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Taken [2002]

Wertung: 2 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 21. August 2005
Genre: Science Fiction / Drama / Thriller / Liebesfilm

Originaltitel: Taken
Laufzeit: 842 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2002
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren (Episode 3), ab 12 Jahren (restliche Episoden)

Regie: Tobe Hooper, Breck Eisner, Sergio Mimica-Gezzan, Bryan Spicer, Félix Enríquez Alcalá, Thomas J. Wright, Jeremy Kagan, Jeff Woolnough, John Fawcett, Michael Katleman
Musik: Laura Karpman
Darsteller: Steve Burton, Eric Close, Catherine Dent, Dakota Fanning, Emily Bergl, Adam Kaufman, Ryan Hurst, Joel Gretsch, Andy Powers, Matt Frewer, Heather Donahue, Chad Donella, Anton Yelchin, Desmond Harrington, Jason Gray-Stanford, Julie Benz, Julie Ann Emery, James McDaniel


Kurzinhalt:
Während des zweiten Weltkriegs wird der Bomberpilot Russel Keys (Steve Burton) von Außerirdischen entführt, danach ist er nicht mehr derselbe. Nach dem Absturz eines Raumschiffes in Roswell erhält Sally Clarke (Catherine Dent) Besuch von dem Fremden John (Eric Close), der ansich ein außerirdischer Besucher ist. Der Außerirdischen auf den Fersen ist Captain Owen Crawford (Joel Gretsch), der früh erkennt, dass die Aliens ein reges Interesse an den Clarkes haben.
Jahrzehnte später hat Crawfords Sohn Eric (Andy Powers) das Projekt übernommen und kommt zusammen mit seiner skrupellosen Tochter Mary (Heather Donahue) und dem Berater Chet Wakeman (Matt Frewer) dem Geheimnis der Besucher dichter auf die Spur. Auch die Söhne und Töchter der Keys- und Clarke-Familien sind von den Außerirdischen entführt worden, und offensichtlich wurde bei einem dieser Experimente Lisa Clarke (Emily Bergl) schwanger. Ihre Tochter Allie (Dakota Fanning) hat jedoch spezielle Fähigkeiten, Kräfte, die selbst diejenigen der Außerirdischen übersteigen.
Doch Mary Crawford hat sie bereits entdeckt, und so flieht Lisa mit Allie und ihrem Vater Charlie Keys (Adam Kaufman) vor dem Militär, das es sich unter General Beers (James McDaniel) zur Aufgabe gemacht hat, Allie in seine Gewalt zu bringen, und sie gegen die Aliens einzusetzen. Doch auch die Außerirdischen scheinen durch Allie ihrem Ziel näher gekommen zu sein, und wollen sie für sich einnehmen.
Lisa muss auf die Hilfe ihres Onkels Tom (Ryan Hurst), Sally Clarkes Sohn zurückgreifen, der Johns Identität kannte, und auch weiß, wozu die Crawfords im Stande sind – doch ihnen allen läuft die Zeit davon, und auch für Allie scheint der Einsatz ihrer Kräfte nicht ohne Folgen zu bleiben ...


Kritik:
Unter dem Titel Steven Spielberg präsentiert "Taken" wurde die zehnteilige, jeweils 85 Minuten dauernde Miniserie aus dem Portfolio des amerikanischen Sci-Fi Channel hierzulande beworben, und in der Tat erfüllte sich Produzent Spielberg damit den Traum einer Chronologie um die Entführung von verschiedenen Menschen durch Aliens. Dabei werden Berichte von angeblich Entführten aufgegriffen und mit einer der weit verbreitetsten Theorien um den Abschuss/Absturz eines außerirdischen Flugobjekts verwoben.
Herausgekommen ist eine sehr lange Miniserie, die sehr häufig beworben wird, und somit hohe Erwartungen erfüllen sollte – im Endeffekt spaltet sich das Lager der Zuseher und Kritiker jedoch entzwei. Die einen sehen Taken als epochales Werk ungeahnten Ausmaßes an, die anderen gestehen ihm den ungeahnten Aspekt zu, kritisieren jedoch vor allem das lange Skript, die quälenden Charakterzeichnungen und die letztliche Auflösung samt Finale.

Sieht man sich die bisherigen Verdienste von Autor Leslie Bohem einmal an, fallen vor allem seine frühen Werke auf: nach dem dritten Einstand in der House-Horror-Reihe mit dem Titel The Horror Show [1989] folgte Nightmare 5 - Das Trauma [1989], der Kenner des sehr guten ersten Teils tatsächlich traumatisiert zurückließ; auch im Jean-Claude Van Damme Action-Romantik-Drama Ohne Ausweg [1993] überzeugte das Drehbuch nicht gerade mit glänzenden Einfällen, doch lieferte Bohem auch die Vorlagen für die zwei gut geratenen Action-Katastrophen-Filme Daylight [1996] und Dante's Peak [1997], bei denen ihm nicht nur ein guter Spannungsaufbau, sondern auch lebhafte Figuren zum mitfiebern gelangen.
Das größte Problem an seiner Vorlage zu Taken ist dabei nicht nur die Tatsache, dass die Miniserie mit insgesamt 14 Stunden schlicht mindestens sieben Stunden zu lang geraten ist, denn immerhin ist der Ansatz um eine als Chronik konzipierte Erzählung der Ereignisse bereits vor und auch seit dem vermeintlichen Roswell-Absturz, überaus interessant. Sich im Zuge dessen mehrere Familien und Hauptfiguren auszusuchen und diese über mehrere Jahre, ja Generationen hinweg zu verfolgen ist ebenfalls ein guter Einfall – allerdings kein neuer, immerhin hatte Serienerfinder Bryce Zabel einen ähnlichen Ansatz bei der unterschätzten Mystery-Science Fiction-Serie Dark Skies - Tödliche Bedrohung [1996-1997], die ihre Erzählung um die außerirdische Verschwörung 1960 begann und nach einer Staffel bereits 1967 angekommen war. So hätte es ansich auch weitergehen sollen, doch wurde die Serie vom Sender NBC nach nur einer Staffel auf Grund hoher Produktionskosten (durch das authentische Ambiente) und zu geringe Zuschauerzahlen wieder abgesetzt.
Einen entscheidenden Unterschied zwischen Dark Skies und Taken gibt es jedoch: während sich in Zabels Vision die Außerirdischen sehr schnell als bösartig herausstellen, wird man bei Bohems Interpretation des Themas bis zur letzten Episode im Unklaren gelassen, worum es eigentlich geht. Die Auflösung, so viel sei verraten, ist aber alles andere als einfallsreich, dafür aber umso unglaubwürdiger, und leidet wie vieles in der Serie unter einem ausgewalzten Skript, das sich weder zwischen einzelnen Genres, noch zwischen einer vernünftigen Erzählweise entscheiden kann.
Am offensichtlichsten wird das dadurch, dass zu Beginn über mehrere Episoden hinweg, bei den verschiedenen, entführten Figuren, immer wieder derselbe Punkt angemerkt wird, nämlich dass die Menschen durch die Entführungen gestört und manipuliert werden, dass die Außerirdischen ihre Testobjekte aber auch beschützen. Immer wieder pocht der Autor auf diese Erkenntnis, bis auch der letzte Zuschauer selbiges begriffen hat. In den späteren Episoden wird diese Taktik erneut angewandt, und so kommt es, dass die beiden Figuren Mary Crawford und Chet Wakeman dem General Beers drei Mal erklären müssen, was ansich vorgeht, und weswegen sein Plan nicht funktioniert. In der darauf folgenden Episode geschieht dasselbe erneut, drei Mal wird ein Storyelement ein und derselben Person erklärt. So wird das Drehbuch künstlich in die Länge gezogen, und wenn man sich Kommentare zu Deleted Scenes bei vielen Filmen auf DVD ansieht, erzählen die Autoren und Regisseure immer, wie diese Szene nichts neues beiträgt, und nur erklärt, was früher schon deutlich wurde – und der Lieblingsspruch aller Regisseure, man wollte "das Erzähltempo nicht künstlich verlangsamen". Leslie Bohem, der immerhin als alleiniger Autor der 14stündigne Miniserie gelistet wird, scheint jedoch genau das im Sinn gehabt zu haben! Um es knapp zu sagen hätte man bei jeder Episode die Hälfte, wenn nicht mehr, weglassen können, und hätte dennoch dieselbe Geschichte erzählt. Alternativ wäre es auch möglich gewesen, relativ kompakt eine Chronik von 1944 bis 1960 oder 1970 zu erzählen (also quasi eine Generation zu überspringen), und wäre nicht nur schneller zum, sondern letztlich auch am selben Ziel angekommen.
Die Story beginnt somit zwar interessant, wird aber bereits nach der ersten halben Stunde unnötig langatmig und schleppt sich daraufhin Jahrzehnte lang dahin, um in der siebten Episode endlich konkrete Formen anzunehmen. Doch auch wenn von da an das Geschehen in der Jetztzeit stattfindet, wird das Erzähltempo nicht erhöht – so wird eine Geiselnahme eingebaut, die zwar eine ganze Episode in Anspruch nimmt, aber letztlich vollkommen überflüssig ist, und auch gestrichen hätte werden können, die größte Überraschung in der achten und neunten Episode entpuppt sich als großer Trug und selbst beim Finale kann Bohem nicht umhin, das Geschehen unnötig langatmig zu gestalten, und so ist nicht nur die Auflösung um die Alienentführungen gleich doppelt erklärt, auch das eigentliche Finale der Episode geht doppelt so lang, als notwendig.
Was das Drehbuch aber im Endeffekt so ärgerlich gestaltet, sind die zahlreichen, haarsträubenden Entscheidungen, die in der zweiten Hälfte der Serie rapide zunehmen; nicht nur, dass die Bösen hier ohne Sinn und Verstand ihre eigenen Verwandten ermorden, urplötzlich bekommen die Militärberater eine Eingebung, und erschließen sich die Alienexperimente selbst; da reist ein erfahrener Mann mit seiner von Außerirdischen häufig entführten Enkelin genau in das Haus, in dem die Militärs schon vor 40 Jahren einmarschiert sind und ignoriert wohl wissend eine Warnung, dass das Militär im Kommen ist.
Gegenüber diesen künstlerischen Auswüchsen des Autors scheinen Einfälle wie ein bei wolkenloser Vollmondnacht mit ein paar Hubschraubern an Kabeln aufgehängtes UFO, das von einem Ort zum anderen transportiert wird (!!), gerade zu intelligent. Charakterentwicklungen gibt es zwar – die Guten werden immer besser und die Bösen immer böser – doch die Dialoge bewegen sich mitunter auf einem Niveau, das selbst Telenovela-Autoren wie engelsgleiche Minnesänger erscheinen lässt. Wie man Taken in diesem Zustand umsetzen konnte, wie der Sci-Fi Channel geschätzte 40 Millionen dafür aufbringen konnte, ist unverständlich; im besten Fall war das Konzept aus der Feder von Leslie Bohem interessant, doch das Skript liest sich wie die erste Rohfassung, die zahlreiche Überarbeitungen nötig gehabt hätte.
Durch den Mangel an Dramaturgie, koherenten Figuren mit nachvollziehbaren Entscheidungen, und vor allem die Tatsache, dass die sympathischsten drei Figuren in den letzten vier Episoden eingeführt werden, bietet Taken all denjenigen Zuschauern keinen Zugang, die ein spannendes, charakterbetontes und mitreißendes Science Fiction-Drama erwarteten. Dafür sind die Figuren zu eindimensional, die Dialoge (insbesondere in Bezug auf Matt Frewers haareraufende Allegorien und pseudo-Weisheiten) samt den naseweisen Off-Kommentaren von Allie, die sich anhören, als seien sie der zigten Auflage eines Tageskalenders entnommen, zu konstruiert und unglaubwürdig, und die Geschichte selbst zu wenig interessant – wenn man sich außerdem ansieht, wie viele Menschen bei Area-51 von der Existenz des Raumschiffes laut Taken wussten, wird deutlich, weswegen es sich bei der beliebtesten Verschwörungstheorie der USA nur um eine Ente handeln kann: bei so vielen wissenden Figuren ist es schlicht nicht möglich, dass keine Informationen nach außen dringen.

Kann schon die Vorlage nicht überzeugen, hofft man doch bei einer Produktion, hinter der der Name Steven Spielberg steht, immerhin auf eine solide Darstellerriege, doch wie es scheint haben selbst namahfte Akteure ihre Schwierigkeiten, wenn man ohne ein vernünftiges Skript spielen soll.
Catherine Dent macht ihre Sache zwar gut, kann aber schon deswegen keine Akzente setzen, weil ihr Charakter vollkommen irrationale Entscheidungen trifft; Eric Close hat nicht nur kaum etwas zu tun, sondern darf dabei auch nicht viel mehr tun, als traurig in die Kamera zu schauen und einen derart aufgeblähten Text von sich zu geben, dass es ein Wunder ist, dass er nicht alle zwei Minuten laut loslachen musste. Ryan Hurst gehört zu den Wenigen, die eine durchweg gute Leistung bieten, und er rettet gerade die frühen Episoden davor, dass man schnell umschält. Selbiges gilt auch für Emily Bergl, die diese Aufgabe in den letzten fünf Episoden übernimmt. Sie wirkt nicht nur sympathisch, sondern auch natürlich; dagegen ist der Auftritt des in Russland geborenen Anton Yelchin zu kurz, als dass man über ihn viel sagen könnte.
Steve Burton wirkt in seiner Rolle stets unterkühlt, wohingegen Desmond Harrington ansich eine gute Leistung liefert, bis zu dem Moment, da seine Figur undankbar aus der Story geschrieben wird – wäre er nicht vie die übrige Serie katastrophal synchronisiert, wäre auch er ein Sympathieträger. Adam Kaufman zählt als Charlie Keyes zu denjenigen Personen, die die letzten Episoden von Taken erträglich machen, ebenso wie Dakota Fanning, die als die vielleicht beste Darstellerin des Films bezeichnet werden kann, das jedoch auch nur in der Originalfassung, da ihre deutsche Synchronstimme nicht nur zu alt ausfällt, sondern auch nie den richtigen Ton trifft.
Joel Gretsch passt zu Beginn in die Rolle des Bösewichts Owen Crawford sehr gut, ehe er in seinen letzten Folgen auf unsägliche Weise abgeschoben wird. Dem entgegen scheint Andy Powers zu Beginn gelangweilt und fehlplatziert, soll er doch seinen Filmvater Owen bald ersetzen. Prinzipiell wandelt sich das zwar später, doch dank der schrecklich aussehenden Maske, die ihn nicht älter, sondern nur lächerlich aussehen lässt, kann man ihn dann auch nicht mehr ernst nehmen. Selbiges ist bei Heather Donaue, die hinlänglich aus Blair Witch Project [1999] bekannt ist, ohnehin nicht möglich; mit ihrer überdrehten Mimik, dem leeren Blick in ihren Augen und der zappeligen Art, die gerade in den letzten Episoden immer wieder unfreiwillig für Lacher sorgt, entbehrt sie zwar nicht einer gewissen Komik, wirkt aber eher wie eine Karrikatur einer eigentlichen Hauptfigur, als dass man ihr irgendeine Szene, in der sie auftritt, abnehmen würde.
Etwas anders sieht es bei Matt Frewer aus, der zu Beginn mit seinem Dauergrinsen Taken zum Kasperle-Theater zweckentfremdet, aber später (abgesehen von irgendeiner seiner Dialogzeilen) immerhin eine gute Figur macht. Das ist mehr, als man von James McDaniel sagen kann, der als General Beers vollkommen fehlbesetzt ist. Nicht nur, dass er mit seiner lachsen, zappeligen Körperhaltung insbesondere in der US Army nur ein Mal gerügt würde, mimisch scheint er in einem Stadium festgefroren, das immerhin seine abschreckend grotesken Dialogzeilen amüsant erscheinen lässt – wieso er nicht mehr als Regisseur, wie unter anderem bei der unterschätzten Thriller-Drama-Serie C-16: Spezialeinheit FBI [1997], zum Einsatz kommt, ist ein Rätsel.
Gastdarsteller wie der leider 2003 verstorbene Michael Jeter werden hier in anspruchslosen Miniauftritten verheizt, und wenn man sich den regulären Cast ansieht, kann man nur unverständig den Kopf schütteln. Ansich sind lauter talentierte Leute mit an Bord, die sich aber hier derart überzogen und unprofessionel geben, dass es zum Davonlaufen ist. Wenn man bei einer derart aufwändigen Produktion mit Fug und Recht behaupten kann, dass eine damals erst achtjährige Jungdarstellerin, die routinierteste und engagierteste am Set ist, ist das wirklich alles andere als ein Kompliment für die Beteiligten.

Inszenatorisch gibt sich Taken insgesamt überaus altbacken, einzig Regisseur Michael Katleman gelingt es in der letzten Episode mit einer interessanten Kamerafahrt um ein fahrendes Auto und einigen ungewöhnlichen Perspektiven, dem Ganzen etwas frischen Wind einzuhauchen. Auch John Fawcett gibt sich in der Folge unmittelbar zuvor Mühe, mit ungewohnten Blickwinkeln und einem ansich überzeugenden Design des Studienobjekts, das Geschehen aufzupeppen. Wieso es aber weder dem routinierten und erprobten Thomas J. Wright, noch Tobe Hooper oder Bryan Spicer gelingt, mit einem frischen Ansatz immerhin etwas Tempo ins Geschehen zu bringen, ist verwunderlich und ärgerlich.
Sicher kann man ihnen keinen Vorwurf machen, wenn es darum geht, dass in den ersten sechs Episoden die Szenen immer dann abbrechen, wenn sich die Figuren etscheiden müssten – selbigen Vorwurf muss man dem Skript von Leslie Bohem machen, aber wenigstens handwerklich hätte man sich etwas mehr Mut zur Innovation gewünscht. Da Taken ohnehin immer als das Band of Brothers – Wir waren wie Brüder [2001] des Science Fiction-Genre bezeichnet wird, hätte man sich zumindest etwas mehr von der lebensnahen und beklemmend realistischen Umsetzung gewünscht, anstatt althergebrachte und ebenso spannungsarme Szenenaneinanderreihungen zu beobachten.
Ebenfalls zu wünschen übrig lassen sowohl die Spezialeffekte, als auch die angesprochene Maskenarbeit. Während letztere gerade bei den Alterungsmasken in den seltensten Fällen überzeugend wirkt (Joel Gretsch ist einer der wenigen, bei denen sie gut aussehen), enttäuschen die Effekte trotz ihres Alters von immerhin drei Jahren, mit mitunter offensichtlichen Blue-Screens und CGI-Aufnahmen, die in keiner Sekunde an die Qualität des Normandie-Absprungs in Band of Brothers heranreichen und auch im Vergleich mit damaligen Fernsehserien wie Enterprise [2001-2005] schwächer ausfallen.
Einige Einstellungen, insbesondere die Matte-Paintings, sehen wirklich gut aus, andere jedoch, gerade wenn noch bewegte Kameraaufnahmen hinzukommen, wirken billig und vor allem schlecht abgemischt: So kann man nicht nur die Trennlinie bei einigen Luftaufnahmen mit Spezialeffekten sehen, sondern wenn sich die Kamera auch bewegt, verschiebt sich leicht der Übergang zwischen Real- und Trickbild. So etwas darf bei einem solchen Budget schlicht nicht passieren. Auch die Aliens sehen in Nahaufnahme deutlich besser aus, als in Bewegung, von dem schwachen, altbekannten Design derselben (und der Raumschiffe) einmal abgesehen.
So enttäuscht Taken nicht nur durch die Umsetzung, sondern auch durch die Machart, die zwar meist wenigstens überzeugen kann, aber nicht an zeitgenössische TV-Serien herankommt, die ein bedeutend geringeres Budget zur Verfügung hatten.

Nach dem Erfolg von Michael Kamens Score zu Band of Brothers, für den der inzwischen verstorbene Künstler auch mehrere Preise bekam, musste die Komponisten Laura Karpman in große Fussstapfen treten; bereits Kamen merkte seinerzeit an, dass es überaus schwierig für ihn war, die zehnstündige Miniserie um eine Truppe im Zweiten Weltkrieg zu vertonen – Karpman hatte gar noch einige Stunden mehr. Mit der DVD-Veröffentlichung der Miniserie Taken erschien auch eine Musik-CD mit 45 Minuten Musik, die Karpman mit einem 45köpfigen Orchester einspielte, und wenn man sich ihre musikalische Untermalung zum Science Fiction-Drama einmal ansieht, kann man nicht umhin zu vermuten, dass diese 45 Minuten auch alles ist, was sie überhaupt komponierte.
Die übrige Musik in Taken wiederholt sich nicht nur am laufenden Band (sogar beim Finale wird ein Stück zwei Mal hintereinander eingespielt, nur einmal laut und einmal leise), sondern sie ist auch höchst unpassend ausgewählt. So ertönt bei einer vermeintlich spannenden Sequenz eine fröhliche, beinahe schon witzige Dudelei, während harmlose Übergangsszenen mit einem düsteren Motiv versehen sind. Nicht einmal bei den sichtbaren Werbepausen steigert sich die Musik spannend, sondern ist meist gar nicht zu hören, oder aber trällert vergnüglich am Inhalt der Szenerie vorbei. Das Hauptthema selbst offenbart bereits, dass die Macher nicht im Sinn hatten, eine packende Mystery-Serie mit Dramaelementen umzusetzen, denn bereits die Titelmusik erinnert mit ihrer einlullenden, tempolosen und einfach strukturierten Melodie eher an das Thema von Unglaubliche Geschichten [1985-1987], eine von Steven Spielberg produzierte Fantasy-Kurzgeschichten-Serie, die einige wirklich gute Folgen zu Tage brachte.
Karpman gelangen ohne Zweifel ein paar nette Themen, die nicht von ungefährt ein wenig an John Williams erinnern, ohne aber dessen Vielschichtigkeit, oder wandlungsfähigkeit zu besitzen; doch ihre Musik hört sich über die 14 Stunden verteilt immer gleich an, und ist vor allem in den unpassendsten Momenten eingesetzt. So zielt sie nicht auf Spannung hin, sondern zerstört diese gekonnt, wie es in dem Genre nur Komponist Ennio Morricone in Mission to Mars [2000] gelang. Die Musik-CD selbst zu Taken ist sicher hörenswert, nur in der Miniserie passt sie überhaupt nicht.

Wie bereits erwähnt gibt es bei Taken ganz offensichtlich nur zwei Lager, und nach den genannten Kritikpunkten zur urteilen, dürfte das Fazit relativ offensichtlich sein.
Wie es dem Sci-Fi Channel gelang, eine derart überlange, ausgewalzte und unausgegorene Produktion zu starten, die zudem noch Steven Spielbergs OK bekam, ist ein Rätsel – doch andererseits zeichnet Spielberg auch für die misratene Serie SeaQuest DSV [1993-1996] verantwortlich. Dass es jedoch trotz der hohen Produktionskosten, eines namhaften Cast und ansich talentierter Regisseure nicht möglich war, eine packende Chronik um die Entführungen durch Außerirdische umzusetzen, ist beinahe schon erschreckend. Auch wenn Chris Carter in seiner Kult-Mystery-Serie Akte X - Die unheimlichen Fälle des FBI [1993-2002] viel zu Wünschen übrig ließ, er gestaltete seine Storyarc um eine außerirdische Invasion ohne Zweifel innovativ und spannend, zwei Dinge, die Taken in sämtlichen Belangen fehlen.
Da stören auch die Logikfehler, die irrationalen Entscheidungen der Figuren und die haarsträubenden Dialoge nicht mehr, wenn man als Zuschauer geistig nach den ersten Stunden bereits eingeschlafen ist. Die Auflösung, so viel sei vorweg genommen, liefert dabei nicht viele Antworten, sondern passt vielmehr in den üblichen Klischeekitsch, den man aus amerikanischen Weihnachtsfilmen gewohnt ist.


Fazit:
Dass hinter der Produktion ein gewisser Aufwand steckt, ist unbestritten, und doch vermag einzig die Ausstattung zusammen mit den zeitgemäßen Kleidungen zur überzeugen; die Maskenarbeit sieht gerade an den Hauptfiguren billig aus, die Spezialeffekte pendeln zwischen ansehnlich und hoffnungslos veraltet, und die darstellerischen Leistungen sollten den meisten Beteiligten die Schamesröte ins Gesicht treiben – mit Ausnahme von Dakota Fanning, die die späteren Episoden immerhin erträglich macht.
Doch all das ist nichts im Vergleich dazu, was Leslie Bohem als Vorlage für Taken lieferte: das künstlich langgezogene und doch inhaltlich dürftige Drehbuch umspannt nur deswegen immerhin sechs Jahrzehnte, da alle Storyelemente mehrmals recycled, alle Erklärungen zig Mal durchgekaut und selbst die vermeintlichen Actionszenen unnötig in die Länge gezogen werden. Das wird zwar in der zweiten Hälfte der Miniserie noch schlimmer, stört aber bereits zu Beginn, da zu lange unklar bleibt, worum es eigentlich geht.
Handwerklich gibt sich das "Science Fiction Event", wie es häufig betitelt wird, recht verhalten, mit Ausnahme der ansich gut hörbaren, aber völlig fehlplatzierten Musik, die jegliche Dramaturgie oder Spannung zusätzlich zunichte macht. Traurig ist dabei nur, dass einem als Zuschauer letztlich 14 Stunden geraubt werden, und jede Entführung durch Außerirdische sicher aufschlussreicher, überraschender und spannender sein muss, als das, was der Sci-Fi Channel seinen Zuschauern serviert. Mag sein, dass sich Produzent Steven Spielberg genau das vorgestellt hat, doch das bringt einem die investierte Zeit nicht zurück – und weiser ist man danach nur insofern, als dass nicht alles, worauf Spielberg steht, auch Pflichtprogramm sein muss.


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