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Spectre [2015]

Wertung: 4.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 07. November 2015
Genre: Action / Thriller

Originaltitel: Spectre
Laufzeit: 148 min.
Produktionsland: Großbritannien / USA
Produktionsjahr: 2015
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Sam Mendes
Musik: Thomas Newman
Darsteller: Daniel Craig, Christoph Waltz, Léa Seydoux, Ralph Fiennes, Monica Bellucci, Ben Whishaw, Naomie Harris, Dave Bautista, Andrew Scott, Rory Kinnear, Jesper Christensen


Kurzinhalt:

Nachdem er eigenmächtig in Mexiko aktiv war, wird Geheimagent James Bond (Daniel Craig) von seinem Vorgesetzten M (Ralph Fiennes) suspendiert. Dennoch ermittelt er in Rom weiter, da er glaubt, der einflussreichen Verbrecherorganisation auf die Spur gekommen zu sein, mit der er schon seit Jahren in Berührung kommt. Es gelingt ihm sogar, sich in ihren engsten Kreis einzuschleusen, doch ihr Anführer (Christoph Waltz) ist Bond immer einen Schritt voraus. Während C (Andrew Scott) das Doppelnullprogramm auflösen will, war die Bedrohung nicht nur für Dr. Madeleine Swann (Léa Seydoux), die für Bond wichtige Informationen besitzt, sondern auch für die ganze Welt nie größer als gerade jetzt ...


Kritik:
Spectre, der vierte und vermutlich letzte James Bond-Film mit Daniel Craig in der Rolle des Doppelnullagenten, beginnt so vielversprechend, dass der darauffolgende Actionthriller im Vergleich umso mehr enttäuscht. Es mag daran liegen, dass Regisseur Sam Mendes mit James Bond 007 - Skyfall [2012] selbst einen Vorgänger geliefert hat, den man nur schwer erreichen kann. Oder dass die Erwartungen schlicht zu hoch waren. Es sieht aber auch so aus, als ob das Studio in einer Zeit, in der Comic-Superhelden Milliarden in die Kinokassen spülen, Bond selbst zu einem solchen Charakter machen will und Craigs Figur damit zu der Art 007 macht, der er nie war.

Die Eröffnung ist dabei wie bereits erwähnt, überaus gelungen mit einer sehr langen und einfallsreichen Kamerafahrt über das Fest der Toten in Mexico City. Die Kamera begleitet den Spion ihrer Majestät in ein Gebäude, einen Aufzug, aus dem Zimmer heraus über Dächer bis hin zu seinem eigentlichen Ziel. Kein weiterer Moment in Spectre ist so einfallsreich umgesetzt.
Darin kommt Bond der Geheimorganisation einen Schritt näher, auf die er bereits in Casino Royale [2006], Ein Quantum Trost [2008] und Skyfall gestoßen war. Die Idee, dies ähnlich wie in den Sean Connery-Bond-Filmen umzusetzen, ist überaus gelungen und lange wurde bereits vermutet, dass Spectre diesen Storybogen zum Abschluss bringen wird. Aber statt sich die Kanten von Craigs James Bond zu erhalten, verwandeln die Filmemacher seine Figur und die Art des Thrillers zu jener zurück, die man mit Casino Royale erfolgreich hinter sich gelassen hatte.

Das erkennt man unter anderem daran, dass die Actionszenen trotz der bedrohlichen Situationen mit deutlich mehr Humor ausgestattet werden, der beispielsweise bei einer Autoverfolgungsjagd durch Rom vollkommen fehlplatziert ist. Oder daran, dass James Bond hier einen durchaus beeindruckenden Faustkampf in einem fahrenden Zug ohne Blessuren überlebt und danach noch Zeit für das Bond-Girl findet, während er in Casino Royale aus zahlreichen Wunden geblutet hat und auch seine Partnerin nach der Situation noch unter Schock stand. Überhaupt erfüllt Léa Seydoux als Madeleine Swann einzig den Sinn und Zweck, sich zwei Mal von Bond retten zu lassen. Die Zeiten der starken Frauenfiguren in der Reihe scheint längst vergessen.

Ihr Storyzweig bläht das ohnehin unter anderem mit mehrmals wiederholter Kritik am Überwachungsstaat überfrachtete Drehbuch auf, was angesichts einer Laufzeit von zweieinhalb Stunden, die leider nicht wie im Flug vergehen, ärgerlich ist. Spectre besitzt keinen Spannungsbogen, der sich über den gesamten Film hinweg aufbaut. Die einzelnen Szenen sind dabei mitunter mitreißend, aber ein Gefühl der Dringlichkeit, da irgendetwas auf dem Spiel steht, gibt es nicht. Eine halbe Stunde weniger hätte dem Thriller nicht geschadet, der von Szenerie zu Szenerie springt, ohne dass dies viel Sinn ergibt. Der Abschnitt in einer Anlage des Bösewichts in der Wüste erinnert nicht nur an Ein Quantum Trost, sondern auch an die alten James Bond-Filme, in denen diese Bauten nur gezeigt wurden, um wenig später in die Luft gesprengt zu werden. Dies geschieht hier viel zu schnell, da der Film das aufgesetzte Finale an einem anderen Ort ansiedelt.

Sieht man später, wie sich die Wege von Bond und Madeleine trennen und sie kurz darauf nochmals über ihre Schulter schaut, dann weiß jeder Filmfan, welches Klischee die Autoren nun aus dem Ärmel geschüttelt haben. Es ist außerdem ärgerlich, dass die Autoren hier im Gegensatz zu Casino Royale oder Skyfall glauben, ihr Publikum sei dämlich, so dass die Verbindung der Story zu den letzten drei Filmen nicht ein- oder zweimal, sondern ganze drei Mal ausdrücklich erwähnt und mit Bildern unterstrichen werden muss. Beinahe, als wollte man dies auch dem letzten Zuschauer begreiflich machen.

Bereits im Vorfeld wurde der Titelsong kontrovers diskutiert und auch wenn er nicht zu den besten der Reihe gehört, er ist nirgendwo bei den schlechtesten anzusiedeln. Der Vorspann fasst zusammen mit dem Liedtext das bereits Geschehene auch gut zusammen, während Komponist Thomas Newman die besten seiner Stücke aus Skyfall ohne Änderung einfach neu einspielt, dafür aber lauter, so dass man die Musik mehr bemerkt, als man es sollte. Offensichtlicher sind hier leider auch die Trickeffekte, was unter anderem an den zwei einstürzenden Häusern sehr gut zu sehen ist. Ein Blick auf das untergehende Haus in Venedig in Casino Royale zeigt, wie beeindruckend das vor fast 10 Jahren gelungen war. Es war damals eben ein anderer James Bond.


Fazit:
Als Bösewicht macht Christoph Waltz seine Sache gut, ist aber kaum gefordert und der bedrohlichen Aura des ersten Auftritts wird die Figur später nie gerecht. Daniel Craig fühlt sich in der Rolle des James Bond merklich wohl, auch wenn Spectre ihm viel von dem rauen Auftreten nimmt, mit dem er den Charakter geprägt hat. Der Film entwickelt ihn und die ganze Reihe zu der Art Bond-Film zurück, in dem die Bösewichte weiße Katzen besaßen, die Weltherrschaft anstrebten und den Helden, während sie ihren großen Plan erklärten, mit aufwändigen Vorrichtungen töten wollten, aus denen er sich ohnehin befreien kann, anstatt ihn einfach zu erschießen.
Das klingt, als wäre Spectre ein schlechter Film, doch dem ist nicht so. Der finanzielle Aufwand ist durchaus sichtbar und auch die Darsteller sind über jeden Zweifel erhaben. Es ist nur, dass man sich zum Abschluss der Story um Daniel Craigs James Bond einen Film gewünscht hätte, der den besten mit ihm ebenbürtig ist. Das ist er leider nicht. Statt den Vorgänger übertreffen zu wollen, hätte es den Filmemacher genügen sollen, einfach einen packenden Film zu erzählen, der der neu erfundenen Figur treu bleibt. So ist er viel zu lang und ein großer Schritt weg von einem modernen Agententhriller.    


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