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Starship Troopers [1997]

Wertung: 6 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 16. September 2009
Genre: Science Fiction / Action / Komödie

Originaltitel: Starship Troopers
Laufzeit: 129 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1997
FSK-Freigabe: nicht unter 18 Jahren

Regie: Paul Verhoeven
Musik: Basil Poledouris
Darsteller: Casper Van Dien, Dina Meyer, Denise Richards, Jake Busey, Neil Patrick Harris, Clancy Brown, Seth Gilliam, Patrick Muldoon, Michael Ironside, Rue McClanahan, Marshall Bell, Brenda Strong


Kurzinhalt:
Die Menschheit ist auf ihrer Erkundung des Weltalls auf riesige, insektenartige Wesen, die Bugs gestoßen. Mit ihnen ist ein erbitterter Kampf entbrannt, den es unter allen Umständen zu gewinnen gilt. Insbesondere, als die Bugs einmal mehr die Erde in großen Teilen verwüsten. Um in der militaristischen Gesellschaft anerkannt zu werden und um seine Bürgerpflicht zu tun, meldet sich der Schulabsolvent Johnny Rico (Casper Van Dien) beim Militär. Seine Freundin Carmen Ibanez (Denise Richards) zieht es hingegen zu den Piloten. Nach der zermürbenden Grundausbildung durch Sergeant Zim (Clancy Brown) trifft der Infanterist Rico mit seinen Kameraden schließlich zum ersten Mal auf die Bugs.
Nach der enttäuschenden Niederlage, die Hunderttausende das Leben kostet, organisiert sich das Militär neu. Und während die Hierarchie der Bugs ausgelotet und nach einem Über-Bug gesucht wird, der die übrigen lenkt, wird Ricos neue Einheit unter der Leitung seines ehemaligen Geschichtslehrers Rasczak (Michael Ironside) auf ein Himmelfahrtskommando geschickt ...


Kritik:
Wenn der Geschichtslehrer im Unterricht über das Scheitern der Demokratie sinniert, oder festhält, dass man am Beispiel von Hiroschima erkennen könne, dass Gewalt jeden Konflikt lösen könne, müssten sich einem an sich vor Entsetzen die Nackenhaare aufstellen. In Starship Troopers veranschaulicht Regisseur Paul Verhoeven so auf rasante Art, wie die von ihm dargestellte, militaristische Gesellschaftsform in der Zukunft funktioniert. Es bleibt einem als Zuschauer nicht viel Zeit, Luft zu holen, denn worauf sein Science Fiction-Feuerwerk abzielt wird spätestens dann deutlich, wenn in Nachrichtenbeiträgen im Film Kindern Waffen in die Hand gedrückt werden und auch diese zum Dienst in der Armee aufgerufen werden. Oder wenn der Soldat, der für die Einteilung der neuen Rekruten verantwortlich ist, stolz verkündet, die Infanterie habe aus ihm den Mann gemacht, der er heute ist – und man wenig später sieht, dass er nicht nur einen Arm, sondern auch beide Beine verloren hat. Diese satirischen Elemente, die eine militärisch organisierte Gesellschaft vorführen und die Zuschauer vor den Kopf stoßen sollen, sind bisweilen überraschend subtil eingebaut, stellenweise aber so offensichtlich, dass es auch dem letzten Zuseher auffallen muss. Insofern nutzt Starship Troopers die Hintergrundgeschichte, um eine anti-militaristische Aussage zu unterstreichen. Gerade in jenen Nachrichtenbeiträgen verstecken sich dabei so viele bissige Kommentare der Filmemacher, dass man sich fragen muss, wie ein solcher Film in den USA überhaupt produziert werden konnte. Beispielsweise wird das Banner der militärischen Föderation im Verlauf des Kampfes gegen die Bugs immer düsterer und die zugrunde liegende Fanfarenmusik immer tragischer. Gleichzeitig werden Gewaltdarstellungen gegen Tiere mit schwarzen Balken zensiert, Gewalt gegen Menschen hingegen frei gezeigt – und eine öffentliche Hinrichtung live auf allen Sendern ausgestrahlt. Dieser überaus zynische Blick auf eine Medienlandschaft, welche die Massen manipuliert, erinnert frappierend an RoboCop [1987], für den ebenfalls Verhoeven auf dem Regiestuhl Platz nahm. In beiden Fällen war auch Edward Neumeier für das Drehbuch verantwortlich, der bei Starship Troopers die Romanvorlage von Robert A. Heinlein in ihrer an sich pro-militärischen Kernaussage umdrehte und damit viele Fans des Buches vor den Kopf stieß.

Die eigentliche Geschichte entpuppt sich dabei als nicht so wichtig wie die Art und Weise, wie sie erzählt wird. Anhand der jungen Clique an Schulabgängern, darunter der Sunnyboy Johnny Rico und die dauernd grinsende Carmen Ibanez, schildert das Skript den Werdegang von idealistischen, naiven Menschen in einem Militärregime, das seine Soldaten in einem Konflikt als Kanonenfutter opfert. Der Ursprung der Auseinandersetzung wird dabei gerne verschwiegen und dessen Notwendigkeit bleibt zweifelhaft. Die gewollt austauschbaren Jungdarsteller wirken vordergründig wie Pappfiguren in der Militärausbildung, sollen damit jedoch genau jenes gesichtslose, sich wiederholende Schicksal junger Menschen verdeutlichen. Dabei macht Casper Van Dien seine Sache ganz ordentlich, während Denise Richards nicht so sehr überzeugt wie Dina Meyer. Neil Patrick Harris und Jake Busey lassen zwar keine Wünsche offen, doch heißen die heimlichen Stars Clancy Brown als einschüchternd charismatischer Ausbilder und Michael Ironside als gewissenlose und unnachgiebige Verkörperung jenes Militärregimes.
Die neuen Rekruten erleben nach einem Training, in dem ihnen ihre vermeintliche Überlegenheit gegenüber dem Feind eingebläut wird, wie der Kriegsalltag tatsächlich aussieht. Und auch nach den verheerenden Verlusten zeigt die Propagandamaschinerie ihre Wirkung und schweißt die Überlebenden noch stärker zusammen. Dann nutzt Regisseur Verhoeven auch die Gelegenheit, den Satiregehalt der zweiten Filmhälfte herunter zu fahren und stattdessen ein beispielloses Actionspektakel in den Mittelpunkt zu stellen. Dieses sucht auch nach über zehn Jahren immer noch seinesgleichen. Selbst im HD-Format auf der Blu-ray-Disc wirken die Spezialeffekt übergangslos, die Massenszenen mit Hunderten oder gar Tausenden Bugs bedrohlich und realistisch und auch in den vielen Kampfmomenten, in denen die Bugs in groß zu sehen sind, beeindrucken die fremdartigen Wesen auf eine erschreckende Art und Weise. Selbst die Weltraumschlachtsequenzen verblüffen durch Einstellungen, die man so bis dato nicht gesehen hat. Traurigerweise sehen viele Filme, die seither entstanden sind, merklich künstlicher aus. Die tadellose und exzellent geschnittene Inszenierung wird durch einen kräftigen, rhythmischen und eindrucksvollen Score von Basil Poledouris untermalt, dem hier das Kunststück gelingt, eine Musik zum Film zu erschaffen, die auch ohne die Bilder genauso mitreißt. So tröstet die packende Umsetzung des Films sogar über manch inhaltliche Absurdität hinweg.
Allerdings richtet sich Starship Troopers wie die meisten von Verhoevens Filme ausdrücklich an ein erwachsenes Publikum. Selbst Jugendliche bleiben bei dem äußerst brutalen und überaus makaberen Humor außen vor. Die FSK-Freigabe, die der Film seinerzeit erhielt ist nicht nur völlig gerechtfertigt, vielmehr verstehen auch viele volljährige Zuseher die satirische Kernaussage des Films nicht. An sich ein Jammer, denn genau dadurch hebt sich der Film von vielen anderen, lediglich als Splatterfilme ausgelegten Genrekollegen ab.


Fazit:
Mit Starship Troopers entfernt sich Regisseur Paul Verhoeven insbesondere in der Kernaussage sehr weit von der Romanvorlage. Dabei lockern die satirischen Elemente gerade die äußerst brutalen Gewaltdarstellungen auf. Wenn man sich als erwachsener Zuseher darauf einlässt, erwartet einen nicht nur ein Actionspektakel, das technisch so perfekt gemacht nicht noch einmal zu sehen war, sondern ein Science Fiction-Film, bei dem es auch beim wiederholten Anschauen Neues zu entdecken gibt, und der trotz seiner langen Laufzeit extrem kurzweilig ausfällt.
Ordentlich gespielt von einem Cast, der genau das darstellt, was er darstellen soll, handwerklich beeindruckend und spannend umgesetzt, bleibt Starship Troopers auch nach zwölf Jahren ein Meilenstein seines Genres. Dieser bleibt allerdings zurecht einem erwachsenen Publikum vorenthalten, das ohnehin mit den kritischen Untertönen eher umzugehen weiß, als jene leicht beeinflussbare Jugend, die hier gleichzeitig noch vorgeführt wird.


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