skip to content

The Body - Die Leiche [2012]

Wertung: 5.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 02. Juni 2014
Genre: Thriller

Originaltitel: El cuerpo
Laufzeit: 111 min.
Produktionsland: Spanien
Produktionsjahr: 2012
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Oriol Paulo
Musik: Sergio Moure
Darsteller: José Coronado, Hugo Silva, Belén Rueda, Aura Garrido, Miquel Gelabert, Juan Pablo Shuk, Oriol Vila, Carlota Olcina, Patrícia Bargalló, Mia Esteve, Sílvia Aranda, Manel Dueso


Kurzinhalt:
Gerade eben von einer Reise zurückgekehrt, wird Inspektor Jaime Peña (José Coronado) von seinen Kollegen mitten in der Nacht zu seinem seltsamen Fall gerufen. Der Nachtwächter des Leichenschauhauses Ángel Torres (Miquel Gelabert) wurde von einem Auto angefahren und liegt im Koma – der Fahrer schwört, dass der Mann panisch aus dem Wald auf die Straße gerannt wäre. Im Leichenschauhaus angekommen, stellen die Ermittler fest, dass die Leiche einer einflussreichen Frau fehlt.
Mayka Villaverde (Belén Rueda) wurde am selben Morgen erst eingeliefert, tot aufgefunden von ihrem Mann Álex Ulloa (Hugo Silva). Als er ebenfalls an den Tatort gerufen wird, steigt in Peña und seinen Kollegen der Verdacht, Ulloa könnte für den Diebstahl verantwortlich sein, denn allein wird seine tote Frau das Leichenschauhaus nicht verlassen haben. Dass Álex bei seiner Geliebten Carla (Aura Garrido) war, als ihn die Polizei erreichte, verschweigt er ebenso, wie seine Beteiligung am Tod seiner Frau. Seine größte Befürchtung ist vielmehr, was Mayka tun wird, sollte sie tatsächlich noch leben ...


Kritik:
Auch wenn man kurzzeitig anders vermuten würde, es gibt in The Body - Die Leiche keine Szene, die zu viel wäre. Alles, was Regisseur Oriol Paulo zeigt, ist wichtig für seine Auflösung, die gekonnt mit den Erwartungen des Publikums spielt, um jedes Mal einen weiteren Haken zu schlagen, oder einen neuen Blick auf die Ereignisse zu ermöglichen. Es ist, als habe der Co-Autor selbst zu viele Thriller gesehen, die immer nach dem gleichen Muster ablaufen, und wollte einen überraschenden, aber nicht erzwungenen erzählen. Es ist ihm gelungen und das in Bildern, die den Zuschauer nur sehen lassen, was er soll und überlegter sind, als bei den meisten, hochbezahlten Hollywood-Filmemachern.

Die Ausgangsidee klingt wie ein schlechter Scherz: Aus dem Leichenschauhaus wird die Leiche der einflussreichen und wohlhabenden Mayka Villaverde vermisst. Sie ist erst am selben Tag von ihrem Ehemann tot aufgefunden worden. Noch bevor The Body es verrät, ahnt man bereits, dass der deutlich jüngere Ehemann Álex in ihren Tod verwickelt ist. Und sieht man wenig später die junge Carla Miller, zu der er in derselben Nacht fährt, glaubt man, die Zusammenhänge durchschaut zu haben. Zugegeben, und das ist nun keine Überraschung für jeden, der schon einmal einen Krimi gesehen hat, Álex hat seine Frau ermordet. Aber er hat ihre Leiche nicht gestohlen. Wieso sollte er? Das Gift, das er benutzt hat, ist nicht nachweisbar und wird er noch in der Nacht des Diebstahls in die Gerichtsmedizin gerufen, ist das mit Sicherheit nicht in seinem Sinn.

Es gibt Thriller, die ihren Reiz daraus ziehen, dass man als Zuseher möchte, dass der Schurke davon kommt. Oder zumindest, dass es ihm schwer gemacht wird. Zuzusehen, wie Álex zunehmend selbst davon überzeugt ist, dass Mayka seinen Plan vorausgesehen hat und es ihr irgendwie gelungen sein muss, das Gift zu überleben, seine Verzweiflung zu beobachten angesichts der kleinen Hinweise, die ihn erreichen, ist unbezahlbar.
Dabei lebt das Drehbuch sowohl von der Ausgangsidee, die wirklich bis zu den letzten Minuten ein Rätsel bleibt, als auch von den Dialogen, insbesondere zwischen Álex und Inspektor Jaime Peña. Für letzteren sind die Ermittlungen schon deshalb eine Qual, da am selben Tag vor vielen Jahren seine Frau bei einem Unfall ums Leben kam.

Der verbale Schlagabtausch zwischen José Coronado und Hugo Silva ist schon deswegen so unterhaltsam, da beide Darsteller in ihren Rollen aufgehen. Ebenso Belén Rueda, die in zahlreichen Rückblenden zu sehen ist, die den Zustand und den Verlauf von Maykas und Álex' Ehe verdeutlichen. Ihre kontrollierende, vibrierende Macht scheint Álex sogar aus der Erinnerung heraus einzuschüchtern, wohingegen die junge Carla in der Situation verloren scheint. Die beiden Frauenfiguren könnten unterschiedlicher kaum sein.

Ebenso wie die handwerkliche Umsetzung, die in den Szenen im Leichenschauhaus beinahe kammerspielartig erscheint, ebenso mit Licht und Schatten spielt wie mit den laut eingespielten Geräuschen, die für die unheimliche Atmosphäre sorgen. Die Rückblenden hingegen sind wärmer, heller und freier gehalten, lassen aber immer einfallsreiche, ausdrucksstarke Perspektiven erkennen, bei denen auch der Bildrand wichtig ist. Oriol Paulos Optik ist bestechend und kleidet The Body - Die Leiche in fabelhafte Bilder.

Sie kommen bei der deutschen Blu-ray-Veröffentlichung von "OFDb-Filmwork" hervorragend zur Geltung. Die unterschiedliche Farbgebung verleiht den klaren Bildern einen edlen Look, während der Ton sowohl auf Deutsch, als auch im Spanischen Original mit einer DTS-HD Master Audio 5.1-Abmischung aufwartet. Diese ist bei einem dialoglastigen Thriller verständlicherweise nur selten gefordert, allerdings erzeugen die bewusst abgemischten Umgebungsgeräusche ein tolles Ambiente in der verregneten Nacht. Nebst Making-of, einer kurzen Featurette und mehreren Trailern, gibt es auch alternative Einstellungen zu sehen. Interessenten werden sich kaum eine bessere Veröffentlichung wünschen können. Einzig ein Audiokommentar fehlt.


Fazit:
Nach etwa der Hälfte kommt die Frage auf, wie der Thriller denn noch so lange dauern soll, immerhin scheint die Sachlage sonnenklar. Man unterschätzt Regisseur Oriol Paulo in dem Moment, der nicht nur seine Darsteller hervorragend in Szene setzt, sondern auch eine stimmige, mitunter unheimliche Atmosphäre erzeugt. Die Altersfreigabe ist dabei durchaus gerechtfertigt, selbst wenn der Film glücklicherweise nicht brutal erzählt ist.
In umwerfenden Bildern hält einen die Geschichte von The Body - Die Leiche bis zuletzt im Unklaren über die wirklichen Zusammenhänge. Das macht den toll gespielten und clever umgesetzten Thriller spannender als jedes Hollywoodspektakel.

Blu-ray-Wertung:
5 von 6 Punkten


Treffpunkt: Kritik empfiehlt TEUFEL LAUTSPRECHER GmbH – für den perfekten Heimkino-Sound!
Ok. Treffpunkt: Kritik verwendet Cookies, um den Internetauftritt bestmöglich an die Besucher anpassen zu können.
Sofern Sie auf dieser Seite bleiben, stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung.