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Speed Racer [2008]

Wertung: 2.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 28. März 2009
Genre: Science Fiction / Action / Komödie

Originaltitel: Speed Racer
Laufzeit: 135 min.
Produktionsland: USA / Deutschland
Produktionsjahr: 2008
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Andy & Larry Wachowski
Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Emile Hirsch, Christina Ricci, John Goodman, Susan Sarandon, Matthew Fox, Roger Allam, Kick Gurry, Paulie Litt, Willy& Kenzie, Scott Porter, Rain, Richard Roundtree, Benno Fürmann


Kurzinhalt:
In den Fußstapfen seines Bruders arbeitet sich der junge Speed Racer (Emile Hirsch) bei den waghalsigen Automobilrennen beständig nach oben und zieht somit das Interesse der großen Sponsoren auf sich. Bislang fuhr er unabhängig in Wagen, die sein Vater (John Goodman) entworfen hatte. Doch der Industrielle Royalton (Roger Allam) hat ein Auge auf Speed geworfen und bietet ihm einen lukrativen Vertrag.
Als Speed ablehnt, kündigt Royalton an, Speed das Leben nicht nur auf der Rennstrecke zur Hölle zu machen. Immerhin beeinflusst er seit vielen Jahren den Ausgang der großen Rennen. Zusammen mit seiner Freundin Trixie (Christina Ricci), dem geheimnisvollen Racer X (Matthew Fox), seinem Vater und seiner Mutter (Susan Sarandon), schmiedet Speed einen Plan, wie man Royalton das Handwerk legen könnte. Doch der hat seine Verbindungen überall und mobilisiert alle Kräfte, damit Speed nicht die Ziellinie zu sehen bekommt ...


Kritik:
Schon mit ihrem ersten eigenen Spielfilm Bound – Gefesselt [1996] machten die Wachowski-Brüder klar, dass sie sich nicht mit einfachen Geschichten zufrieden geben würden. Und auch wenn die Matrix-Trilogie, für die sie weltweit bekannt wurden, ihre inhaltlichen Schwächen besitzt, man muss den Regisseuren und Autoren eingestehen, dass sie ihre Story kompromisslos erzählt haben. Als kompromisslos ist Speed Racer auch zu bezeichnen. Ob das allerdings ein Kompliment ist, sei dahingestellt. Basierend auf einer japanischen Anime-Serie aus den 1960er Jahren zaubern die Filmemacher für ein gigantisches Budget von 120 Millionen Dollar ein bonbonfarbenes aberwitziges Rennmärchen auf die Leinwand, dem man als Zuseher zumindest attestieren kann, dass es aufwändig gemacht ist. Nur fragt man sich, für welches Publikum die Filmemacher ihr Rennactionabenteuer gedacht haben. Denn während den Kindern im Publikum die Dauerbeschallung mit Farben jenseits der Extreme des sichtbaren Spektrums gefallen mag, werden sie sich an der Geschichte stören, die unnötig kompliziert geraten ist (wenn man sich denn die Hintergründe um Firmenübernahmen und Ähnliches einmal genauer ansieht). Erwachsene hingegen werden eben mit der kaleidoskopischen Präsentation ihre Mühe haben, bei der Epileptiker in der Tat vorsichtig sein sollten. Wer dem jedoch gewachsen ist, der muss sich mit Figuren abfinden, die eindimensionaler sind, als ihre auf Papier animierten Ursprünge in der Zeichentrickserie. Von einem nervtötenden Affen und seinem nicht wirklich besseren Gegenpart einmal abgeeshen.

So folgt man als Zuschauer dem jungen Speed, der sich vor seinem großen Rennen daran erinnert, wie er in seinem Bruder Rex einen Helden sah, der nicht nur Rekorde in den irrwitzigen Wagenrennen aufgestellt hatte, sondern Speed auch zu dem waghalsigen Sport gebracht hat. Das ist inhaltlich zwar nicht wirklich originell, doch die Idee der Wachowskis, die Hintergründe der Story jeweils aus der Sicht einer Hauptfigur während des Eröffnungsrennens zu schildern, ist ein durchaus interessanter Ansatz. Auch wenn es vorweg die Dynamik des Rennens bremst, man bekommt so schnell gezeigt, worauf die einzelnen Figuren Wert legen und worauf sich ihre Erinnerung konzentriert. Würde sich das Drehbuch darauf beschränken, dies nur beim ersten Rennen so zu handhaben, könnte man sich auch damit abfinden. Nur leider wird jedes einzelne Rennen durch Rückblicke, unwichtige Nebenhandlungen oder wild eingestreute Affenszenen unterbrochen. Man bekommt kein einziges Mal ein komplettes Rennen aus der Sicht der Fahrer gezeigt und dies ist ein Versäumnis, das nicht nur unnötig Spannung kostet, sondern Speed Racer auch unstrukturiert erscheinen lässt.
Als der idealistische Speed in den verlockenden Sog der großen Konzerne gerät, muss er erkennen, dass keines der Rennen tatsächlich so abläuft, wie er sich das vorstellte und dass sein naives Weltbild schon längst von der Realität überholt worden war. Diese Aussage mag man gerade im Rennsport heute nicht hören wollen, wo der Ausgang mancher Formel-1-Rennen durch die Entscheidung der Rennstallleitung kurz vor der Ziellinie beeinflusst wurde. An jenem Kernpunkt des Science Fiction-Films gibt es auch nichts auszusetzen. Auch daran, dass die Figuren schemenhaft und überzeichnet sind, stört man sich irgendwann nicht mehr. Immerhin agieren Emile Hirsch, John Goodman und Susan Sarandon routiniert und sympathisch genug, um manche Dialogbrocken gefälliger zu machen. Auch Matthew Fox gibt sich alle Mühe, der Comicfigur eine gewisse Tiefe zu verleihen. Vielmehr ist es die technische Präsentation, die nicht wirklich überzeugen kann.

Zugegeben, die schiere Masse an Spezialeffekten ist durch die überdrehte Farbgebung zumindest ein Muster für alle HighDefenition-Medien. Auch dass die Regisseure mit den verschiedenen Perspektiven, bei denen mit Schärfen und Unschärfen gespielt wird, oder mit den sich gegeneinander bewegenden Bildelementen wie es früher bei den Anime-Serien mit ihren Cel-Folien der Fall war, einen ebensolchen Look wie bei den Serien von damals erreichen wollen, ist zur Kenntnis genommen. Doch so interessant das im ersten Moment als Designstudie sein mag, auf über zwei Stunden ausgedehnt, ist das eine kaum zu bewältigende Reizüberflutung, zu der man als Zuseher trotz allem keinen Zugang findet. Beim legendären Pod-Rennen in Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung [1999] erscheint die Sequenz trotz computergenerierter Figuren und Hintergründe realistisch, man fühlt sich in einem solchen Cockpit und wird gleichermaßen mitgerissen, wenn sich die Ereignisse überschlagen. In Speed Racer geschieht alles so schnell und in gleichem Maße surreal bunt, dass erstens keine Bedrohung für die Figuren erkennbar wird, und man keinen Bezug herstellen kann, womit die Situation denn für einen selbst vergleichbar wäre.
So lächerlich die Story umgesetzt ist und so oft unfreiwillig komisch die Charaktere auch agieren, ohne die überflüssigen und auf Babygebrabbelniveau befindlichen Szenen mit Spritle (ob Paulie Litt seine Rolle nur spielte, sei dahingestellt) und dem Schimpansen Chim Chim hätte man vieles leichter ertragen können. Doch selbst hartgesottene Zuschauer dürften unter spontanen Migräneattacken leiden, wenn diese beiden vor der Kamera zu sehen sind.
Die musikalische Untermalung durch Michael Giacchino orientiert sich zwar an der Zeichentrickserie und wirkt zumindest routiniert, vermag aber ebenso wenig zu bewegen. Was man an Speed Racer hätte anders machen müssen, damit die Geschichte funktioniert, muss jeder für sich entscheiden. Selbst mit dem Cel-Ansatz und dem kunterbunten Look hätte man sich abfinden können, wenn die Geschichte und die Figuren, die sie bevölkern denn interessiert hätten. Und das tun beide leider nicht. Dass die Produktion international nur zwei Drittel ihre Kosten einspielte, wundert nicht. Man fragt sich vielmehr, wie sie in diesem Zustand denn auf die Menschheit losgelassen werden konnte.


Fazit:
Der Präsentation kann man einen künstlerischen Aspekt nicht absprechen. Und solche Farben hat man seit langer Zeit in dieser Masse und in dieser Konsequenz nicht mehr gesehen. Wäre Speed Racer eine reine Technologie-Studie geblieben, hätte man sich damit auch abfinden können und die großteils gelungenen Effekte auch loben können. Doch hieven die Autoren und Regisseure Wachowski ihren Science-Fiction-Action-Film inhaltlich auf ein Niveau, das weder Kinder anspricht (und für dieses Publikum schlicht zu aufwändig wäre), noch Erwachsene.
Mit einer hanebüchenen Story, deren Kernelement man hätte erhalten können, von sympathischen Darstellern gespielten Reißbrettfiguren und Dialogen, die sich nicht zusammenfügen wollen kämpft die Produktion ohnehin schon. Dass das Schicksal der Figuren nicht packt, liegt daran, dass man zu jener Welt keinen Bezug findet, und als wäre das nicht genug, wird man als Zuseher von den Filmemachern buchstäblich zum Affen gemacht.
Spätestens nach den ersten 20 Minuten droht hier eine sensorische Überlastung – und wenig später ein geistiger Kollaps.


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