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State of Play - Stand der Dinge [2009]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 08. Juli 2009
Genre: Thriller

Originaltitel: State of Play
Laufzeit: 127 min.
Produktionsland: USA / Großbritannien / Frankreich
Produktionsjahr: 2009
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Kevin Macdonald
Musik: Alex Heffes
Darsteller: Russell Crowe, Ben Affleck, Rachel McAdams, Helen Mirren, Robin Wright Penn, Jason Bateman, Jeff Daniels, Michael Berresse, Harry Lennix, Josh Mostel, Michael Weston, Barry Shabaka Henley, Viola Davis, David Harbour, Tuck Milligan, Maria Thayer


Kurzinhalt:
Auch für den berichtenden Journalisten Cal McAffrey (Russell Crowe) scheint es ein gewöhnlicher Überfall, dem zwei Männer in Washington zum Opfer fielen. Einer ist bereits tot, der andere schwebt in Lebensgefahr im Krankenhaus. Doch ehe er sich in die Story einarbeiten kann, kommt die Assistentin Sonia Baker (Maria Thayer) des Kongressabgeordneten Stephen Collins (Ben Affleck) ums Leben. McAffrey ist noch aus Studienzeiten mit Collins befreundet und als Gerüchte über eine Affäre des verheirateten Abgeordneten mit der Verstorbenen in der Presse auftauchen, bittet ihn der Politiker um Hilfe.
Cals junge Kollegin Della Frye (Rachel McAdams) recherchiert mit seiner Hilfe weiter bezüglich Sonias Tod und stößt auf Ungereimtheiten. Immer mehr verdichten sich die Anzeichen, die private Sicherheitsfirma PointCorp, gegen die Collins ermittelt, spiele eine Rolle. Dann wird auch McAffreys Vorgesetzte Cameron Lynne (Helen Mirren) unter Druck gesetzt und die gemeinsame Vergangenheit von Collins Ehefrau Anne (Robin Wright Penn) und McAffrey belastet die gesamte Untersuchung. Je näher die Journalisten den Zusammenhängen um die Todesfälle kommen, umso mehr geraten sie selbst ins Visier ...


Kritik:
Wenn Russell Crowe angesichts eines Söldners, der seinen Recherchen nach mehrere Menschenleben auf dem Gewissen hat, panikartig die Flucht ergreift, anstatt den Schurken zu stellen, wird deutlich, dass der neuseeländische, charismatische Darsteller nicht die typische Heldenrolle verkörpert, die man mit ihm in Verbindung bringt. Im Gegenteil, Cal McAffrey ist ein Journalist, der seinen Beruf zur Berufung gemacht hat und ganz egal, wie er sich erklären will, in jeder Situation an einer Story feilt. Auch wenn sie seinen ehemaligen Studienfreund Stephen Collins, erstaunlich vielschichtig verkörpert von einem engagierten Ben Affleck, zum Kern hat. Diesbezüglich helfen McAffrey auch die Beteuerungen nicht weiter, er wolle seinem Freund helfen. Ein gewisser Eigennutz scheint jeder seiner Entscheidungen anzuhaften.
Eher zufällig stolpert der erfahrene Reporter über eine Intrige, die im ersten Moment zu weitreichend scheint, als dass sie wahr sein könnte. Doch von Verdachtsmomenten abgesehen fehlen McAffrey und seiner Kollegin Della Frye, die beinahe schon ein wenig zu naiv, wenn auch überzeugend von Rachel McAdams gespielt wird, handfeste Beweise, welche die private Sicherheitsfirma PointCorp mit dem Tod von Collins Assistentin Sonia Baker in Verbindung bringt. Dass die Journalisten in State of Play dabei deutlich mehr Befugnisse zu besitzen scheinen, als in der Realität, ist wohl dem Thrillerelement zuzuschreiben. Auch dass hier ohne mit der Wimper zu zucken Beweisstücke der Polizei vorenthalten und die Ermittlungen der Polizisten gar nicht beleuchtet werden, mag den Zuschauern schwer im Magen liegen, die sich den komplexen Verschwörungsthriller noch ein bisschen realistischer gewünscht hätten.

Die Geschichte basiert auf der britischen Miniserie Mord auf Seite eins [2003] und wurde von sage und schreibe drei Drehbuchautoren für die US-Kinofassung adaptiert. Allein auf Grund der Verstrickungen der Figuren untereinander leidet an der kürzeren Laufzeit vor allem der Hintergrund der Charaktere. Denn auch wenn man Einiges über das Dreiergespann McAffrey, Stephen und Anne Collins erfährt, selbst der Werdegang von Russell Crowes Figur bleibt einem vorenthalten. Den Handlungen der Figuren und den politischen Vernetzungen wird mehr Zeit beigemessen, als den Charakteren selbst. Das ist an sich kein Kritikpunkt, doch gelingt es einem als Zuschauer darum nicht so gut, eine Beziehung zu den Figuren aufzubauen. Dafür wirkt Cal McAffrey zu kühl und berechnend, Della Frye zu unerfahren und Stephen Collins auf Grund seines Fehltritts zu unnahbar. Dass es keinen Beteiligten ohne Ecken und Kanten gibt, macht die Personen dafür glaubwürdig.
Die Story des Politthrillers und die verschiedenen Wendungen innerhalb der Untersuchung zeichnen State of Play dafür aus. Es geschieht nicht oft, dass aktuelle Hollywood-Filme in den Kinos zu sehen sind, bei denen man die nächste Szene nicht erahnen oder vorhersehen kann. Regisseur Kevin Macdonald ist dieses kleine Kunststück gelungen. Er kleidet den Film nicht übertrieben in düstere oder schmutzige Bilder, oder verzerrt die Geschichte durch zu helle Farben oder zu glatte Oberflächen. Vielmehr gelingt es ihm mittels einer oft verwendeten Handkamera, einen dokumentarischen Stil einzubringen, der zusammen mit den überzeugenden Orten (darunter ein nicht einmal übertrieben überfrachteter Arbeitsplatz von Journalist McAffrey) der Geschichte Leben einhaucht. Dass die wenigen Actionmomente keine wirkliche Handlung von den Protagonisten erfordern, sie statt zur Waffe zu greifen lieber in Deckung gehen, macht sie außerdem für den Zuseher greifbar. State of Play, dessen Titel womöglich auch auf die Aktualität der im Film gezeigten Diskussionen um die Auslagerung der militärischen Verantwortung an private Sicherheitsunternehmen unterstreichen soll, entpuppt sich überraschenderweise als wortstarker und intelligenter Thriller über ein Thema, das in der Öffentlichkeit zumindest in Europa gerne ignoriert wird. Die Wahrnehmung hierfür bei den Zuschauern zu wecken ist dem Drehbuch gut gelungen.

Dass sich die Macher dabei künstlerische Freiheiten nehmen, ist unbestritten. Und auch die letzte Wendung im Film, die zu guter Letzt von der Diskussion um die fiktive Firma PointCorp ablenkt, war nicht wirklich notwendig. Ein radikaleres und damit tragischerweise realistischeres Ende, wäre ebenso angebracht gewesen. Nichtsdestotrotz verpackt Kevin Macdonald die Geschichte in einen für aufmerksame Zuschauer komplexen und spannenden Thriller, der immer wieder neue Details aufdeckt, wenn man glaubt, die Zusammenhänge durchschaut zu haben.
Die musikalische Untermalung durch Alex Heffes tut ihr Übriges, um hierzu beizutragen und die Darsteller sind allesamt engagiert genug, um ihre Figuren zum Leben zu erwecken. Russell Crowe gibt sich dabei mehr charmant als charismatisch, während Robin Wright Penn und Helen Mirren ihre Charaktere routiniert verkörpern. Jeff Daniels überrascht durch seine undurchsichtige Darbietung, während Jason Bateman eine ungewohnte Seite zeigt.
Wer sich darauf einlässt, bekommt einen aktuellen und darum auch brisanten Politthriller gezeigt, der dank des realistischen Hintergrundes überzeugt. Nur sollte man von der ersten Minute an aufmerksam bleiben, um bei den vielen unterschiedlichen Namen und Charakteren nicht aus der Bahn zu geraten.


Fazit:
Mit einer preisgekrönten Miniserie als Vorlage, einer Darstellerriege, die für gewöhnlich viel zu kostspielig ist, als dass eine einzelne Produktion sie sich leisten könnte und Kevin Macdonald (Der letzte König von Schottland - In den Fängen der Macht [2006]) als Regisseur, überrascht es nicht, dass State of Play auf Grund der packenden und sich ständig neu entfaltenden Geschichte die Zuschauer in seinen Bann zieht.
Die Spannung zieht der Thriller dabei hauptsächlich aus der Unvorhersehbarkeit der Geschichte, bei der auch nie klar wird, wer denn die Auftraggeber der Ermordungen sind. Die Zusammenhänge erschrecken nicht zuletzt, weil sie nicht fernab der Realität sind und auch die Diskussion, die State of Play um die Privatisierung des öffentlichen Sicherheitssektors anstößt, ist nicht von der Hand zu weisen.
Dadurch wird der Film für diejenigen Zuschauer interessant, die sich auch mit aktuellen Themen beschäftigen wollen und bereit sind, mitzudenken. Angesichts der komplexen Verstrickungen und der vielen Figuren ist Aufmerksamkeit vom ersten Moment an Pflicht. Dafür entschädigen eine durchdachte und spannend dargebrachte Story und gut gelaunte Darsteller, die daran wohl ebenso Gefallen gefunden haben.


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