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Frozen Ground [2013]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Lars Adrian  |   Hinzugefügt am 24. August 2013
Genre: Thriller / Drama

Originaltitel: The Frozen Ground
Laufzeit: 105 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2013
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Scott Walker
Musik: Lorne Balfe
Darsteller: Nicolas Cage, Vanessa Hudgens, John Cusack, Curtis "50 Cent" Jackson, Radha Mitchell, Kevin Dunn


Kurzinhalt:
1983 wird die junge Prostituierte Cindy Paulson (Vanessa Hudgens) brutal vergewaltigt und entkommt nur knapp dem Tod. Obwohl sie der Polizei von Anchorage in Alaska sogar die Identität ihres Peinigers offenbaren kann, bleibt dieser Mangels Beweisen auf freiem Fuß, und sie verliert jegliches Vertrauen in das Rechtssystem.
Nach einem Tipp erkennt Detective Jack Halcombe (Nicolas Cage) eine Verbindung zwischen dem Angriff auf Cindy und einer ungeklärten Mordserie, der seit über einem Jahrzehnt mehrere Frauen zum Opfer gefallen sind.
Doch seine Ermittlungen gegen der Hauptverdächtigen Robert Hansen (John Cusack) gestalten sich als äußerst schwierig, da Hansen ein angesehener Bürger der Stadt ist und die bisherigen Indizien keinen direkten Rückschluss auf ihn ermöglichen. Dadurch ist Cindys Aussage für die Beweisführung entscheidend, denn sie ist die einzige überlebende Zeugin.
Zunehmend wird Halcombe bewusst, dass Cindys Leben gerade deshalb in großer Gefahr sein könnte.


Kritik:
Nicolas Kim Coppola hat es nicht leicht: Geboren als Neffe von Regie-Titan Francis Ford Coppola (Der Pate [1972]) wählte er bereits zu Beginn seiner Schauspielkarriere den Künstlernamen Nicolas Cage, um so jeden Anschein von Vetternwirtschaft im Keim zu ersticken – mit dem Ergebnis, dass anfangs trotz kommerziell (Ich glaub, ich steh' im Wald [1982]) oder künstlerisch (Cotton Club [1984]) erfolgreicher Filme kaum jemand von dem Darsteller Notiz nahm. Erst mit Mondsüchtig [1987] und David Lynchs Wild at Heart – Die Geschichte von Sailor und Lula [1990] wurde Cage zumindest im Feuilleton ein Begriff. Mit einem Hauptdarsteller-Oscar für das Alkoholiker-Drama Leaving Las Vegas – Liebe bis in den Tod [1995] im Gepäck wechselte Cage schließlich ins Action-Fach und landete mehrere Hits wie The Rock – Fels der Entscheidung [1996] und Face/Off – Im Körper des Feindes [1997], überzeugte aber auch in gänzlich anderen Rollen (Stadt der Engel [1998]). Obwohl seine Filmen in der Folge sowohl vom Publikum als auch von den Kritikern sehr wechselhaft aufgenommen wurden, gab es doch keinen Zweifel, dass Nicolas Cage zu den Stars im Filmgeschäft zählte und alles sprach dafür, dass dies auch so bleiben würde.
Es sollte leider anders kommen, denn seine private Spendierfreudigkeit, hohe Steuerschulden und teure Scheidungsabfindungen brachten den Darsteller an den Rand des finanziellen Ruins – während Kassen-Flops wie Ghost Rider [2007], Knowing [2009] oder Duell der Magier [2010] seinen professionellen Ruf nachhaltig beschädigten. In den letzten Jahren bedeutete die Mitwirkung von Nicolas Cage in der Regel, dass man sich den jeweiligen Film (zum Beispiel Drive Angry, Trespass oder Ghost Rider: Spirit of Vengeance, alle 2011 nach dem Prinzip Masse statt Klasse) besser sparen sollte.
Dass dies zugegebenermaßen keine guten Vorzeichen für Frozen Ground [2013] sind, scheinen auch die Produzenten erkannt zu haben, denn nachdem es zwei Jahre nach Fertigstellung zurückgehalten worden war, wurde das Krimidrama kürzlich in den USA zeitgleich mit dem Kinostart auch bei digitalen Video-on-Demand-Diensten wie "Apple iTunes" oder "Amazon Instant Video" veröffentlicht und die Heimkino-Versionen auf Blu-ray und DVD gibt es keine zwei Monate später.

Überraschenderweise gelingt es dem auf Tatsachen basierenden Frozen Ground schon nach kurzer Zeit, die berechtigten Bedenken zu zerstreuen.
Regisseur und Drehbuchautor Scott Walker hat sich für sein Debüt kein einfaches Thema ausgesucht: Der Film schildert die Suche nach dem Serienmörder Robert Hansen, der von 1971 bis 1983 in Alaska vermutlich über 30 Frauen angegriffen und vergewaltigt und mindestens 17 von ihnen gefoltert und ermordet hat. Angesichts des mittlerweile bedauerlicherweise weit verbreiteten und finanziell einträglichen Folter-Porno-Mülls (Saw [2004], Hostel [2006] usw.) hätte hier aufgrund des Inhalts vieles falsch gemacht werden können.
Walkers Ansatz braucht sich allerdings hinter dem offenkundigen Vorbild – David Finchers Zodiac – Die Spur des Killers [2007] – nicht zu verstecken. Frozen Ground orientiert sich weitgehend an den tatsächlichen Vorkommnissen und zeigt die bisweilen frustrierende Polizeiarbeit, die Schicht um Schicht das erschreckende Ausmaß der Taten offenlegt, verzichtet gleichzeitig aber auf Effekthascherei und explizite Gewaltdarstellung und lässt die schlimmsten Details im Off geschehen oder durch die Dialoge im Kopf des Zuschauers entstehen. Die Schilderungen sind dadurch nicht einfacher zu verdauen, aber man hat zumindest nicht das Gefühl, voyeuristisch beizuwohnen.
Walkers Farbpalette erinnert stark an Zodiac – was ja nicht verkehrt ist –, und obwohl dem Film eine weniger hektische Kameraführung samt Schnittfolgen gerade zu Beginn und ein zurückhaltenderer Musik-Score nicht geschadet hätten, gibt es handwerklich kaum etwas auszusetzen. Lediglich eine Nebenhandlung gegen Ende, als das Leben der Hauptzeugin Paulson noch einmal in Gefahr gerät, wirkt etwas überdramatisiert und nicht authentisch.

Wider ursprünglicher Erwartung beweist Nicolas Cage in Frozen Ground, dass er sein Metier auch nach Jahren der Unterforderung nicht verlernt hat und liefert als Chefermittler eine grundsolide Leistung ab, die insbesondere durch Zurückhaltung gefällt und der Rolle so bedeutend mehr Glaubwürdigkeit verleiht, als es eine extrovertierte Interpretation erreicht hätte.
Dagegen wirkt John Cusack als Hansen merklich blasser, wobei dies den Charakter eventuell noch beängstigender macht, der sein inneres Monster hinter einer perfekten Biedermann-Fassade verbergen kann. Nichtsdestotrotz hätte man sich in den Verhör-Sequenzen einen längeren verbalen Schlagabtausch zwischen den ehemaligen Con Air [1997]-Gefährten gewünscht.
Vanessa Hudgens indes beschreitet konsequent den Pfad, den sie mit Sucker Punch [2011] und Spring Breakers [2012] eingeschlagen hatte und noch dieses Jahr mit Machete Kills [2013] fortsetzen wird. Sie überzeugt als Prostituierte Cindy Paulson vollends und zeigt, dass sie mehr als das brave Disney-Mädchen aus High School Musical [2006] im Repertoire hat.

Für Deutschland hat sich bislang noch kein Verleih für Frozen Ground gefunden; man kann aber vermutlich davon ausgehen, dass auf eine Kinoauswertung verzichtet wird und der Film direkt auf Disc erscheint.
Aufgrund der zweifellos vorhandenen Qualitäten, bleibt zu hoffen, dass das Werk genügend Beachtung erfährt.


Fazit:
Frozen Ground definiert das Thriller-Genre sicher nicht neu und erinnert eher an einen hochwertigen TV-, als an einen Kinofilm. Scott Walkers Werk bietet aber eine stilsicher und mit Respekt gegenüber den Opfern inszenierte, spannende Schilderung realer Ereignisse.
Darüber hinaus sollte es für Interessenten eigentlich schon genug Empfehlung bedeuten, Nicolas Cage mal wieder in etwas Lohnenswertem sehen zu dürfen.
 


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