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The Company You Keep - Die Akte Grant [2012]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 08. April 2014
Genre: Drama / Thriller

Originaltitel: The Company You Keep
Laufzeit: 125 min.
Produktionsland: Kanada
Produktionsjahr: 2012
FSK-Freigabe: ab 6 Jahren

Regie: Robert Redford
Musik: Cliff Martinez
Darsteller: Robert Redford, Shia LaBeouf, Julie Christie, Susan Sarandon, Nick Nolte, Chris Cooper, Terrence Howard, Stanley Tucci, Richard Jenkins, Anna Kendrick, Brendan Gleeson, Brit Marling, Sam Elliott, Jackie Evancho


Kurzinhalt:
Noch bevor sich Sharon Solarz (Susan Sarandon), die wegen eines tödlichen Banküberfalls vor mehr als 30 Jahren immer noch gesucht wird, der Polizei stellen kann, wird sie von FBI-Agent Cornelius (Terrence Howard) gefasst. Durch seine Recherchen in dem Fall erfährt der Reporter Ben Shepard (Shia LaBeouf) vom Anwalt Jim Grant (Robert Redford). Grants Verhalten lässt Shepard einen Blick in dessen Vergangenheit werfen und stellt fest, dass Grant vor 1979 nicht existierte. Er entdeckt, dass Grant und Solarz derselben militanten Gruppierung angehört haben und auch Grant unter anderem Namen wegen des Überfalls immer noch gesucht wird.
Noch bevor das FBI ihn verhaften kann, flieht er mit seiner Tochter Isabel (Jackie Evancho), die er wenig später seinem Bruder Daniel (Chris Cooper) anvertraut. Grant macht sich auf, Mimi Lurie (Julie Christie) zu finden, seine damalige Partnerin. Nur sie kann ihm jetzt noch helfen. Auf seinem Weg sucht er viele ehemalige Vertraute der Gruppe auf. Doch Shepard lässt nicht locker und führt so auch das FBI auf Grants Fährte ...


Kritik:
In The Company You Keep - Die Akte Grant erzählt Regisseur und Hauptdarsteller Robert Redford von einer Generation, die zerrissen ist, wie kaum eine andere. Angesichts eines unverständlichen Krieges der USA in Vietnam entwickelte sich eine Bewegung, die das Establishment im Sturm erobern und einen neuen Kurs vorgeben wollte. Doch all diejenigen, die an die Macht kamen, sind inzwischen ebenso zu einem Teil jener einst verachteten Struktur geworden und die übrigen können, vierzig Jahre später, ihre Überzeugungen nur noch verdeckt vorbringen, um nicht als antiquierte Hippies wahrgenommen zu werden. Dass Redford für die Romanadaption eine Besetzung findet, die sich für gewöhnlich mehrere Produktionen teilen müssen, spricht für ihn als Filmemacher. Doch durch die breit gefächerte Story haben die meisten Darsteller/innen nur einen Gastauftritt. Stattdessen konzentriert sich die Erzählung auf den Anwalt Jim Grant, der einst der militanten Befreiungsgruppe "Weather Underground" angehörte, seine Vergangenheit aber geschickt getarnt hat. Nun droht sein Kartenhaus zusammenzufallen, nicht zuletzt dank des findigen Reporters Ben Shepard (Shia LaBeouf in einer natürlichen, aber nicht außergewöhnlich herausfordernden Rolle). Im Laufe der Geschichte machen sich beide mehr oder weniger bewusst auf die Suche nach dem, was sie selbst ausmacht.

Wird die Überzeugung des "Weather Underground" vorgetragen, nämlich den Krieg in Vietnam zu beenden, dadurch, dass den USA der Krieg im Inneren erklärt wird, weshalb die Gruppierung unter anderem auch Bombenanschläge verübte, blitzt kurz die Absurdität dieser Überzeugung auf. Gibt es kurz vor Schluss eine Aussprache zwischen zwei Mitgliedern, von denen eines den Weg in die Gesellschaft gefunden hat, während das andere jenen Kampf im Stillen weiterführt, kommen die üblichen Argumente zum Vorschein. Dass man heute alles besser machen würde. Oder dass man erwachsen geworden wäre. Es sind Aussagen, mit denen sich die Personen im Kreis drehen – die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen.

Dieses Porträt, das sich in Shepard gewissermaßen wiederfindet, der seine Methoden mit der Wahrheitsfindung rechtfertigt, auch wenn er Menschen damit bedenkenlos schadet, gelingt The Company You Keep gut, was dabei auf der Strecke bleibt, ist der vermeintlich packende Thriller. Nach seiner Entdeckung durch Shepard taucht Grant unter, da er immer noch in Zusammenhang mit einem Banküberfall gesucht wird, bei dem ein Wachmann ums Leben kam. Er bittet seinen Bruder, den er seit Jahren nicht gesprochen hat, seine Tochter in Obhut zu nehmen und nimmt Kontakt mit alten Freunden aus den Tagen der Bewegung auf, um Mimi Lurie zu finden. Shepard vermutet, dass sie Grant entlasten könnte und beweist damit mehr Einfallsreichtum bei den Nachforschungen als das FBI. Bei mehr als einem Dutzend prominent besetzter Rollen wundert es nicht, dass noch die ein oder andere Überraschung aus Grants Vergangenheit ausgegraben wird.

Doch das Erzähltempo ist nur selten packend und wenn, dann auch nur, bis Grant seinen Verfolgern für den Moment entwischt ist. Durch die vielen Schauplätze und die zahlreichen Figuren merkt man dem Drehbuch von Lem Dobbs (Dark City [1998]) die Romanvorlage an. Sie hätten in einem längeren TV-Film intensiver beleuchtet werden können. Auch die Tatsache, dass viele von ihnen in einem Monolog ihre Gedanken zum Ausdruck bringen, spricht dafür. Die geschliffenen Wortgefechte verteilen sich großzügig auf die zwei Stunden.

Das allzu versöhnliche Ende macht deutlich, dass The Company You Keep nicht all das ist, was es hätte sein können, wenn auch vielleicht, was Filmemacher Robert Redford erzählen wollte. Statt sich mit den vielfältigen Schattierungen von Extremismus auseinanderzusetzen, präsentiert er Antworten und Begründungen, die es schon oft zu hören gab. Zwar von einer Star-Besetzung hervorragend gespielt und mit einem Gespür erzählt, Szenen wirken zu lassen, anstatt sie vorzeitig abzubrechen, doch bleibt er nicht nur viele Antworten schuldig, sondern auch viele Fragen. Sowohl von der heutigen Generation, als auch von der damaligen.


Fazit:
"War's eine Frage des Gewissens? Die Bürde früherer Verfehlungen, die irgendwann übermächtig wurde?" Es ist eine Frage bezogen darauf, weshalb sich die Terroristin Sharon Solarz stellen wollte, die "die vergangenen 30 Jahre in einem Satz" zusammenfasst. Umso bedauerlicher, dass ihre Figur danach keine Rolle mehr spielt. Viele Personen werden vorgestellt, um kurz danach wieder abzutauchen, ohne nochmals in Erscheinung zu treten. Dass sie alle von herausragenden Darstellern verkörpert werden, macht es einerseits einfacher, sie zu akzeptieren, gleichzeitig aber auch tragischer, dass ihr Potential ungenutzt bleibt.
Das Thema von Robert Redfords neunter Regiearbeit ist nicht nur durch die Parallelen in der Charakterfindung zwischen den Freiheitskämpfern damals und dem jungen Reporter heute aktuell. Es ist ein Spiegelbild für einen Konflikt, in dem sich jene Generation seit jeher befindet. The Company You Keep - Die Akte Grant erzählt ihre Geschichte als das Drama, das es ist. Der Thriller ist mehr Beiwerk. Das ist kein Vorwurf, aber eine bessere Balance hätte dem Erzähltempo des Films nicht geschadet.


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