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Supernova [2000]

Wertung: 1.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 21. Februar 2003
Genre: Science Fiction

Originaltitel: Supernova
Laufzeit: 90 min.
Produktionsland: USA / Schweiz
Produktionsjahr: 2000
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Walter Hill (als Thomas Lee), Francis Ford Coppola (nicht aufgeführt), Jack Sholder (nicht aufgeführt)
Musik: David C. Williams, Burkhart von Dallwitz (zusätzliche Musik)
Darsteller: James Spader, Angela Bassett, Lou Diamond Phillips, Peter Facinelli, Robin Tunney, Robert Forster


Kurzinhalt:
Zu Beginn des 22. Jahrhunderts empfängt das Rettungsschiff Nightingale 229 den Notruf einer verlassenen Minenkolonie. Captain Marley (Robert Forster) befiehlt, dass die Nightingale diesem Ruf folgt und per Hypersprung zu dem verlassenen Planeten fliegt. Durch einen Unfall stirbt Marley bei dem Sprung, an seine Stelle tritt Co-Pilot Nick Vanzant (James Spader), der sich nach dem Sprung einem neuen Problem gegenüber sieht: In dem Ziel-Sonnensystem steht die Sonne davor, zu einer Supernova zu werden und hat sich bereits in einen blauen Riesen verwandelt. Sie nehmen einen jungen Mann an Bord, der behauptet, der Sohn von Karl James Larson (Peter Facinelli) zu sein, ein Mann, mit dem die Schiffsärztin Dr. Kaela Evers (Angela Bassett) eine gemeinsame Vergangenheit hat.
Doch der Besucher hat ein Artefakt an Bord geschmuggelt, das ihm übermenschliche Kräfte verleiht und ebenso gut als Waffe eingesetzt werden könnte. Die Sonne steht kurz vor der Implosion und die Nightingale benötigt einige Zeit, einen weiteren Sprung aus dem Sonnensystem vorzubereiten – währenddessen häufen sich "Unfälle" an Bord, die für die übrigen Crewmitglieder tödlich ausgehen ...


Kritik:
Alan Smithee
war ein berühmter Mann, und ein Wunderkind dazu. Seinen ersten Film drehte er im Jahr seiner Geburt, ihm folgten knapp 50 weitere Film- und Fernsehengagements als Regisseur und noch viel mehr in anderen Positionen: Smithee war Kameramann, Darsteller, Komponist, Autor, Produzent und vieles mehr. Geboren vermutlich 1968, starb er im Jahr 1999 an einer sehr ungewöhnlichen Todesursache: Er wurde als nutzlos erklärt.
Dass ihn das umbrachte, hat einen einfachen Grund: Alan Smithee ist ein Pseudonym und Anagramm. Wenn man die Buchstaben seines Namens anders anordnet erhält man "The Alias Men", Smithee war ein Pseudonym für Filmemacher und Beteiligte, die mit der Form, in der ihre Arbeit veröffentlicht wurde, nicht einverstanden waren. Wurde ein Film vom Studio für die Veröffentlichung also gegen den Willen des Regisseurs umgeschnitten, wählte er das Pseudonym Smithee, um seinen Unmut darüber auszudrücken. Manche Filmemacher, die mit einem Projekt nicht mehr in Verbindung gebracht wurden, schmückten sich ebenso mit dem Namen.
Da allerdings sowieso bei jedem Smithee-Film klar war, wer ansich Regie geführt hatte, und der Name, beziehungsweise dessen Herkunft durch den Film Fahr zur Hölle Hollywood [1997] so viel Aufmerksamkeit bekam, war das Pseudonym nicht mehr wirkungsvoll – und so beschloss die "Directors Guild of America" seine Abschaffung.

Supernova ist der erste Post-Smithee-Film, der ursprüngliche Regisseur Walter Hill griff deshalb aufgrund zahlreicher Änderungen an seinem Film zum Pseudonym Thomas Lee, das von nun an benutzt wird. Diese Änderungen wurden von den Regisseuren Francis Ford Coppola und Jack Sholder durchgeführt, die den Film um viele Minuten beschnitten und so zu retten versuchten, was zu retten war.
Es war offensichtlich nicht viel.

Die Geschichte von Supernova liest sich ansich nicht einmal so schlecht, auch wenn die Ausgangslage stark an Lost in Space [1998] und Event Horizon [1997] erinnert. Das Drehbuch schafft es allerdings weder, irgendwelche Charaktere aufzubauen, noch Spannung zu erzeugen, oder wenigstens mit Action zu unterhalten. Stattdessen läuft alle paar Minuten jemand nackt durchs Bild, der Zuschauer wird mit dämlichen und abgekupferten Dialogen und einer derart dürftigen Story aufs Glatteis geführt, dass der kommerzielle Flop nicht verwundert.
Mit 60 Millionen Dollar war der Film nicht gerade billig – bei einem Einspielergebnis von 15 Millionen in den USA aber ein totaler Misserfolg.

Darstellerleistungen sucht man in Supernova leider vergebens, James Spader stakst wie ein Legomännchen auf Valium durch die Kulissen und offenbart ein mimisches Talent wie weiße Farbe. Nicht, dass sein Charakter mehr erfordert hätte, er scheint jedoch von der ersten Minute an keinerlei Begeisterung oder Lust für die Produktion mitzubringen. Ihm tun es Angela Bassett und Lou Diamond Phillips gleich. Auch ihre Figuren wirken reissbrettartig und gekünstelt, mit Anzügen beklebt und in billige Kulissen gesetzt.
Ein Negativhighlight liefert Robin Tunney als sexbesessenes dummes Flittchen ab; nach ihrem überzeugenden Auftritt im durchaus unterhaltsamen Schwarzenegger-Film End of Days - Nacht ohne Morgen [1999] und noch vor dem Bergsteigerunterhaltungsactiondrama Vertical Limit [2000] spielt sie hier ein Dummerchen der besonders doofen und kurzlebigen Art (wer hätte das erwartet?) mit so wenig Überzeugungskraft, dass man sich fragen muss, ob Darsteller ihr Talent per Knopfdruck an- und ausschalten können – dies gilt übrigens für alle Beteiligten an dieser Produktion.
Peter Facinelli darf zwar die Hüllen lüften – amerikanisch korrekt natürlich, aber dennoch "unsichtbar" – außer einem Tom Cruise-imitierenden Grinsen bringt er allerdings nichts zustande. Gefühlsausdrücke wie Wut oder Schmerz wirken beinahe schon grotesk karikiert.
Kurzum, bei der Besetzung, die aus üblicherweise soliden Darstellern besteht, gibt es keine Pluspunkte zu verbuchen.

Ähnlich geht es bei der Inszenierung weiter, die zwar durch die vielen Regisseure sicherlich nicht der Vorstellung von Veteran Walter Hill (Nur 48 Stunden [1982], Red Heat [1988], Last Man Standing [1996]) entspricht, aber in der vorliegenden Fassung ein regelrechter Alptraum ist.
Von der ersten Minute an versuchen Kameramann und Cutter, durch eine ständig bewegte Kamera Dynamik zu erzeugen und dem Zuschauer ein Gefühl zu geben, er befände sich an Bord eines Bootes. Seekrank wird man in der Tat von dem Gewackel, auf das Geschehen kann man sich durch die übelkeiterregende Inszenierung auch nicht konzentrieren, und als wäre das nicht genug, gesellen sich zu diesem Stil in den Actionszenen auch noch schnelle Schnitte, beziehungsweise konfuse Szenenaneinanderreihungen, so dass ein Szenenaufbau niemals eine Chance bekommt.
Trotz der lähmend langatmigen Erzählweise wirkt der Film dennoch rigoros zusammengeschnitten, als fehlen mindestens 20 Minuten aus dem Endprodukt. Szenenfolgen, "Entwicklungen" zwischen den Charakteren und vieles mehr machen den Eindruck, als laufe das Geschehen in Zeitraffer ab. Deutlich wird das auch dadurch, dass trotz der drohenden Sonnenimplosion immer noch genug Zeit bleibt, sich schnell den körperlichen Trieben mit anderen Besatzungsmitgliedern in Schwerelosigkeit hinzugeben.

Die Musik von David C. Williams, respektive Burkhart von Dallwitz ist ansich nicht wirklich schlecht, ein paar Mal passt sie auch beinahe zur Szene, aber gerade in den ohnehin auf Sparflamme köchelnden Actionszenen hätte man sich eine eingängigere und vor allem mitreissendere Melodie gewünscht.
Wenigstens ist sie meistens nicht aufdringlich oder gar "störend", ein Highlight ist sie allerdings auch nicht.

Ausstattungstechnisch fragt man sich bei Supernova, wohin das Geld geflossen sein mag, die Bauten wirken plastikartig und billig, von dem allgegenwärtigen Blauton ganz abgesehen. Weder das Schiff, noch die Einrichtung, noch Bodenstation sind wirklich innovativ oder aufwendig. Insbesondere das Raumschiff wirkt im Innern viel zu glatt, zu viel Raum ist zwischen den einzelnen Komponenten, so dass man nie das Gefühl hat, die Konstrukteure des Schiffs hätten möglichst viel Ausrüstung auf kleinstem Raum zusammenstellen müssen, sondern vielmehr, als wäre das Set zu groß gewesen und man hatte keine Requisiten dafür gehabt. Die bunten Knöpfe und Schalter helfen dabei leider auch nicht.

Die Spezialeffekte sind ein zweischneidiges Schwert: einige sehen wirklich gut aus, reichen beinahe an Event Horizon heran, andere dagegen wirken extrem billig, als wären sie für den Videomarkt produziert worden. Der konstante Blaufilter mag zwar mehr oder weniger zur Story gehören, auf Dauer sticht es allerdings in den Augen und geht einem als Zuschauer gehörig auf Nerven.
Die omnipräsente Computerstimme (der Computer hat zu aller Überraschung einmal mehr menschliche Züge einprogrammiert bekommen, "HAL 9000" und "Mutter" lassen grüßen) trägt ebenso zur Unerträglichkeit bei.

Was am Ende bleibt, sind 90 sehr, sehr lange Film-Minuten, die dennoch arg gerafft erscheinen und den Eindruck erwecken, dass zu viele Leute mit zu vielen Scheren am Werk waren. Ob das Umschneiden und Nachbearbeiten durch die anderen Regisseure den Film besser oder schlimmer gemacht hat, sei dahingestellt.
Dass die Darsteller angesichts eines so namhaften Regisseurs eingesprungen sind, mag man noch erklären können, dass eine Größe wie Walter Hill überhaupt ein solches Drehbuch verfilmen konnte, abgesehen davon, dass sich auch noch eine Produktionsfirma dazu bereit erklärt hat, Geld in das Projekt zu pumpen, ist aber unfassbar. Es bleibt zu hoffen, dass dies Hills letzter Thomas Lee-Film war.


Fazit:
Es gab schon schlechtere Filme, auch schlechtere Alan Smithee-Streifen – aber was hier so viele bekannte und respektierte Beteiligte abgeliefert haben, ist in der Tat ein Schlag unter die Gürtellinie des Zuschauers.
Gefilmt wie eine billige Videoproduktion, basierend auf einem hauchdünnen Drehbuch mit einer Begeisterung, die jeder Beschreibung spottet. Mit den Spezialeffekten kann man leben, mit dem Rest will man gar nicht.
Nicht so schlimm, dass das Gehirn der Zuschauer implodieren möchte, aber nahe dran.


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