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The First Avenger: Civil War [2016]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 30. April 2016
Genre: Action / Thriller / Science Fiction

Originaltitel: Captain America: Civil War
Laufzeit: 147 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2016
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Anthony Russo, Joe Russo
Musik: Henry Jackman
Darsteller: Chris Evans, Robert Downey Jr. , Scarlett Johansson, Sebastian Stan, Anthony Mackie, Don Cheadle, Jeremy Renner, Chadwick Boseman, Paul Bettany, Elizabeth Olsen, Paul Rudd, Emily VanCamp, Tom Holland, Daniel Brühl, William Hurt, Martin Freeman, Marisa Tomei, John Slattery, Hope Davis, Alfre Woodard


Kurzinhalt:

Nach den Ereignissen von Sokovia, stehen die Avengers mehr als je zuvor im Zentrum der öffentlichen Diskussion. Über 100 Staaten haben ein Abkommen beschlossen, das die Superhelden einer besseren Kontrolle unterstellen soll. Tony Stark (Robert Downey Jr.) befürwortet es, lassen ihn die Opfer der Rettungsmissionen doch nicht mehr los. Steve Rogers (Chris Evans) ist dagegen. Er fürchtet, die Avengers könnten instrumentalisiert werden. Als auf die UN ein Attentat verübt wird, für das angeblich Steves Jugendfreund Bucky (Sebastian Stan) verantwortlich sein soll, mobilisiert die Welt alle Mittel, um den Winter Soldier zur Strecke zu bringen. Tony möchte ihn ebenfalls fassen, Steve ihn jedoch beschützen. Dabei werden sie alle von Zemo (Daniel Brühl) gegeneinander ausgespielt, der eigene Ziele mit den "heldenhaften" Avengers verfolgt ...


Kritik:
Mit The Return of the First Avenger [2014] brachten die Regisseure Anthony und Joe Russo die Superhelden-Infernos der Avengers auf einen weltlichen Boden zurück. Die Handlungen der Figuren hatten Konsequenzen, ein jahrzehntelang vorbereitetes Komplott stellte alles auf den Kopf, was man bis dahin zu wissen glaubte. Mit The First Avenger: Civil War beginnt nun ein Bürgerkrieg zwischen Captain America auf der einen und Tony Stark auf der anderen Seite. Beide kämpfen für diese Welt, jedoch mit unterschiedlichen Mitteln. Das Ergebnis ist ein Film, der hinter dem letzten merklich zurückbleibt, obwohl was auf dem Spiel steht nie greifbarer war als hier.

Die Story ist dabei weniger komplex, als es zunächst den Anschein haben mag: In den Schockwellen der Ereignisse von Marvel's The Avengers 2: Age of Ultron [2015], in denen das fiktive europäische Sokovia Schauplatz einer verheerenden Auseinandersetzung war, hat die Weltgemeinschaft beschlossen, dass auch die Avengers kontrolliert werden müssen. Ein Abkommen soll ratifiziert werden, das sie einem Gremium unterstellt. Während Tony Stark / Iron Man, sein Freund Rhodes, Vision und auch Natasha Romanoff dies unterstützen, wollen sich Captain America und Falcon keine Fesseln anlegen lassen. Umso mehr, da die internationale Staatengemeinschaft die Jagd auf Rogers' Freund Bucky eröffnet, der für ein Attentat auf die UN verantwortlich sein soll.

Das klingt politisch und die dahinterliegende Frage ist es auch. Müssen bei der weltweiten Verfolgung von Verbrechern keine Gesetze gewahrt werden? Sieht man sich an, wie viele militärische Einsätze zur Bekämpfung von Terrorismus durch Staaten in den vergangenen 15 Jahren ohne UN-Mandat durchgeführt wurden, spiegelt The First Avenger: Civil War die Problematik durchaus passend wider. Nur eine Antwort behalten sich die Filmemacher vor.
Dabei werden die Avengers durch jemanden gegeneinander ausgespielt, der im Hintergrund die Fäden zieht. Erfreulicherweise ohne Superkräfte oder besondere Technik, dafür jedoch mit einem Ziel vor Augen, das persönlicher ist als das der letzten Bösewichte.

So interessant die Ausgangslage ist, das Drehbuch verheddert sich in der Vielzahl an Figuren. Nicht nur, dass mehr als die Hälfte der Avengers wieder auf den Plan gerufen wird, über Captain America sprich Steve Rogers, erfährt man hier bedauerlicherweise nichts wirklich Neues. The First Avenger: Civil War mutet eher an wie ein weiterer Avengers-Film, in dem sich ein Dutzend Superhelden tummeln, oder eher wie das vierte Iron Man-Abenteuer, steht Tony Starks Geschichte doch mehr im Vordergrund. Darüber hinaus werden mit Black Panther und Spider-Man neue Figuren eingeführt, die am Ende für die Konfrontation zwischen Steve und Tony aber nicht notwendig wären. Vielmehr werden sie vorgestellt, um ihre kommenden Solo-Filme zu bewerben. Nicht einmal Vision, der uneingeschränkt auf Iron Mans Seite steht, ist beim Finale mit eingebunden, was inhaltlich so wenig Sinn ergibt, wie weshalb Tony, nachdem er seinen Fehler erkannt hat, seine Freunde und Mitstreiter im Stich lassen sollte.

Schlimmer jedoch als die Tatsache, dass die vielen Figuren den Film unnötigerweise eine halbe Stunde zu lange machen und am Ende verhindern, dass die titelgebenden mehr zu tun bekommen, ist, dass die Actionszenen der ersten Filmhälfte furchtbar inszeniert sind. Die Auseinandersetzung in Wakanda sowie Buckys und Captain Americas Flucht sind derart wackelig gefilmt und hektisch geschnitten, dass man keine Übersicht hat, was gerade geschieht. Die an sich guten Stunts gehen in frenetischen Schnitten unter, wobei die Momente den Eindruck erwecken, als wären sie mit weniger Bildern pro Sekunde gedreht, um die Bewegungen schneller und hektischer erscheinen zu lassen.

Erst das große Highlight des Films, das Aufeinandertreffen der Fronten beim Flughafen Leipzig/Halle ist so gut in Szene gesetzt, dass man es genießen kann. Beim wirklichen Finale kehren die Macher dabei wieder mehr zur hektischen Umsetzung zurück, wenn auch nicht so schlimm wie zu Beginn. So sichtbar groß der Aufwand bei The First Avenger: Civil War auch ist, wenn man ihn nicht genießen kann, war er am Ende vergebens. Mit The Return of the First Avenger hatten die Regisseure die Messlatte selbst sehr hoch gelegt. Nicht nur Avengers 2 hat sie nicht erreicht.


Fazit:
Die Story offenbart mehr über Tony Stark als über Steve Rogers und fordert Robert Downey Jr. auch sichtlich mehr. Das ist ebenso unerwartet wie dass die aufwändigen Actionszenen in der ersten Filmhälfte beinahe bis zur Unkenntlichkeit verwackelt und zerschnitten sind. In den ruhigen Momenten finden die Regisseure Anthony und Joe Russo hingegen tolle Einstellungen und beweisen eine sichere Hand beim Szenenaufbau. Dennoch ist The First Avenger: Civil War mit der Vielzahl an Figuren, von denen mehr neu eingeführt, als dass bekannte weiterentwickelt werden, deutlich zu lang und scheint mehr darum bemüht, den kommenden, zweiteiligen Avengers: Infinity War vorzubereiten, als eine eigenständige Geschichte zu erzählen.
Am Ende mögen zwar alle Figuren dort sein, wo die Story sie haben möchte, doch dafür werden viele im Laufe der Story einfach fallen gelassen. Nach der holprigen ersten Filmhälfte können die Macher erst in der zweiten glänzen. Die beginnt mit einem der besten Superhelden-Action-Highlights seit The Dark Knight [2008], nur vom gesamten Film hätte man sich trotz der gebotenen Unterhaltung etwas mehr erwartet. Im und nach dem Abspann verbergen sich wie zu erwarten zwei weitere Szenen.
Wer die seltene Möglichkeit erhält, den Film nicht in 3D zu sehen, sollte sie wahrnehmen. Die hektische Action wird dadurch nur noch unübersichtlicher.    


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