skip to content

Superfire - Inferno in Oregon [2002]

Wertung: 2 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 18. August 2002
Genre: Unterhaltung

Originaltitel: Superfire
Laufzeit: 181 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2002
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Steven Quale
Musik: Russ Landau
Darsteller: D.B. Sweeney, Gedeon Burkhard, Chad Donella, Diane Farr, Wes Studi


Kurzinhalt:
Feuerspringer in den USA sind wahre Teufelskerle, sie springen aus geringer Höhe in der Nähe oder über brennenden Wäldern ab und versuchen dann, mit roher Körperkraft gegen die Naturgewalten anzukommen und das Feuer aufzuhalten. Ebenso tollkühn sind die Piloten der Flugzeuge, darunter auch James Merrick (D.B. Sweeney). Dieser handelt während eines Großbrandes gegen die Anweisung seines Vorgesetzten – 12 Personen sterben.
In seinem Selbstmitleid badet Merrick 10 Monate, bis ein Großfeuer ungeahnten Ausmaßes auf Portland zurast. Zusammen mit seinem Ko-Piloten Reggie (Gedeon Burkhard) und den Feuerspringern (u.a. Chad Donella und Wes Studi), die vor Ort um ihr Leben fürchten, versucht er, der Lage Herr zu werden. Auf Grund der ländlichen Gegenbenheiten bahnt sich sogar eine Art "Superfeuer" an, das Legenden zufolge bereits ganze Länder vernichtet haben soll. Merrick und seinem Team läuft die Zeit davon.


Kritik:
Der Inhalt dieser ProSieben-Ko-Produktion hört sich doch ansich nicht schlecht an: Feuer, Action, Dramatik. Dazu erfahrene Darsteller wie Wes Studi und D.B. Sweeney – was sollte da schiefgehen?

Nun ja, vielleicht wäre es von Vorteil gewesen, einen Autor zu engagieren, der etwas von seinem Fach versteht. Desweiteren wäre es nicht verkehrt gewesen, dem Film einen einheitlichen Look zu geben – hin und wieder wird der Zuschauer mit pseudo-dokumentarischer Wackelkamera auf ein visuelles Karussell geschickt, dann versuchen es die Macher mit künsterlisch anspruchsvollen Szenen und Einstellungen.
Nicht zuletzt wird die interessante Action-Story auf drei Stunden aufgebläht und zwischen all der Hektik finden die Charaktere immer noch genug Zeit für ein Schwätzchen mit halb-philosphischen Texten. Abgesehen davon, dass die Darsteller alle so lustvoll agieren, als hätten sie geahnt, was für ein Pfuschwerk am Ende herauskommen würde.

Dieselbe Story (mit einem überarbeiteten Drehbuch) in den Händen eines fähigen Regisseurs, großem Budget und sympathischen Darstellern hätte das Zeug zu einem unterhaltsamen, anspruchslosen aber enorm spannenden Film im Stile von Backdraft [1991] gehabt. So war es tödliche Langeweile gepaart mit dummdämlichen Charakteren und mehr Längen als Action dazwischen.

Das Drehbuch kupfert bei so ziemlich allen bisher dagewesenen Katastrophenfilmen die schlimmsten Klischees ab, angefangen von dem traumatisierten Piloten, der sich erneut beweisen muss, der Gruppe Jugendlicher, die im Wald gefangen werden (verständlicherweise werden sie von dem Klassenschwächling, auf dem alle herumhacken, gerettet – sein große Liebe findet er dabei auch noch), dem Anfänger bei den Feuerspringern, der jeden noch so dummen Fehler begeht, und da Wes Studi einen Indianer mimt dürfen auch die alten Weisheiten seines Stammes nicht fehlen (inklusive "dies ist mein Land; das Feuer muss man respektieren", etc.).

Dass dabei haarsträubende Fehler eingebaut sind, entgeht den meisten Zuschauern angesichts der computergenerierten Flammen: stundenlang laufen die Jugendlichen im Wald umher, in einem Gebiet, das schon lange in Flammen untergehen sollte, aber bis auf Rauch ist nichts zu sehen. Urplötzlich werden sie dann auch eingeschlossen – kein Wunder, wenn man ständig an denselben Bäumen vorbeiwandert. Trotz des dichten Rauchs bleibt ihnen noch genug Zeit, die Sterne zu beobachten, die sie eigentlich gar nicht sehen dürften. An einen Mundschutz, damit sie nicht an einer Rauchvergiftung sterben würden, denken sie gar nicht; immerhin handelte es sich bei den Dreharbeiten ja nicht um echten Feuerrauch.
Nachdem eine Ladung des Feuerlöschflugzeugs daneben gegangen ist, eilen die Piloten zurück zur Basis, und laufen dann gemächlich schwatzend über den Parcours – von Eile oder Betriebsamkeit, keine Spur. Auch wenn sich die Piloten in der Maschine befinden, oder sich Anziehen ist immer genug Zeit für ein paar dämliche Dialoge – sonst würde der Film wohl "langweilig"! Hauptcharakter Merrick ist von einer Minute zur nächsten urplötzlich frisch rasiert – obwohl er nur vom Flugzeug zum Hangar gelaufen ist (vielleicht der jüngste Schrei bei Piloten).
Die Feuerspringer, die verständlicherweise von den Flammen eingeschlossen werden, retten sich unter ihre feuerfesten Schutzfolien – dennoch flattern die Dinger (wenn die Kamera die Gesichter der Leute zeigt) so sehr, dass man im Hintergrund stets die Flammen sehen kann – kein Wunder also, dass viele sterben. Sogar Metall-Flaschen und Funkgeräte werden von der Hitze unter der Folie versengt, ein Photo übersteht den Brand jedoch fast unbeschadet – von den Augen, der Haut oder Lunge der Leute, ganz abgesehen.
Der Höhepunkt des Films soll sicherlich der Einsatz der Vakuumbombe sein, deren Sinn es ist, die Luft über einem Brandherd abzuziehen, damit die Flammen keinen Sauerstoff zum Brennen haben, eigentlich eine interessante Idee. Gesagt, getan: Die Flammen sind aus, doch die Menschen, die sich genau im Zentrum der Bombe befanden, hatten nie Probleme, Luft zu holen.

Wie man anhand dieser Auflistung sehen kann, konnte mich Superfire überhaupt nicht überzeugen – ausgewalzt auf drei Stunden mit völlig überflüssigen Sequenzen war der Film zäher als normale Nerven ertragen können. Die Spezialeffekte waren zwar meistens in Ordnung, aber eben doch oft zum Beispiel als Computergrafik erkenntlich. Peinlich wirkten (neben den Darstellern) die aus Nachrichtensendungen mitgeschnittenen Real-Aufnahmen von Feuern, die eine völlig anderes Aussehen (Farbe und Schärfe des Bildes) besaßen und sofort als externe Quelle auszumachen waren. Mit einem Wort: billig.
Die anderen Effekte, die Matte-Paintings und die Feuer wirkten wirklich gut, am schwächsten waren hier eindeutig die Flugzeug-Szenen.

An der Inszenierung scheiden sich sicherlich die Geister, zum Teil sind manche Sequenzen ruhig und interessant inszeniert, bei anderen kommt einfach keine Spannung auf. Verwackelt und dann wieder langsam mit vielen Zeitlupen versucht der Film sich einen (dokumentarisch-) künstlerischen Anspruch zu schaffen, der überhaupt nicht zu ihm passt.
Auch die Musik konnte sich nicht zwischen Synthesizer-Schlagzeug und atmosphärischem Geschwebe entscheiden.

Schlichtweg peinlich waren durch die Bank die Darsteller – zusammen mit der deutschen Synchronisation markiert das derzeit einen Tiefpunkt bei den ProSieben-Ko-Produktionen. Gedeon Burkhard beweist eindrucksvoll, dass er eben doch kein Darsteller für solch eine Rolle ist, seine Eigensynchronisation ist dagegen manchmal schon wieder unfreiwillig komisch. D.B. Sweeney hat nicht zuletzt mit der hervorragenden Serie C-16: FBI [1997-1998] gezeigt, dass er ein sehr guter Darsteller ist. In Superfire wirkt er einerseits aufgeschwemmt und andererseits, als hätte er seinen Gesichtsmuskeln Urlaub gegeben. Eine mimische Reaktion suchte ich in den drei Stunden vergebens. Auch der Rest der Crew, sei es Chad Donella, der außer apathisch Glotzen nichts zu tun vermag, wirkt völlig fehl am Platz.

Im ersten Teil wurde man immer auf den zweiten vertröstet, wenn man auf Actionszenen gewartet hat – doch als der letzte Teil des Fernsehfilms dann endlich losflimmerte wurde schnell klar, dass sich an den dummen Dialogen, der langsamen Erzählweise und den unüberlegten Schnittfolgen nichts geändert hat. Die Action wird durch überflüssige Sequenzen auseinandergerissen – 70 Minuten kürzer wäre der Film vielleicht unterhaltsam gewesen, so war ich jede Minute versucht, umzuschalten. Das Schlimme dabei ist: man hätte die Schwafel-Szenen problemlos herausnehmen können, ohne etwas von der Haupthandlung zu kürzen!


Fazit:
Wer bei Superfire einschaltet sollte einen Eimer Wasser bereithalten, um den drohenden Kurzschluss im Gehirn des Zuschauers bekämpfen zu können – bei den Dialogen und der nicht vorhandenen Schauspielkunst ist das nicht ausgeschlossen.
Für Trash zu aufwendig, für richtige Unterhaltung zu banal und schlecht. Zumindest ist der Film innerhalb seines Genres der verpatzten und überflüssigen (Fernseh-)Katastrophenfilme nicht allein. Zum Leidwesen des Zuschauers!


Treffpunkt: Kritik empfiehlt TEUFEL LAUTSPRECHER GmbH – für den perfekten Heimkino-Sound!
Ok. Treffpunkt: Kritik verwendet Cookies, um den Internetauftritt bestmöglich an die Besucher anpassen zu können.
Sofern Sie auf dieser Seite bleiben, stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung.