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Spuren von Rot [1992]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 22. Oktober 2017
Genre: Krimi / Thriller

Originaltitel: Traces of Red
Laufzeit: 105 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1992
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Andy Wolk
Musik: Graeme Revell
Darsteller: James Belushi, Lorraine Bracco, Tony Goldwyn, William Russ, Faye Grant, Michelle Joyner, Joe Lisi, Victoria Bass, Melanie Tomlin, Jim Piddock, Ed Amatrudo


Kurzinhalt:

Jack Dobson (James Belushi) ist Polizist in Palm Beach. Als eine junge Frau, kurz nachdem er mit ihr die Nacht verbracht hat, ermordet aufgefunden wird und Jack einen Brief des Mörders erhält, nehmen er und sein Partner Steve (Tony Goldwyn) die Ermittlungen auf. Die Leiche war mit einem bestimmten Lippenstift beschmiert, der jedoch von vielen Frauen verwendet wird. Darunter Steves Ehefrau Beth (Faye Grant) oder auch die reiche Witwe Ellen (Lorraine Bracco), mit der Jack eine geheime Beziehung führt. Als das nächste Opfer gefunden wird, verdichten sich die Hinweise, dass der Schlüssel in Jacks Vergangenheit liegen könnte. Informationen dazu steuert dessen Bruder Michael (William Russ) bei, der für einen Senatorenposten kandidiert. Aber je länger sich der Fall zieht, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass es weitere Opfer geben wird. Dabei wissen weder Jack, noch Steve, ob sie dem anderen überhaupt noch trauen können …


Kritik:
Spuren von Rot ist ein Crime-Thriller aus demselben Jahr, in dem das so prüde Hollywood mit Basic Instinct [1992] bewies, dass es das Publikum doch noch schocken konnte. Auch Andy Wolks Film wartet mit einigen Erotikszenen auf, die jedoch ebenso wie der Rest weit hinter Paul Verhoevens Skandal-Thriller zurückbleiben. Dennoch besitzt der wendungsreiche Film einen nicht zu leugnenden Charme, auch dank der Besetzung, der es jedoch nicht gelingt, das Flair einer Videoproduktion abzuschütteln.

Im Zentrum steht Polizist Jack Dobson, gespielt von James Belushi. Er ist den Frauen überaus zugetan, obwohl er an sich eine geheime Affäre mit der reichen Witwe Ellen Schofield unterhält. Als die Frauen, mit denen er geschlafen hat, ermordet werden und er selbst Morddrohungen erhält, versuchen sein Partner Steve und er herauszufinden, wer hinter all dem steckt – und was es mit der seltsamen Verbindung zu Jacks Vergangenheit auf sich hat.
Die Geschichte, das ist kein Geheimnis, erinnert an viele ähnlich gelagerte Krimis, von denen nicht wenige unmittelbar für den Heimvideomarkt veröffentlicht wurden oder werden. Spuren von Rot hebt sich dabei jedoch bereits durch die Besetzung von anderen Genrefilmen ab. Belushi war nach Red Heat [1988] und Mein Partner mit der kalten Schnauze [1989] international bekannt und erfolgreich, von Tony Goldwyn, bekannt aus Ghost - Nachricht von Sam [1990], ganz zu schweigen. Lorraine Bracco war für ihre Rolle in GoodFellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia [1990] sogar für den Oscar als beste Nebendarstellerin nominiert worden.

Dass sie alle hier nicht sonderlich gefordert sind, ist dem Drehbuch zuzuschreiben, das keine herausfordernden Situationen für die Figuren erschafft. Vielmehr scheint es gerade zu Beginn darum bemüht, leicht bekleidete Damen vor die Kamera zu bringen, während die tatsächliche Krimistory beinahe ziellos vor sich hinplätschert. Dass dabei keine einzige Szene überflüssig ist, alle Figuren, die vorgestellt werden, ihren Platz haben und zur Lösung des Falls beitragen, ist dagegen eine unvorhergesehene Überraschung. Lange Zeit spielt Spuren von Rot mit der Erwartungshaltung des Publikums, das den Schuldigen oder die Schuldige bereits ausgemacht hat, um dann nach beinahe einer Stunde schnell neue Verdächtige zu präsentieren, zwischen denen hin und her gewechselt wird.
Die schwüle Atmosphäre in Palm Beach, Florida, trägt zur verruchten Stimmung bei und passt gut zur flatterhaften Moral der meisten Figuren.

Dass am Ende viele Fragen offenbleiben und weder Motivation, noch die Hintergründe der Taten aufgeklärt werden, ist bedauerlich und hinterlässt nach der zu kurz präsentierten Auflösungen einen faden Beigeschmack. Doch das heißt nicht, dass einige Wendungen nicht zünden und die Geschichte nicht gerade dann Fahrt aufnehmen würde, wenn man es am wenigsten erwartet.
Spuren von Rot wächst dabei nie über das Mittelmaß einer üblichen Videoproduktion hinaus, was auch an der oft aggressiv eingesetzten Musik von Graeme Revell liegt, dessen Thema allerdings überaus gelungen ist. Perspektiven und Schnitt sind oft vorhersehbar, die Ausleuchtung der Sets nie zweideutig und es hat beinahe den Eindruck, als würde Regisseur Wolk Nahaufnahmen der Figuren in den entscheidenden Momenten scheuen aus Angst, die Darsteller wären der Szene nicht gewachsen.

Aber das ändert nichts daran, dass dem Krimi ein Flair der 1990er-Jahre anhängt, das damals wie heute funktioniert. Das macht den Film bei weitem nicht zu einem Klassiker. Aber zu einem "guilty pleasure", das nach einigen Jahren immer wieder Spaß macht, anzusehen.


Fazit:
Sieht man sich zwei inhaltlich ähnlich gelagerte Filme an, erreicht Spuren von Rot nie die drückende Hitze oder die absichtlich auf falsche Fährten lenkende Story von Wild Things [1998]. Auch von der verruchten Erotik oder der bestechenden Hochglanzoptik von Basic Instinct ist Andy Wolks Film weit entfernt. Doch hat man sich damit arrangiert und nimmt es hin, dass die Darstellerinnen und Darsteller in manchen Momenten etwas unbeholfen die Gefühle der Figuren zum Ausdruck bringen, dann unterhält Spuren von Rot vor allem dank der Story, die mehr Haken schlägt, als man ihr zutrauen würde. Dass selbst in der Auflösung nicht alles erklärt wird, ist bedauerlich und so ergeben rückblickend nicht alle Elemente Sinn, doch das schadet dem Crime-Thriller im Verlauf nicht merklich. Als solider B-Film zählt er immer noch zu den besseren jener Zeit und besitzt einen Charme, der ihn – zumindest für diejenigen, die mit den 1990er-Jahren etwas verbinden – über das Mittelmaß anhebt.
 


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