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Star Trek VI: Das unentdeckte Land [1991]

Wertung: 6 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 24. April 2016
Genre: Science Fiction / Thriller

Originaltitel: Star Trek VI: The Undiscovered Country
Laufzeit: 113 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1991
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Nicholas Meyer
Musik: Cliff Eidelman
Darsteller: William Shatner, Leonard Nimoy, DeForest Kelley, James Doohan, Walter Koenig, Nichelle Nichols, George Takei, Kim Cattrall, Mark Lenard, Christopher Plummer, Rosanna DeSoto, David Warner, Kurtwood Smith, Brock Peters, Leon Russom


Kurzinhalt:

Nachdem Captain Sulu (George Takei) die Explosion des klingonischen Mondes Praxis beobachtet hat, bemüht sich die mit der Föderation seit mehr als einem Jahrhundert verfeindeten Klingonen um Friedensgespräche. Für das sichere Geleit des Kanzlers des klingonischen Hohen Rates, Gorkon (David Warner), wird die USS Enterprise unter Captain Kirk (William Shatner) ausgewählt. Doch nach einem Abendessen mit dem Kanzler, dessen Tochter Azetbur (Rosanna DeSoto) und dem Stabschef Chang (Christopher Plummer) wird Gorkons Schiff von der Enterprise aus angegriffen. Kirk und Doktor McCoy (DeForest Kelley) werden zu lebenslanger Haft verurteilt. Es liegt an Spock (Leonard Nimoy), zusammen mit Chekov (Walter Koenig), Scotty (James Doohan) und Uhura (Nichelle Nichols) herauszufinden, wer an Bord des Schiffes für den Anschlag wirklich verantwortlich ist. Spocks Protegé Valeris (Kim Cattrall) leitet die Untersuchung – doch wer immer den Friedensprozess unterbinden will, wird es wieder versuchen ...


Kritik:
25 Jahre, nachdem die Crew des Raumschiffs Enterprise zum ersten Mal durch das Universum flog, bricht die Crew um Captain Kirk zu ihrem letzten Abenteuer auf. Abschied zu nehmen fällt am Ende deshalb besonders schwer, weil sie sich ihren packendsten und besten Leinwandauftritt für den letzten aufgespart haben. Star Trek VI: Das unentdeckte Land ist ein unerwartet politischer Film, ein Thriller, der das damals aktuelle Weltgeschehen so gekonnt widerspiegelt und alle Figuren nochmals zur Hochform auflaufen lässt.

Wer im Vorfeld enttäuscht war, dass nicht Jerry Goldsmith als Komponist zurückkehren würde, der darf beruhigt sein: Cliff Eidelmans sehr hörenswerter Score ist so erfrischend und in den richtigen Momenten temporeich, dass er zu den besten der Reihe gehört. Er lässt zwar die bekannte Star Trek-Fanfare gerade zu Beginn vermissen, doch sollte man aus heutiger Sicht bedenken, dass diese damals unwiederbringlich mit der Fernsehserie Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert [1987-1994] verwoben war. Die Ouvertüre, die während des Vorspanns zu hören ist, fasst die Bandbreite der Musik und der Geschichte, die folgen wird, gekonnt zusammen. Das unentdeckte Land beginnt mit der kaum vorstellbaren Aussicht auf Frieden in der Galaxis.

Das klingonische Imperium wird nach einer Naturkatastrophe sterben, weshalb der Kanzler des klingonischen Hohen Rates, Gorkon, Friedensgespräche mit der Föderation aufnehmen will. Captain Kirk und die Enterprise sollen das Schiff des Kanzlers zur Erde geleiten – eine Mission, für die Spock seinen jahrzehntelangen Freund freiwillig gemeldet auch. Obwohl Kirks seinen Verlust durch die Klingonen nach wie vor nicht verwunden hat.
Die Situation an sich bietet bereits genügend Konfliktpotential, da wird das Schiff des Kanzlers von der Enterprise aus beschossen und ein Attentat verübt. Um einen möglichen Frieden nicht zu gefährden, ergibt sich Kirk und wird zusammen mit Doktor McCoy zu lebenslanger Haft in einer klingonischen Strafkolonie verurteilt.

Dass Star Trek VI aller Voraussicht nach der letzte Film mit der altbekannten Crew sein würde, wurde lange im Vorfeld gemunkelt. Nicht nur, dass die zweite Fernsehserie um Captain Picard enorm an Fahrtwind und Popularität gewonnen hatte, manche der originalen Crew, darunter DeForest Kelley oder James Doohan waren bereits 70 Jahre alt, als der Film gedreht wurde. Ewig lang würden sie es schlicht nicht mehr können. Eine Szene im clever zusammengestellten, tollen Trailer zum Film unterstützte diese Vermutung zudem.
Insofern ist es nur passend, dass sich Regisseur Nicholas Meyer, der mit Star Trek II: Der Zorn des Khan [1982] einen weiteren Klassiker der Science Fiction-Reihe umgesetzt hat, hier anschickt, die Hintergrundgeschichte von Raumschiff Enterprise [1966-1969] und seiner Crew zum Abschluss zu bringen.

So gibt es viele Anleihen sowohl an die Serie, als auch an die Geschehnisse der vergangenen Filme, ohne dass diese offen herausgestellt werden oder einem Selbstzweck dienen. Stattdessen fließen sie in die Thrillerstory mit ein, in der es um eine groß angelegte Verschwörung geht, die den greifbaren Frieden zwischen der Föderation und den Klingonen torpediert. Es ist ein Spiegelbild der Situation am Ende des Kalten Krieges, das die Angst vor Veränderung greifbar macht und bei dem spürbar ist, was hier auf dem Spiel steht.
Lässt Spock die Enterprise auf den Kopf stellen, um Beweise für die Verschwörer an Bord zu finden, oder müssen sich "Pille" und Kirk im Straflager gegen Gefangene wehren, die ein Kopfgeld, das auf ihren Tod ausgesetzt ist, kassieren wollen, dann ist das so mitreißend wie für die Science Fiction-Reihe ungewohnt.

Meyer steuert zielsicher und mit spürbar ansteigendem Tempo auf ein Finale zu, das packender nicht sein könnte und das Star Trek VI: Das unentdeckte Land merklich über das Niveau der letzten Filme hinaushebt. Dennoch findet er die Zeit, dass alle Charaktere in mindestens einer Szene glänzen dürfen und sowohl der Charme, als auch der Wortwitz trotz der ernsten Lage erhalten bleibt. Die Atmosphäre ist ansteckend greifbar, so dass der melancholische und doch hoffnungsvolle Abschied umso schwerer fällt. Einen besseren Abgang kann man sich für diese Crew nicht wünschen.


Fazit:
Es gibt so viele Momente in Star Trek VI: Das unentdeckte Land, die in Erinnerung bleiben: Sulus Auftritt zu Beginn, das Abendessen mit der klingonischen Delegation, bei dem die Dialoge so geschliffen sind wie das Besteck, oder der immer noch eindrucksvolle Angriff auf den klingonischen Kanzler bei Schwerelosigkeit. Regisseur Nicholas Meyer gelingen hier Bilder, die von ihrer Wucht nichts eingebüßt haben. Gleichzeitig räumt er allen Charakteren Momente ein, in denen sie ihre Stärken ausspielen können und bei denen sich gerade im Rückblick ein Kloß im Hals bildet.
Es ist eine Galavorstellung, die in einem Finale gipfelt, das alles, was Star Trek bis dahin (und großteils auch seither) gezeigt hat, in den Schatten stellt. Die komplexe Verschwörungsstory verarbeitet die Auswirkungen des Kalten Krieges, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger daherzukommen. Die letzten Momente fassen dabei den Entdeckergeist, der die Reihe immer ausgemacht hat, so fantastisch zusammen, dass man sich von dieser Crew nicht verabschieden möchte. Stattdessen würde man ich wünschen, dass die letzte Reise bis zum Morgengrauen nie endet. Ein größeres Kompliment kann man ihnen an sich nicht machen.    


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