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Suburbicon – Willkommen in der Nachbarschaft [2017]

Wertung: 3 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 12. März 2018
Genre: Unterhaltung / Krimi / Drama

Originaltitel: Suburbicon
Laufzeit: 105 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 2017
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: George Clooney
Musik: Alexandre Desplat
Darsteller: Matt Damon, Julianne Moore, Noah Jupe, Oscar Isaac, Glenn Fleshler, Alex Hassell, Gary Basaraba, Jack Conley, Karimah Westbrook, Leith M. Burke, Tony Espinosa, Steve Monroe, Nancy Daly, Lauren Burns, Michael D. Cohen, Richard Kind


Kurzinhalt:

An der Oberfläche erscheint das beschauliche Suburbicon Ende der 1950er-Jahre wie das Muster einer amerikanischen Kleinstadt. Das Gras ist immer grün und die Nachbarn alle freundlich zueinander. Doch dann zieht die farbige Familie Mayers ein und bringt damit die Bewohner nicht nur der ganzen Straße auf die Barrikaden. Kurz darauf werden Gardner Lodge (Matt Damon), seine Frau Rose (Julianne Moore) und ihre Zwillingsschwester Margaret (Julianne Moore) zusammen mit Gardners Sohn Nicky (Noah Jupe) in ihrem Haus überfallen. Rose überlebt den Angriff nicht. Während Polizist Hightower (Jack Conley) ermittelt und Nickys Onkel Mitch (Gary Basaraba) seine Hilfe anbietet, verhält sich Gardner zunehmend seltsamer. Selbst der Vertreter von Rose’ Lebensversicherung, Bud Cooper (Oscar Isaac), ahnt, dass hier etwas nicht stimmt. Unterdessen eskalieren die Anfeindungen gegenüber den Mayers’ bis hin zu offener Gewalt …


Kritik:
Sieht man sich hinterher die Vorschau zu Suburbicon – Willkommen in der Nachbarschaft an, dann kommt einem unweigerlich die Frage in den Sinn, ob das der Film ist, den Regisseur George Clooney an sich machen wollte, und darauf aufbauend, was aus dem beworbenen Film geworden ist. Was anmutet wie eine skurrile, schwarzhumorige Satire vor dem Hintergrund der US-amerikanischen Vorstadtidylle der 1950er-Jahre, basierend auf einem Skript, das eindeutig die Handschrift der Brüder Ethan und Joel Coen (No Country for Old Men [2007]) trägt, ist stattdessen ein schleppend und konfus erzählter Schlamassel.

Dabei könnte alles so gut zusammenpassen. Im Jahr 1959 ist Suburbicon eine Musterstadt, in welcher der Traum des amerikanischen Eigenheims zusammen mit der perfekten Familie funktioniert. Alle Menschen lachen, jeder kennt sich, niemand verschließt seine Haustüre. Der Werbefilm zu Beginn spricht davon, dass jeder willkommen ist und was Suburbicon noch fehlt, „sind Sie“ – die Zuseher bzw. Zuseherinnen. Wie viel dieses schillernde Versprechen wert ist, sieht man, als die farbige Familie Mayers einzieht und sämtliche Nachbarn Sturm laufen gegen diese ‚Eindringlinge‘. Anfangs noch verhalten, steigert sich der gezeigte Fremdenhass im Lauf des Films immer mehr, bis er in einer regelrechten Belagerung des Hauses der Mayers‘ gipfelt.
Nur sind die Mayers nicht die Hauptfiguren von Suburbicon und ihre Erlebnisse spielen für den eigentlichen Plot auch keine Rolle. Filmemacher Clooney, der an der Vorlage mitschrieb, zeigt an der Art, wie die weiße Vorstadtbevölkerung mit dieser unbescholtenen Familie umgeht, die Verlogenheit und Fadenscheinigkeit der technicolorfarbenen Fassade. Aber dadurch, dass sie für die eigentliche Story nicht wichtig sind und am Ende nicht einmal einen Ausblick bekommen, wie es weitergeht, ist die gesamte Nebenhandlung vollkommen unnötig und zwecklos.

Im Zentrum der Erzählung stehen Gardner Lodge und seine Familie. Er lebt zusammen mit seiner, nach einem von Gardner selbst verschuldeten Autounfall, querschnittsgelähmten Frau Rose, ihrer Zwillingsschwester Margaret und seinem jungen Sohn Nicky im Haus neben den Mayers. Eines Abends brechen (weiße) Männer in das Haus ein und fesseln die Familie. Rose stirbt dabei an einer Überdosis Chloroform, mit dem die Familie betäubt wird. Daraufhin nimmt Margaret ihren Platz ein und während Nicky vermutet, dass die Erwachsenen ihm etwas verschweigen, kann er doch nicht genau sagen, was. Dafür freundet er sich mit dem gleichaltrigen Sohn der Mayers, Andy, an.
Dass an dem unterwürfigen Verhalten von Gardner gegenüber den Einbrechern etwas nicht stimmt, vermutet man als Zuseher dabei von Anfang an. Spätestens, wenn sich Gardner und Margaret weigern, die Mörder bei der Polizei im Rahmen einer Gegenüberstellung zu identifizieren, wird aus der Vermutung auch Gewissheit. Nur wie all das zusammenhängt, wird auch am Ende nicht komplett aufgelöst.

Anstatt Gardner entweder als trotteligen Versager, oder gar als kaltherzigen, berechnenden Mann zu etablieren, der alles und jeden opfern würde, um seine Ziele zu erreichen, verzichtet Suburbicon darauf, die Figur in irgendeiner Form zu definieren. Man erfährt nichts über seine Motivation, seinen Werdegang oder was überhaupt geschehen ist. Das wäre noch verständlich, wäre der Film aus Sicht von Nicky erzählt, der die Handlungen der Erwachsenen nicht begreift, doch so ist es nicht. Weite Teile begleitet man Gardner, ohne die Figur zu verstehen oder zu wissen, was er an sich erreichen will. Dann springt die Erzählung immer wieder zu den alltäglichen Diskriminierungen der Mayers zurück, ohne dass sie für die eigentliche Story von Relevanz wären. Es ist, als wollte Clooney einen Krimi in einer Satire mit gesellschaftlichem Kommentar zur Rassendiskriminierung erzählen. Aber statt die Elemente zu verbinden, präsentiert er sie nebeneinander. Ebenso zusammenhanglos ist das Ergebnis.
Insbesondere von Jungschauspieler Noah Jupe ist das zwar toll gespielt, während sich Matt Damon dabei angemessen im Hintergrund hält, scheinbar selbst nicht wissend, welche Art Figur er darstellt. Doch all das vermag die verkorkste Story nicht zu retten.

Die Blu-ray-Veröffentlichung von "Concorde Home Entertainment" bietet neben dem Film in erstklassiger Bild- und Tonqualität (letztere in deutscher und englischer Sprache in DTS-HD Master Audio 5.1) als Extras drei insgesamt erfreulich umfangreiche Featurettes sowie Trailer zum Film. Auch ein Audiokommentar von Regisseur George Clooney und Ko-Autor Grant Heslov ist mit an Bord, der allerdings keinen Aufschluss hinsichtlich der angebrachten Kritikpunkte bietet und zu dem bedauerlicherweise keine Untertitel angeboten werden. Jedoch fehlen leider erweiterte oder entfernte Szenen. Dass es hiervon keine gibt, fällt schwer zu glauben, immerhin werden einige Zusammenhänge innerhalb des Films nur kurz angesprochen, so dass die Vermutung bleibt, es gibt noch weiteres Material. Fans des Films machen mit der Blu-ray jedoch nichts falsch.


Fazit:
Zu sehen, wie die Familie Mayers in dem augenscheinlich so idyllischen Suburbicon zunehmend terrorisiert wird, ist erschreckend, aber es sind Szenen, die ohne Auswirkung bleiben, weil die Familie selbst keinen Bezug zur eigentlichen Geschichte hat. Diese dreht sich um einen Einbruch, der vielleicht gar keiner war und ein Mord, der einem anderen Zweck dienen könnte. Nur soll das Verbrechen gar nicht aufgeklärt werden und gerät Hauptfigur Gardner Lodge immer tiefer in den Würgegriff von Schlägern der Mafia, dann weiß man, ohne die Hintergründe zu erfahren, gar nicht, ob man mit ihm mitfiebern sollte, oder nicht. Suburbicon – Willkommen in der Nachbarschaft ist handwerklich tadellos dargebracht und es mag sich wie eine interessante Idee anhören, eine zynische Gesellschaftssatire mit einem schwarzhumorigen Krimi samt dem Thema der Rassendiskriminierung zu kombinieren. Nur gelingt es Regisseur George Clooney am Ende leider nicht, all das zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenzufügen.

Blu-ray-Wertung:
5 von 6 Punkten
Suburbicon – Willkommen in der Nachbarschaft ist ab 22. März 2018
als DVD, Blu-ray und digital bei Concorde Home Entertainment erhältlich!
 


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