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The Finest Hours [2016]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 24. Oktober 2016
Genre: Drama

Originaltitel: The Finest Hours
Laufzeit: 118 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2016
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Craig Gillespie
Musik: Carter Burwell
Darsteller: Chris Pine, Casey Affleck, Ben Foster, Eric Bana, Holliday Grainger, John Ortiz, Kyle Gallner, John Magaro, Graham McTavish, Michael Raymond-James, Beau Knapp


Kurzinhalt:

Als Bernie Webber (Chris Pine) auf Miriam (Holliday Grainger) trifft, ist er sich sicher, dass sie die Frau seiner Träume ist. Wenige Monate vor ihrer geplanten Hochzeit, im Frühjahr 1952, wird die Küste von Neuengland von einem Orkan getroffen. Während die Küstenwache alle Einsatzkräfte losschickt, um einen verunglückten Tanker zu unterstützen, ist beinahe unbemerkt ein weiterer Tanker entzweigebrochen. Maschinist Ray Sybert (Casey Affleck) kämpft dort mit seinen Männern ums Überleben, bis Bernie von seinem Vorgesetzten Cluff (Eric Bana) zusammen mit Richard Livesey (Ben Foster) und zwei weiteren losgeschickt wird, Sybert und seinen Leuten zu helfen. Angesichts des Sturms scheint es ein Himmelfahrtskommando – und angesichts der Größe des Rettungsbootes und der Anzahl an zu Rettenden ein hoffnungsloses Unterfangen ...


Kritik:
The Finest Hours ist ein Film, der nie ganz das Potential seiner einzelnen Bestandteile erreicht. Geschweige denn es übertrifft. Filmemacher Craig Gillespie inszeniert die inspirierend wahre Geschichte einer aussichtslosen Bootsrettung inmitten eines Orkans im Winter des Jahres 1952 mit einem talentierten, jungen Cast. Er tut dies durchaus mit einem handwerklichen Geschick für imposante Bilder und bedrohliche Momente. Aber trotzdem ist all das nicht ergreifend und nur selten spannend.

Die Entscheidung, Chris Pine für die Hauptrolle zu besetzen, ist dabei wenig überraschend. Wohl aber, dass er hier nicht den frechen, selbstbewussten jungen Mann spielt, den man bei ihm gewohnt ist. Sein Bernie Webber ist ein Offizier der US-Küstenwache zu Beginn der 1950er-Jahre, der so wenig Selbstvertrauen besitzt, dass als ihn die Frau seiner Träume fragt, ob er sie denn heiraten möchte, er aus Furcht, sie in der Ehe zu enttäuschen, "nein" sagt. Dass ihn ein missglücktes Rettungsmanöver im vorigen Jahr ebenso geprägt hat, wie die Beziehung zu seinem Vater, streut das Drehbuch bereits zu Beginn ein, der das erste Zusammentreffen zwischen Bernie und seiner zukünftigen Verlobten Miriam sehr ausführlich thematisiert.

Statt wie viele anderen Produktionen ein Katastrophendrama nach bekanntem Schema zu erzählen, gibt sich das Skript augenscheinlich Mühe, mehr Wert auf die Figuren denn auf die Situation zu legen. An Bord des T2-Öltankers SS Pendleton, der in dem eingangs erwähnten Orkan auseinanderbricht und in Seenot gerät, ist der Maschinist Ray Sybert die zentrale Figur. Doch außer, dass er am Leben hängt, erfährt man über ihn nicht viel. Genauso wie über die übrigen der dreißig Besatzungsmitglieder, die nach dem Schiffsunglück noch an Bord sind. The Finest Hours gibt ihnen zwar ein Gesicht, aber keinen Charakter.
Auf der anderen Seite steht Bernie Webber, der dem Befehl seines Vorgesetzten folgend, inmitten eines Orkans aufbricht, um eine hoffnungslose Rettungsmission durchzuführen, während seine Verlobte völlig verängstigt die Station der Küstenwache aufsucht.

Bis es soweit ist, ist die Hälfte des Films bereits vergangen. Dass Bernie und Ray beide in der jeweiligen Situation über sich hinauswachsen müssen, sich ihr jeweiliger Charakter darüber definiert, ist durchaus gelungen eingefangen. Insbesondere Chris Pine gelingt die Darbietung von Bernie Webber, der sich stets an klare Regeln hält und bei dieser Mission gezwungen wird, aus der zweiten Reihe hervorzutreten, wirklich gut. Ebenso Holliday Graingers Auftritt als Bernies Verlobte Miriam, von der durchweg bekannten und engagierten Besetzung im Hintergrund ganz abgesehen. Sie alle wirken von der Katastrophe, die sich abspielt, ergriffen, aber ohne dass der Film dieses Gefühl auf sein Publikum überträgt.

Bis die Küstenwache, die es an diesem Tag mit zwei auseinandergebrochenen Tankern zu tun bekam, im Falle der Pendleton aktiv wird, vergeht schlicht zu viel Zeit. Zumal die Szenen an Bord des Tankers nur selten ein Gefühl dafür aufkommen lassen, wie lange der Crew denn noch bleibt, ehe der hintere Schiffsteil ebenfalls untergehen wird. Handwerklich routiniert eingefangen, fühlt man sich nur selten an der Seite der in Lebensgefahr schwebenden Männer, sei es den Maschinisten, oder Webber und seinen Leuten in einem geradezu winzig anmutenden Rettungsboot. Das liegt weniger an den vielen Trickeffekten, die zwar oft sehr gut, aber dennoch meist erkennbar sind, als vielmehr an einer Erzählstruktur, der es nicht gelingt, die Spannung zu erhöhen, oder die Bedrohung greifbar zu machen.


Fazit:
Aus der starbesetzten Darstellerriege stehen Ben Foster und Chris Pine ebenso hervor wie Holliday Grainger, die die Sichtweise des Publikums einfängt. Sie alle machen ihre Sache gut und auch das Flair der 50er-Jahre ist gut getroffen. Carter Burwell verleiht der Liebesgeschichte ein behutsames Thema und ist bemüht, der Katastrophe einen musikalischen Rhythmus zu verleihen, den die Szenenkomposition vermissen lässt. Regisseur Craig Gillespie ist so sehr auf die Figuren fixiert, dass er übersieht, dass außer Bernie keiner wirklich Tiefe zugeschrieben kommt. Auch deshalb erscheinen die zwei Stunden Laufzeit länger, als sie sind und darum vermögen die Schiffskatastrophe und der Überlebenskampf in The Finest Hours nicht mitzureißen.    


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