skip to content

Stirb langsam [1988]

Wertung: 6 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 14. Dezember 2002
Genre: Thriller / Action

Originaltitel: Die Hard
Laufzeit: 130 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1988
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: John McTiernan
Musik: Michael Kamen
Darsteller: Bruce Willis, Bonnie Bedelia, Alan Rickman, Reginald VelJohnson, William Atherton


Kurzinhalt:
Am Weihnachtsabend fliegt der New Yorker Polizist John McClane (Bruce Willis) nach Los Angeles, um seine Frau Holly (Bonnie Bedelia) zu besuchen. Zusammen mit den Kindern lebt sie schon einige Monate in der Stadt der Engel und hat vor den Feiertagen einen profitbringenden Deal für ihre Firma abgeschlossen. Doch schon kurz, nachdem John bei der Weihnachtsfeier im 30. Stock erschienen ist, nehmen Terroristen die Partygäste als Geiseln – in einem kurzen Moment kann John entwischen und sieht sich allein einer fast 50 Mann starken Armee von Verbrechern gegenüber.
Ihr Anführer Hans Gruber (Alan Rickman) schreckt vor nichts zurück, um sein Ziel zu erreichen: 600 Millionen Dollar, die in einem gut geschützten Safe liegen.
Nicht nur, dass Holly unter den Geiseln ist, McClane hat nicht einmal die Polizei, die vor dem 40-Stockwerke hohen Gebäude in Stellung gegangen ist, auf seiner Seite. Einzig Sgt. Al Powell (Reginald VelJohnson) glaubt an ihn.


Kritik:
Es gab eine Zeit, in der Blockbuster nicht als solche angepriesen wurden, sondern erst nach ihrer Veröffentlichung diesen Namen verdienen mussten. Filme, die es nicht nötig hatten, dass man mit Plakaten und TV-Sendungen, mit unzähligen Werbespots und Artikeln in jeder Zeitschrift, dafür werben musste. Eine Zeit, in der Filme die Stars gemacht haben, und nicht fünf überbezahlte Filmstars einen durchschnittlichen Film.

Diese Ära begann um das Jahr 1985 herum, als unter anderem Zurück in die Zukunft [1985] und Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis [1987] in die Kinos kamen. Terminator 2 – Tag der Abrechnung [1991] gehört ebenso dazu, wie die ersten beiden Teile der Stirb langsam-Trilogie. Es war eine Reihe guter, unterhaltsamer und vor allem zeitloser Filme, die ihr Potential ausschöpften und den Zuschauer nicht enttäuschten, sondern ihn auf eine unvergessliche Reise mitnahmen.
Nach Jurassic Park [1993] nahm das Ganze mehr oder weniger ein Ende und seither werden die Zuseher immer wieder nach großen Ankündigungen der Filmemacher im Regen stehen gelassen mit unglaubwürdigen Geschichten, überzeichneten Helden oder einer durchschnittlichen Inszenierung.

Stirb langsam folgten nicht nur zwei Fortsetzungen, sondern auch zahlreiche Kopien oder Plagiate in Kino- und Fernsehfilmen (z.B. Alarmstufe: Rot [1992]) – der Film begründete in gewissem Sinne sein eigenes Genre.
Grund für die große Popularität des Films, auch nach 15 Jahren noch, ist das energiereiche Zweigespann aus dem Cop McClane und dem kongenialen Bösewicht Hans Gruber.
Nicht nur, dass sich die Darsteller ein Feuerwerk an schauspielerischen Höchstleistungen liefern, auch das Drehbuch gibt ihnen genug Szenen, Momente und Dialoge, um ihr wahres Können zu zeigen.
Dreh- und Angelpunkt der Story ist das 40-Stockwerke hohe Haus, das in Wirklichkeit vom Fox Plaza "gedoubelt" wurde, und in dem sich die Terroristen mit McClane einen Showdown der besonderen Art liefern.
Auf Grund der klaustrophobischen Verhältnisse wird der Zuschauer von Anfang an in das Geschehen gezogen, das Tempo des Films steigert sich nach einem ruhigen Anfang zusehends und wird nach der Geiselnahme atemberaubend.

Dass das Drehbuch ursprünglich von Autor Steven E. de Souza als Fortsetzung zu Das Phantom Kommando [1985] gedacht war, fällt nicht auf; erst, als Arnold Schwarzenegger aus dem Projekt ausstieg, wurde der Die Hard-Film dafür in Betracht gezogen.
Basierend auf dem spannenden Roman von Roderick Thorp entwickelt sich die Geschichte in nachvollziehbaren Schritten und überfrachtet den Zuschauer nicht mit hanebüchenen Actionszenen.
Sicherlich sind viele Ideen aus Stirb langsam nicht sehr logisch, aber nie so absurd, dass man den Kopf schütteln möchte.
Der Charakter von John McClane wird als normaler Mensch, nicht unbedingt sehr sympathisch präsentiert; er hat Fehler, dumme Eigenschaften und einen unüberwindbaren Dickkopf. Doch gerade seine Kanten sind es, die ihn dem Zuschauer nahebringen, die ihn mit ihm mitfühlen und mitfiebern lassen, wenn er von Terroristen eingekreist in einem Stockwerk festsitzt.
Viele Wendungen und Überraschungen machen den Film ebenso sehenswert, wie sein unverkennbarer Inszenierungsstil.

Regisseur John McTiernan setzte absichtlich auf den aus Europa stammenden Kameramann und späteren Regisseur Jan De Bont (Speed [1994], Twister [1996]), der hier eine seiner beeindruckendsten Arbeiten abliefert. Fast schon altmodisch inszeniert mit interessanten Einstellungen, vielen Flares und übersichtlichen Kamerafahrten, besitzt der Film eine Zeitlosigkeit, die viele neuere Filme vermissen lassen.
Auch nach 15 Jahren noch könnte der Film fast gestern gedreht worden sein, weder am Aussehen der Charaktere, noch der Ausstattung würde man es ihm ansehen.
Der Film erinnert in vielen Szenen an Western aus den 60er Jahren, vor allem aufgrund der direkten Inszenierung, doch gerade die sehr gut vorbereiteten und hervorragend inszenierten Actionszenen reißen den Zuschauer vom Sitz und spielen ihm ein verschmitztes Lächeln auf die Lippen.

Untermauert von dem starken Drehbuch und eingerahmt von der tollen Inszenierung und dem makellosen Schnitt, vermag es gerade Komponist Michael Kamen, mit seiner umwerfenden Musik, den Film zu veredeln.
In einen actionbepackten Thriller die "9. Synphonie" und speziell "Freude schöner Götterfunken" von Ludwig van Beethoven zu entleihen, mag auf den ersten Blick tollkühn erscheinen, wurde jedoch zurecht innerhalb kürzester Zeit Kult und macht den Soundtrack damit nicht nur zeitlos, sondern zu einem wahren Hörgenuss auch außerhalb des Films.

Michael Kamen bringt durch seine Musik sowohl die Szenen, als auch die Darsteller zur Geltung, die wiederum den Film zu etwas Besonderem machen:
Bruce Willis, damals noch eher unbekannt, verkörpert den Helden wider Willen mit einer Intensität, wie wenn ihm die Rolle auf den Leib geschrieben wäre.
Ihm gegenüber steht Alan Rickman, als einer der besten Filmschurken aller Zeiten. Bestimmt, aber immer höflich und vornehm spielt er den im Film aus Deutschland stammenden Terroristen Hans Gruber. Auch wenn das von ihm gesprochene Deutsch in der Originalfassung nicht wirklich überzeugen kann, sein deutscher Akzent ist ebenso glaubwürdig, wie sein amerikanischer in einem der Höhepunkte des Films – und das, obwohl der Darsteller aus England kommt.
Interessanterweise ist eigentlich Rickman der Hauptcharakter des Films, er gibt die Geschwindigkeit vor und veranlasst alle Aktionen. McClane ist derjenige, der im Großteil des Films "nur" reagieren muss. Ein ungewohntes Vorgehen, das den Machern des Films Kopfzerbrechen bereitete, da das Studio damit anfangs nicht einverstanden war.

Den beiden Hauptdarstellern stehen eine Vielzahl sehr guter Nebencharaktere bei, die sie bei ihrer Arbeit unterstützen und nahtlos in den Film einpassen.
Bonnie Bedelia
als McClanes Frau ist nicht nur clever, sondern bildet auch einen ruhigen Gegenpol zu Johns unbedachter Handlunsweise. Reginal VelJohnson hat hier eine seiner besten Rollen, in der er als Straßenpolizist in einer außergewöhnlichen Situation vollends überzeugen kann. William Atherton als schmieriger Reporter sorgt für Aufheiterungen und einige unerwartete Wendungen im Film.

In Deutschland wurde der Film einigen gravierenden Änderungen unterzogen. Die aus Deutschland stammenden Terroristen sind in der synchronisierten Fassung "Europäer". Der Charakter Hans Gruber wurde in Jack Gruber umbenannt und viele, deutlich vulgärere Ausdrücke, sind hierzulande stark entschärft worden.
Darüber hinaus wurde Stirb langsam erst vor einigen Monaten von "Nicht unter 18 Jahren" auf "Ab 16 Jahren" von der FSK heruntergestuft. Angesichts des Themas und der Gewaltdarstellung völlig unverständlich.

Dem Film ansich schadet all dies jedoch nicht; er lebt von coolen Sprüchen, rasanter Action und einer Helden-Bösewichts-Beziehung, die ihresgleichen sucht.
Man kann sich gar nicht oft genug bedanken, dass Richard Gere, der ursprünglich für die Rolle des John McClane gehandelt wurde, letztendlich nicht genommen wurde.

"Yipee-ki-yay" ist einer der Sprüche, die Zuschauern am ehesten in Erinnerung bleiben werden, und der in allen drei Stirb langsam-Filmen zu hören ist.
Aufgrund des ungewöhnlichen Zeitrahmens des Films, dem Weihnachtsabend, bietet er vielleicht nicht die ideale Einstimmung auf die Feiertage, insbesondere vor dem Hintergrund terroristischer Aktivitäten der letzten Jahre, aber einen unterhaltsameren und spannenderen Weihnachtsfilm für Actionfans kann es eigentlich nicht geben.

Bis heute ist es keinem Film gelungen, an die Originalität, den Thrill, die Spannung oder die lebendigen Charaktere von Die Hard heranzukommen, und das haben schon sehr viele versucht.
Auch Bruce Willis und Regisseur John McTiernan gelang es nie wieder, einen derart einprägsamen, kultverdächtigen und makellosen Film zu drehen; die Fortsetzungen der Reihe sind dabei nicht ausgenommen.
Mit einem Budget von 28 Millionen Dollar spielte der Film allein in den USA 81 Millionen wieder ein, weltweit sogar 140 Millionen. Wenn man bedenkt, was derselbe Film, mit derselben Besetzung wahrscheinlich heute kosten würde, muss man sich fragen, ob trotz erheblicher Mehrkosten letztendlich wirklich ein besserer Film herauskommen würde? Oder ob er nur neuer, teurer und aufdringlicher wäre...


Fazit:
Völlig zurecht sehen nicht nur Fans diesen Film als schlicht den Actionfilm aller Zeiten an.
Mit einer intelligenten Story, die viele Überraschungen bietet, Bruce Willis als sympathischer Held wider willen und Alan Rickman als einer der besten Filmbösewichte, die es je gegeben hat, sichert sich Stirb langsam den Thron als zeitloser, perfekt gemachter und schweißtreibend spannender Action-Thriller für Erwachsene, den man auf keinen Fall verpassen darf.
Ein Meisterwerk.


Treffpunkt: Kritik empfiehlt TEUFEL LAUTSPRECHER GmbH – für den perfekten Heimkino-Sound!
Ok. Treffpunkt: Kritik verwendet Cookies, um den Internetauftritt bestmöglich an die Besucher anpassen zu können.
Sofern Sie auf dieser Seite bleiben, stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung.