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The Awakening [2011]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 03. Januar 2014
Genre: Horror / Drama

Originaltitel: The Awakening
Laufzeit: 107 min.
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2011
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Nick Murphy
Musik: Daniel Pemberton
Darsteller: Rebecca Hall, Dominic West, Imelda Staunton, Isaac Hempstead Wright, Shaun Dooley, Joseph Mawle, Diana Kent, Richard Durden, John Shrapnel


Kurzinhalt:
Als Wissenschaftlerin im Jahr 1921 ist Florence Cathcart (Rebecca Hall) an sich schon eine Besonderheit, doch dass sie ihre Fähigkeiten einsetzt, um vermeintliche Geistersichtungen als Unfug und Scharlatanerie aufzudecken, machte sie mit ihrem Buch in England berühmt. Nach ihrer jüngsten Aufdeckung wird sie von Robert Mallory (Dominic West) aufgesucht, der Lehrer an einer privaten Schule ist. Dort ist vor kurzem ein Schüler ums Leben gekommen, der vor seinem Tod schwor, einen Geist gesehen zu haben. Seither häufen sich die Sichtungen durch andere Schüler, die zunehmend verängstigt sind.
Bei dem Haus eingetroffen, macht sich Florence an die Arbeit und kann wenig später einen ersten Erfolg melden. Doch ein Zweifel bleibt und als die Ferien beginnen, ist das Gebäude wie ausgestorben, von ihr, Robert, der Haushälterin Maud (Imelda Staunton) und dem Schüler Tom (Isaac Hempstead Wright) abgesehen. Zwar scheint auch der Hausmeister Judd (Joseph Mawle) Florence unheimlich, doch das Gefühl, dass sie beobachtet wird, rührt woanders her. Es hat den Anschein, dass wer immer der Junge mit dem verzerrten Gesicht ist, der den Menschen dort erscheint, sein Schicksal eng mit der Geschichte des Hauses verknüpft ist ...


Kritik:
Es fällt schwer zu sagen, was Filmemacher Nick Murphy bei seinem Gruselfilm The Awakening hätte besser machen können, damit der durchaus stimmungsvolle Streifen in besserer Erinnerung bleibt. Er konzentriert sich auf seine Figuren, die von den bekannten Darstellern ansprechend mit Leben gefüllt werden und siedelt seine Story in England nach dem Ersten Weltkrieg an – eine Zeit, die angesichts der verheerenden Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs eher selten beleuchtet wird. Doch so gelungen dieses Porträt und das der kriegsgeschädigten Menschen ist, es fehlt der Story ein überraschender Kniff, der sie über die breite Masse anderer Horrorfilme hinaushebt.

Die Ausgangslage bietet dabei fraglos Potential: Florence Cathcart ist eine Wissenschaftlerin, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Existenz von Geistern zu widerlegen. Die Scharlatane, die sie dabei aufdeckt, nehmen ihr dies verständlicherweise ebenso übel wie die Verwandten von Verstorbenen, die über eben diese Betrüger versuchen, für viel Geld Kontakt mit ihren Liebsten aufzunehmen. Florence selbst ist auch von Dämonen getrieben und hat ihren Verlobten im Krieg verloren. Ob sie die Existenz von Geistern jedoch tatsächlich widerlegen möchte, oder ihn vielmehr zu kontaktieren sucht, verschweigt der Film bedauerlicherweise.

Florence wird von Robert Mallory aufgesucht, der als Lehrer an einer Privatschule von Vorfällen berichtet, die sogar schon einen Schüler das Leben gekostet haben. In dem umgebauten Privatanwesen angekommen, macht sich Florence an die Arbeit, mit allerlei Geräten die Erscheinungen erklären zu können, was ihr großteils auch gelingt. Doch ein gewisser Zweifel bleibt.
Mehr sollte man über The Awakening auch nicht verraten, wenn man die Spannung erhalten möchte. Die gelingt Regisseur Murphy über weite Strecken auch wirklich gut, selbst wenn er nie aus dem gewohnten Erschreck-Schema ausbricht, auf das man sich dank unheilvoller Kameraperspektiven, fehlplatzierter Geräusche und einer brodelnden Musik einstellen kann. Wie den Schülern, die von dem Geist berichten, erscheint auch Florence ein Junge, dessen Gesicht unscharf und verzerrt ist. Dass sowohl der Lehrer Robert, als auch die Haushälterin Maud Hill in die Geschehnisse verwickelt sein müssen, ergibt sich schon aus der Tatsache, dass sie die einzig übrigen im Gebäude sind, das auf Grund von Ferien ansonsten so gut wie verlassen ist. Der unsympathische Hausmeister Edward Judd fällt ebenfalls in die Liste der engeren Kandidaten. Doch selbst wenn sich aus dem, was er, Robert und der Lehrer Malcolm McNair während ihrer gemeinsamen Zeit an der Schule erlebt haben, eine parallele Hintergrundstory erzählen ließe, gibt sich das Drehbuch auch hier keine Mühe.

Es konzentriert sich stattdessen auf eine unheimliche Stimmung, welche die meiste Zeit durchaus gelingt. Doch treffen die Filmemacher im letzten Drittel eine Entscheidung, die weder inhaltlich Sinn ergibt, noch wirklich notwendig ist. Dabei wird eine Figur im Wald nahe der Schule angegriffen – was folgt soll vermutlich in den Kontext der Kriegsversehrten passen, wirkt aber erzwungen und stört die eher ruhige Atmosphäre der Story merklich.
Das eigentliche Finale hingegen ist viel weniger packend als die Offenbarung, die sich für eine Figur im Vorfeld ergibt und hätte sich Nick Murphy entschieden, seinen Film schon nach 85 Minuten damit zu beenden, wäre ihm ein geradliniger, schauriger Gruselfilm gelungen, der zwar ebenfalls keine neuen Akzente gesetzt hat, aber wenigstens kurzweiliger wäre, als er nun ist.

The Awakening macht Vieles richtig, nicht zuletzt dank des unheimlichen Settings und der ausdruckstarken Darsteller. Für Fans von atmosphärischen Filmen, die sich durch Schocks und nicht durch ausufernde Gewaltszenen gruseln lassen wollen, ist das gelungen. Aber nicht mehr, als andere Genrevertreter zuvor schon gezeigt haben. Dafür überrascht das Ende mit einer unerwartet positiven Aussage – und damit, dass nicht im letzten Moment ein überflüssiger Schockmoment auf die Zuschauer wartet.


Fazit:
Im Vergleich zu vielen seiner Genrekollegen heutzutage, gibt sich The Awakening erstaunlich und erfreulich blutleer, auch wenn die FSK-Freigabe durchaus berechtigt ist. Regisseur Murphy legt sein Augenmerk stattdessen auf eine unheimliche Atmosphäre in der selbst um die Farben beraubten englischen Landschaft. Hierin liegen auch die Stärken des Films, dessen Höhepunkt jedoch schon 20 Minuten vor Schluss erzählt wird. Was folgt, zieht die Story zwar in die Länge, ist aber nicht notwendig.
Wen körperloses Kindergeflüster ebenso beunruhigt, wie knarzende Dielen und Schatten, wo keine sein sollten, der ist hier gut aufgehoben. Doch insgesamt bietet der Film nichts, was andere vor ihm schon ebenso gut oder besser geboten haben. Dank der sympathischen Darsteller ist das durchweg unterhaltsam, aber nie mitreißend oder gar wirklich spannend. Selbst die Hintergrundstory um Hauptfigur Florence bietet dabei mehr Potential, als genutzt wird. Entsprechend ergeht es dem Film insgesamt.


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