hole [2001]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 27. Juli 2004
Genre: Thriller / Drama

Originaltitel: The Hole
Laufzeit: 102 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2001
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Nick Hamm
Musik: Clint Mansell
Darsteller: Thora Birch, Desmond Harrington, Daniel Brocklebank, Laurence Fox, Keira Knightley, Embeth Davidtz, Steven Waddington


Kurzinhalt:
Fast drei Wochen sind die jugendlichen Internatsschüler Elizabeth Dunn (Thora Birch), Frankie Smith (Keira Knightley), Mike Steel (Desmond Harrington) und Geoff Bingham (Laurence Fox) schon verschwunden, da taucht Elizabeth blutüberströmt und verwahrlost wieder auf; unterernährt und in Schock stößt sie einen Schrei in den Telefonhörer.
Als die Polizei ankommt, entdeckt sie einen Ort des Grauens, die vier Schüler waren angeblich von ihrem Mitschüler Martyn (Daniel Brocklebank) vor 18 Tagen in einen Bunker aus den Weltkriegen eingesperrt worden – nur Elizabeth hat überlebt. Als die Polizeipsychologin Dr. Horwood (Embeth Davidtz) Martyn aber befragt hat der eine ganz andere Geschichte zu erzählen, als diejenige, an die Elizabeth sich bruchstückhaft erinnert. Zusammen mit der Psychologin arbeitet sie das Trauma um die Geschehnisse im Bunker wieder auf, und je näher sie der Wahrheit kommen, desto unfassbarer scheint sie.


Kritik:
Was in den USA das Blair Witch Project [1999] geschafft hat, nämlich mit möglichst wenig Geld einen Kult-Horror-Erfolg, sollte in Großbritannien wohl The Hole nachmachen. Nicht umsonst erinnert die Story um den Horror im Kopf bisweilen an den Vorgänger aus den Vereinigten Staaten. Kombiniert mit einem "Wer war's"-Element in bekannter Manier frei nach Die üblichen Verdächtigen [1995] wollten die Macher ein Psychothrillerdrama erschaffen – beim Versuch ist es dann aber auch geblieben. Denn während die Darsteller und die Inszenierung durchaus gefallen, offenbart sich das Drehbuch als eine schlichte Fehlkonzeption, die zwischen verschiedenen Storyvariationen hin- und herpendelt, ohne eine eigene Identität zu finden.

Nicht nur, dass die Geschichte selbst in Rückblenden erzählt wird, die Erzählung wird auch noch alle paar Minuten durch einen Schnittwechsel in die Gegenwart unterbrochen, was dem Film dahingehend sehr viel an Atmosphäre nimmt. Dann bekommt der Zuschauer zuerst eine weichgespülte Version der Geschichte zu sehen, die sich Liz im Geist und wahrscheinlich halb im Delirium zusammengereimt hat, bevor es letztendlich mit den wahren Ereignissen zur Sache geht. Da wird aber schnell klar, dass die eigentliche Hauptperson und einzig Verantwortliche des ganzen Schlamassels diejenige ist, mit welcher der Zuschauer angeblich mitfiebern soll. Doch statt den Twist erst zum Schluss zu zeigen und in den letzten Minuten vor dem Abspann die Geschichte noch einmal so herumzudrehen, wie es bei Memento [2000] beispielsweise der Fall war, wird hier diejenige Person viel zu früh entlarvt. Als Zuschauer sind somit alle Sympathien verflogen und man fragt sich fortan, was das Ganze eigentlich soll.
Doch damit ist es leider noch nicht genug, denn statt die Situation im Bunker langsam auf die Spitze zu treiben, und dem Zuschauer vor allem einen chronologischen Aufbau zu bieten, was an welchem Tag geschah, anstatt immer wieder ein paar Tage (oder gar eine ganze Woche!) zu überspringen, bekommt der Zuschauer immer wieder Fetzen des Dramas zu sehen, das sich in diesem Bunker abgespielt hat. Urplötzlich stirbt dann der erste Gefangene und bis sich die übrigen drei an die Gurgel gehen dauert es folglich nicht mehr lange. Hier wurde von den Autoren Ben Court und Caroline Ip, basierend auf dem Roman von Guy Burt einfach sehr viel Potential verschwendet, Potential den sozialen Verfall und die Hoffnungslosigkeit von Menschen, die in dieser Situation gefangen sind, zu porträtieren. Im Roman wird darauf wohl eher eingegangen, zudem soll das Ende dort wirklich überraschend geraten sein.
An Charakterisierungen findet sich im Skript jedenfalls nicht viel, stattdessen wird der Zuschauer mit den üblichen verwöhnten Internatsschülern konfrontiert, die schon in so vielen Krimis im Mittelpunkt standen. Die Geschichte selbst ist zwar nicht wirklich vorhersehbar, aber auf Grund der ständigen Szenenwechsel und der zu frühen Beantwortung der Frage, wer der Täter ist, nicht wirklich spannend und bisweilen schon fast zäh. Aus dem Stoff hätte man aber, auch wenn man ihn nur in einer anderen Reihenfolge gestaffelt hätte, einen deutlich spannenderen Film machen können.

Den jungen Darstellern kann man dabei nichts vorwerfen, Thora Birch überträgt die Verwirrung, die ihr Charakter zu Beginn wohl empfinden soll, gut auf die Leinwand, und auch ihre Rolle als zickige, weltfremde Egomanin steht ihr nicht schlecht. Andererseits wirkt das eingeschnappte und leicht verruchte Image von Keira Knightley fast schon etwas zu überspitzt, schauspielerisch bringt sie das jedoch gut vor der Kamera zur Geltung und hat eindeutig mehr zu tun als in ihrem bisher größten Erfolg, Fluch der Karibik [2003].
Auch die drei Herren spielen ihre Rollen mit der notwendigen Überzeugungskraft, allenfalls der Brite Daniel Brocklebank treibt es mit der ausfallenden Mimik und dem langsamen Sprechen bisweilen etwas zu weit. Aber weder Laurence Fox, noch Desmond Harrington kann man diesbezüglich einen Vorwurf machen. Die Verzweiflung steht ihnen in den letzten zehn Minuten des Films ins Gesicht geschrieben und wenn sie von Schwäche und Hunger gezeichnet im Bunker sitzen, hat man wirklich Mitleid mit ihnen.
Grundsätzlich nur eine Nebenrolle spielt die unter anderem aus Fallen – Dämon [1998] bekannte Darstellerin Embeth Davidtz, die hier aber nicht wirklich zur Geltung kommt. Zwar mimt sie die Polizeipsychologin nicht schlecht, ihre Rolle erfordert aber keinen großen Einsatz.
Den überaus jungen Darstellern gelingt ein fast schon beängstigend realistisches Portrait der Gruppe in einer ausweglosen Situation. Wenn sie von den Strapazen gezeichnet drohen, ihren Verstand zu verlieren, oder um einen verstorbenen Freund trauern, spielen sie stets sehr gut – von so jungen Schauspielern hätte man das nicht erwartet, schade nur, dass der Film selbst ihre Einsatzbereitschaft kaum verdient.

Inszenatorisch gibt sich Nick Hamm keine Blöße, bis auf einige eher unpassende Kamerafahrten, die mit einem eher für Trailer üblichen Zeitraffereffekt versehen wurden, sind Kamera und Schnitt wirklich überzeugend und lassen auch Atmosphäre aufkommen.
Zwar hätte man mit dem eigentlich schon beunruhigenden Setting im Bunker doch einige Kamerafahrten und Perspektiven ausprobieren können, aber handwerklich ist The Hole gut gelungen.
Wäre da nicht die falsche Reihenfolge, in der die Szenen aneinander gehängt sind. Das mag durchaus von der Vorlage stammen und auch auf den ersten Blick einen Sinn ergeben, die Geschichte in kleineren Rückblicken zu erzählen, was aber den Zuschauer anfangs noch mit einem Lächeln an Pulp Fiction [1994] erinnert, entpuppt sich als Fehlkonzept. Die Auflösung kommt nicht mit dem letzten Akt und im Gegensatz zu anderen Dramen interessiert es einen als Zuschauer auch nicht, wie es letztendlich zu der Tragödie kommt. Dafür ist es schlicht nicht dramatisch genug.
Hätte Hamm hier mehr Mut besessen und die Geschichte entweder chronologisch erzählt, oder aber so aufgebaut, dass das alles entscheidende Puzzle-Teil wirklich erst am Schluss präsentiert wird, wäre aus The Hole ein deutlich spannenderer und besserer Film geworden. So ist seine Regiearbeit (er war bisher hauptsächlich im britischen Fernsehen tätig) zwar sauber geraten, aber doch unter den Erwartungen geblieben.

Musikalisch liefert Komponist Clint Mansell, für den es nach Pi [1998] und Requiem for a Dream [2000] erst die dritte Arbeit an einem Film gewesen ist, eine grundsolide Vorstellung ab mit einigen wirklich interessanten, unheimlichen und bisweilen überraschend elektronischen Stücken.
Zwar ist dabei nichts so episches wie bei Requiem for a Dream, zu den bisweilen schaurigen Bildern passt die Musik aber sehr gut und verblüfft mitunter durch ihre Andersartigkeit. Wer von den unzähligen Marco Beltrami-Klon-Soundtracks im Stile von Scream – Schrei! [1996] die Ohren voll hat, sollte hier einmal reinhören. So beängstigend wie Howard Shores Score zu Sieben [1995] ist Mansells Musik aber bei weitem nicht.

Nicht nur, dass die DVD-Edition des Films mit sieben Deleted Scenes daher kommt, darunter ein alternatives Ende und einen alternativen Schluss, sowie erweiterte Szenen, ursprünglich war The Hole in Großbritannien mit einer Freigabe von "nicht unter 18 Jahren" versehen. Der Verleih wollte aber ein größeres Publikum ansprechen und so wurde der Film vor Kinostart auf "ab 15 Jahren" heruntergeschnitten. Und da die Extras auf der britischen DVD ebenfalls "nicht unter 18" freigegeben wurden, ist die DVD dort mit der hohen Altersfreigabe erhältlich – der Film selbst ist aber ab 15 Jahren freigegeben.
Für die internationale Veröffentlichung griffen die Verleihfirmen auf die geschnittene Fassung zurück, weswegen bis dato keine ungeschnittene Fassung auf DVD oder sonst wo erhältlich ist. Angesichts des bescheidenen Erfolgs von The Hole wird das auch nicht bald der Fall sein, selbst wenn der Film inzwischen einen deutlich besseren Ruf genießt, als er bei Erstveröffentlichung zurecht erhielt.

Denn auch wenn Nick Hamms Regiearbeit sauber umgesetzt sein mag und die Darsteller für vieles entschädigen, es gibt auf dem Gebiet einfach bessere Teenie-Horror-Filme und auch bessere Dramen in der Art, als dass man sich als Zuschauer mit einer so spannungsarmen Umsetzung des Stoffes abfinden müsste.
Hätten die Macher das gedrehte Material anders zusammengeschnitten, so dass zumindest ein überraschendes Ende den Zuschauer erfreut, wäre noch ein Punkt mehr drin gewesen, so lässt einen The Hole aber unzufrieden zurück; mehr als das, man hat letztendlich das Gefühl, dass man seine Zeit hätte sinnvoller verbringen können.


Fazit:
Die Jungdarsteller überraschen mit ihren tiefgehenden Portraits der eingeschlossenen Jugendlichen, allen voran Desmond Harrington, und auch die Inszenierung gefällt mit ihren atmosphärischen Bildern. Aber gerade die werden immer wieder aus dem Zusammenhang gerissen, wenn das Geschehen urplötzlich in die Jetztzeit verlagert wird. Hier wäre eine durchgängige Erzählung nicht nur deutlich besser gewesen als die ständigen Episoden, es hätte The Hole auch von den unzähligen anderen Filmen seiner Art unterschieden.
Wer sich aber klar macht, dass Nick Hamms Film nicht viel mehr ist als eine Mischung Blair Witch Project, Die üblichen Verdächtigen und William Shakespeares Romeo + Julia [1997], der sollte auch wissen, dass er/sie mit jedem der drei Filme deutlich besser unterhalten wird, als mit dem spannungsarmen möchtegern Psycho-Horror.


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