skip to content

Sphere – Die Macht aus dem All [1998]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 05. November 2002
Genre: Science Fiction / Thriller

Originaltitel: Sphere
Laufzeit: 134 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1998
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Barry Levinson
Musik: Elliot Goldenthal
Darsteller: Dustin Hoffman, Sharon Stone, Samuel L. Jackson, Peter Coyote, Liev Schreiber


Kurzinhalt:
Vor Jahren verfasste der Psychologe Dr. Norman Goodman (Dustin Hoffman) einen Bericht für die US-Regierung, in dem er auf die Belastungen und die daraus resultierenden Notwendigkeiten an Personal bei einem Erstkontakt mit Außerirdischen eingeht. Das Meiste hat er – so gibt er selbst zu – frei erfunden, immerhin gab es schlicht noch keinen bekannten Kontakt.
Doch als er vom Militär zu einem Schiff auf See gebracht wird, sieht er sich genau den Leuten gegenüber, die er in dem Bericht als Spezialisten erwähnte: der Biologin Dr. Beth Halperin (Sharon Stone), dem Mathematiker Dr. Harry Adams (Samuel L. Jackson) und dem Astrophysiker Dr. Ted Fielding (Liev Schreiber).
Zusammen mit ihnen soll Goodman ein UFO untersuchen, das auf dem Meeresboden entdeckt wurde, und das anscheinend schon seit 300 Jahren dort liegt. Doch nachdem die Gruppe in dem Schiff gewesen ist, häufen sich merkwürdige Vorkommnisse rund um die Unterwasserstation, in der die Wissenschaftler untergebracht sind und es kommt zu mysteriösen Todesfällen.


Kritik:
Nachdem der Film Jurassic Park [1993] weltweit ein Mega-Erfolg wurde, rissen sich die Studios darum, Bücher von Roman-Autor Michael Crichton zu verfilmen.
Vor einigen Jahren war dann ein Buch an der Reihe, das allgemein als Crichtons bestes gilt: Die Gedanken des Bösen, so der völlig fehlübersetzte deutsche Titel, bildet die Grundlage für den Science Fiction-Film Sphere.

Die Geschichte ist mit einigen Wendungen und Überraschungen gespickt, doch allein die Ausgangslage des Films hat es mir angetan: Ein Raumschiff, das schon 300 Jahre auf dem Meeresgrund liegt und in dem die Wissenschaftler englische Schriftzeichen finden.
Die Vermutung tut sich auf, dass das Schiff aus der Zukunft stammen muss, und dass alle Beteiligten der Expedition selbige nicht überleben werden – denn wenn sie es überleben würden, würden sie davon berichten und all das würde nicht geschehen ... oder doch?

Mit psychichen Kniffen und genauen Recherchen soll das Buch überzeugen; Ansätze sind auch im Film davon zu sehen, allerdings bleibt das Drehbuch weit hinter den Möglichkeiten zurück, gleichwohl die Besetzung besser kaum sein könnte.
Das offensichtlichste Problem des Drehbuchs sind die unkontrollierten Sprünge in der Story, ohne dass die Charaktere sich weiterentwickeln würden. Da steht Goodman minutenlang vor der Lösung des Problems und als Zuschauer möchte man sie ihm zurufen, doch dann scheint ihm diese auf einmal wieder entfallen zu sein.
Allgemein verhalten sich die Personen im Film in manchen Szenen so unnatürlich und gekünstelt, dass man als Zuseher keinen Bezug zu ihnen aufbauen kann: Ein Crewmitglied, das draußen zu einem Versorgungsuboot unterwegs ist, wird von Quallen angegriffen, doch statt dem Opfer zu Hilfe zu kommen, sitzen die Haupdarsteller gelangweilt in der Station umher und verziehen kaum eine Miene.
Peter Coyotes Charakter, der ansich die Befehlsgewalt über die Station hat, sitzt lieber auf seinem Stuhl und gibt ständig Anweisungen, was die unerfahrenen Wissenschaftler in Krisensituationen tun sollen, statt dass er endlich selbst aktiv wird.
In einer Szene ist Goodman außerhalb der Station und ringt um Atemluft, da sein Anzug undicht ist. Die Spannung wächst ... - doch urplötzlich erfolgt ein Schnitt und der Charakter ist wieder im Inneren der Station. Was ist passiert? Vermutlich sind diese Szenen auf dem Boden des Schneideraums gelandet, anders kann ich mir das nicht erklären.
Solche Sprünge innerhalb einer Szene gibt es öfters. Zu Beginn dachte ich noch, dass dies womöglich ein Teil der Geschichte ist, doch damit lag ich leider daneben.

Die interessantere Story, woher das Raumschiff kommt, welchen Zweck es erfüllt, usw. wird nicht weiter verfolgt. Nach dem interessanten Anfang versucht sich das Drehbuch in einem psychologischen Kammerspiel innerhalb der Station, doch bis auf eine bedrückende Atmosphäre gelingt kein großer Spannungs- oder Szenenaufbau.

Die Darsteller können für solche Patzer natürlich nichts; im Gegenteil, sowohl Dustin Hoffman, als auch Samuel L. Jackson spielen sehr gut. Sharon Stones Charakter kommt im Film nur sehr kurz zum Zug, doch auch ihr Spiel überzeugt.
Wirklich gefreut hat es mich, Liev Schreiber in einer anderen Rolle als seinen Scream-Auftritten zu sehen.

Selbst die Spezialeffekte, Kamera und Schnitt lassen in den gezeigten Szenen keine Wünsche offen. Der Produktionsaufwand war angesichts der Station, des Raumschiffs und der vielen Unter-Wasser-Szenen sehr groß (80 Millionen Dollar). Deshalb enttäuschte die Produzenten das Einspielergebnis von nicht einmal 40 Millionen Dollar verständlicherweise.
Doch dieser Flop ist hausgemacht: Angesichts von James Camerons brillantem Tiefsee-Science-Fiction-Drama-Thriller Abyss – Abgrund des Todes [1989] (der leider auch nicht viel erfolgreicher war) und dem unterhaltsamen Science-Fiction-Horror-Film Event Horizon [1997] hätte ein neuer Film mit ähnlicher Thematik schon inhaltlich und handwerklich mehr überzeugen müssen. Speziell zwischen Event Horizon und Sphere gibt es sehr viele Ähnlichkeiten bezüglich der Story und Atmosphäre.
Sphere wirkt wie ein Mix aus Psycho-Horror, Science-Fiction und Drama, ohne dass ein Genre völlig ausgeschöpft wäre.

Die Musik von Elliot Goldenthal ist – wie von ihm gewohnt – sehr getragen und düster, allerdings wirklich "schön" anzuhören. Das einzige Problem ist, dass sie oftmals zu laut eingespielt wird. In einigen Szenen hätte eine ruhigere oder gar keine Musik besser gepasst. Sehr interessant hört sich erneut erneut das Haupt-Thema an, das er für den Film schuf.

Mit 134 Minuten ist der Film zudem meiner Meinung nach schlicht 10 bis 20 Minuten zu lang geraten, zumal im Film selbst nicht allzu viel passiert.
Die Schlussidee finde ich hingegen sehr mutig und interessant, auch wenn sie im Film für meinen Geschmack nicht ausreichend vorbereitet wurde. Wäre der Film geradliniger auf das UFO zugeschnitten gewesen, dann hätte auch der Schluss besser dazu gepasst – so wirkt die Idee irgendwie verschwendet.
Viele Szenen, die besonders die Gespräche über den UFO-Bericht betreffen, standen so nicht im Drehbuch, sondern wurden improvisiert – ein gutes Zeichen für die Qualität der Darsteller, da es im fertigen Film selbst nicht auffällt. Auch, dass das Ende neu gedreht wurde, habe ich nicht offensichtlich gesehen.

Die deutsche Synchronisierung, die bis auf wenige Ausnahmen (Hoffman) nicht sehr gut gelungenen ist, setzt allerdings alles daran, den Zuschauern das Hinhören zu vermiesen. Besonders Sharon Stones deutsche Stimme war derart schlecht gewählt, dass ich in manchen Szenen fast schon lachen musste ... obwohl die Darstellerin mit den Tränen rang.

Sphere ist kein schlechter Film, aber es hätte ein deutlich besserer Film sein können, wenn das Drehbuch nicht so offensichtliche Fehler aufweisen würde und sich die Story mehr auf das Raumschiff, statt auf den Horror konzentrieren würde. Und genau in den Szenen, in denen der Zuschauer Antworten erwartet, enttäuscht Sphere maßlos und lässt den Zuseher mit vielen Fragen und Stirnrunzeln zurück.


Fazit:
Auch, wenn mich der Film enttäuscht hat, so gibt es an dem, was man sieht, ansich nichts auszusetzen: die Spezialeffekte sind gut bis sehr gut, die Darsteller ebenso. Auch die Sets waren sichtlich aufwändig, von den vielen Unterwasser-Szenen ganz abgesehen.
Die inhaltlichen Mängel dagegen verhindern eine höhere Wertung des Filmes: Sprünge innerhalb der Geschichte, soweit das Auge reicht; Charaktere, die sich völlig unnormal verhalten; und das schlichte Fehlen von wirklichen Erklärungen.
Eines hat Sphere allerdings geschafft – da mich die Story wirklich interessiert, habe ich mir inzwischen den Roman von Michael Crichton bestellt, in der Hoffnung, dass dieser mich nicht enttäuschen wird.


Treffpunkt: Kritik empfiehlt TEUFEL LAUTSPRECHER GmbH – für den perfekten Heimkino-Sound!
Ok. Treffpunkt: Kritik verwendet Cookies, um den Internetauftritt bestmöglich an die Besucher anpassen zu können.
Sofern Sie auf dieser Seite bleiben, stimmen Sie dem zu. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung.