skip to content

The Good Liar - Das alte Böse [2019]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 11. Juni 2020
Genre: Drama / Krimi

Originaltitel: The Good Liar
Laufzeit: 109 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2019
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Bill Condon
Musik: Carter Burwell
Besetzung: Helen Mirren, Ian McKellen, Russell Tovey, Jóhannes Haukur Jóhannesson, Jim Carter, Mark Lewis Jones, Lily Dodsworth-Evans, Phil Dunster, Michael Culkin, Laurie Davidson, Celine Buckens


Kurzinhalt:

Gerade erst hat der Betrüger Roy Courtnay (Ian McKellen) mit seinem Geschäftspartner Vincent (Jim Carter) zwei Investoren bei einem illegalen Deal um eine hohe Summe geprellt, als er über eine Online-Kontaktvermittlung auf die Witwe Betty McLeish (Helen Mirren) aufmerksam wird. Seine Vermutung, dass die ehemalige Professorin überaus vermögend ist, wird alsbald bestätigt und so schickt sich Roy an, seinen Charme spielen zu lassen, um Betty – und ihr Geld – für sich zu gewinnen. Seine einzige Sorge dabei ist Bettys Enkel Steven (Russell Tovey), der Roy gegenüber skeptisch ist und versucht, seine Großmutter zu warnen. Als wäre das nicht genug, forscht Steven in Roys Vergangenheit und findet ein Kapitel, das Roy geheimhalten möchte. Gleichzeitig droht ihm auch der jüngst geprellte Investor, seinen Betrug auffliegen zu lassen …


Kritik:
Bill Condons The Good Liar - Das alte Böse ist ein Film, der ein wenig aus der Zeit gefallen erscheint. Das macht ihn einerseits für ein zu junges oder zu „unerfahrenes“ Publikum wenig interessant, für ein Älteres hingegen zu wenig überraschend, als dass der Krimiaspekt in der Form funktionieren würde, wie in der Vorlage von Nicholas Searles Roman Das alte Böse [2015]. Dank der gelungenen Atmosphäre und nicht zuletzt der fabelhaften Besetzung ist das trotz allem sehenswert.

Die konzentriert sich hauptsächlich auf die beiden Stars im Zentrum: Helen Mirren und Ian McKellen, mit dem der Regisseur bereits bei Mr. Holmes [2015] zusammenarbeitete. Hier spielt er den alternden, britischen Ganoven Roy Courtnay, der zusammen mit seinem Geschäftspartner Vincent entweder das Vermögen von alleinstehenden Damen an sich, oder mit fadenscheinigen Betrügereien illegale Investoren um ihr Geld bringt. Die sehen selbst bei Geldeinsätzen im fünf- oder sechsstelligen Bereich, von denen sie keinen Cent je zurückbekommen, in aller Regel schon deshalb von einer Anzeige ab, weil sie sich selbst damit belasten würden. Über eine Online-Dating-Webseite findet Roy die ehemalige Geschichtsprofessorin Betty, seit Kurzem verwitwet. Sie besitzt ein Vermögen von etwa zwei Millionen Britischen Pfund. So gibt sich Roy alle Mühe, ihr Vertrauen zu gewinnen, und sieht allenfalls Bettys misstrauischen Enkel Steven als Bedrohung. Allerdings ergeben sich Komplikationen bei seinem letzten Betrug, angefangen von einem Beteiligten, der droht, sein Wissen über Roy gegen ihn einzusetzen, bis hin zu einem geprellten Investor, der Roy auf der Straße wiedererkennt.

An Roys rücksichtslosen Entscheidungen, die er in diesem Zusammenhang trifft, bemerkt das Publikum schnell, dass er nicht der „charmante Gauner“ ist, den man anfangs in ihm sehen mag. So konzentrieren sich seine Täuschungen zu Beginn auf das Vorspielen einer Knieverletzung, während er sich im Grund bester Gesundheit erfreut, um so Betty so dazu zu bringen, ihn bei sich wohnen zu lassen. Aber nicht nur, dass er nicht davor zurückschreckt, körperliche Gewalt gegen andere anzuordnen, er ist sich trotz seines Alters nicht zu fein, selbst mit skrupelloser Brutalität gegen Menschen vorzugehen, die ihm gefährlich werden. Wie leicht es ihm fällt, zwischen seinem so unterschiedlichen Auftreten zu wechseln, verrät gleichzeitig, dass er all dies nicht zum ersten Mal tut. Die Frage, die in The Good Liar - Das alte Böse somit bleibt ist, was hat es mit ihm tatsächlich auf sich?
Das größte Manko des Krimis ist, dass die groben Umstände nicht allzu schwer zu erraten sind. Mit dem Studium von Bettys Enkel Steven und dem geplanten Urlaub auf dem europäische Festland sowie Roys Reaktion hierauf, streut Filmemacher Condon zu viele Hinweise, als dass die letztliche Auflösung überraschen könnte.

Zwar leitet der Film sein Publikum hinsichtlich Roys tatsächlicher Motive oder der Geschichte insgesamt anfangs auf eine falsche Fährte, doch dass bei einem Betrüger wie Roy Courtnay seine eigene Aussage nicht für bare Münze genommen werden sollte, ist abzusehen. Die grundsätzliche Idee hinter der Geschichte von The Good Liar ist nicht nur gelungen, sondern besitzt mit Blick auf eine Figur, der die letzten Szenen gewidmet sind, trotz der unfassbaren Tragik auch eine starke Botschaft. Allerdings werden die Hintergründe jeweils in recht langen Szenen einfach erzählt und vorgestellt, ohne dass das Publikum die Möglichkeit bekommen würde, die Verbindungen selbst herstellen zu können. Das gestaltet die Art und Weise, wie die Story präsentiert wird, wenig zugänglich. Vielleicht wäre hier mit einer anderen Herangehensweise, beispielsweise auf mehreren Ebenen, eine mitreißendere Erzählung möglich gewesen.

Handwerklich beweist Regisseur Bill Condon durchaus Geschick, seinen Film wie ein Kammerspiel zu inszenieren, bei dem beide tragenden Figuren trotz oder gerade auf Grund ihres Verhaltens stets eine unzugängliche Aura umgibt. Carter Burwells musikalische Untermalung könnte passender kaum sein; zurückhaltend und doch unterschwellig andeutend, dass es hier mehr zu entdecken gibt, als man vermutet, lässt sich der Subtext der zweiten Erzählebene erahnen, die diese Figuren prägt. So überzeugt The Good Liar - Das alte Böse am Ende mehr durch die Präsenz der beiden Hauptakteure und die Umsetzung, als die Geschichte selbst. Die ist inhaltlich gelungen, aber nicht so packend dargebracht, wie der Krimi hätte sein können.


Fazit:
So leichtfüßig die Geschichte um den charismatischen Betrüger Roy Courtnay beginnt, sie verliert rasch ihre Unschuld, wenn dieser dem Publikum einen Blick auf sein wahres Gesicht gewährt. Wohin sich das entwickeln wird, ist wenigstens was die grobe Richtung anbelangt, recht früh absehbar, was zugegebenermaßen den Krimiaspekt an Zugkraft kostet. Als schwerwiegender entpuppt sich im Verlauf jedoch, dass die Hintergrundgeschichte nicht schrittweise dargebracht, sondern in zwei langen, erklärenden Sequenzen schlicht vorgetragen wird. So wie die jeweils andere Person, sind die Zuschauerinnen und Zuschauer eher überrumpelt, als dass man hier hätte miträtseln können. Dank der erstklassigen Besetzung, angeführt von Helen Mirren und Ian McKellen, sowie der zurückhaltenden Umsetzung, ist The Good Liar - Das alte Böse für Fans von gepflegten Krimidramen eine Empfehlung, wenn auch nicht so überraschend und packend, wie zu erhoffen war.
 


Treffpunkt: Kritik empfiehlt TEUFEL LAUTSPRECHER GmbH – für den perfekten Heimkino-Sound!