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The Happening [2008]

Wertung: 1.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 15. Oktober 2008
Genre: Horror / Fantasy

Originaltitel: The Happening
Laufzeit: 91 min.
Produktionsland: USA / Indien
Produktionsjahr: 2008
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: M. Night Shyamalan
Musik: James Newton Howard
Darsteller: Mark Wahlberg, Zooey Deschanel, John Leguizamo, Ashlyn Sanchez, Betty Buckley, Spencer Breslin, Robert Bailey Jr., Jeremy Strong, Alan Ruck


Kurzinhalt:
Es beginnt unvermittelt in einem Park in einer amerikanischen Großstadt. Menschen verlieren die Orientierung, die Sprache zu sprechen – und fügen sich selbst dann großen, meist tödlichen Schaden zu. Dieses "Ereignis" breitet sich aus, ein Terroranschlag wird durch die Häufigkeit und die Auswirkungen von den Behörden ausgeschlossen.
Zusammen mit seinem Kollegen Julian (John Leguizamo) und dessen Tochter Jess (Ashlyn Sanchez) macht sich der Lehrer Elliott Moore (Mark Wahlberg) zusammen mit seiner Frau Alma (Zooey Deschanel) auf die Flucht aus der Stadt gen Westen. Aber auch in kleineren Ortschaften passiert es immer häufiger und schon innerhalb eines halben Tages sind dem Ereignis unzählige Menschen zum Opfer gefallen.
Vermutungen lassen darauf schließen, dass die Pflanzenwelt selbst verantwortlich sein könnte. Für Elliot nur ein schwacher Trost. Julian hat sich unterdessen aufgemacht, seine Frau zu suchen, zu der der Kontakt abgebrochen war. Doch was immer mit den Menschen geschieht, Alma, Elliot und Jess scheinen nirgendwo der Epidemie entkommen zu können ...


Kritik:
Nach zwei kleineren Produktionen gelang dem in Indien geborenen M. Night Shyamalan mit The Sixth Sense [1999] nicht nur in den USA der große Durchbruch. Der Gruselthriller um ein Kind, das tote Menschen sieht, inspirierte eine ganze Reihe Nachahmer, die dem Original jedoch nie gefährlich werden konnten. Es folgte ein ebenfalls übersinnlich angelegter Unbreakable – Unzerbrechlich [2000], in den der Autor und Regisseur große Hoffnungen setzte. Aber auch wenn sich die ungewöhnliche Heldenmär im Nachhinein eine Fangemeinde aufbauen konnte, war er zunächst kein wirklicher Erfolg. Erst mit Signs – Zeichen [2002] konnte der Filmemacher an seinen großen Erfolg anknüpfen, ehe mit The Village – Das Dorf [2004] die Kritik selbst unter Fans seiner Filme lauter wurde. Nach dem lang erwarteten Das Mädchen aus dem Wasser [2006] und der entsprechend großen Enttäuschung bei Kritikern und Zuschauern hoffte man auf The Happening, mit dem Shyamalan endlich wieder zu einstiger Größe aufsteigen wollte.
Ein mageres Einspielergebnis und durchweg vernichtende Kritiken machen jedoch deutlich, dass der Regisseur, Autor und Produzent des Films von seinem Können vor nicht einmal 10 Jahren viel eingebüßt hat. Man könnte sogar beinahe behaupten, er sei inzwischen ein ganz anderer Mensch.

Anders kann man sich auch nicht erklären, wie ein solches Drehbuch überhaupt je das Licht der Welt erblicken konnte. Die Ausgangslage mag dabei durchaus interessant sein, auch wenn das Einstein-Zitat um das Aussterben der Bienen und den folglichen Untergang der Menschheit nie vom großen Physiker gesagt wurde. Aber in welch unerträglich lethargischen Langatmigkeit das Drehbuch dieses ungewöhnliche Ereignis chronologisiert, ist für einen normalen Zuschauer beinahe nicht mehr erträglich.
Von dem dahinplätschernden Plot lenken allenfalls die haarsträubenden Dialoge ab, die sich mitten im Chaos um fiktive Eifersuchtsdramen drehen oder hölzerne Satzkonstruktionen auf unpassendste Antworten stoßen lassen. Dies gipfelt dann mitunter in solch absurden Gesprächsfetzen, dass man den Eindruck bekommt, Shyamalan wollte seinen Mysterythriller als Komödie erzählen. Es scheint kaum vorstellbar, dass der Autor diese grotesken Ideen zum Schluss hin noch steigern könnte, doch auch beim "Finale" des Films trumpft das Drehbuch mit abstrusen Einfällen auf. Die letztliche Auflösung des Films dürfte dabei höchstens Hobbygärtner interessieren – alle anderen werden sich daran zurück erinnern, wie effektiv es zu Alfred Hitchcocks Zeiten war, dem Täter einfach kein Motiv zu geben, um ihn dadurch noch mysteriöser erscheinen zu lassen.
Doch mit seiner Erklärungswut verheddert sich Shyamalan in Ideen, bei denen man nicht weiß, ob sie nun als Parodie gedacht sind, oder aber ernst gemeint. Dass man als Zuschauer ganze eineinhalb Stunden investiert, ohne aber eine wirkliche Aussage serviert zu bekommen, ist schon erschreckend genug. Doch überlegt man sich, was einem in den knapp 90 Minuten zwischen Anfang und Ende geboten wird, stellen sich einem erst recht die Nackenhaare auf.

Angesichts der Dialoge verwundert es etwas, dass die Produzenten überhaupt Akteure finden konnte, die bereit waren, die Absurditäten verbal zu äußern. Doch der Regisseur scheint sich hier alle Mühe zu geben, den Darstellern die mitunter traurigsten Darbietungen ihrer Karriere zu entlocken.
Was Mark Wahlberg hier zeigt erinnert mit grausiger Genauigkeit an Planet der Affen [2001], ein Film, den der Darsteller in Bezug auf Mimik und Gestik lieber aus seinem Repertoire hätte streichen sollen. Allein die Tonlagen, mit denen er manche Zeilen zum Besten gibt, oder aber die Gesichtszüge, die in einem unbeschreiblichen Zustand eingefangen scheinen, machen es einem schwer, in den unmöglichsten Szenen nicht spontan in Gelächter zu verfallen.
Zooey Deschanel scheint sich zu bemühen, ihren Kollegen diesbezüglich sogar noch übertreffen zu wollen. Auch zu ihren Gunsten sollte man über The Happening lieber kein weiteres Wort verlieren.
Der einzig redlich angestrengte Akteur scheint in der Tat John Leguizamo zu sein, der zu seinem Glück nicht allzu viele Szenen vor der Kamera zu bestreiten hat. Auch die erst zwölfjährige Ashlyn Sanchez kommt gegen die Drehbuchvorlage nicht an und muss sich in manchen Szenen so unnormal verhalten, dass es ihr merklich schwer zu fallen scheint.
Mit einem kurzen Auftritt wird Alan Ruck bedacht, der nach seiner langen, krankheitsbedingten Kameraabstinenz gute Arbeit leistet. Anders hingegen Spencer Breslin und Robert Bailey Jr., denen ebenfalls nur wenige Momente vergönnt sind.
So bekannte Namen der Cast an sich vorzuweisen hat, so unglaublich unterdurchschnittlich sind die meisten Leistungen ausgefallen. Es scheint beinahe, als hätte der Regisseur die Mimen gebeten, so viel Emotion wie möglich aus ihrer Mimik herauszuziehen, um sämtliche Figuren wie geistig Minderjährige aussehen zu lassen.

Auch die handwerkliche Umsetzung vermag diesbezüglich nichts zu verbessern. Auch wenn die Schnittfolge nicht wirklich schlecht geraten ist, und auch die Bilder zumindest zu Beginn für Gänsehautstimmung sorgen, es gibt keine explizite Bildersprache, keine besondere Farbgebung, die für bestimmte Charaktere spricht (wie bei Unbreakable) und wenn bei den Dialogen die Kamera frontal auf die jeweilige Person hält und den Hintergrund somit ausblendet, scheint es so, als wollten die Macher die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf jenes verhängnisvolle Spiel der Darsteller legen, das einem nicht in positiver Hinsicht in Erinnerung bleiben wird.
Auch die Maskenarbeiten können grundsätzlich überzeugen, weisen aber auf Grund der emotionslosen Darstellung mitunter einen Hang zur Komik auf. Wenn Shyamalan zu schocken versucht, wirkt das Ergebnis höchstens distanzierend und nicht selten unfreiwillig komisch.
Schlecht ist die Inszenierung damit nicht geraten, allenfalls leicht überdurchschnittlich. Aber doch völlig unspannend und damit mehr als enttäuschend.

Komponist James Newton Howard gibt sich hingegen redlich Mühe, mit beunruhigenden Klängen und Gänsehautthemen den Zuschauer in die rechte Stimmung zu versetzen. Dies gelingt ihm auch oft, doch entfaltet der Score einen größere Wirkung ohne die dazu stellenweise unpassenden Bilder.
Ähnlich wie bei The Sixth Sense oder auch Signs gelingt es ihm, ein Motiv wie einen roten Faden durch den gesamten Film hindurch immer wieder aufblitzen zu lassen, auch wenn es in manchen Momenten etwas mehr benutzt wird, als in anderen. Und doch gehört er zu den wenigen Beteiligten, denen man ohne Umschweife ein Kompliment machen kann. Dass die Musik angesichts der Bilder und der Geschichte an Wirkung verliert, ist zwar bedauerlich, aber letztlich nicht verwunderlich.

Als erster Erwachsenen-Thriller von M. Night Shyamalan wurde The Happening im Vorfeld angekündigt, und auch in Deutschland war der Film im Kino nur in einer gekürzten Fassung zu sehen. Das Studio wollte keine höhere Altersfreigabe riskieren. Die ungeschnittene Fassung erhielt allerdings dieselbe Freigabe, wie der Verleih später feststellen musste. Ob dies berechtigt ist, darüber kann man streiten, immerhin gibt es einige äußerst brutale Einstellungen zu sehen. Dass diese im Kontext nicht so grausam wirken, sondern in manchen Szenen wie eine Parodie anmuten, liegt an der Drehbuchvorlage, die bei näherer Betrachtung an sich nicht ernst gemeint sein kann.
Was Autor, Regisseur und Produzent Shyamalan seinem Publikum hier zumutet ist nicht nur meilenweit von The Sixth Sense, sondern allgemein vom gesunden Menschenverstand entfernt, dass man als Zuseher darauf hoffen kann, The Happening bald vergessen zu haben. Und Bäume wird man weiterhin als Bäume und Sträucher als Sträucher sehen. Vielleicht auch jetzt erst recht.


Fazit:
Wer bei M. Night Shyamalans Mysteryhorror auf ein "Ereignis" hofft, wird enttäuscht werden. Es hilft eine beunruhigende Grundidee, eine grundsätzlich solide Inszenierung und ein durchweg gruseliger und atmosphärischer Soundtrack nichts, wenn die Dialoge so unfreiwillig komisch geraten sind, dass es an sich auch den Darstellern schwer gefallen sein muss, sie vor der Kamera zum Besten zu geben.
Was sich die Besetzung bei The Happening erlaubt ist dabei zwar im Grunde genommen nicht lustig, aber angesichts des inhaltlichen Niveaus, auf das sich das einstige Wunderkind Shyamalan herab begibt auch nicht weiter verwunderlich. So mag das erste Drittel des Films noch seine Schwächen haben, das zwei Drittel wie eine missglückte Komödie anmuten, aber der finale Akt lässt einen nur kopfschüttelnd zurück.
Es bleibt die Erinnerung an 90 geraubte Minuten, in denen man besser dem Gras hätte wachsen zuhören sollen.


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