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Teuflisch [2000]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 01. Oktober 2003
Genre: Komödie / Fantasy

Originaltitel: Bedazzled
Laufzeit: 93 min.
Produktionsland: USA / Deutschland
Produktionsjahr: 2000
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Harold Ramis
Musik: David Newman
Darsteller: Brendan Fraser, Elizabeth Hurley, Frances O'Connor, Miriam Shor, Orlando Jones, Paul Adelstein, Toby Huss, Gabriel Casseus, Brian Doyle-Murray


Kurzinhalt:
Elliot Richards (Brendan Fraser) zählt nicht wirklich zu den beliebtesten Menschen: Seine Arbeitskollegen veräppeln ihn täglich und privat versuchen nicht nur Frauen, seinen Kontakt zu meiden.
Dabei hat es gerade Alison Gardner (Frances O'Connor) ihm angetan, doch schon ein einfaches Gespräch endet für Elliot in einem Debakel.
Alle Hoffnung scheint vergebens, da macht kein geringerer als der Teufel (Elizabeth Hurley) persönlich Elliot ein Angebot; für seine Seele wird sie ihm sieben Wünsche erfüllen.
Nach anfänglichem Zögern und den Aussichten auf eine bessere Zukunft, geht der unbeholfene Tolpatsch auf den Deal ein und prompt wird sein erster Wunsch erfüllt. Doch wie Elliot feststellen muss, sollte man dem Teufel nicht trauen, denn auch wenn sich alle seine Wünsche erfüllen, so tun sie dies doch nicht so, wie er es sich vorgestellt hat.


Kritik:
Nach Die Mumie [1999] fand sich Brendan Fraser in einem wahren Erfolgstaumel wieder, von allen Seiten strömten Angebote auf den jungen Darsteller ein, der sich zuvor mit allerlei kleinen Rollen über Wasser gehalten hatte.
Doch seither konnte bis auf die Fortsetzung Die Mumie kehrt zurück [2001] kein Film an den Erfolg des Sandabenteuers anschließen, auch Teuflisch nicht, der die besten Voraussetzungen bot. Mit Elizabeth Hurley war eine attraktive und publikumsbezogene Hauptdarstellerin gefunden, die auf provokativen Fotos für allerlei Verkehrsstaus sorgte und Harold Ramis ist als Regisseur von Und täglich grüßt das Murmeltier [1993] und Reine Nervensache [1999] erfolgreich gewesen. Ihre gemeinsame Zusammenarbeit blieb allerdings hinter den Erwartungen zurück, mit einem Budget von knapp 50 Millionen Dollar spielte der Film in den USA nur 40 wieder ein – bei so prestigeträchtigen Namen eindeutig zu wenig.
Vielleicht lag es ja auch daran, dass das Thema selbst nicht nur wenig originell war, sondern der Film selbst ein Remake von Bedazzled [1967]; die Kritiker waren von Ramis Regiewerk ebenfalls nicht angetan und schlechte Publicity hat noch keinem Film gut getan.

Woran es auch lag, der Film selbst hat ansich eine bessere Wertung verdient, wäre da nicht ein Problem: Die meisten Episodenfilme dieser Art teilen das unglückliche Schicksal, dass die Rahmenhandlung selbst nicht wirklich wichtig, die Episoden aber unterhaltsam sind – hier ist es genau umgekehrt. Die Rahmenhandlung ist wirklich interessant und gut aufgebaut, nur die Episoden selbst wirken zu aufgesetzt und konstruiert.
Selbiges ist auch schon der Hauptkritikpunkt am Drehbuch, auch wenn ein Element des Originalfilms sicherlich für weitere Momente hätte sorgen können; in der 1967 entstandenen Verfilmung wird der Hauptcharakter zusätzlich zum Teufel noch mit den sieben Todsünden konfrontiert, die ihn verführen wollen, doch einen so düsteren Touch wollte das Studio dem Publikum im Jahr 2000 wohl nicht zumuten.
Ob es ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist, wenn man als Zuschauer bei einer Komödie am liebsten die Augen schließen möchte, weil das, was dem Hauptcharakter bevorsteht mehr als nur peinlich werden wird, muss jeder für sich entscheiden; Teuflisch besitzt sehr viele dieser Momente, die aber auch schon vor den witzigen Einzelepisoden seiner Wunschreise, dies karikiert den Charakter Elliots aber so sehr, dass man sein tolpatschiges Verhalten gar nicht mehr für bare Münze nehmen kann.
Kurzum: So sehr Brendan Fraser die Szenen zu Beginn auch Spaß gemacht haben mögen, die wirken schlciht und ergreifend zu überdreht.
Den einzelnen Episoden ergeht es da nicht viel besser, sei es nun, dass Elliot als übersensibler am Strand sitzt und ständig heult, oder dass als Drogenbaron gejagt wird – an Unwitzigkeit kaum zu toppen ist allerdings, wie er als 2,50 Meter großer, weichhirniger Basketballspieler pro Minute mehrere Liter Wasser ausschwitzt. Dagegen steht dann aber die Episode, in der er als intellektueller Homosexueller erkennen muss, dass der Teufel so leicht nicht auszutricksen ist, was sich spätestens dann bestätigt, wenn er als Präsident Abraham Lincoln bei dessem letzten Theaterbesuch am 15.4.1865 teilnehmen soll.
Es scheint fast, als wären die Episoden selbst von unterschiedlichen Autoren geschrieben worden; manche schrecken durch ihr übertriebenes Getue mehr ab, als dass sie amüsieren, während andere mit Hilfe ihrer subtileren Witze mehr Lacher provozieren können.
Die Rahmenhandlung bleibt dabei allerdings gleich: Elliot muss bei seinem Wunschkonzert erkennen, dass das persönliche Glück von einem selbst abhängt, doch bis es so weit ist, muss er noch viel begreifen.
Wirklich einzigartig sind hingegen ein paar kurze Momente im Film, die ihn dann aber doch weit über den Durchschnitt retten; sei es nun die Anfangssequenz, die einprägsamer nicht hätte sein können, oder aber diejenige Szene, in der Elliot mit dem unbekannten Mann gespielt von Gabriel Casseus in der Arrestzelle sitzt. Wirklich nur für aufmerksame Augen und Zuschauer sind allerdings die zwei Szenen, in denen der Teufel und sein "Widersacher" gemeinsam Schach spielen und die letzte Einstellung des Films, die aussagekräftiger nicht sein könnte.
Hier lässt Ramis kurz aufblitzen, dass er weiterhin die Kunst der guten und auch tiefgründigen Unterhaltung versteht, wie er es in Und täglich grüßt das Murmeltier zur Perfektion bewiesen hat. Nur sind die Momente in Teuflisch leider zu selten und zu kurz.

Dem durchwachsenen Drehbuch steht eine ansich solide Schauspielrige gegenüber, die sich auch ganz gut zu verstehen scheint; am engagiertesten ist allerdings Liz Hurley vor der Kamera zu sehen, die es sichtlich genießt, den Männern den Kopf zu verdrehen – welcher Teufel würde nicht gern in einem Lamborghini Diablo zur Arbeit fahren, wie sie es im Film tut?
Dem Produzenten zufolge gehörte das Schulmädchenoutfit, in dem Hurley kurz zu sehen ist übrigens tatsächlich ihr – in selbigem wischt sie auch eine Formel von der Tafel, für deren Lösung die Wissenschaft ganze 360 Jahre brauchte.
Brendan Fraser scheint insbesondere zu Beginn des Films mehr oder weniger gelangweilt, als wäre er die klamaukartigen Sketche selbst leid gewesen, später gibt sich das dann glücklicherweise, auch wenn er hier nicht so sehr bei der Sache scheint, wie bei den beiden Mumien-Filmen.
Häufig zu sehen und doch selten beachtet ist Frances O'Connor, die ihre Sache ebenfalls gut macht, aber keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Von Seiten der Inszenierung her gibt es ansich nichts auszusetzen, Kameraführung und Schnitt sind gut gelungen, gleichwohl einige Trickeffekte mehr schlecht als recht aussehen.
Harold Ramis lässt den Darstellern allerdings Zeit, ihren Platz in der Story zu finden und rückt ihnen glücklicherweise nicht zu sehr auf den Leib.
Die Musik von David Newman ist eingängig und melodiös gelungen, sie passt sich zudem gekonnt der Stimmung der einzelnen Episoden an. Wirklich im Gedächtnis bleibt sie allerdings nicht.

Fans des Originalfilms werden übrigens bemerken, dass es dort ebenfalls den Witz mit der Visitenkarte des Teufels gab – was darauf zu stand, war aber nicht zu sehen.

Am Ende des Films bleibt man ansich gut gelaunt zurück, die Komödie hinterlässt keine Spuren – keine negativen, aber auch keine positiven. Manche Zuschauer werden das Besondere an der Schlusseinstellung erst nach mehrmaligem Anschauen erkennen und sich viel lieber auf die Blödeleien in den einzelnen Episoden verlassen. Stattdessen lohnt ein Blick auf die Rahmenhandlung, die überaus gut gelungen ist und auch eine gute Aussage besitzt – wäre diese nur nicht so plötzlich gekommen, sondern hätte sich länger entwickelt, dann wäre in dem Film mehr drin gewesen.
Anstatt eine Episode, in der Elliot zum Rockstar wird, herauszunehmen, hätte man ihn mehr auf sich eingehen lassen können und seine Erkenntnis plausibler machen sollen, oder hätte sich jemand beschwert, wenn der Film 10 Minuten länger geworden wäre?
So ist Bedazzled, wie der Film im Original heißt (auch wenn manche Frohnaturen immer wieder von "Devilish" reden) und was übersetzt geblendet bedeutet, zwar eine nette Komödie mit ein paar guten Momenten und sympathischen Darstellern – mehr aber auch nicht. Neue Erkenntnisse zum Thema sucht man vergebens, dafür sind einige Gags wirklich sehr gut gelungen.


Fazit:
Wären da nicht die wenigen Augenblicke, in denen Harold Ramis erahnen lässt, dass er sieben Jahre zuvor eine der besten Komödien überhaupt inszenierte, Und täglich grüßt das Murmeltier, dann hätte Teuflisch einen deutlich schlechteren Ruf.
Als Film selbst ist seine achte Regiearbeit zwar jederzeit unterhaltsam, im Mittelteil aber dennoch zäh und auf Grund des Verhältnisses Komik/Ernst unausgewogen. Mit einem schlüssigeren und weniger albernen Drehbuch hätte die Umsetzung deutlich mehr Substanz gehabt – und davon hätten alle profitiert.
Eines allerdings steht fest (und da wird die Männerwelt mir wohl beipflichten): Sähe so der Teufel aus ... um Himmels Willen wäre dort oben viel Platz ...


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