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Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht [2015]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 19. Dezember 2015
Genre: Science Fiction / Action / Thriller

Originaltitel: Star Wars: The Force Awakens
Laufzeit: 135 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2015
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: J.J. Abrams
Musik: John Williams
Darsteller: Daisy Ridley, John Boyega, Adam Driver, Oscar Isaac, Lupita Nyong'o, Andy Serkis, Domhnall Gleeson, Harrison Ford, Carrie Fisher, Mark Hamill, Peter Mayhew, Anthony Daniels, Max von Sydow, Gwendoline Christie


Kurzinhalt:

Beinahe 40 Jahre sind seit der Schlacht um den Waldmond Endor vergangen. Das Imperium wurde damals empfindlich getroffen und während die Rebellion die Neue Republik ausrief, formierte sich die größte Fraktion des Imperiums in der Ersten Ordnung und erstarkt seither zusehends. Während General Leia Organa (Carrie Fisher) nach ihrem verschwundenen Bruder Luke (Mark Hamill) suchen lässt, reist einer der Anführer der Ersten Ordnung, Kylo Ren (Adam Driver), auf den Wüstenplaneten Jakku, wo ein Hinweis auf Lukes Aufenthaltsort vermutet wird. Dort trifft der Droide BB-8, der wichtige Informationen besitzt, auf die Schrottsammlerin Rey (Daisy Ridley) und den desertierten Sturmtruppler Finn (John Boyega). Sie müssen BB-8 dem Widerstand der Neuen Republik übergeben, wenn es gelingen soll, die Erste Ordnung aufzuhalten. Doch deren Pläne sind viel weiter gediehen, als irgendjemand vermutet ...


Kritik:
Kann man eine Star Wars-Produktion wie jeden anderen Film beurteilen? Seit beinahe 40 Jahren ist die Geschichte der Jedi, dem finsteren Imperium und der unterlegenen Rebellion in den Köpfen und Herzen der Zuschauer überall auf der Welt verankert. Nach der Enttäuschung der von Schöpfer George Lucas selbst inszenierten Prequel-Trilogie waren die Ansprüche an eine wirkliche, offizielle Fortsetzung immens hoch. In Bezug auf das Flair, das Gefühl von Krieg der Sterne [1977], gelingt Filmemacher J.J. Abrams das Kunststück, die Fans zu versöhnen. Nur ein Aspekt von Das Erwachen der Macht bleibt hinter den hoch gesteckten Erwartungen zurück.

Wer mit dem Star Wars-Universum nichts anfangen kann (wo haben Sie die letzten Jahrzehnte gelebt?), wird sich in Episode VII kaum zurechtfinden. Die Story setzt Jahrzehnte nach den Ereignissen aus Star Wars: Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter [1983] an und erläutert nur in Grundzügen zu Beginn, was bislang geschah. Auch wenn die Rebellion den zweiten Todesstern zerstören konnte, die größte Fraktion des alten Imperiums, die sich die Erste Ordnung nennt, setzt unter der Leitung von einem Wesen namens Snoke der Neuen Republik stark zu. General Leia Organa glaubt, nur mit der Hilfe ihres verschwundenen Bruders Luke ein Gleichgewicht in der Galaxis herstellen zu können und hat ihren fähigsten Piloten zu dem Wüstenplanente Jakku gesandt, da dort ein Hinweis vermutet wird, wo Luke sich aufhält.

Bereits die ersten 10 Minuten von Das Erwachen der Macht nehmen einen als Zuschauer in jenem Universum so gefangen, dass die Erinnerungen an die computergenerierten Hintergründe und die teils grotesken Dialoge der Prequels beinahe vergessen sind. Echte, greifbare Sets, eine überlegte Kameraführung, die beinahe schon altmodisch wirkt, Alienwesen, die als Make-up und Puppen entstanden sind und so viel mehr Charme und Wärme besitzen, als alles, was in den letzten Teilen zu sehen war. Hinzu kommt ein mitunter recht trockener Humor, der das ernste Geschehen merklich auflockert und zur temporeichen Atmosphäre beiträgt.
Hier stellt die Geschichte den Sturmtruppler FN-2187 vor, später Finn genannt, der bei seinem ersten Einsatz mit den Grausamkeiten der Ersten Ordnung konfrontiert wird. Er ist wie die Schrottsammlerin Rey eine Hauptfigur in Episode VII – Das Erwachen der Macht, zusammen mit dem Droiden BB-8, der die wichtigen Hinweise auf Lukes Aufenthaltsort bei sich trägt. Es dauert sehr lange, ehe bekannte Figuren aus den vorigen Star Wars-Filmen erscheinen und richtigerweise so.

Über die Hintergrundgeschichten von Rey und Finn erfährt man nur wenig, auch wenn die kleinen Einblicke vermuten lassen, dass sie in den kommenden Episoden noch eine Rolle spielen werden. Die Welt von Jakku, wo nach der Schlacht von Endor eines der letzten großen Gefechte zwischen der Rebellion und dem Imperium stattfand, macht wie die Kostüme und Bauten einen so bewohnten, lebendigen Eindruck, dass einem als Fan das Herz aufgeht. Hinzu kommt die von John Williams komponierte, fantastische Musik, die in den richtigen Momenten bekannte Themen aufgreift.
Viel mehr zum Inhalt von Das Erwachen der Macht würde die Überraschungen verderben, zumal Regisseur J.J. Abrams einer der wenigen Filmemacher zu sein scheint, die die Studios überzeugen können, dass es klüger ist, nicht alle Stationen der Story in der Filmvorschau vorwegzunehmen. Wer nach den Trailern glaubt, er wüsste, wie Episode VII genau abläuft, der irrt glücklicherweise.

Doch so gut diese einzelnen Teile zusammenpassen, so sehr sich die Macher beim Design, dem Aussehen und der Atmosphäre bemüht haben und gerade die neuen Figuren glänzen, in einem Punkt enttäuscht Das Erwachen der Macht, wenn man es hart formulieren möchte. Wie oben beschrieben trägt der knuffige Droide BB-8 wichtige Informationen und wird von der Ersten Ordnung gejagt, auch spielt die Geschichte zum Teil wieder auf einem Wüstenplaneten. Sieht man nun noch, dass der Widerstand – der aus der Rebellion hervorgegangen ist und gegen die Erste Ordnung kämpft – verhindern muss, dass die Erste Ordnung etwas Gewaltiges zum Einsatz bringt, dann klingen viele Wegstationen in Episode VII, als wären sie aus der alten Trilogie entliehen. Und leider sind sie das auch. Statt sich eine grundlegend neue Geschichte einfallen zu lassen, erzählen die Autoren in Teilen die Story von Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung [1977] und Die Rückkehr der Jedi-Ritter mit teils neuen Figuren nach. Allerdings tun sie es so einladend und unterhaltsam, dass man es beim Ansehen kaum bemerkt.


Fazit:
Sieht man, mit welcher Sicherheit Filmemacher J.J. Abrams den Charme der alten Krieg der Sterne-Filme wieder aufleben lässt, möchte man sich gar nicht vorstellen, was aus den Prequel-Filmen hätte werden können. Mit vielen handgemachten Tricks (bis auf eine störend computergenerierte Figur) und Charaktermomenten, die ins Herz treffen, erzählt er keine neue, sondern nur eine abgewandelte Geschichte. Dank der Darsteller, darunter die bekannte "alte" Besetzung, aber gerade der melancholisch-charismatischen Daisy Ridley und dem charmanten John Boyega, der mitunter etwas an Denzel Washington erinnert, gelingt ihm mühelos der beste Star Wars-Film seit Episode VI.
Fantastisch gemacht, toll, temporeich und mitreißend umgesetzt mit dem unverwechselbaren Flair aus einer weit, weit entfernten Galaxis vor langer Zeit, ist Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht nicht nur ein toller und sehenswerter Film der Saga, der insbesondere in den angenehm ruhigen Momenten die Figuren und ihre Geschichte mit Respekt behandelt – und in den traurigsten. Es ist auch eines der unterhaltsamsten und eingängigsten Kino-Erlebnisse der letzten Monate. Nur leider kein sehr originelles. Fans, die das nicht stört, dürfen zur Wertung noch einen halben Punkt hinzurechnen. Oder gar einen ganzen.    


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