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Star Trek [2009]

Wertung: 5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 10. Mai 2009
Genre: Science Fiction / Action

Originaltitel: Star Trek
Laufzeit: 126 min.
Produktionsland: USA / Deutschland
Produktionsjahr: 2008
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: J.J. Abrams
Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Chris Pine, Zachary Quinto, Leonard Nimoy, Eric Bana, Bruce Greenwood, Karl Urban, Zoe Saldana, Simon Pegg, John Cho, Anton Yelchin, Ben Cross, Winona Ryder, Chris Hemsworth, Jennifer Morrison, Rachel Nichols, Faran Tahir


Kurzinhalt:
An sich hätte es gar nie passieren dürfen. Doch als der Romulaner Nero (Eric Bana) mit seinem übermächtigen Schiff urplötzlich vor dem Föderationsraumschiff auftaucht und dieses zerstört, verändert er den Lauf der Geschichte. James T. Kirk (Chris Pine) lernt dadurch seinen Vater nie kennen. Doch auf Umwegen und mit Hilfe von Captain Christopher Pike (Bruce Greenwood), der das Potential in dem jungen Hitzkopf erkennt, schafft es Kirk auf die Akademie der Sternenflotte. Dort freundet er sich mit dem Arzt Leonard McCoy (Karl Urban) an.
Als sich beide an Bord der Enterprise, dem neuen Flagschiff der Sternenflotte, Neros Schiff gegenüber sehen, muss sich die junge Crew einer Bedrohung stellen, die alles übersteigt, was sie bislang kannten. Dabei geraten Kirk und der Halbvulkanier Spock (Zachary Quinto) mehr als nur einmal aneinander und nicht nur Uhura (Zoe Saldana) sieht sich zwischen den Stühlen.
Doch Neros Handlungen verändern für immer das Universum das sie kannten und nur mit Hilfe eines alten Bekannten (Leonard Nimoy), der ebenso wie Nero auf eine der unwahrscheinlichsten Arten und Weisen ihr Leben betrat, können sie ihn aufhalten. Dafür jedoch müssen sie alle zusammen, anstatt gegen einander arbeiten ...


Kritik:
Mit sieben Jahren seit dem finanziell katastrophalen Star Trek: Nemesis [2002] und Star Trek nun, ist dies die längste Wartezeit, die die Fans bislang zwischen zwei Kinoabenteuern aushalten mussten. Als es dabei vor ein paar Jahren Gerüchte gab, Fernsehserienguru J.J. Abrams würde mit seinem Team eine Neuauflage der ursprünglichen Crew aus Raumschiff Enterprise [1966-1969] planen, war der Aufschrei unter den Fans groß. Sich an solche Ikonen der Unterhaltungskultur heranzuwagen erfordert viel Mut und wenn man sich die Fans eines seit über 40 Jahren bestehenden Franchise nicht verprellen möchte, auch viel Taktgefühl.
Um Schwierigkeiten mit den aus über 600 Stunden Star Trek-Geschichte bekannten Stories und deren Verzweigungen und Eigenheiten aus dem Weg zu gehen, etablieren die Autoren Roberto Orci und Alex Kurtzman kurzerhand ihr eigenes Universum mit den bekannten Figuren. Durch den Eingriff Neros in die Geschichte ist alles, was fortan geschieht nicht zwangsläufig so, wie Fans das aus der Originalserie kennen. Somit können sie Eigenarten der Charaktere auf ihre persönliche Weise interpretieren und den Figuren Szenen und Dialoge zuschreiben, die so für eingeschworene Fans kaum denkbar sind. Anders könnte es auch nicht sein, dass ein emotional aufgewühlter Spock den hitzköpfigen Kirk auf einem Eisplaneten aussetzt. Eine Storyidee, die für sich allein genommen nicht wirklich Sinn ergibt. Vielmehr scheint sie lediglich dazu zu dienen, die Figur Scotty und den Spock aus der Zukunft in die Geschichte zu integrieren, auch wenn dies sicherlich auf eine plausiblere Art und Weise hätte passieren können. Doch an solchen Momenten stört man sich nicht beim Anschauen von Star Trek. Nicht, wenn man sich auf die Figuren einlässt, die einem seit so langer Zeit bekannt sind, und einem doch in gewisser Weise fremd vorkommen. Nichtsdestotrotz sind sie allesamt als diejenigen zu erkennen, die sie sein sollen. Chris Pine macht seine Sache als Kirk wirklich gut und lässt sogar ein paar Bewegungen von William Shatner, den die Rolle weltberühmt machte, mit einfließen. Auch Bruce Greenwood überzeugt als Captain Pike, eine Figur, die in der Tat nur ausgesprochenen Fans der Reihe noch in Erinnerung ist. Sulu und Chekov werden von John Cho und Anton Yelchin gut getroffen und haben jeweils auch ihre eigenen Momente, in denen sie im Vordergrund stehen. Doch das Hauptaugenmerk liegt auf dem Zusammenspiel der beiden Spocks, einmal dargestellt von Leonard Nimoy, der seit Star Trek VI: Das unentdeckte Land [1991] nicht mehr auf der Kinoleinwand zu sehen war, und dem es spielend leicht zu fallen scheint, sich in die Rolle seines Lebens erneut hineinzuversetzen. Der junge Spock wird von Zachary Quinto verkörpert, der beinahe so wirkt wie Nimoy nur ohne dessen Weisheit oder Lebenserfahrung – aber mit demselben Potential. Er ist von den Produzenten ebenso gut getroffen wie Zoe Saldana als Uhura, deren Rolle erstaunlich stark ausfällt, und Karl Urban als "Pille" McCoy. Hier hat man in der Tat das Gefühl, man würde jene Darsteller, die stellenweise schon gar nicht mehr unter uns weilen, erneut auf der Leinwand zu sehen bekommen. Nur Simon Pegg als Scotty vermag nicht zu überzeugen, wobei dieser Umstand im Drehbuch seine Wurzeln hat, das den Charakter einfach nicht zur Geltung bringt.

Ihn ebenso wenig wie den Romulaner Nero, der darauf aus ist, Milliarden Leben zu vernichten. Irgendjemand hat einmal gesagt, ein Held ist nur so gut wie sein Gegner. Im Falle von Star Trek ist das glücklicherweise nicht der Fall, denn auch wenn Eric Bana versucht, dem geheimnisvollen Nero Charisma zu verleihen, seine Motivation wird erst im letzten Drittel des Films geklärt und dann die eigentliche Vorgeschichte in einer Geschwindigkeit erzählt, dass man sich als Zuschauer darin kaum zurecht findet. Wer das Comic Star Trek: »Countdown« [2009] nicht vorab gelesen hat, wird nicht verstehen, wieso Nero so handelt, wie er es tut. Und selbst dann scheinen seine Taten unangemessen. Keine einzige Szene ist ihm zugedacht, in der er allein zu sehen ist, er einen längeren Dialog oder Monolog hält. Seine Figur scheint sträflich vernachlässigt.
Hätten sich die Autoren dazu entschlossen, die Vorgeschichte als Prolog verkürzt zu erzählen, würde die Story von Star Trek auch mehr mitreißen. Spannend ist sie dennoch, zumindest in den einzelnen Momenten. Doch gerade das Finale an Bord des romulanischen Schiffes packt nicht in dem Maße, wie man sich dies gewünscht hätte. Die spannendsten Momente besitzt das Science Fiction-Abenteuer davor.

Filmemacher J.J. Abrams gelingt dabei ein klarer Sieg von Stil über Substanz, er kleidet die Welt von Kirk & Co. in bunte, strahlende Bilder, erzeugt durch nahtlose Spezialeffekte den Eindruck, als wäre man mitten im Geschehen. Eines, das realistischer kaum sein könnte. Die Kamera mag dabei für manche Zuschauer zu hektisch und wackelig geraten sein, doch abgesehen von den überflüssigen, von Abrams selbst im Nachhinein als übertrieben eingeschätzten Lichtblitzen und Flares am Bildrand, ist die technische Umsetzung tadellos gelungen. Die Sets und Außenaufnahmen werden ebenso grandios in Szene gesetzt, wie der Ton mit neuen und bekannten Geräuschen jener Epoche Leben einhaucht.
Angesichts dieser audiovisuellen Darbietung übersieht man auch Löcher in der Story, wie eine 1963er Corvette mitten im 23. Jahrhundert.
Komplettiert wird der Brückenschlag durch eine musikalische Untermalung Michael Giacchinos, der interessanterweise auf das Thema der Fernsehserie zurückgreift, dieses aber zu einer Hymne ausarbeitet, die vielleicht nicht so in Erinnerung bleiben mag wie diejenige von Jerry Goldsmith. Passend wirkt der Score allemal.

Es ist gewagter Spagat, den die Produzenten mit Star Trek anstreben. Durch den Storykniff mit der alternativen Zeitlinie befreien sie sich von 40 Jahren Ballast, das einem neuen Einstand im Franchise sicherlich das Genick gebrochen hätte. Nur bleibt die Frage, ob sich denn so viele neue Fans finden lassen, wie die Macher sich das erhoffen.
Wer sich auf das neue Weltraumabenteuer einlässt, bekommt eine durchschnittliche und nicht ausgereifte Story mit sympathischen Figuren gezeigt. Durch eine moderne, einfallsreiche und sicherlich nicht immer angebrachte Inszenierung entfacht Regisseur Abrams ein Actionfeuerwerk, das ein Publikum jenseits der bekannten Fanbasis anspricht. Nur muss man sich auch darauf einlassen wollen. Wie eine Werbezeile zum Film verrät, "Dies ist nicht deines Vaters 'Star Trek'". Das mag man nun als positiv oder negativ empfinden.


Fazit:
Letztlich ist es eine Glaubensfrage, ob man sich damit abfinden kann, dass neue Gesichter die seit über 40 Jahren bekannten Figuren hier zum Leben erwecken sollen. Dabei gelingt es Zachary Quinto, Karl Urban oder auch Zoe Saldana sehr gut, ihre Vorgänger zu verkörpern, ohne sie zu imitieren. Woran es bei der sehr groß angelegten Produktion hapert, ist leider das Drehbuch und dabei insbesondere an einem ordentlichen Bösewicht.
Handwerklich stemmt J.J. Abrams den Kraftakt, Star Trek ins 21. Jahrhundert zu befördern. Das mag ihm an manchen Stellen besser gelungen sein wie an anderen, doch insgesamt bringen die bewegte Kamera und die schnellen Schnitte eine Frische und eine Vitalität in das Franchise, die man so seit 20 Jahren nicht gesehen hat. Von den modernisierten Kostümen und Designs ganz abgesehen. Es scheint beinahe, als wäre der Kinofilm ein technisch perfekt und aufwändig gemachter Pilot-Film zu einer neuen Reihe. Genügend Potential ist dabei zweifelsohne vorhanden und wer sich auf Star Trek einlässt, bekommt einen temporeichen Action-Film geboten, der mit genügend charmanten Charaktermomenten aufwartet, um Fans und solche, die es werden wollen, anzusprechen.


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