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The Amazing Spider-Man [2012]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 28. Juni 2012
Genre: Action / Fantasy

Originaltitel: The Amazing Spider-Man
Laufzeit: 136 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2012
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Marc Webb
Musik: James Horner
Darsteller: Andrew Garfield, Emma Stone, Rhys Ifans, Denis Leary, Martin Sheen, Sally Field, Irrfan Khan, Campbell Scott, Embeth Davidtz, Chris Zylka, Max Charles, C. Thomas Howell, Jake Keiffer, Kari Coleman, Michael Barra, Leif Gantvoort


Kurzinhalt:
Im Alter von vier Jahren wird Peter Parker (Andrew Garfield) von seinen Eltern zu seiner Tante May (Sally Field) und seinem Onkel Ben (Martin Sheen) gebracht. Sie erzählen nicht wieso. Er wächst bei ihnen auf, ohne seine Eltern je wieder zu sehen. In der Schule ist Peter eher zurückgezogen und sieht die Welt am liebsten durch seine Kamera. Zu seiner Mitschülerin Gwen Stacy (Emma Stone) fühlt er sich hingezogen, doch es fehlt ihm der Mut, mehr aus ihren Annäherungsversuchen zu machen.
Als er eine Tasche seines Vaters findet und darin ein Bild des Wissenschaftlers Dr. Curt Connors (Rhys Ifans) macht sich Peter auf, Connors in den Forschungslaboren von 'Oscorp' aufzusuchen. Mit einer Gleichung, die er in derselben Tasche findet, kann er sogar Connors Forschungen beflügeln. Doch wird Peter bei dem Besuch von einer Spinne gebissen und entwickelt daraufhin seltsame Fähigkeiten. Er kann Wände entlang gehen, ist stärker als alle Menschen um ihn herum und hat auch eine veränderte Wahrnehmung.
Als Connors sich selbst einem Experiment unterzieht, mutiert er in eine riesige Echse und versetzt fortan New York in Angst und Schrecken. Peter sieht es als seine Pflicht, Connors aufzuhalten und hat es dabei auch mit Gwens Vater (Denis Leary) zu tun. Als Polizei-Captain hat er Peters verkleidetes Alter-Ego Spider-Man auf die Fahndungsliste gesetzt, der seit einiger Zeit Kleinkriminelle auf einem persönlichen Rachefeldzug zu jagen scheint ...


Kritik:
Die Worte von Cliff Robertson klingen einem noch in den Ohren, wie er als Ben Parker in Sam Raimis Spider-Man [2002] den jungen Peter ermahnt, "Aus großer Kraft folgt große Verantwortung". Zehn Jahre später wagt sich das Studio an einen Neuanfang und ist bei The Amazing Spider-Man so sehr darum bemüht, der Ursprungsgeschichte treu zu bleiben und sich dennoch von der letzten Filmreihe abzuheben. Dass letztlich in groben Zügen nur eine Nacherzählung dabei herauskommt ist erstaunlich. Tobey Maguire war damals 26 Jahre alt und wird nun durch den 28jährigen Andrew Garfield ersetzt, der den 17 Jahre alten Peter Parker verkörpert. Wenn er sich mit der in Todesgefahr befindlichen Gwen Stacy unterhält klingt die Unterhaltung mit einem "das ist ja zum Mäusemelken" in der Tat auf dem Niveau, auf dem sich Jugendliche in dem Alter unterhalten würden. Doch was sie tun und wie sie mit Tod und Verlust umgehen, stuft sie als Erwachsene ein. Peter Parker befindet sich wieder einmal am Anfang seiner Identitätskrise und nimmt den ganzen Film gleich mit.

Regisseur Marc Webb versucht den Neustart eines Franchise, das nicht nur überaus erfolgreich war, sondern in gewissem Sinne viele andere Comic-Verfilmungen erst ermöglicht hat. Hier scheint er diesem Vorbild nachzueifern und findet trotz der sich wiederholenden Hangeleien durch die Schluchten von New Yorks Wolkenkratzern und Straßen gelegentlich interessante Bilder und ein paar packende Actionsequenzen, die jedoch in einer Spider-Man-Fortsetzung ebenso Bestand hätten haben können.
Die viel zitierte Origin-Story, die den Ursprung des Superhelden erklären soll, zeigt uns dabei, was wir schon wissen: Peter Parker ist einer, der in der Schule durch sein Hobby, die Fotografie, hervorsticht, aber keiner, der bei einer Prügelei am Schluss noch stehen bleibt. Doch statt ein schüchtern agierender Tobey Maguire steht hier ein trendiger Andrew Garfield auf der Leinwand, der das Herz seines Schulschwarms Gwen schon erobert hat, bevor er zu Spider-Man wird, und der sich schon für die Belange derjenigen einsetzt, die verprügelt werden. Er hat immer eine leicht zerzauste Frisur wie die Kids in den Modemagazinen und bis auf den rüpelhaften Flash in der Schule auch niemanden zu fürchten. Kurzum, er ist ein ganz normaler Teenager mit einem Hang zum Aushängeschild für trendigen Stil. Er ist dadurch aber niemand, dem wir eine Verwandlung wünschen würden, niemand, der so verschlossen ist, dass man wissen möchte, was ihn so hat werden lassen. Bei einem Besuch im Forschungsgebäude von 'Oscorp' wird er von einer Spinne gebissen und entwickelt neuartige Fähigkeiten. Spinnenfäden kann er jedoch nicht verschießen, hierfür ist er auf externe Hilfsmittel angewiesen. Ehe es soweit ist, ist die Hälfte des Films vorbei und was dann folgt läuft nach demselben Schema ab, wie man es bei einer Comic-Verfilmung erwarten würde.

Spider-Mans Gegner ist in diesem Fall der Wissenschaftler Curt Connors, der seiner eigenen Kreation zum Opfer fällt (auch ein wiederkehrendes Thema im Comic-Universum) und zu einer riesigen Echse mutiert, die aber immerhin noch sprechen kann. Dass Spider-Man sehr viel Prügel einstecken muss sei unbestritten und für ein ganz junges Publikum ist der Film auch nicht geeignet. Doch die einzig großen Überraschungen bei The Amazing Spider-Man sind, dass eine der Kernfiguren des Films bereits genannt bekommt, wer sich hinter der Maske des Spinnenmanns versteckt, selbst der Bully Flash gar nicht so böse ist und wir all jene Höhen und Tiefen zu sehen bekommen, für die sich Sam Raimi drei Filme Zeit genommen hat. Sei es, dass Spider-Man von den Menschen bejubelt, oder dass er später von der Polizei gejagt wird. Sogar den Schulterschluss der New Yorker-Bürger, um ihrem verletzten Helden zu helfen, gibt es hier schon zu sehen. Man fragt sich durchaus, was sich die Autoren für die unausweichliche Fortsetzung denn in Bezug auf die Entwicklung der Charaktere noch einfallen lassen wollen.
Wahrscheinlicher ist eher, dass das Skript am Ende des Films auf denselben Stand kommen wollte wie Raimi nach drei Filmen, um anschließend an seinem Erzählstrang anzuknüpfen. So könnte man zumindest bei der Fortsetzung Fans des neuen und des alten Franchise gleichermaßen ansprechen.

An der Umsetzung der Actiongeschichte gibt es kaum etwas zu bemängeln. Einige Perspektiven und Schauplätze sind durchaus eindrucksvoll und nicht zuletzt die Ego-Perspektive bei den Schwungszenen sorgt in der 3D-Ansicht für ein unerwartetes Achterbahn-Gefühl. Wirft man allerdings einen Blick in den inzwischen ein Jahrzehnt alten Spider-Man-Film, sind die Blickwinkel interessanter und manche Einstellungen bewusst comicartig. Das sucht man hier vergebens. Für eine neue Generation an Zuschauern mag dies nicht wichtig sein, sie werden sich an der lauten Action und den prasselnden Spezialeffekten kaum satt sehen können. Doch die Geschichte, die dazwischen geschieht fesselt sie weniger, weil die Figuren bei weitem nicht so interessant sind. The Amazing Spider-Man tut so, als wäre es ein Neuanfang, dabei berauben die Macher ihre Charaktere um viele Ecken und Kanten. Sie schwimmen auf dem Einheitsbrei der Comic-Verfilmungen, anstatt sie wie damals, neu zu beflügeln.


Fazit:
Die Filmemacher sind so sehr darum bemüht, Spider-Man nicht zu wiederholen, dass sie dabei vergessen, Figuren zu etablieren, die tatsächlich interessieren. Nicht nur, dass es sich kaum vermeiden lässt, über weite Strecken ein Remake der letzten Neuerfindung des Superhelden zu präsentieren, weil man den Ursprung der Figur nicht ganz außer Acht lassen kann, was wir hier zu sehen bekommen ist schließlich nicht viel mehr als eine Nacherzählung. Beginnt die eigentliche Handlung um Spider-Man und seinen Widersacher, den Lizard, kommt schon darum mehr Fahrt in die Geschichte, weil die Dialoge nicht mehr so wichtig sind.
Von Peter Parker über Gwen Stacy bis hin zu Gwens Vater benehmen sich die Figuren allesamt nicht natürlich, sondern so, wie es das Drehbuch vorschreibt. Das ergibt einen Mittelteil, der 20 Minuten zu lang geraten ist und einen Film, der nie überrascht. Die Macher hatten, wie der Protagonist, eine große Verantwortung bei The Amazing Spider-Man. Man braucht nicht daran zu zweifeln, dass ihnen ein profitabler Film gelungen ist. Aber er ist weder Weg weisend, noch inspirierend. Er scheint vielmehr mit einer wohl oder übel notwendigen Vorgeschichte versehen, damit man sich in der Fortsetzung dem annähern kann, was Regisseur Sam Raimi in einem neuen Film machen würde.


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