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The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro [2014]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 2. Dezember 2014
Genre: Action/ Science Fiction

Originaltitel: The Amazing Spider-Man 2
Laufzeit: 142 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2014
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Marc Webb
Musik: Johnny Marr, Pharrell Williams, Hans Zimmer
Darsteller: Andrew Garfield, Emma Stone, Jamie Foxx, Dane DeHaan, Colm Feore, Felicity Jones, Paul Giamatti, Sally Field, Embeth Davidtz, Campbell Scott, Marton Csokas


Kurzinhalt:
Noch immer kämpft Peter Parker (Andrew Garfield) mit sich, ob er den Wunsch des Vaters seiner Freundin Gwen (Emma Stone) respektieren und sich von ihr trennen soll, damit sie nicht den Gefahren seines Doppellebens als Spider-Man ausgesetzt wird. Sie will bei ihm bleiben, doch kann sie das allein entscheiden? Währenddessen ist Peters Jugendfreund Harry Osborn (Dane DeHaan) in die Stadt zurückgekehrt, um sein Erbe als Firmenchef des Oscorp-Imperiums anzutreten.
Wie sein Vater ist auch Harry krank und wird sterben, wenn kein Gegenmittel gefunden wird. Das würden Vorstandsmitglieder wie Donald Menken (Colm Feore) ohnehin begrüßen, die im Geheimen weiter an gefährlichen Forschungsprojekten arbeiten. Einem davon fällt Max Dillon (Jamie Foxx) zum Opfer, der danach nur noch aus reiner Energie besteht. Einst hatte er in Spider-Man einen Helden gesehen, doch seit seiner Verwandlung zu Electro ist Spider-Man sein Feind. Dann verbündet sich Harry mit Electro, um an Spider-Mans Blut zu kommen, denn darin hofft er den Schlüssel für ein Heilmittel zu finden ...


Kritik:
Mit The Amazing Spider-Man 2, der hierzulande auch nur unter dem Titel Rise of Electro beworben wurde, meldet sich Regisseur Marc Webb im Comicfilmgenre zurück. Zwei Jahre sind nur vergangen, seit Andrew Garfield in das Spinnenmannkostüm geschlüpft ist und die erste Zeit sieht es so aus, als hätten die Filmemacher in der Zwischenzeit nichts dazugelernt. Dabei ist der zweite Teil des Neustarts der Reihe kein richtig schlechter Film. Er ist vielmehr ein außergewöhnlich gewöhnliches Exemplar seiner Art.

Die Geschichte beginnt, wie soll es nach dem Ende des ersten Teils anders sein, mit einem durch die Straßenschluchten von New York schwingenden Spider-Man, der das Verbrechen in der Stadt quasi eigenhändig in Schach hält, während sein Alter Ego Peter Parker beinahe seine Abschlussfeier versäumt und das, obwohl seine Freundin Gwen Stacy die Rede hält. Nachdem er ihrem Vater versprochen hat, sie aus seinem Doppelleben und der damit verbundenen Gefahr herauszuhalten, ist Peter hin- und hergerissen, ob er sich von ihr trennen soll, oder nicht.

Das ist vielleicht Andrew Garfields größter Unterschied zu Tobey Maguires Herangehensweise an die Figur in Sam Raimis Spider-Man [2002-2007]: War Maguires Peter zu schüchtern, zu zurückhaltend und hat eher nichts gesagt, anstatt sich auszusprechen, erscheint Garfields Darbietung derart gefühlsbeladen, dass er anstatt den Mund zu halten durch sein zielloses Palavern Gwen nicht zur Ruhe kommen lässt. Hier schwankt Peter Parker zwischen frechen Kommentaren gegenüber mächtigen Bösewichten und vielen Tränen. Keimt am Ende die Hoffnung, dass ein Schicksalsschlag ihn erden würde, verspielt der Epilog auch diese Möglichkeit.
Vielleicht macht dieses Auftreten die gezeigte Zerstörung New Yorks erträglicher, aber da ihm nichts und niemand auch nur einen Kratzer zufügen kann ist es schwer, überhaupt mit ihm mitzufiebern. Seien es Elektroschocks, Explosionen oder Prügel, Spider-Man und sein Anzug stecken alles weg, ohne blaue Flecken oder gar eine schlecht sitzende Frisur als Nebenwirkung.

Dabei findet Rise of Electro im gleichnamigen Schurken durchaus einen würdigen Gegner. Jamie Foxx verkörpert den psychisch labilen Oscorp-Mitarbeiter, der an seinem Geburtstag einen fatalen Unfall erleidet und fortan als reines Energiewesen sein Dasein fristet. Leider ist die Rolle vollkommen überzogen und seine Materialisierungen aus dem Stromnetz ergeben schlicht keinen Sinn. Auch Peters Jugendfreund Harry Osborn feiert ein Comeback und wird zum Ende zu einer nicht wirklich beängstigenden, dafür aber unfreiwillig komischen Inkarnation des Green Goblin. Weniger scharfe Zähne hätten hier auch ausgereicht. Harry ist wie sein Vater todkrank und bittet Peter, Spider-Man um Hilfe zu bitten. Harry hofft, mit den Selbstheilungskräften aus Spider-Mans Blut seine Krankheit besiegen zu können, doch Peter fürchtet um die möglichen Auswirkungen.

Es gibt somit viele Schauplätze, an denen Spider-Man zu kämpfen hat und man kann Webb nur dankbar sein, dass er genügend Momente mit Sally Fields Tante May findet, die dem effektebeladenen Actionfilm eine menschliche Seele verleiht. Ihre Figur bringt wie Peters Vater Richard eine Ernsthaftigkeit mit, die dem Skript trotz der eigentlichen Thematik zu fehlen scheint.
Dank des sichtbaren Produktionsaufwands ist The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro einer der bestaussehendsten "Tentpole"-Produktionen des aktuellen Kinojahres. Damit sind diejenigen Filme gemeint, von denen sich das Studio den größten Erfolg erhofft und die mit einem entsprechend großen Budget ausgestattet sind. Fans des ersten Teils werden dank ein paar gelungener Charaktermomente Verbesserungen feststellen und die ausladenden Actionsequenzen bieten viel für die Sinne. Wirklich Neues bringt der Film dagegen nicht zum Genre – irgendwann hat man vielleicht auch alle mögliche Zerstörung bereits gesehen, um davon noch mitgerissen zu werden.


Fazit:
Im Gespräch mit Harry Osborn meint Andrew Garfields Peter Parker, dass Spider-Man den Menschen von New York die Hoffnung gibt, dass es irgendwann einmal besser wird. Nichts könnte wahrer sein in Bezug auf Sam Raimis ersten Spider-Man, der im Jahr nach dem 11. September in die Kinos kam. In jener Metropole stand er für ein wiedererkämpftes Gefühl der Sicherheit, des Sich-nicht-unterkriegen-lassens. Heute scheint das nicht mehr in dem Maße notwendig. Doch The Amazing Spider-Man hat sich seither nicht weiterentwickelt. Eher sogar zurück: Gegenüber Bösewichtern hat er immer einen kühnen Spruch auf den Lippen, als könnten sie ihm nichts anhaben.
Vom einstigen Mantra, dass mit großer Macht eine große Verantwortung einhergeht, ist nicht viel übrig geblieben. Darum ist The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro kein bedeutender Comic-Actionfilm, es ist vielmehr einer, wie er im Moment alle paar Monate erscheint. Zugegeben, er ist hervorragend gemacht und die Darsteller sind sympathisch. Doch die Geschichte, die Regisseur Marc Webb erzählt, ist im Mittelteil eine halbe Stunde zu lang und hätte mit jedem anderen Superhelden funktioniert. Dieser hier ist körperlich – und wie die letzten Minuten scheinen auch emotional – unverwundbar. Ob das die richtige Botschaft für die heutige Zeit ist, muss jeder für sich entscheiden.    


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