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Sinister [2012]

Wertung: 3.5 von 6 Punkten  |   Kritik von Jens Adrian  |   Hinzugefügt am 18. Januar 2014
Genre: Horror / Thriller

Originaltitel: Sinister
Laufzeit: 110 min.
Produktionsland: USA / Großbritannien
Produktionsjahr: 2012
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Scott Derrickson
Musik: Christopher Young
Darsteller: Ethan Hawke, Juliet Rylance, Fred Dalton Thompson, James Ransone, Michael Hall D'Addario, Clare Foley, Rob Riley, Victoria Leigh, Vincent D'Onofrio


Kurzinhalt:
Der Buchautor Ellison Oswalt (Ethan Hawke) zieht für sein neues Werk in ein Haus, in dem vor Jahren eine ganze Familie grausam ermordet wurde. Von einer Tochter fehlt indes bislang jede Spur. Während ihn der Sheriff (Fred Dalton Thompson) gleich nach der Ankunft dazu bewegen will, wieder auszuziehen, sieht sein Deputy (James Ransone) die Möglichkeit, Oswalt bei dessen Recherchen zu helfen und im Gegenzug eine namentliche Erwähnung im Buch zu erhalten. Ellisons Frau Tracy (Juliet Rylance) hingegen ist von dem Haus ebenso wenig begeistert, wie seine Kinder Ashley (Clare Foley) und Trevor (Michael Hall D'Addario) davon, dass sie erneut eine neue Schule besuchen müssen.
Die unheimliche Atmosphäre nutzt Ellison bei den Nachforschungen, was sich in dem Haus zugetragen hat. In einer Kiste, die er auf dem Dachboden gefunden hat, befindet sich ein alter Super 8-Filmprojektor mit entsprechenden Filmrollen. Darauf hat der Täter die Morde im Haus festgehalten – und diejenigen vorheriger Verbrechen. Je weiter Ellison forscht, umso unvorstellbarer wird, was er findet. Dann beginnt Ashley, Personen zu malen, die sie nie getroffen haben kann und Trevors Schlafwandeln nimmt gefährliche Ausmaße an ...


Kritik:
Mit Sinister reiht sich Regisseur Scott Derrickson in die aktuell immer länger werdende Liste kompetent gemachter Horrorfilme ein, die statt auf zelebrierte Gewalt zu setzen, den Grusel in den Vordergrund rücken. Darüber werden sich insbesondere diejenigen Zuschauer freuen, die von Erschreckmomenten gefesselt werden, und nicht von gut ausgeleuchtetem Kunstblut. Das bedeutet nicht, dass die Altersfreigabe nicht berechtigt wäre, ganz im Gegenteil. Die Grausamkeiten, die hier zumindest großteils nur angedeutet und nicht gezeigt werden, sind schlimm genug. Doch mangelt es dem Film an einer Figur, der man durch die Strapazen auch folgen möchte. Ganz zu schweigen davon, dass niemand versucht, sich gegen das übernatürliche Unheil zu wehren.

Horrorfilme sind seit jeher ein lukratives Geschäft. Sie sind in aller Regel vergleichsweise billig in der Herstellung und darum auch trotz geringer Ticketverkäufe so erfolgreich, dass sie zumindest eine Fortsetzung, wenn nicht gar eine Fortsetzungsreihe rechtfertigen. Sinister spielte international mehr als das 20fache seiner Kosten wieder ein – über eine solche Rendite würden sich selbst gigantische Produktionen wie Der Hobbit [2012-2014] durchaus freuen. Insofern wundert es nicht, dass auch zu Derricksons Film bereits eine Fortsetzung in Planung ist.
Die Geschichte verbindet und variiert dabei mehrere bekannte Muster solcher Produktionen, die – wie sollte es anders sein – damit beginnt, dass der Romanautor Ellison Oswalt mit seiner Familie ein neues Haus bezieht. Sein letzter großer Erfolg liegt schon zehn Jahre zurück und inzwischen werden die finanziellen Mittel knapp. Er hat sich dabei darauf spezialisiert, tatsächliche Verbrechen zu recherchieren und aufzuarbeiten. Mit seinem letzten Buch hatte er damit die Ermittlungsbehörden vor den Kopf gestoßen, sodass ihm der Sheriff nun einen Besuch abstattet, um ihn zum Abreisen zu bewegen.

Es scheint eine Notwendigkeit in solchen Filmen zu sein, dass im Grunde genommen vernünftige Menschen gut gemeinte Ratschläge nicht annehmen. Auch geschieht es immer wieder, dass die Figuren dann nicht die Flucht antreten, wenn sie es sollten und man sich als Zuseher fragt, was immer in ihren Köpfen vor sich gehen mag. Dass Ellison das Haus gewählt hat, weil in dessen Vorgarten zuletzt ein grausames Verbrechen stattgefunden hat, bei dem eine ganze Familie ermordet wurde, verschweigt er seiner besorgten Frau. Hierfür allein büßt er viele Sympathien beim Publikum ein. Als er jedoch auf dem Dachboden eine Kiste mit Super 8-Videos vorfindet, die eben jenes Verbrechen und auch vorherige nach demselben Muster dokumentieren und damit nicht zur Polizei geht, sondern diese Information lieber für sich behält, um an seinem nächsten Buch weiterzuschreiben, verliert er die Zuschauer vollständig. Diese Entscheidung trifft er allerdings bereits nach 15 Minuten. Mit wem also soll man die kommenden eineinhalb Stunden mitfiebern? Ellisons Ehefrau Tracy bekleidet eine ebenso untergeordnete Rolle, wie seine beiden Kinder. Dass sie nicht in der Lage ist, sich gegen ihren Mann durchzusetzen, macht es auch nicht einfacher, sich auf ihre Seite zu stellen.

Doch damit nicht genug, entscheidet sich Ellison nach der Hälfte der Erzählung trotz seltsamer Vorkommnisse und sich immer stärker verdichtenden Hinweisen, was sich im Haus zugetragen hat, nicht mit seiner Familie auszuziehen, oder zumindest Frau und Kinder in Sicherheit zu bringen, sondern sich dem Unbekannten mit seiner Familie als ungewollten Köder zu stellen. Spätestens ab diesem Moment interessiert das Schicksal der Charaktere in Sinister nur noch am Rande. Die Schockmomente gelingen Regisseur Derrickson dennoch, auch dank einer hervorragenden Tonabmischung, durch die der Eindruck erweckt wird, bestimmte Geräusche würden über einem entstehen. Die beunruhigende, beinahe schon verstörende Musik von Christopher Young, ergänzt durch Gänsehaut-Klänge von Accurst, trägt hier einen entscheidenden Teil dazu bei.
Nur wofür? Es gibt zweifellos ein Publikum, das seinen Nervenkitzel daraus zieht zuzusehen, wie Figuren auf der Leinwand gejagt, gequält und getötet werden. Aber wann genau ist die Natur von Horrorfilmen gekippt, dass es nicht mehr darum geht, sich gegen das Böse zu wehren und es zu besiegen, anstatt ihm zu erliegen? Wäre es nicht packender, einen Kampf gegen die dunklen Mächte zu sehen, der einen überzeugt, dass es auch gelingen kann, all das zu überstehen? Ein solcher Aspekt fehlt Sinister leider vollkommen.


Fazit:
Man sollte meinen, ein jeder Horrorfilm müsste spannend sein. Das ist unbestritten, nur stellt sich die Frage, woher er seine Spannung zieht. Daraus, dass man als Zuseher wissen möchte, ob die Figuren, die einem wichtig geworden sind, das Gezeigte überstehen? Oder daraus, dass der Aufbau zum nächsten Schreckmoment gelungen ist? Letzteres beherrscht Regisseur Scott Derrickson ausgesprochen gut. Selbst wenn die Perspektiven und die Musik den nächsten Schocker ankündigen, er funktioniert meist trotzdem. Nur schreibt er den Figuren Entscheidungen auf den Leib, durch die sie unsere Sympathie verspielen.
Handwerklich ist Sinister nichts vorzuwerfen. Die Bilder sind zwar dunkel, spielen aber ebenso mit dem gezeigten Grauen wie damit, was im Schatten verborgen bleibt. Ethan Hawke mimt den rücksichtslosen Autor überaus glaubwürdig und die Klangkulisse sorgt zunehmend für Unbehagen. Doch bei unvernünftigen oder unsympathischen Charakteren interessiert das Schicksal zu wenig, als dass man ihnen gönnen würde, dass sie dem Horror entfliehen. Dass ihnen nicht einmal die Möglichkeit gegeben wird, sich dagegen zu wehren, macht das Mitfiebern nicht einfacher.


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