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Solo: A Star Wars Story [2018]

Wertung: 4 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 18. Mai 2018
Genre: Science Fiction / Action

Originaltitel: Solo: A Star Wars Story
Laufzeit: 135 min.
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2018
FSK-Freigabe: ab 12 Jahren

Regie: Ron Howard
Musik: John Powell
Darsteller: Alden Ehrenreich, Joonas Suotamo, Woody Harrelson, Emilia Clarke, Donald Glover, Thandie Newton, Phoebe Waller-Bridge, Paul Bettany, Jon Favreau, Linda Hunt, Ian Kenny, John Tui


Kurzinhalt:

Während das Imperium seine Herrschaft über die Galaxis ausdehnt, haben verschiedene Syndikate ganze Sternensysteme in einem eisernen Griff und beuten die Bewohner ihrer Welten aus. Nach der missglückten Flucht mit Qi‘ra (Emilia Clarke) vom Planeten Corellia schwört der junge Han (Alden Ehrenreich), dass er zurückkehren wird, um sie zu befreien. Es vergehen Jahre, ehe Han Solo an den dubiosen Tobias Beckett (Woody Harrelson) gerät, der für einen waghalsigen Diebstahl Verstärkung benötigt. Zusammen mit dem Wookiee Chewbacca (Joonas Suotamo) schließt sich Han der Bezahlung wegen Beckett an, nicht ahnend, dass dieser bei Dryden Vos (Paul Bettany), dem hochrangigen Mitglied eines gefährlichen Syndikats, in der Kreide steht. Um die Schulden bei Vos abzubezahlen, für den Qi‘ra inzwischen arbeitet, ersinnen sie einen noch gefährlicheren Plan. Das schnelle Raumschiff, das sie dafür benötigen, soll der Glücksspieler Lando Calrissian (Donald Glover) liefern. Aber er ist wie alle in der Galaxis auf seinen eigenen Vorteil aus, so dass Han nicht weiß, wem er trauen kann – und auf wessen Seite Qi‘ra inzwischen steht …


Kritik:
Solo: A Star Wars Story besitzt zwei große Schwachstellen, von denen sich eine für die mögliche – und hier bereits angedeutete – Fortsetzung leicht beheben lässt. Die andere stellt eine weitaus größere Herausforderung dar. Da ist zum einen der aufgesetzte Humor, der nicht aus der abgebrühten Süffisanz der Titelfigur rührt und den sich diese merklich als Schutzpanzer zugelegt hat. Die gestellten und überwiegend wenig originellen Sprüche führen dazu, dass sich die Geschichte hier nie packend entwickelt. Das gelingt ihr allenfalls in den ernsten Momenten. Auf der anderen Seite ist Hauptdarsteller Alden Ehrenreich, der leider die nötige Ausstrahlung für die Figur, die Harrison Ford so bekannt gemacht hat, schmerzlich vermissen lässt.

Lange wurde von der problematischen Produktion des Anthologie-Films berichtet, dessen ursprüngliche Regisseure Phil Lord und Christopher Miller das Projekt nach „kreativen Differenzen“ mit Lucasfilm-Produzentin Kathleen Kennedy verlassen hatten. Wohlgemerkt, nachdem die Dreharbeiten bereits begonnen hatten. Regie-Veteran Ron Howard wurde an Bord geholt, um den Film gewissermaßen zu retten. Womöglich ist das der Grund, weswegen Solo: A Star Wars Story eine so uneinheitliche Stimmung aufweist. Manche Abschnitte scheinen regelrecht düster, angesiedelt in einem Star Wars-Universum vor der Rebellion, in das Imperium und nicht minder brutale Syndikate die Schwächsten ausbeuten. Andere Sequenzen dagegen sind merklich auf lustig getrimmt, insbesondere diejenigen mit Lando Calrissian.

Dabei versprüht der Film durchaus das bekannte Flair der Science Fiction-Fantasy-Saga. Bereits zu Beginn, der sich vom ersten Anthologie-Film Rogue One: A Star Wars Story [2016] insofern unterscheidet, dass es hier die aus den Star Wars-Episoden bekannten, einleitenden Texttafeln gibt. Doch gleiten diese nicht in den Sternenhimmel, sondern werden einzeln dargestellt. Hinzu kommen zahlreiche Verweise auf die bisherigen Teile in Form von Ausstattungsgegenständen (auch der aus Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi [2017] bekannte Würfel-Anhänger ist zu sehen), Kostümen, erwähnten Planeten und vielem mehr.
Für Fans beinhaltet Solo im Grunde viele interessante Aspekte, zeigt die Ursprungsgeschichte der ikonischen Figur doch, dass sie einen ungewöhnlicheren Werdegang vorzuweisen hat, als man vermuten würde. Auch das erste Aufeinandertreffen mit seinem treuen Gefährten Chewbacca ist überaus gelungen.

Nach einem Prolog auf dem Planeten Corellia springt die Geschichte drei Jahre nach vorn zur ersten großen Action-Sequenz, die bereits in der Filmvorschau angedeutet wird. Dabei handelt es sich um den Diebstahl eines für die Raumschiffantriebe im Star Wars-Universum benötigten, flüchtigen Materials von einem zugähnlichen Gefährt vor schneebedeckter Bergkulisse. Der Coup wird durchgeführt von Solos Mentor Tobias Beckett – Woody Harrelson in einer Rolle, die ihm auf den Leib geschrieben scheint. Tadellos in Szene gesetzt, macht es dennoch den Eindruck, als wäre dies ein zweiter Prolog. Das liegt daran, dass man zu diesem Zeitpunkt über die Figuren immer noch nicht viel erfahren hat (bei manchen nicht einmal ihren Namen oft genug gehört, dass man sich an sie erinnern würde). Darüber hinaus werden danach schon wieder zahlreiche neue Personen eingeführt, als wären die vorgestellten Charaktere bis auf die drei tragenden im ersten Drittel nur Nebenfiguren, die vom Skript regelmäßig ausgetauscht werden.

Vor allem lenkt das Drehbuch die eigentliche Handlung danach erneut in eine andere Richtung. Mit dem späteren Schmuggler Han Solo könnte Solo: A Star Wars Story viele Genres bedienen, aber Regisseur Ron Howard gelingt es nicht, sich für eines zu entscheiden. Geht es am Ende um den alten Kampf der Schwachen gegen die Unterdrücker? Ist Solo ein sogenannter „Heist“- bzw. „Caper“-Film, bei dem ein großer Diebstahl oder Einbruch im Raum steht? Die Geschichte geht in viele Richtungen ein paar Schritte, aber den Weg in keine wirklich zu Ende.
Dass die Figuren dabei wenige definierende Situationen bekommen, macht es nicht einfacher, mit ihnen mitzufiebern. Selbst über den Titel gebenden Han Solo erfährt man erstaunlich wenig. Ist es dann endlich so weit, dass es zu Charaktermomenten zwischen Qi’ra und ihm kommt, entwickeln die Akteure weder eine Chemie, noch ihre Story die Zugkraft, die notwendig wäre.

Dabei treffen insbesondere in der ersten Filmhälfte sowohl Alden Ehrenreich als Han Solo als auch Donald Glover als Lando Calrissian die aus dem Star Wars-Universum bekannten Figuren überaus gut. Erst in der zweiten Hälfte, die mehr auf Humor setzt, entgleiten ihnen die ikonischen Charaktere zusehends, was jedoch mehr dem Skript geschuldet ist. Bei der im Grunde ernsten Geschichte soll vor allem Landos Droide L3 für einen humorvollen Ausgleich und viele Lacher sorgen, doch es gibt wenige Witze, die tatsächlich zünden. Die letzte Szene mit dem Roboter ist beim besten Willen schlicht nicht gut und dabei für Lando im Grunde wichtig.
Dafür gelingt es dem Drehbuch, die von Fans lang erwartete Erklärung dafür zu liefern, wie das weit über die Grenzen der Saga hinaus bekannte Schiff, der Millennium Falke (oder auch Rasender Falke genannt) den „Kessel-Flug“ in nur zwölf Parsec zurückgelegt haben soll. Das klingt im ersten Moment, als hätte George Lucas seinerzeit nicht bedacht, dass Parsec eine Entfernungs- und keine Zeitangabe darstellt. Die Auflösung ist gelungen und eingebettet in das packende Highlight des Films: Die Flucht von einem Minenplaneten. Nur reicht kein Abschnitt davor oder danach nur ansatzweise hier heran. Die Sequenz lässt bestes Star Wars-Feeling aufkommen und entpuppt sich als wahre Achterbahnfahrt.

Dabei ist es nicht, dass der Rest oder auch das Finale von Solo: A Star Wars Story nicht „gut“ umgesetzt wären. Im Vergleich zu vielen anderen Science Fiction-Abenteuern sind sie das zweifellos. Nur ist es eben nicht mitreißend und das Publikum nie in dem Maße in die Figuren investiert, wie man es an sich sein sollte. So seltsam das klingt, die Hintergrundgeschichte um Hans Gefährten, den Wookiee Chewie und dessen Heimatwelt Kashyyyk, macht hier den Eindruck, als wäre es die interessantere Story, die aber leider nicht erzählt wird. Die vielversprechendsten Figuren bekleiden darüber hinaus nur Nebenrollen mit meist kurzen Auftritten. Und gerade, wenn es den Eindruck macht, als könnte das eigentliche Abenteuer endlich beginnen, muss man feststellen, dass dies die letzte Szene im Film ist.


Fazit:
Nach drei so unterschiedlichen Filmemachern, welche die neuen Film-Einträge im inzwischen bereits vier Jahrzehnte umspannenden Star Wars-Universum beisteuerten und die jeweils eine ureigene Verbindung zu dem Franchise besaßen, scheint Solo: A Star Wars Story beinahe, als würde dem Film eine Vision fehlen. Der Produktionsstandard ist ungebrochen hoch, die vielen Verknüpfungen zu den übrigen Episoden allesamt sichtbar und auch die ein oder andere Überraschung mit dabei. So werden bisherige Schilderungen, wie sich bestimmte Dinge zugetragen haben sollen, zwar nicht ausgehebelt, aber gelungen erweitert. Auch die Trickeffekte sind schlicht hervorragend und das Design wie auch die Inszenierung tadellos. Nur fehlt im Vergleich zu Rogue One in allen Belangen das gewisse Etwas, sowohl was die nahtlose Anbindung angeht, die vertrauten Figuren oder auch die Dringlichkeit der Story, die für Spannung sorgt. Dass die Charaktere und ihre Geschichte nicht mitreißen, ist dabei die größte Schwäche, so unterhaltsam das Drumherum auch ist und mitunter dank der Atmosphäre für verklärte Blicke bei Kennern sorgt. Solo: A Star Wars Story ist kein schrecklicher Film, sondern ein schrecklich belangloses Kapitel im Star Wars-Universum. Das ist nach dem Wiederaufleben der Saga auf der Leinwand dann doch eine Enttäuschung.
 


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